
Test: Circle Labs AS100 | Vollverstärker
Schnörkellos!
von Martin Mertens
Im Test: Circle Labs AS100 - Vollverstärker
UVP zum Testzeitpunkt: 5000 Euro
Welcher Ausstattungs-Typ sind Sie? Der, der sagt: „Je mehr, desto besser – irgendwann kann man es brauchen“, oder der, der meint: „Ich will ein Gerät, das nur das kann, was ich brauche, das aber bitte umso besser“? Ich für meine Person gehöre ganz klar zur zweiten Fraktion. Der Vollverstärker Circle Labs AS100 (5.000 Euro, https://www.lenhifi.de/) passt genau in mein Beuteschema. Vier (unsymmetrische) Eingänge, Eingangswahlschalter, Lautstärkeregler, Ausgänge für ein Paar Lautsprecher, und das war‘s. Jetzt muss der Amp nur noch klanglich überzeugen.
Auf der Rückseite gibt es noch einen harten Netzschalter, mittig oben (!) auf der Front sitzt ein eleganter Taster, der den Verstärker aus dem Standby zum Leben erweckt oder ihn wieder in den Schlaf versetzt. Angesichts der Ausstattungsorgien, die man woanders in dieser Preisklasse und auch schon deutlich darunter bekommt, kann man das fast als Affront auffassen. Kein integrierter DAC, kein Phono-Pre, keine Raumeinmessung per DSP, kein Kopfhörerausgang, kein Subwoofer- oder Vorstufenausgang, kein HDMI-CEC für Heimkino-Anwendungen, kein TFT-Touchdisplay, kein … – ergänzen Sie hier gerne, was Ihnen noch so einfällt, wenn Sie Vollausstattung erwarten.

Designinspiration
Auch leistungsmäßig protzt der Circle Labs AS100 nicht. 65 Watt an 8 Ohm und 110 an 4 Ohm holen kaum einen High-Ender hinter dem Ofen hervor. Das Einzige, was an diesem Amp heraussticht, ist in meinen Augen das Design, das ich sehr ansprechend finde. Die Front aus Glas und die goldenen Akzente wirken ein bisschen, als hätte sich Circle Labs Inspiration aus Norwegen (Electrocompaniet) oder Hessen (ASR Audio) geholt. Da gibt es definitiv schlechtere Vorbilder. Die jeweiligen Ähnlichkeiten sind freilich so ausgeprägt, dass man Circle Labs auf jeden Fall zugestehen muss, eine eigene Designsprache gefunden zu haben. Wer die goldenen Akzente nicht mag, kann sie in Silber bestellen. Damit kann man den Circle-Labs-Verstärker bestimmt gut mit komplett silbernen Komponenten kombinieren. Ich warte dann noch auf eine Version mit schwarzen Akzenten …
Kein schnödes Poti, sondern ein präzises Widerstandsnetzwerk
Ansonsten fällt noch die digitale Lautstärkeanzeige mitten auf der Front auf. Die ist nötig, da der Circle Labs AS100 kein übliches Lautstärkepoti besitzt, bei dem man anhand der Position des Lautstärkeknopfes erkennen kann, welche Lautstärke eingestellt ist. Der Lautstärkeregler des AS100 verfügt über keinerlei Markierungen und lässt sich endlos, ohne Anschlag, in beide Richtungen drehen.

Wie Sie sicher ahnen, handelt es sich um einen Impulsgeber für eine elektronische Lautstärkeregelung. Der Impulsgeber schaltet ein relaisgesteuertes Widerstandsnetzwerk, das die Signalspannung entsprechend der gewünschten Lautstärke anpasst. Präziser und mit weniger Verschleiß als das beste Alps-Poti. Dreht man am Regler, hört man aus dem Inneren wie zur Bestätigung ein leises Klick-Konzert. Die Lautstärke wird dann auf der Front in Zahlenwerten zwischen 0 und 63 angezeigt. Ist der Verstärker ausgeschaltet, decken sich die Punkte des zweistelligen Punktmatrixdisplays mit den zentralen Punkten des Circle-Labs-Logos, das Display ist als solches nicht zu erkennen. Erst wenn man den Amp einschaltet, leuchten die „Anzeigepunkte“ auf. Sehr elegant.
Wer das Display nicht mag, kann es dimmen oder ganz abschalten. Das geht mithilfe der beiliegenden Fernbedienung. Ob eine Fernbedienung zum puristischen Konzept des Circle Labs AS100 passt, sei dahingestellt, ich empfinde sie als praktisch. Der angenehm kompakte und solide Geber selbst ist – natürlich – puristisch ausgelegt. Er erlaubt es, die Lautstärke zu regeln, das Gerät stummzuschalten (Mute) und das Display zu dimmen oder auszuschalten.

Circle Labs?
Wer ist Circle Labs überhaupt? Wer den deutschen Vertrieb, Len HiFi in Duisburg, ein wenig kennt, ahnt es vielleicht – Circle Labs sitzt in Polen, genauer in Krakau. Len HiFi hat einige Hersteller unserer östlichen Nachbarn im Vertrieb, und ich bin definitiv der Meinung, dass die meisten dieser Marken mehr Aufmerksamkeit verdienen. Allein die auffallend saubere und solide Verarbeitung des Circle Labs-Verstärkers zeigt, dass Polen nicht zu Unrecht den Ruf genießt, hervorragende Handwerker hervorzubringen. Und wenn man sieht, mit wie viel Engagement hier HiFi-Technik entwickelt und gebaut wird, kommt einem manch deutscher HiFi-Hersteller eher bürokratisch als leidenschaftlich vor.

Circle Labs und ihr Entwickler Krzysztof Wilczynski kommen ursprünglich aus dem Bereich der Labortechnik für Mikrobiologie. Keine schlechte Referenz, Burmester zum Beispiel hat einen ähnlichen Hintergrund. 2019 entstand aus der Kooperation mit einem polnischen High-End Hersteller die erste Mono-Endstufe. Inzwischen hat Circle Labs sein Produktportfolio um weitere Verstärker ausgebaut.
Innenschau
Der Blick ins Innere auf die vertrauenerweckend aufgeräumt wirkenden Platinen des Circle Labs AS100 ist nicht weniger beeindruckend als der auf die äußere Hülle. Der Aufbau des Gerätes mutet blitzsauber an. Der klar getrennte Doppel-Mono-Aufbau wurde hier sogar „echt“ mit zwei separaten Ringkerntrafos realisiert, das ist selbst bei sehr teuren Amps trotz Doppelmonodeklaration nicht immer der Fall. Die insgesamt 400 VA werden von 200.000 µF Siebkapazität flankiert.

Für die Leistungsverstärkung setzt Circle Labs auf zwei Paare bipolarer Transistoren pro Kanal, die auf massiven Kühlkörpern ruhen. Ja, einige Hersteller schwören auf die „euphonischeren“ MOS-FETs, aber nicht wenige Hersteller sagen hingegen bipolaren Transistoren bessere klangliche Eigenschaften nach. Die ganze Schaltung des polnischen Amps wirkt so akkurat aufgebaut, dass man sie vermutlich in einem Grundlagen-Lehrbuch für Verstärkertechnik abbilden könnte.
Hat hier jemand „Röhren“ gesagt?
Wer die größeren Modelle von Circle Labs, etwa den AS200, kennt, wird im AS100 vielleicht die Eingangsröhren vermissen, auf die die Polen in den größeren Modellen setzen. In unserem AS100, dem aktuell kleinsten Modell, kommt dagegen eine reine Transistorschaltung zum Einsatz. Anstelle von Röhren arbeiten hier ultraschnelle J-FET-Transistoren im Eingang, was sicher auch keine schlechte Wahl ist. Bis auf das inklusive dedizierter Trafos konsequent umgesetzte Doppelmono und die aufwändige Lautstärkeregelung gibt es über Einzelheiten der Technik des Circle Labs AS100 wenig Außergewöhnliches zu berichten. Genau wie die Ausstattung ist die eigentliche Verstärkerschaltung recht puristisch.
Circle Labs AS100: Hörtest & Vergleiche
In meinem Hörraum trifft der Circle Labs AS100 mit meinen Lautsprechern, den Divine Acoustic Bellatrix, quasi auf Landsleute. Das sollte schon mal passen. Heute Morgen lief im Radio „Moi… Lolita“ der französischen Sängerin Alizée (Album: Gourmandises), das Stück, mit dem der damals 15-Jährigen im Jahr 2000 ihr internationaler Durchbruch gelang. Könnte ich noch mal hören, und Qobuz hat den Song natürlich im Angebot. Ich bin gespannt, wie das Ganze über eine ernstzunehmende Anlage klingt. Hm, das hat wenig mit dem zu tun, was ich erwartet hätte. Kaum Höhen, kaum Bass, dynamisch langweilig, räumlich eindimensional und stimmlich mäßig. Taugt der polnische Schönling etwa nicht Mainstream-Pop? Ich beschließe, bei Mainstream-Musik zu bleiben.

Zweiter Versuch macht kluch …


Jetzt erinnere ich mich daran, dass ich mein tolles Roberts-Küchenradio irgendwann mal als Freisprecheinrichtung für mein Smartphone benutzt habe und die Stimme meines Gesprächspartners kaum wiedererkannt habe. Richtig, das schicke Teil soundet extrem. Das ist für ein Küchenradio, das oft schlechte Quellen in einer akustisch ungünstigen Umgebung irgendwie gut klingen lassen soll, in Ordnung. Und offenbar macht Roberts das gut, denn es hat Alizée so aufgehübscht, dass der Song deutlich besser klang als über eine neutrale Anlage. Der AS100 hingegen agiert sehr ehrlich – und reicht Musik so euphonisch durch, wie sie eben aufgenommen wurde.
Neutral statt feudal
Ich gehe meine Hörtest-Playlist durch und muss dem Circle Labs AS100 sehr schnell attestieren, dass er sogar einer der neutralsten Verstärker ist, die ich bisher gehört habe. Auch neutraler als mein geschätzter Audio Analogue ABsolute (24.100 Euro). Von dem würde ich nicht behaupten, dass er soundet, aber ein bisschen „Bella Figura“ macht er schon ganz gerne. Als Italiener schafft er es, allem irgendwie einen kleinen Kick zu verleihen. Lassen Sie jemanden mit beliebiger Herkunft und einen Italiener mit den gleichen Zutaten eine Pasta Carbonara kochen – Sie wissen, welche mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit besser schmeckt, weil sie … keine Ahnung. Wahrscheinlich muss man Italiener sein, um diese Geheimnisse zu kennen. Lange Rede, kurzer Sinn: Mein ABsolute schönt nicht, aber er „charmt“ hier und da ein bisschen, und das tut der Circle Labs AS100 nicht. Und das, wo die Polen doch als die Italiener des Ostens gelten. Genug über nationale Klischees philosophiert. Mal sehen, welche Überraschungen der AS100 noch so bietet.

Dass dem Circle Labs AS100 jede Tendenz zu beschönigen, zu geschmeidisieren oder sonst wie freundlich vermittelnd einzugreifen, fehlt, erweist sich als Fluch und Segen. Bei schlechten Aufnahmen geht es eher in Richtung Fluch. Hier wird nichts gesoftet oder besonders gefällig interpretiert. Kein Schuss Extrawärme, keine dezente Loudness, kein bisschen zusätzlichen Hochton-Glitzer, keine Prise von der Sorte Obertöne, die man als Klirrverzerrung ablehnen oder als kräftigere Klangfarben goutieren kann. Richtig gute Aufnahmen können ihr Potenzial über den AS100 dagegen voll ausspielen. Als sei er vom Amt für Eichwesen bestellt, spielt der Pole extrem breitbandig und neutral; Musik, die das volle Spektrum nutzt, gibt er ohne irgendwelche Eingriffe oder Limitierungen wieder.
Diszipliniert: der Bass


Als Kontrastprogramm wechsele ich zu elektronischer Musik neueren Datums. Nicht ganz nachbarschaftsfreundlich wandert Charlotte de Wittes EP Ceres auf die Playlist. Und auch hier beeindruckt mich der Circle Labs AS100. Er drückt die harten elektronischen Beats mit Verve in den Raum, klar strukturiert, kontrolliert und mit Schmackes. Das ist echt gut! Das treibt, drückt und pulsiert, sodass ich gleich zur Fernbedienung greife, um die Dosis zu erhöhen. Tut mir leid, liebe Nachbarn, das müsst ihr jetzt mal ertragen. Das macht einfach zu viel Spaß!
Um die Bassqualitäten des AS100 einzuordnen, muss ich verdammt weit oben ins Regal greifen. Ich habe den Eindruck, dass er meinen Bellatrix noch etwas mehr Disziplin aufnötigt als mein Audio Analogue ABsolute, und den wollte ich unter anderem deshalb unbedingt haben, weil er in meinen Ohren die beste Tieftonwiedergabe bietet, die ich bis dato hörte. Und ja, was Differenzierung und Farbigkeit im Bass betrifft, ist der ABsolute schon noch etwas besser und lässt die Saiten des akustischen Kontrabasses noch etwas differenzierter und irgendwie weiter und konkreter schwingen. Dem hält der Circle-Labs-Amp eine beeindruckend trockene Attacke tiefer Impulse entgegen, mit der er bei elektronischer Musik punktet. Das kommt vor allem harten Impulsen zugute und nötigt mir höchste Achtung ab. Wer meint, 65/100 Watt könnten zu wenig sein, dem kann ich im Falle der AS100 ein klares „Nein“ entgegensetzen. Die beiden Trafos stellen offenbar sicher, dass der Amp auch grobdynamisch jederzeit und völlig unvermittelt Energie freisetzen kann.

In der Preisklasse des Circle Labs AS100 habe ich in Sachen Bass noch nichts Vergleichbares gehört. Ein Cyrus 40 AMP (4.795 Euro) kommt hier selbst mit 40 PSU (+ 2.995 Euro) nicht mit. Um die Bass-Performance des AS100 deutlich zu toppen, würde ich tatsächlich zu Kalibern wie dem Moon 641 North Collection greifen, aber der kostet mal schnell das zweieinhalbfache (12.500 Euro zum Testzeitpunkt). Der legt im Bass noch mal Energie und Schwärze drauf und kommt gefühlt noch ein kleines bisschen Tiefer in den Basskeller hinunter, was zeigt, dass da noch mehr geht. Ich würde aber behaupten, dass der AS100 im Vergleich mit vielen Amps bis 10.000 Euro in puncto Bass die Nase vorn hat – er spielt im Bass schlicht beeindruckend tief, kontrolliert und substanziell. Vorausgesetzt, Sie sind kein Anhänger von mächtigen, weichen Basswolken, sondern stehen auf einen neutralen, tiefreichenden Bassbereich, werden Sie in dieser Preisklasse wohl kaum etwas finden, was in dieser Sache besser ist.
Emotion durch Unverstelltheit: die Mittenwiedergabe
Die High End Society hat die kanadische Sängerin Dominique Fils-Aimé als Botschafterin der High End 2026 gewonnen – die in diesem Jahr zum ersten Mal in Wien stattfand: siehe unser Messebericht über die High End Vienna 2026. Prima, die Dame gehört seit Längerem zu meinen favorisierten Sängerinnen. Mal sehen, wie der Circle Labs AS100 mit dieser intensiven, ausdrucksstarken Stimme umgeht. Ihr neuestes Album, My World Is The Sun, ist sehr ruhig, eher introvertiert, teilweise fast schon meditativ. In „Rhythm of Nature“ scheint sie sich förmlich an den Rhythm of Nature heranzutasten, der Text, obwohl inhaltlich als Aussage formuliert, klingt hier und da eher wie eine Frage. Das ist beeindruckend, und der AS100 schafft es, die Nuancen dieses komplexen Ausdrucks klar zu transportieren. Gänsehaut kann der AS100 souverän erzeugen.

Bevor ich in Trance versinke, wechsele ich zu etwas Lebhafterem. Unita Knaus’ Album The Moon on My Doorstep gehört zu meinen All-Time-Favorites. Eine Eigenart ihrer Musik ist, dass dem Gesang ein sehr klarer Takt innezuwohnen scheint. Der AS100 verrät mir, dass das nicht von ungefähr kommt. Ja, stimmlich akzentuiert Knaus ihren Gesang auf die Takte, aber in vielen Fällen wird das Ganze subtil durch Perkussion unterstützt, die sich selten in den Vordergrund drängt. „Slice of Everyday“ ist ein schönes Beispiel dafür. Selten ermöglicht es mir eine Komponente, so tief in die Mikrodynamik zwischen Stimme und Perkussion hineinzuhören. Der Circle Labs präsentiert mir das dank einer Mischung aus sehr hoher Auflösung, perfektem Timing und subtilen feindynamischen Abstufungen auf eine Art und Weise, wie ich das selten höre. Das ist weit über dem, was viele Mitbewerber in dieser Preisklasse bieten.
Der Cyrus 40 AMP zum Beispiel war in den Mitten auch extrem gut – solange er sein Musiksignal nicht vom eigenen, eingebauten DAC bekommen hat, der im Bass durchaus Verbesserungspotential hat. Im Preisvergleich muss man berücksichtigen, dass der Cyrus 40 AMP mehr Ausstattung, etwa einen eingebauten DAC, bietet und samt PSU knapp 8.000 Euro kostet. Reduziert man den Cyrus auf seine Verstärkerschaltung, besteht hier eine gewisse Ähnlichkeit zum Circle Labs, denn der Cyrus setzt ebenfalls auf eine recht geradlinige AB-Schaltung. Und auch der Cyrus erwies sich als extrem gut darin, sehr neutral und exakt zu agieren. Im Vergleich hat der Circle Labs hier aber die Nase etwas weiter vorn, da er noch eine Nuance besser auflöst, aus gutem Quellmaterial noch mehr herausholt als der in dieser Beziehung wirklich schon exzellente Engländer.
Kein Zauber, keine Schärfen: der Hochton

Im Hochton macht sich ebenfalls bemerkbar, dass der Circle Labs AS100 sehr neutral agiert und ein hervorragendes Auflösungsvermögen bietet, er agiert hier ebenso präzise. Ich hatte die Möglichkeit, ihn unter anderem mit einem Lab12 integre4 MK2 (7.250 Euro) zu vergleichen, den ich aufgrund seiner sehr „griffigen“, involvierenden und klangfarbenstarken Wiedergabe mag. Und ich empfinde es als faszinierend, dass der AS100 mit seiner Geradlinigkeit kein bisschen weniger faszinierend klingt, nur eben anders. Die Klangfarben sind nicht ganz so bunt, aber klar differenziert, der Hochton ist im Vergleich zum integre4 MK2 etwas präsenter – der Lab12 scheint anstelle von Pegel mehr auf Obertöne zu setzen –, aber da die Auflösung des AS100 so gut ist, wirkt das kein bisschen anstrengender. Röhrenverstärker sind dafür bekannt, Klangfarbenkönige zu sein, und selbst ein vergleichsweise neutraler Röhrenverstärker wie der Lab12 funkelt im Hochton eine Nuance mehr als ein üblicher Transistor und ganz bestimmt mehr als der blitzsauber spielende Circle-Labs-Vollverstärker.
Wenn die Aufnahme keine Nachhilfe nötig hat, überzeugt der klare und präzise Circle Labs AS100 mindestens genauso wie der griechische Röhrenverstärker. Der AS100 agiert in den Höhen so sauber, dass es keine Schärfen gibt, wo keine Schärfen auf den Aufnahmen sind. Kurt Viles Stück „Zoom 97“ von seinem Album Philadelphia’s Been Good to Me erinnert mich ein bisschen an „Romeo had Juliette“ von Lou Reed auf seinem Album New York. Nur dass die Stimme von Viles deutlich höher angelegt ist und auch die Gitarren deutlich greller und stählerner klingen. Das könnte nervig klingen, tut es aber über den geradlinigen Polen nicht, denn der verschmiert oder verzischelt nichts, liefert vielmehr klare Information.
Die Gitarren machen mir abermals deutlich, was für beeindruckende feindynamische Fähigkeiten der Circle Labs AS100 aufweist. Gerade schnelle, hart angerissene Saiten dienen hier als gute Referenz, und der Circle Labs hat keine Mühe, selbst der irrsten Fingerakrobatik präzise und leichtfüßig zu folgen. Beim Timing, hier im Zusammenspiel der Gitarren mit dem Schlagzeug wichtig, spielt ebenfalls alles auf den Punkt.
Leserbrief

