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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Von Format
  2. 2 Neat Iota 2 – Hörtest & Vergleiche

Neat Acoustics gehört seit ungefähr 35 Jahren zu den festen Größen im britischen Lautsprecherbau, bekannt für musikalisch stimmige Schallwandler, die oft mit unkonventionellen Lösungen überraschen. Die erste Iota war so ein Fall: ein sehr kleines Gehäuse im Querformat, kombiniert mit Bauteilen, die man eher in größeren Modellen vermuten würde. Mit der Neat Iota 2 (ab 1.430 Euro | https://www.earaudio.de/) geht dieses Konzept in die nächste Runde.

Optisch bleiben die Lautsprecher dem minimalistischen Grundprinzip treu, technisch wurde an vielen Stellen nachgeschärft: neue Treiber-Auswahl, überarbeitete Frequenzweiche, optimierte Bedämpfung, aber weiterhin der markante Bändchen-Hochtöner. Ziel der Überarbeitung war kein Neuanfang, sondern die Verfeinerung eines Lautsprechers, der sich trotz winziger Abmessungen als ernsthafter Schallwandler behaupten soll.

Die Neat Iota 2 tritt mit 130 × 200 × 165 Millimetern (H × B × T) als Lautsprecher im Bonsai-Format an. Kaum größer als eine Uhrenschachtel – zu klein für ein seriöses Abhörgerät? Das schaue ich mir an. Schrauben raus, Deckel ab. Hinter der Schallwand wartet eine Überraschung auf mich: Es zeigt sich eine dicht gepackte, klar auf audiophile Meriten getrimmte Architektur.

Ein Händchen für Bändchen

Der Bändchentreiber der Neat Iota 2

Man sieht es sogar ein wenig von außen: Der Bändchentreiber der Neat Iota 2 ist verklebt. Klanglich ist das übrigens eine gute Lösung, stellt das doch eine dauerhaft stabile – kein Schraubenlösen – und luftdichte Verbindung dar

Im Hochton arbeitet ein Monacor-Bändchen, das sich im Auswahlprozess gegen zwei Alternativen durchgesetzt habe, so die Engländer: Präzision, geringe Verzerrungen und alltagstauglicher Wirkungsgrad stünden laut Neat Acoustics auf dessen Habenseite. An die Stelle der Serienfrontplatte des Tweeters ist eine maßgefertigte Integration getreten: Der Hochtöner sitzt rückseitig verklebt in der Schallwand und strahlt durch einen kleinen, eigens entwickelten Waveguide, der moderat bündelt, im Übergangsbereich dezent Pegel mitgibt und die akustische Kopplung an den Mitteltieftöner erleichtern soll.

Ein Bändchen läuft stets über einen Übertrager. Neat zielt dabei auf kontrollierte Impedanz, wirksamen Schutz vor Überlast unterhalb der Trennfrequenz sowie sauberes Einschwingen. Die mechanische Ankopplung gerät spielfrei und luftdicht, inklusive Dichtband: relevant für den Hochtonpegel und das Timing oberhalb von 2 kHz. Konstruktionsbedingt bleibt die vertikale Abstrahlung etwas enger. Dadurch fallen unerwünschte Bodenreflexionen geringer aus. Horizontal soll hingegen ein breiter, gleichmäßiger „Energiefächer“ entstehen.

Impulsiv

Der Tiefmitteltöner der Neat Iota 2

Ein „schnelles“ und sauberes Impulsverhalten stand auch mit Blick auf die Tiefmitteltöner im Pflichtenheft der Engländer

Neben dem Bändchen arbeitet ein 100-mm-Mitteltieftöner von Peerless by Tymphany: Eine beschichtete Papiermembran, steife Staubschutzkalotte, geringe bewegte Masse sowie eine präzise arbeitende Zentrierspinne zählen zu den wesentlichen Spezifikationen dieser Komponente aus chinesischer Produktion. Die aktuelle Generation soll sich durch höhere thermische Belastbarkeit und mehr Tiefgang auszeichnen, gerade in kleinen Gehäusen. Eine belüftete Polplatte und Öffnungen unter der Zentrierspinne dienen der Minderung von Kompressionen. Ein Gesamtkonzept, das für ein „schnelles“, kontrolliertes Impulsverhalten bürge, so Neat Acoustics – wir werden hören …

Sub-optimiert

Auch die Bassabstimmung der Neat Iota 2 erhielt einige Updates: Gehäusevolumen, Reflexabstimmung und Bedämpfung sind so dimensioniert, dass der Port tief arbeiten kann und Strömungsgeräusche gering ausfallen sollen. Laut Herstellerangaben liegt die untere Grenzfrequenz bei etwa 60 Hz (-6 dB). Im Wohnraum – so viel darf ich vorwegnehmen – liefert eine wandnahe Aufstellung unterhalb von rund 120 Hz eine zusätzliche Pegelstütze und schafft ein tragfähiges Fundament.

Die Rückseite der Neat Iota 2 mit Bassreflexöffnung

Der Tiefton der Neat Iota 2 arbeitet natürlich bassreflexunterstützt

Das sauber gefertigte MDF-Gehäuse – mit ein wenig DIY-Charme – arbeitet mit einem rückseitig ventilierenden Bassreflexsystem. Die Gehäuseinnenflächen tragen Bitumenmatten mit Wabenprägung. Die Kombination aus zusätzlicher Masse und diffuser Oberfläche soll mit Blick auf Resonanzen und Reflexionen für „Ruhe“ sorgen, eine der Grundlagen für klare Konturen im Grund- und Oberbass.

Weichenstellend

Auf der Innenseite der Rückwand sitzt eine – gemessen an der Gehäusegröße – stattliche Frequenzweiche. Obendrein sind die hochwertigen Bauteile vollständig verlötet! Englischer Lautsprecherbau in exemplarischer Auslegung. Derlei Sorgfalt im Weichenaufbau erhöht die Langzeitstabilität und senkt Übergangswiderstände. In dieser Preisklasse und auch deutlich drüber sicher eine Seltenheit.

Das Innenleben der Neat Iota 2 mit Frequenzweiche

Qualität, wo man sie nicht sieht, aber hört: Eine freiverdrahtete Frequenzweiche ohne schnöde Platine und eine komplette Verlötung der Innenverkabelung findet man selbst in den meisten deutlich teureren Lautsprechern nicht

Jantzen-Kondensatoren in beiden Zweigen und zwei Luftspulen – eine größere für den Tiefton, eine kleinere für den Hochton – bilden den Kern der Topologie. Im Hochtonzweig sorgen ein Pegelwiderstände für die Feinabstimmung des Bändchens relativ zum Mitteltieftöner. Im Tieftonzweig modelliert ein parallel geschaltetes Korrekturglied den natürlichen Pegelverlauf und optimiert die Ankopplung an den Hochton.

Die Zielrichtung der mit Blick auf die Preisklasse keineswegs alltäglichen Weiche: Phasenkohärenz, Pegellinearität, stabile elektrische Last für den Verstärker und eine präzise Abbildung auch abseits des perfekten Sitzplatzes („Sweetspot“).

Neat Iota 2 – Hörtest & Vergleiche

Neat setzt 200 Stunden als Einspielzeit an. In der Praxis stabilisieren sich Mechanik und Elektronik deutlich früher. Nach rund 40 Stunden legt die Wiedergabe in Bezug auf Feindynamik und räumliche Ruhe bei mir im Hörraum deutlich zu, kleine Pegelstaffelungen treten klarer hervor. Der Obertonbereich wirkt von Beginn an neutral und verfärbungsarm, das Bändchen zeichnet auch bei leisen Pegeln fein. Keine Selbstverständlichkeit, denn Bändchen wirken gern mal etwas länger spitz oder hart. Derlei „Zickigkeiten“ kann ich der Neat Iota 2 bereits nach kürzerer Einspielzeit nicht attestieren.

Das seitliche Bändchen der Neat Iota 2

Das Bändchen der Neat Iota 2 gibt sich klanglich angenehm „unzickig“

Die Aufstellung verlangt etwas Sorgfalt. Meine Empfehlungen: Die Ständerhöhe so wählen, dass der Hochtöner auf Ohrhöhe liegt. 20-30 Zentimeter Abstand zur Rückwand liefern in meinem Hörraum (Grundfläche: 32 Quadratmeter, Höhe: 3,80 Meter) ein ausgewogenes Verhältnis aus Grundtonfülle und Kontur. Bei unter 20 Zentimetern Abstand gewinnt der Oberbass an Volumen, die Kontrolle im Tiefbass wird anspruchsvoller.

Leichtes Einwinkeln fokussiert die Mitte, ein direkteres Zielen auf die Ohren verschiebt die tonale Balance in Richtung Präsenz. Wer es mit dem Einwinkeln übertreibt – meine Erfahrung –, der verliert hörbar an Substanz und Stimmigkeit. Kurze Hördistanzen zwischen ein und zwei Metern funktionieren tadellos. Das scheint das ideale „Biotop“ für den kleinen Schallwandler aus Nordengland zu sein.

Leuchten, aber keine Leuchtreklame: der Hochton

Spem in alium The Tallis ScholarsFür den Hochton-Hörtest lief „Spem in alium“ (The Tallis Scholars): Steilvorlage für komplexe Obertongeflechte. Und die kleine Box aus England liefert ab: Das Bändchen der Neat Iota 2 zeichnet Sibilanten, Atemanteile und die hauchzarten Anrisse der Vokale sehr präzise. Transienten kommen mit „klarer Kante“, der Obertonschimmer legt sich ruhig und gleichmäßig über den Chor. Körnigkeit oder Glasigkeit bleiben außen vor, auch Becken- und Zischanteile erscheinen entsprechend kultiviert. Ergo: Viel Information, sauber sortiert, souverän geordnet, genau die Mischung, die komplexe Polyphonie transparent und zum Hörvergnügen macht.

Die Schallwand der Neat Iota 2

Die Schallwand der Neat Iota 2 – die Lautsprecher werden im Querformat positioniert

Bei alledem wirkt die Energieverteilung über den Präsenz- bis Brillanz-Bereich ausgewogen, mit einem kleinen Präsenzplus allenfalls. Helle Vokale behalten ihre Leuchtkraft, halten aber sicheren Abstand zum Aufdringlichen. Nichtsdestotrotz geht es vorbildlich luftig zu: Obertöne verästeln sich bis an die Hörschwelle.

Schnell fällt mir auf: Die Hochtonwiedergabe zählt zu den großen Stärken des kleinen Schallwandlers aus Nordengland. Da lässt sie sogar meine Dynaudio Contour 20 (4.500 Euro) stehen, die in den höheren Lagen zwar sauber und akkurat agiert, aber nicht ganz so luftig, durchhörbar und brillant wie die Neat Iota 2 arbeitet.

Auch bei steigenden Pegeln behält der Hochton seinen Charakter. Gehobene Wohnraumlautstärken steckt die Neat Iota 2 gelassen weg, der Hochton wahrt Kontur und Ruhe. Weitergehende Pegel oder gar Partylautstärken liegen allerdings außerhalb des Kompetenzbereiches. Dann rühren sich zunehmend Kompression und Unruhe ins Klangbild ein.

Die Neat Iota 2 einmal ohne und einmal mit Frontabdeckung

Den Neat Iota 2 liegen magnetisch haftende Frontabdeckungen bei

Vor einiger Zeit standen die Elac BS 312.2 (1.800 Euro) bei mir im Hörraum, in ihrer Preisklasse eine echte Kapazität in Sachen Hochton: gelassen und präzise. Im Vergleich zeigen sich die Unterschiede: Die Elac tönt noch etwas attackbetonter, Sibilanten treten markanter hervor. Die Neat Iota 2 überträgt Spitzen etwas milder, gibt sich noch etwas seidiger. Zumindest bei moderaten Lautstärken, denn die Elac ist einen Tick pegelfester. Was besser oder „richtiger“ ist? Hängt vom Rest der Anlage und dem eigenen Hörgeschmack ab.

Dennoch: Wer vordergründige Präsenz oder „Studio-Spotlights“ im obersten Register bevorzugt, wird in höheren Preisklassen bzw. bei anderen Konzepten Kandidaten finden, die noch akzentuierter klingen und Details noch pointierter herausstellen. Die Neat bleibt dafür im Hochton kultiviert: Mit hoher Durchhörbarkeit zwar, aber auch Seidigkeit, mehr Leuchten als Leuchtreklame, könnte man sagen. Ich persönlich halte die Hochtonwiedergabe der Neat Iota 2 preisklassenbezogen für ein echtes – audiophiles – Statement.

Sachlich & seidig: die Mitten

Boots & Blues Lance & Lea„Boots & Blues“ von Lance & Lea taugt als Prüfstein für die Stimmen- und Mittenkompetenz der Neat Iota 2: Das Bändchen mit Waveguide wahrt im oberen Mittelband seinen tonalen Charakter: Sauber artikuliert, aber schön eingebunden, wieder mit einem Hang ins Seidige. Das Klangbild strahlt Ruhe und Glaubwürdigkeit aus. die Iota 2 wirkt in keiner Weise vorwitzig. Zumal auch der Körper von Stimmen, der Brustton, genügend tonales Gewicht zugesprochen bekommt. Griffgeräusche und feine Reibanteile geraten sauber texturiert, unbotmäßige Härten allerdings müssen draußen bleiben. So ist ein Mitten-Kern mit Substanz entstanden, der mich sehr anspricht.

Die Reproduktion von Gesang und akustischen Instrumenten profitiert von den natürlichen Farben und der hohen Transparenz, die die Neat Iota 2 produzieren. Britisch gediegen und ausgesprochen audiophil. Das verführt zu längeren Hörsitzungen. Nach wie vor laufen Lance & Lea, die sich auf eine melodische Mischung aus Country, Folk und Americana verstehen. In dichteren Passagen und bei Doppelstimmen bewahren die Iota 2 verlässlich Struktur und Ortung.

Ja, in den Mitten sind die Neat Iota 2 schlichtweg vollauf überzeugende Monitore. Wenn man so etwas sucht, spielen sie in ihrer Klasse weit oben mit. Klar ist aber auch, dass hohe Pegel und große Hördistanzen der Neat Iota 2 nicht so richtig liegen. Meines Erachtens sollte man nicht weiter weg vom Speaker sitzen als etwa 2,5 Meter – mehr passt nicht zum Konzept des Bonsai-Schallwandlers.

Die Neat Iota 2 in Schwarz

Die Neat Iota 2 gibt es auch in Schwarz – sowie alternativ in Gelb, Rot oder Blau

Im Direktvergleich mit einer gut gemachten LS3/5a-Interpretation (Harwood Acoustics) lässt sich eine anschauliche Differenzierung und Charakterisierung vornehmen: Die BBC-Schule legt ein Quäntchen mehr Ambiente, mehr Wärme und Körper über den Mittenraum, während die Neat auf akkurat-sachlichere Reproduktion und straffe Konturführung zielt. Ein interessantes Doppel in dieser Preisklasse. Der persönliche Geschmack macht den Unterschied.

Raum mit Tiefgang

Ich sitze im Sweetspot, der Raum klappt auf. Die Neat Iota 2 virtualisiert eine frei atmende Bühne, die Phantommitte positioniert sich stabil und leicht nach hinten versetzt. Stimmen erscheinen greifbar eine Armlänge hinter der Lautsprecherebene, die Distanz wirkt konsistent und natürlich entwickelt. Horizontal spannt sich die Abbildung spürbar über die Außenkanten der Gehäuse, bis in die seitlichen Ecken meines Hördreiecks, mit klaren Rändern. Vertikal reicht die Bühne bis über die Oberkante der Lautsprecher hinaus, mit einem hinreichenden Hauch Luft.

Ich verfolge Saitengeräusche und leise Atemwirbel an eindeutig fixierten Punkten. Jeder Impuls bekommt einen definierten Platz und Kontur verliehen. Ja, die Neat Iota 2 erinnert auch hier wieder an einen guten Studiomonitor. Die Gesamtabbildung weist bei alledem eher in die Tiefe, die Iota 2 sind keine Lautsprecher, die die Bühne ostentativ nah an den Hörer heranrücken.

Das Firmenlogo von Neat auf der Schallwand der Iota 2

Zum Vergleich bietet sich wieder die hervorragende Elac BS 312.2 an. Die zieht die Abbildung nach vorn: Stimmen und Soloinstrumente rücken weiter nach vorne, Richtung Hörer, Details springen punktuell merklicher ins Blickfeld. Die Neat Iota 2 hingegen verlagert den Fokus eine Spur nach hinten und generiert Tiefe: Schichten staffeln sich hintereinander, Hallfahnen zeichnen Wege durch den Raum, Körper wirken runder und plastischer. Die Unterschiede sind aber eher subtil ausgeprägt als weltbewegend. Entscheidend sind die persönlichen Vorlieben: Kick nach vorn (Elac) oder Raumtiefe mit Relief (Neat).

Noch eine Probe aufs Exempel: Ich stelle meine Dynaudio Contour 20 als Referenz daneben. In meinem Raum öffnet sie die Bühne größer, vor allem in der Vertikalen: Stimmen stehen höher, die Raumdecke wirkt angehoben, die Tiefenstaffelung bekommt zusätzliche Layer. Die Abstimmung der Dynaudio führt bei mir zu einer großzügigen Projektion und einem weitläufigen Panorama. Die Neat Iota 2 hält dafür die Abbildung sehr geordnet. Ihre vertikale Abbildungsausdehnung fällt – konstruktionsbedingt – etwas niedriger aus, horizontal spannt sie hingegen erstaunlich breit und ortet präzise, mit klar modellierten Konturen. In meiner Hörsituation entsteht so eine sehr stimmige Tiefe mit wie gesagt schön fokussiertem Relief.

Daraus ergibt sich eine klare Rollenverteilung: Die Elac BS 312.2 zieht die Darstellung tendenziell anmachend nach vorn und setzt Attacken punktgenau. Die Dynaudio liefert die überlegene Tiefendimension und Bühnenhöhe. Und die Neat setzt im Kompaktformat auf eine plastische, präzise und in sich frappierend stimmige Abbildung. Die Unterschiede bleiben überraschend fein dosiert: Die Dynaudio gehört immerhin zur Klasse der Kompakten zwischen 4.000 und 5.000 Euro. Und am Ende entscheiden eher Geschmack, Raum und Kette.

Essenzieller Beitrag: der Bass

Bändchen und Bassmitteltöner der Neat Iota 2

Die Neat Iota 2 setzen auf effiziente Tieftonausbeute

Ein Lautsprecher im Uhrenschachtel-Format – Tiefdruck-Gewitter liegen hier außerhalb des Erwartbaren. Das ist trivial. Trotzdem: Die Neat Iota 2 generiert bei wohnraumüblichen Pegeln ein sattes, durchaus überraschendes Tiefton-Fundament. Sie nutzt ihre Membranfläche und ihr Gehäusevolumen offenbar sehr effizient, setzt wie im Mittel- und Hochton auf Tempo und Kontrolle und ist mithin erfreulich präzise. Kurze Anstiegszeiten und straffes Ausschwingen prägen die knackige Wiedergabe von Grundton und Oberbass. Echten Tiefbass gibt es natürlich nicht, aber im mittleren Bass (vgl. Frequenzbereiche in unserem Lexikon) liefert die kleine Engländerin souverän ab. Bei wandnaher Position legt das Fundament unterhalb von grob 120 Hz außerdem spürbar zu. Insgesamt ergibt sich ein Profil, das auch strukturierten Electronica-Produktionen und knackigem Indie-Rock gut zu Gesicht steht.

Klar, Kompakte wie die Dynaudio Contour 20, die im Tiefton überragende Elac BS 312.2 oder auch die JBL HDI 1600 kommen weiter in den tonalen Keller, liefern mehr Tieftonsubstanz und Schub, auch bei Pegeln, die deutlich über der Zimmerlautstärke liegen. Aber im direkten Vergleich mit den „amerikanisch“ abgestimmten JBL-Schallwandlern zeigt sich eben auch, dass die Neat Iota 2 die tieferen Register vorbildlich knackig, prägnant und konturiert auslegt. Weniger rund, voll oder warm wie die JBL.

Gerade in kleinen bis mittelgroßen Räumen und auf Nah- bis Mitteldistanz spielt die Iota 2 bassseitig in ihrem Element: definiert, rhythmisch und belastbar. Ihre Ausstattung im Tiefton ist keine Verlegenheitslösung, sondern essenzieller Beitrag zur musikalischen Ausrichtung.

Dynamik

Das Single-Wiring-Terminal der Neat Ioata 2

Die Polklemmen sind kompakt positioniert, fallen aber hinreichend hochwertig aus

Man kann sich das nach dem bisher Gesagten auch schon denken:  Feine Impulse – kurze Zungenschläge, sanfte Saitengriffe, leise Akzentuierungen von Becken oder Klavieranschlägen – werden prompt und prägnant ausgeliefert. Und die größeren Pegelschübe entfalten sich ebenfalls mittels Tempo und Struktur – weniger über Masse, wie das gerade bei größeren Lautsprechern der Fall ist. Die Neat punktet vor allem im feinmotorischen Bereich, lässt die Mikroabstufungen sprechen, ohne dass es dabei wirklich störend an Druck mangelt. Zumindest in kleinen bis mittelgroßen Räumen werden auch grobe Pegelsprünge überzeugend dargestellt.

Ein wenig weiter kommt man mit der dafür insgesamt nicht ganz so kultiviert aufspielenden Elac BS 312.2. Die Replik des BBC-Lautsprechers LS3/5a hingegen stößt in ähnlichen Szenarien an vergleichbare Grenzen wie die Neat Iota 2.

Billboard
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Test: Neat Iota 2 | Kompaktlautsprecher

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