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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Klang & Kubik
  2. 2 Scansonic M15.2: Hörtest und Vergleiche

Platz für guten Sound ist in der kleinsten Hütte. So steht es oft geschrieben – und ebenso oft stimmt das sogar. Das Marktsegment nicht allzu sperriger Komponenten ist groß, viele Hersteller geben sich Mühe, nicht allzu viel Wohnzimmerfläche zu beanspruchen. Verstärker mit brutaler Leistung gibt es inzwischen im Miniaturformat. Doch bei kleinen Lautsprechern gibt es eine instinktive, sagen wir einmal: „Bassangst“ – und eine gewisse Sorge um die Opulenz der Klang-Projektion. Widmen wir uns also der uralten Menschheitsfrage: Kann klein auch groß?

Die neue M-Serie

Angesichts der Kompaktlautsprecher der neuen M-Serie von Scansonic HD (https://scansonic.dk/de/) könnte dies durchaus zutreffen. Die M15.2 (Preis: 1.500 Euro) sind die kompakten Vertreter dieser Serie, die ansonsten aus zwei Standlautsprechern, einem Center für das Heimkino und einem Lautsprecher zur Wandmontage auf Putz besteht.

Die M15.2 von Scansonic

Die M15.2 ist das Kompaktmodell von Scansonics neuer M-Lautsprecherserie. Sie verfügt über eine ungewöhnliche Gehäuseform, einen magnetostatischen Hochtöner und eine rückseitig verbaute Passivmembran

Scansonics M-Linie ist preislich übrigens deutlich niedriger positioniert als die M-Linie von BMW, Scansonic ist quasi die konsumentennahe Abstufung des dänischen Edel-HiFi-Herstellers Raidho, dessen Produkte finanziell durchaus in der Kategorie von leistungsstarken Neuwagen liegen können. Unternehmensseitig spricht man von „Trickle-down-Effekten“: Erkenntnisse und Entwicklungen aus dem kostenintensiven Segment werden bei Scansonic HD zweitverwertet. Von beiden Marken haben wir schon einige Lautsprecher im Test gehabt.

Nicht von der Stange

Dass in den Scansonic M15.2 einiges an Überlegung steckt, sieht man sofort: Es handelt sich nicht einfach nur um eckige Kisten. An der Front sind sie sanft abgeschrägt und die Neigung der Oberseite, die sich nach hinten hin verjüngt, verunmöglicht das Abstellen eines Blumentopfes. Es handelt sich also nicht einfach nur um eine optische Ausdeutung des berühmten skandinavischen Designs, sondern in erster Linie um ein Gehäuse, das im Dienste guter Klangeigenschaften stehen soll. Und natürlich fällt auch die nicht alltägliche Bestückung ins Auge: Für den Hochtonbereich gibt es einen Flächenstrahler und rückseitig ist eine Passivmembran für den Bass verbaut. Es gibt also gute Gründe, die Stoffblenden hinten und vorne abzunehmen: Die Treiber und der ovale Bassradiator sind recht schick, finde ich.

Die Passivmembran der Scansonic M15.2, Vorderseite

Diese ovale Passivmembran unterstützt den Bassbereich der Scansonic M15.2

Bei den Scansonic M15.2 handelt es sich um Zwei-Wege-Lautsprecher. Statt einem Bassreflexrohr sind sie, wie gesagt, mit einem passiven Bassstrahler bestückt, was prinzipbedingt Vorteile haben kann: Bassreflexrohre leiten zur Unterstützung der Basswiedergabe Luft nach draußen und das kann sich manchmal durch „Puste-Geräusche“ bemerkbar machen. Eine Membran wird hingegen durch die Luft im Gehäuse zur Schwingung angeregt. Da keine Luftöffnung besteht, gibt es auch keinen „Port Noise“. Zudem kann eine Passivmembran Platz sparen, denn wer besonders tiefen Bass möchte, braucht beim Bassreflexsystem ein möglichst langes Rohr. Allerdings sind Passivmembranlösungen natürlich erst einmal teurer.

Die Passivmembran der Scansonic M15.2, Rückseite

Blick auf die Rückseite der Passivmembran der Scansonic M15.2

Bestückung

Im Unterschied zur mit einer Beschichtung verstärkten Papiermembran des 6×9 Zoll messenden Passivstrahlers besteht der Tiefmitteltöner (6,5 Zoll) aus einem Verbund unterschiedlicher Materialien, die sandwichartig verbaut sind: In der Mitte liegt eine Honeycomb-Struktur aus Textilgewebe, die in zwei Schichten Glasfaser eingebettet ist – eine Eigenentwicklung. Dieser Aufbau soll unerwünschte Resonanzen mindern und eine schnelle Impulsansprache sowie eine hohe Dämpfung begünstigen.

Der Tiefmitteltöner der Scansonic M15.2

Der Tiefmitteltöner der Scansonic M15.2 misst 6,5 Zoll und besitzt eine Sandwich-Membran

Besonders sticht natürlich der für die Preisklasse seltene „Bändchenhochtöner“ (71,5 × 44,5 mm) hervor, der von einem ovalen Waveguide umgeben ist. Hier wird eine gewisse Verwandtschaft zur Edelmarke Raidho erkennbar, denn wie bei ihr handelt es sich nicht um ein echtes Bändchen inklusive Übertrager, sondern um einen planarmagnetischen Tweeter: Auf der Membranfläche – gefertigt aus Kapton, einem dünnen, leichten Kunststoff – schlängelt sich eine Leiterbahn. Fürs Magnetfeld ist ein Neodym-Magnet zuständig, der besonders stark sein soll.

Der magnetostatische Hochtöner der M15.2 von Scansonic

Der magnetostatische Hochtöner der M15.2 von Scansonic sitzt in einem ovalen Waveguide

Frequenzweiche

Die Frequenzweiche teilt das Signal auf, die Übergangsfrequenz liegt bei 3,2 kHz und getrennt wird mit 12 dB pro Oktave. Anstelle von Elektrolyt- wurden MKP-Folienkondensatoren verbaut. Die eignen sich besser für den Hochtonzweig, sind langlebiger und verzerrungsärmer, so die Dänen: „Wir haben ausschließlich Poly Caps verwendet“, sagt Morten Kim Nielsen, der Marketing und Vertrieb bei Raidho und Scansonic verantwortet. „Das kostet Geld, steigert aber auch den Gegenwert.“

Die Frequenzweiche der Scansonic M15.2

Die Frequenzweiche der Scansonic M15.2 trennt die Wege bei 3,2 kHz mit 12 dB pro Oktave

Verarbeitung

Was die Verarbeitung betrifft, gibt es nichts zu mäkeln. Alles wirkt sauber und hochwertig – sowohl die schwarze Ausführung als auch die ebenfalls angelieferte „seidenweiße“ Variante (die man allerdings mögen muss). Das MDF-Gehäuse ist nicht bloß foliert, sondern mit Mattlack überzogen. Ja, man kann die Verschraubungen der Treiber erkennen – und nimmt man die hintere Blende ab, so werden die Löcher, in die sie eingehängt wird, sichtbar. Die an der Vorderseite wird aber magnetisch gehalten. Das Anschlussterminal ist vergoldet und vermittelt gute Qualität. Wer Bi-Wiring betreiben möchte, wird ein zweites Anschlusspaar vermissen, aber man darf erwarten, dass diejenigen, die 1.500 Euro für ein Paar Lautsprecher ausgeben, auch nicht zwingend Bi-Amping oder eine doppelte Verkabelung im Sinn haben.

Die Scansonic M15.2 in Weiß

Die Scansonic M15.2 ist in Schwarz und – wie hier im Bild – Weiß zu haben

Ansprüche

Ganz anspruchslos hinsichtlich der Verstärkerleistung sind die Scansonic M15.2 nicht: Ihr Wirkungsgrad liegt bei 87 dB/W/m, die Impedanz beträgt nominell 8 Ohm (Minimum 4 Ohm). Das stellt zwar keine exorbitanten Anforderungen an die Stromlieferfähigkeit eines Verstärkers, gleichwohl empfiehlt der Hersteller „hochqualitative 50- bis 150-Watt-Verstärker“.

Scansonic M15.2: Hörtest und Vergleiche

Im Test gaben sich die Scansonic M15.2 allerdings verträglich. Mit dem Creek Evo verstanden sie sich blendend, auch ein Brio MK7 von Rega – mit 50 Watt pro Kanal am unteren Ende der herstellerseitig geforderten Leistung angesiedelt – erwies sich als brauchbares Gegenüber, der die kompakten Schallwandler durchaus ins Höherpegelige zu jagen vermochte.

Antreten mussten sie gegen die Neat Momentum 4i, eine Standbox mit geringer Grundfläche, die ebenfalls einen gewissen Aufwand hinsichtlich der Basswiedergabe betreibt – zusätzlich zum Bassreflex kommen hier noch zwei isobarisch gekoppelte Woofer zwecks „Downfiring“ zum Einsatz. Natürlich sind bei diesem Vergleich Klassenunterschiede zu beachten: Die Neat Momentum lag ihrerzeit preislich mit über 4.000 Euro deutlich oberhalb dessen, was für die Scansonic M15.2 zu entrichten ist.

Die Scansonic M15.2 in Weiß, mit und ohne Abdeckung

Die Scansonic M15.2 in Weiß, mit und ohne Abdeckung

Preislich näher dran sind die Mini-A von Bryston (circa 2.200 Euro). Sie sind etwas kleiner als die Scansonic M15.2, die mit 24 x 39 x 34 Zentimeter bei 8,3 Kilogramm Gewicht recht viel Tiefe einnehmen. Die Bryston bilden quasi den Gegenpol zur Neat – sie geben sich unaufgeregter und kräftiger in den Mitten, was zu einem vollständigen und klar gezeichneten Klangbild führt. Wie mögen sich die Scansonic M15.2 in diesem Umfeld schlagen?

Die „Bassangst“

Der erste Auftritt in der Disziplin „Basswiedergabe“ gehört bei Kompakten traditionell dem Wort „aber“. Dies soll auch hier nicht anders sein.

Hans Zimmer The Dark KnightBis in den ultraschwarzen Tiefbassbereich dringen die Scansonic M15.2 nicht vor. Sie setzen bei circa 50 Hertz ein und kümmern sich nicht um darunterliege „Rumpelfrequenzen“. Dies lässt sich leicht mit Hans Zimmers „Why so serious“, dem Opener des Soundtracks zu The Dark Knight, überprüfen, denn nach ungefähr dreieinhalb Minuten setzt ein Subbass ein, der die Grenzen des menschlichen Hörvermögens erreicht und bis 20 Hertz herunterreicht: Das kann man eher fühlen als hören. Außer einem leichten Grollen ist mit den Scansonics hier wenig vernehmbar. ABER: Das ist nun mal auch ein klanglicher Spezialfall, der im musikalischen Alltag kaum Bedeutung hat. Besagte Neat Momentum, die tiefer hinabsteigt, liefert hier zwar schon mehr – aber ob man das wirklich braucht, ist stark abhängig von den musikalischen Präferenzen.

Die Scansonic M15.2, von der Seite betrachtet

Blumenvasen draufstellen geht schon mal nicht: Scansonic M15.2, von der Seite betrachtet

Lebensweltlicher ist da schon „Chameleon“ von Trentemoller. Da geht es um den mittleren Bass – und da sieht es gleich ganz anders aus: Die Bass-Drum kommt mit einem klaren Impuls, wirkt also nicht zu weich, sondern vermittelt einen deutlich spürbaren Stoß. Sie ist klar abgegrenzt gegenüber dem im Klangbild konkurrierenden Synthie-Bass, die Übergänge zwischen den einzelnen Noten des Wechselbasses sind klar definiert, die Melodie ist durchhörbar. Wer da wirklich noch mehr Pegel will, kann es mit einer wandnahen Aufstellung der Scansonic versuchen, sollte aber im Dienste einer (räumlich und tonal) klaren Abbildung besser keinen Platz direkt an der Wand wählen. Ein bisschen Abstand nach hinten – vielleicht nicht wesentlich unter 70 Zentimeter – verschafft der rückwärtigen Passivmembran Luft zum Atmen. Bei solch einer Aufstellung wirken die Scansonic ausgewogen, und das gilt erst recht, wenn sie, wie im Testszenario, frei im Raum aufgestellt werden. Bei mir liefern sie nie zu viel des Guten, tragen nicht zu dick auf, lassen aber auch kein Volumen vermissen – was schon erstaunlich ist, schließlich spielen sie hier in einem 30-qm-Altbauzimmer auf. Und, wichtig: Die Scansonic bleiben auch bei hohen Pegel präzise und richtig, richtig schnell.

Mittendrin statt nur dabei

Gut, elektronische Musik beherrschen die Scansonic schon mal. Wie sieht es an der Gitarrenfront aus? Auch wenn dort nicht alle Recordings direkt audiophil ausgeführt sind, gibt es ja doch Momente, in denen man dringend beispielsweise Turbonegro hören möchte. So gibt es auf „Get it on“ eine Gibson über einen „bis elf“ reichenden Marshall zu hören, ganz sicher auf mehreren Spuren. Die Scansonic M15.2 zeigen das Gitarrenbrett in seinen Maserungen und leuchten die Glissandi ziemlich weit aus. Dabei betonen sie die Soli zugunsten der Rhythm Guitar – was zu einem interessanten Eindruck führt: Die Band wirkt reduzierter als mit anderen Lautsprechern, die nicht die durchaus anspruchsvollen Soli, sondern eher die übersimplen Riffs herausheben. Auch von den Drums nimmt man eher die Overheads wahr als die Close Mics und den Raum, die Becken sind klar und strahlend, die Snare fällt etwas ab.

Die Scansonic M15.2 in Schwarz, mit und ohne Bespannung

Die Scansonic sind also nicht im mulmig-warmen Bereich der unteren Mitten zu Hause (die Snare könnte mehr Punch haben), sie besitzen vielmehr einen klaren, frischen Charakter. Im Vergleich wird die Gangart der Scansonic M15.2 deutlich: Die Bryston Mini-A, die erfahrungsgemäß Gitarrenmusik mögen, verhalten sich nämlich anders. Mit ihnen ist alles näher beieinander, die Soli sind stärker in das Rhythmusspiel eingebettet, die Drums wirken kompakter und erscheinen eher als ein zusammenhängendes Instrument und werden weniger stark in Becken und Trommeln zerlegt. Die Scansonic M15.2 wirken in den Mitten etwas heller, die Bryston leicht wärmer. Geschmackssache.

Ihr Handwerkszeug in den Mitten beherrschen die dänischen Lautsprecher freilich: Das lässt sich beispielsweise mit „Good Vibrations“ von den Beach Boys (bzw. den angemieteten Studiomusikern der „Wrecking Crew“) überprüfen, denn da ist der Mittenbereich gerammelt voll. Doch kein Problem für die M15.2: Sie entwirrt den schichtweise aufgetragenen Satzgesang, die Staffelung wirkt realistisch. Das ist keine ganz einfache Übung, denn da sind ja noch Orgel, Cello und das berühmte Elektrotheremin. Die Scansonic-Lautsprecher zeigen die feinen Strukturen der mächtigen Wall of Sound und lassen sich auch von den raschen Wechseln nicht aus der Ruhe bringen.

Die Rückseite der Scansonic M15.2 mit Passivmembran und abgenommener Bespannung

High Jazz

Miles Davis Kind of Blue„So What“ vom „Kind of Blue”-Album von Miles Davis hebt an: Wir hören einen leichten Puls vom Schlagzeug, gegen den die dann einsetzende Hi-Hat fast schon heftig wirkt. Und dann der erste Beckenschlag: ein Sound wie aus dem Bilderbuch. Wie lange das Becken ausklingt! Gut ist zu erleben, wie der „Wash“ über den nachfolgenden erneuten Stockanschlag anhält und wie allmählich erst das Becken nach dem harten Hieb in eine mittlere Schwingung zurückfindet. Die Qualität des verbauten Magnetostaten lässt sich auch daran ermessen, dass er den jahrelangen Aufwand, den Jazzschlagzeuger betreiben, schlichte Viertelnoten auf dem Ride-Becken nuanciert darzustellen, sehr gut rüberbringt. Im Hochton werden die Scansonic M15.2 diesem Übungsaufwand (in diesem Fall von Jimmy Cobb) jedenfalls gerecht: Keine Note gleicht der anderen, vielmehr fügt jeder Schlag eine neue Nuance hinzu. Man meint fast, lediglich vom Höreindruck Auskunft über die Handhaltung geben zu können. Zumindest aber erahnt man den Raum, dessen Hall auch in den oberen Anteilen das Cymbal gut einbindet.

Die Scansonic M15.2 aus Vogelperspektive

Kantiger Geselle: Scansonic M15.2 aus der Vogelperspektive

Der Hochtonpegel der Scansonic M15.2 ist neutral bis leicht angehoben: So gelingt es den Lautsprechern, Brillanz zu vermitteln, ohne zu überstrahlen. Die oberen Frequenzen präsentieren sich detailreich und airy, doch niemals kommt etwas scharf oder ermüdend auf der „Langstrecke“ rüber – gerne also laut! Oder auch leise: Selbst in den zurückgenommenen Passagen wirkt alles klar definiert und strahlend-luftig, sogar perkussive Nuancen bleiben erhalten. Die Scansonic musizieren farbig, zeigen Obertöne und feine Details wie Atemgeräusche oder Blattreibungen der Saxofone. So ähnlich hatte man es eigentlich auch erwartet – aber es zu erleben, ist dann doch wirklich toll.

Mit der Neat, die mit ihrem invertierten Kalottenhochtöner in der Höhenwiedergabe durchaus eine Stärke besitzt, kann die Scansonic M15.2 mithalten was das „Air“ angeht. Allerdings zeichnen die Neat etwas weicher und, nun ja: „beiläufiger“, was ihnen einen anderen Charakter verleiht.

Auflösung: schwindelerregend

Großes Rätselraten besteht ja derzeit über die Integrität einer Musikproduktion unter der Bezeichnung „The Velvet Sundown“. Innerhalb weniger Wochen erschienen mehrere Alben mit generischer Siebzigerjahremusik, dem Vernehmen nach komplett mit KI hergestellt. Ob Kunst oder Verarsche wird rege diskutiert, die Streaming-Zahlen sind aber exzellent. Wie fein lösen die Scansonic auf? Können sie den Hoax offenlegen?

Floating on Echoes (by The Velvet Sundown)Das Album Floating on Echoes (The Velvet Sundown) klingt erst einmal zu schön, um wahr zu sein: ein perfektes Abziehbild der Musik vergangener Tage, aber mit modern platschiger Snare und ordentlich Stoner-Rock-Wumms untenrum. Doch die Scansonic M15.2 machen dem Spuk schnell ein Ende: Was soll das für eine hammondartige Orgel auf „Rebel Shout“ sein, die je nach Tonhöhe ihr Obertonspektrum vollständig abwandelt? Und das Gitarrensolo? Nein, ein Bending auf einer Gitarrensaite hat einen anderen Verlauf. Nicht immer ist die Aufgabe einfach, nehmen wir „Ash and Velvet“ vom zweiten „Album“: Da hat die themenführende E-Gitarre doch tatsächlich ein fast unmerkliches Rauschen. Die Vocals in der Strophe klingen nicht aus, sondern sind am Zeilenende abgeschnitten, der Bass produziert uneinheitliche, nur auf der Eins auftretende – tja – „Spielgeräusche“. Die exzellent auflösenden M15.2 leuchten den Schwindel tatsächlich taghell aus. Wer ernsthaft geglaubt hat, das könnte eine echte Band sein, sollte wirklich darüber nachdenken, sich ein Paar Scansonic zuzulegen.

Dynamik-Knockout

Füttern wir die Lautsprecher also lieber wieder mit satisfaktionsfähigem Zuspielmaterial. Gut möglich, dass als Trainingsmaterial für den KI-Spaß das Album Sound & Color der Alabama Shakes hat herhalten müssen – ähnlicher „Taste“, aber nur eben in echt und vor allem gut.

Die Scansonic M15.2 aus Vogelperspektive, rechts angewinkelt

Feindynamisch lässt sich mit den M15.2 einiges erleben. Nehmen wir zum Beispiel den unmittelbaren Beginn des Titelstücks: Wir hören ein Vibraphon, und zwar in all seinen Facetten. Da ist der Aufschlag der Schlegel, dessen Wiedergabe nicht einfach ist, weil das Instrument unmittelbar mit großer Macht und Klangfülle einschwingt; da sind die eindrucksvoll in den Raum gestellten Dissonanzen, deren Reibungen die M15.2 zur Größe eines perkussiven Ereignisses hochprojizieren. Auch große, sprunghafte Dynamiken beherrschen sie, wie sich anhand der im Direct2Disc-Verfahren aufgenommenen Tutti-Schlags auf dem Stück „Knockout“ des auf Effekte bedachten Schlagzeugers Charlie Antolini erleben lässt – nicht umsonst als „Boxenkiller“ berühmt geworden: Der Schlag kommt nicht nur mit einer sprunghaften Dynamik, sondern sauber konturiert. Im Vergleich zur Bryston, die etwas feiner auftritt, ist das schon recht ordentlich. Die beiden Kontrahenten tun sich hier aber nicht viel: Sie spielen beide preisklassenadäquat.

Bühne mit Bewegungsfreiheit

Sauber ist auch die Darstellung der Räumlichkeit. Gut nachverfolgen lässt sich beispielsweise die Aufnahmetechnik bei „Kind of Blue“, wie sie den Beginn des Stereozeitalters mit nur wenigen Raummikrofonen gewissermaßen einläutete.

Treiberbestückung der Scansonic M15.2

Eine ovale Blende kaschiert den (natürlich) runden Tiefmitteltöner der Scansonic

Die Scansonic M15.2 verhalten sich hier „vorlagentreu“ und verzichten auf übergroße Projektionen. Einen engen Sweet Spot besitzen sie nicht, sie strahlen ziemlich gleichmäßig auf einen großen Bereich ab, weshalb man beim Hören sich durchaus mal bewegen oder mit dem Kopf nicken darf. Der insgesamt überzeugende Bühneneindruck bleibt bestehen: Jedes Klangereignis hat seinen festen Platz. Auch gestaffelte Strukturen zwischen Vorder- und Hintergrund sind nachvollziehbar und wirken natürlich. Die Scansonic M15.2 übertreiben es nie, starten meist bei der Lautsprechergrundlinie und bieten eine normale/mittlere Bühnengröße und gute Plastizität. Im direkten Vergleich musiziert die Bryston etwas kammermusikalischer, zeichnet ein etwas kompakteres Bild – vermittelt dafür aber eine genauere Kartierung des Geschehens im Raum. Andererseits löst sich der Klang im Falle der Scansonic noch etwas freier von den Lautsprechern. Nun, wir sprechen hier wirklich von Feinheiten. Richtiggehende „Raumwunder“ sind beide nicht, vielmehr liefern sie ein realistisches Bühnenabbild ab, wie man es von Kompaktlautsprechern dieser Größe und Preisklasse erwarten darf. Und man darf hier schon so einiges erwarten.

Billboard
bFly Audio

Test: Scansonic M15.2 | Kompaktlautsprecher

  1. 1 Klang & Kubik
  2. 2 Scansonic M15.2: Hörtest und Vergleiche

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