
Test: Clearaudio Smart Double Matrix | Plattenwaschmaschine
Ab in die Wäsche!
von Frank Hakopians
Im Test: Clearaudio Smart Double Matrix
UVP zum Testzeitpunkt: 2.900 Euro
Umfangreiche Reinigungsaktionen, wie das Kärchern der Terrasse zum Frühlingsbeginn oder das Befreien der Regenrinnen vom herbstlichen Laub, gehören nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Etwas anders schaut es dagegen aus, wenn es darum geht, altes Vinyl vom Staub der Jahrzehnte oder eine nagelneue LP von fiesen Trennmittelrückständen zu befreien. Mit einer Plattenwaschmaschine lassen sich solche Aufgaben recht gut bewältigen. Einzig der nicht ganz unerhebliche Zeitaufwand dämpft ein wenig die Freude daran, zumal beide Seiten einer Platte hintereinander gewaschen werden müssen. Selbst wenn man nur schnell eine Seite einer LP hören möchte, reinigt man im Normalfall ja die komplette Scheibe.
Eine mögliche Lösung des Zeitproblems können Plattenwaschmaschinen sein, die in einem Durchgang gleich beide Seiten einer Schallplatte bearbeiten. Solche Maschinen sind in unterschiedlichen Preisklassen erhältlich. Ein günstiger Einstieg ist die Record Doctor X von Pangea Audio (im Vertrieb bei der Sintron Distribution GmbH) für 599 Euro, deren Benutzer allerdings einiges an Handarbeit zu leisten haben. Auch die Levar Twin und Nessies Vinylmaster Reference beherrschen die Kunst der beidseitigen Reinigung. Sie bieten aufwendigere Technik und mehr Komfort, überschreiten dabei aber die 3.000-Euro-Marke deutlich. Darüber positioniert sich die luxuriös ausgestattete Clearaudio Double Matrix Professional Sonic (https://www.clearaudio.de/), ein Gerät, das dem engagierten Vinylliebhaber sicher gute Dienste leistet, mit 4.950 Euro allerdings auch ein entsprechend sattes Preisschild trägt.

Mit der Smart Double Matrix bietet Clearaudio jedoch eine günstigere Alternative im eigenen Sortiment. Für 2.900 Euro soll sie dem Reinigungsergebnis des großen Schwestermodells kaum nachstehen. Zwar wurde im Vergleich zum Top-Gerät technisch etwas abgespeckt und auch optisch und physisch geriet die Smart Double Matrix schlichter und kompakter – was in Bezug auf die reine Gebrauchstüchtigkeit aber überhaupt kein Nachteil sein muss. Wie gut, dass ich infolge diverser Flohmarktstreifzüge noch über reichlich angestaubtes Vinyl verfüge, an dem sich das smarte Maschinchen nun beweisen kann.
Erstkontakt
Schon die Verpackung, in der Clearaudios Waschmaschine ins Haus geliefert wird, ist durchdacht gefertigt, sodass während des Transports sicher nichts zu Schaden kommen wird. Die Maschine ist weitgehend vormontiert, man muss lediglich das Netzkabel einstecken und eine Antistatik-Bürste, zu der wir später noch kommen werden, über einen rückseitig eingelassenen Masseanschluss mit dem Hauptgerät verbinden. Ach ja, bevor es losgehen kann, will die Smart Double Matrix mit der mitgelieferten Schallplattenreinigungsflüssigkeit „Groove Care“ über einen nicht allzu großen Einfüllstutzen befüllt werden. Ein ebenfalls zum Lieferumfang gehörender Trichter hilft, diesen Vorgang zu erleichtern. Und dann ist da noch die Betriebsanleitung, deren Lektüre ich allen putzwilligen Vinylisten ans Herz legen möchte. Auch dazu später mehr.
Wie die übrigen der genannten Maschinen gehört auch die Clearaudio Smart Double Matrix zur Gattung der Flächenabsauger, bei denen die Waschflüssigkeit am Ende des Reinigungsprozesses per Unterdruck über die gesamte Plattenseite vom Vinyl entfernt wird. Clearaudio fasst bei ihr den Bürstenarm, über den auch die Reinigungsflüssigkeit aufgetragen wird, mit der Absaugeinrichtung zu einer Einheit zusammen – die freilich zweimal vorhanden ist: je eine für die Unter- und für die Oberseite der Schallplatte.

Für die Plattenunterseite ist die Wasch- und Saugeinheit feststehend montiert, während sich die Einheit für die obere Seite seitlich schwenken lässt. So kann die Platte problemlos auf den labelgroßen Drehteller gelegt werden. Danach führt man den Arm mit der Einheit wieder in seine ursprüngliche Position zurück.
Die Schallplatte wird nun mit der sogenannten „Smart Seal Plattenklemme“ auf dem Drehteller fixiert, sodass sie mit ausreichender Kraft und ohne durchzurutschen in Bewegung gesetzt werden kann. Der notwendige Druck lässt sich über eine Rändelschraube herstellen. Gleichzeitig schützt die Smart-Seal-Plattenklemme das Label wirksam vor dem Kontakt mit der Waschflüssigkeit.

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil dieser Konstruktion ist, dass die Platte nicht umgedreht und, wie bei konventionellen Plattenwaschmaschinen, auf einen Teller in der Größe einer LP gelegt werden muss, wobei die bereits gereinigte Seite zwangsläufig wieder etwas Staub aufnimmt.
Übrigens reinigt die Clearaudio Smart Double Matrix neben herkömmlichen 12 Zoll großen Schallplatten auch 10 Zoll messende – und sogar das Singleformat bleibt nicht außen vor. Für das größere Mittelloch der Singles hat Clearaudio vorsorglich einen Adapter beigelegt, außerdem muss der Auslassbereich für die Waschflüssigkeit an den Reinigungsarmen verkürzt werden, damit nicht zu viel Flüssigkeit auf die kleinen Scheiben gerät. Dazu werden Schieberegler an beiden Armen entsprechend den Anweisungen in der Betriebsanleitung verstellt. Das ist nicht besonders kompliziert und lässt sich ohne Werkzeug bewerkstelligen.
Praxistest: Clearaudio Smart Double Matrix
Die Bedienung der Clearaudio-Plattenwaschmaschine erfolgt über vier vorne auf der Oberseite platzierte Drucktaster. Waschprogramme gibt es nicht, dafür ist der Ablauf der gesamten Prozedur logisch aufgebaut und dürfte den meisten Bedienern nahezu intuitiv gelingen. Leider zähle ich offenbar nicht zu dieser Gruppe …

Sobald eine Platte aufgelegt und fixiert ist, wird der Waschvorgang mit sanftem Druck auf den mit „Power“ beschrifteten Druckschalter gestartet, und der Teller mit der Platte beginnt sich zu drehen, allerdings tut er dies entgegen dem Uhrzeigersinn, was mir gänzlich ungewohnt erscheint, da sich meine Nessie Vinylmaster (und nicht nur die) üblicherweise rechtsdrehend in Bewegung setzt. In der Annahme, zufällig die Taste „Turn“, die die Drehrichtung wechselt, berührt zu haben, ändere ich die Richtung der Rotation und beginne durch Betätigen des Druckschalters „Liquid“ beidseitig Reinigungslösung aufzubringen. Schnell entwickelt sich ein gleichmäßiger Film, dann aber tropft feuchtes Nass auf die Maschine … Nach einigem Herumprobieren und einem intensiven Blick ins Manual steht fest: Nicht die Smart Double Matrix ist hier das Problem – sondern ich. Die klare Ansage von Clearaudio lautet nämlich, dass Reinigungsflüssigkeiten nur aufgetragen werden sollten, wenn sich der Teller entgegen dem Uhrzeigersinn dreht, denn andernfalls kann es unkontrolliert tropfen. Danke, das habe ich gemerkt. Und tatsächlich: Sobald ich mich konform zum Manual verhalte, weist Clearaudios Waschmaschine keine Inkontinenz mehr auf. Immerhin kann ich nun bestätigen, dass sich das aus robustem Kunststoff gefertigte Gehäuse resistent gegen den verwendeten Reiniger zeigt und sich entstandene Pfützen rückstandslos entfernen lassen.
Also bitte die „Turn“-Taste erst drücken, wenn ein ausreichender Flüssigkeitsfilm auf der Schallplatte zu sehen ist, was in der Regel bereits nach zwei oder drei Umdrehungen der Fall ist. Für den eigentlichen Säuberungsvorgang empfiehlt Clearaudio drei bis vier Umdrehungen in jede Richtung, danach kann der Absaugvorgang (Taste „Vacuum“) eingeleitet werden. Mehrmalige Änderungen der Drehrichtung sind auch hier hilfreich, um das Ergebnis der Trocknung zu verbessern.

Allerdings ist es mit dem Absaugen der in der Reinigungsflüssigkeit gebundenen Schmutzpartikel noch nicht ganz getan, denn abschließend kommt die recht hochwertig anmutende Antistatik-Bürste zum Einsatz. Mit Hilfe feiner Kohlefasern und eines Griffs aus Aluminium sollen, so Clearaudio, statische Aufladungen, die beim Waschvorgang unvermeidbar entstehen und sich hörbar negativ auf den Klang auswirken, per Kabelverbindung an das geerdete Gehäuse der Smart Double Matrix abgeleitet werden. Dazu führt man die Bürste im Anschluss an die Wäsche für mindestens eine Umdrehung über jede Plattenseite. Ein Feature, das meine bisherigen Plattenwaschmaschinen vermissen ließen und vermutlich die Lösung eines Problems, von dem ich allerdings bisher nicht wusste, dass ich es habe. Und ja, man kann es hören. Weniger durch statische Aufladung bedingtes Knacksen und eine entspanntere Wiedergabe dürfen wohl auch der Behandlung mit der Antistatik-Bürste angerechnet werden, wenngleich vielen die Unterschiede, wie so oft, subtil erscheinen mögen.
Pflege und Wartung der Clearaudio Smart Double Matrix
Der Auffangbehälter für die Waschflüssigkeit sollte entleert werden, sobald die Reinigungsflüssigkeit im Vorratsbehälter aufgebraucht ist. Dies geschieht über einen Silikonschlauch, der während des Betriebs mit einem Stopfen verschlossen wird. Auch eine gelegentliche Reinigung und Spülung des Auffangbehälters mit warmem Wasser wird empfohlen, da Rückstände verklumpen und die Auslassöffnung zusetzen können.
Ein wenig kniffliger gestaltet sich der Wechsel der Mikrofaserstreifen, den Clearaudio nach etwa 100 Waschvorgängen empfiehlt. Dazu müssen die Reinigungsarme demontiert und einige Schrauben gelöst werden. Dank der recht anschaulich gestalteten Betriebsanleitung stellt auch das keine große Hürde dar. Nur wer von sich behaupten darf, zwei linke Hände zu besitzen, fragt zumindest beim ersten Versuch besser einen guten Freund. Davon abgesehen erweist sich die Bedienung der Clearaudio Smart Double Matrix als unkompliziert.

Der weitgehend manuell gesteuerte Waschvorgang geht zügig von der Hand. Zum einen ist das natürlich dem beidseitig ablaufenden Reinigungsprozess geschuldet, doch auch die qualitativ hochwertige Ausführung und Verarbeitung der mechanischen Teile trägt ihren Part dazu bei, dass der Umgang mit der Smart Double Matrix stressfrei abläuft. Die Geräuschentwicklung gehört allerdings nicht zu ihren Schokoladenseiten. Im Vergleich zum infernalischen Lärm, den mein seliger Blue Danube Waschbär (die zweite Version, nicht der spätere „Flüsterbär“) von sich gab, arbeitet die Clearaudio Smart Double Matrix zwar erheblich gesitteter, doch immer noch etwas zu laut, um sie beispielsweise in der Nacht, wenn die Familie schläft, in Betrieb zu nehmen.
Waschleistung
Das Wichtigste ist am Ende das Reinigungsergebnis. Platten mit normalem Verschmutzungsgrad, im Wesentlichen also Staubauflagerungen, werden nach dem Waschvorgang auf beiden Seiten rückstandslos sauber. Die Oberflächen weisen nach der Reinigung einen feinen Glanz auf und die Trocknung gelingt effektiv, sodass die Tonträger direkt nach der Wäsche auf den Teller des Plattenspielers aufgelegt werden können. Und dass es mit einer frisch gereinigten Schallplatte besser und nebengeräuschärmer klingt, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben.

Flohmarktschnäppchen, denen man ihr intensives Vorleben ansehen kann, benötigen einen längeren Waschvorgang, der sich durch mehrfache Wechsel der Drehrichtung noch optimieren lässt. Beachtet man dies, kann man mit der Clearaudio auch stärkere Verschmutzungsgrade recht gut angehen. Erst wenn undefinierbare, klebrige Substanzen mit ins Spiel kommen, stößt die Clearaudio Smart Double Matrix an ihre Grenzen. Hier können andere Waschmaschinen ihre – so vorhandenen – Intensivprogramme ins Spiel bringen. Oder es wird eine zusätzliche manuelle Bearbeitung, oft mit anderer Chemie als Standardreinigungsmitteln, erforderlich. Das freilich ist schon aufgrund des doppelseitigen Waschprinzips bei unserem Testgerät kaum anders möglich. Clearaudio rät jedenfalls von der Verwendung anderer Reinigungslösungen als den eigenen grundsätzlich ab – und dazu, die verbliebene Reinigungsflüssigkeit abzulassen, sollte die Smart Double Matrix länger als eine Woche nicht benutzt werden.
Ein Tipp, den man beherzigen sollte, wie ich zu berichten vermag. Nach einem ausgedehnten Urlaub – den Vorratsbehälter hatte ich natürlich nicht geleert – mühte sich die Pumpe der Clearaudio zwar redlich, der Nachschub an Waschflüssigkeit blieb aber aus. Kurz bevor ich das gute Stück zur Durchsicht nach Erlangen zurückschicken wollte, brachte der Versuch, den Vorratsbehälter mit lauwarmem Wasser zu füllen und ein wenig abzuwarten, den erwünschten Erfolg und die Waschaktion konnte fortgesetzt werden. Die Lehre daraus: Bedienungsanleitungen, insbesondere wenn sie von Clearaudio verfasst wurden, ernst nehmen!
Testfazit: Clearaudio Smart Double Matrix
Folgt man dem Manual, ist die Clearaudio Smart Double Matrix eine ausgezeichnete Wahl für alle Vinyl-Hörer, die ihre Platten regelmäßig von Verschmutzungen befreien oder sogar vor jedem Abspielen reinigen wollen. Neben dem guten Reinigungsergebnis gefällt mir vor allem die flotte Arbeitsweise des Gerätes. Den Anspruch auf Zeitersparnis, der sich mit der Anschaffung einer beidseitig reinigenden Plattenwaschmaschine verbindet, erfüllt die Clearaudio Smart Double Matrix ohne Wenn und Aber.

Dazu gesellen sich die von Clearaudio gewohnt hohe Fertigungsqualität und, im Sinne der Alltagstauglichkeit nicht zu unterschätzen, der sehr geringe Platzbedarf der Waschmaschine. Preislich bleibt die Smart Double Matrix zwar unterhalb der Premiumklasse, ein Investment erfordert sie allerdings schon. Doch dürften der problemlose Umgang mit der feinen, dennoch robusten Mechanik und die Freude an langanhaltend guten Waschergebnissen sicherlich dazu beitragen, dies zu verschmerzen.
Fakten:
- Modell: Clearaudio Smart Double Matrix
- Konzept: Schallplattenwaschmaschine
- Preis: 2.900 Euro
- Maße und Gewicht: 22 x 29 x 21 cm (BxTxH), Gewicht: 5,4 kg
- Sonstiges: wäscht beide Seiten einer Schallplatte gleichzeitig
- Garantie: 3 Jahre nach Registrierung
- Weitere Informationen zum Produkt auf der Website des Herstellers
Kontakt
Clearaudio electronic GmbH
Spardorferstraße 150
91054 Erlangen
Telefon: +49 (0) 9131 40300100
E-Mail: info@clearaudio.de
Web: https://www.clearaudio.de/
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