
Test: Sigberg Audio Saranna | Aktivlautsprecher
Aktiv mit Köpfchen
von Michael Bruss
Im Test: Sigberg Audio Saranna | Aktivlautsprecher
UVP zum Testzeitpunkt: 25.000 Euro
Der klassische Standlautsprecher ist auch in unseren miniaturisierten Streamingzeiten nicht totzukriegen. Ein paar Chassis, meistens irgendwo eine Bassreflexöffnung, dazu ein hübsches Furnier oder Lack – fertig. Die aktiven Sigberg Audio Saranna (25.000 Euro; Vertrieb: https://www.hoerzone.de/) wirken auf den ersten Blick ebenfalls traditionell, wenn man von der leichten Neigung des Korpus nach hinten absieht. Doch hinter dem fast schon unscheinbaren Äußeren machen sie so einiges anders. Aber auch gut?
Das Ziel
Sigberg Audio ist bislang vor allem für Systeme bekannt, die auf einer Kombination aus kompakten Monitoren und Subwoofern basieren, wie zum Beispiel dem 4-Wege-System Manta (28.000 Euro) mit zwei Subwoofern und zwei Kompaktlautsprechern, das für unglaubliche 122 dB Schalldruck gut sein soll. Dem Manta-System, ebenso wie dem etwas günstigeren SBS-Gen-2-Speaker-Setup (15.500 Euro), eilt unter Fans ein exzellenter Ruf voraus; nicht zuletzt deshalb, weil sie enorme Dynamikreserven, sehr hohe Pegelfestigkeit und souveränen Tiefbass mit – so liest man – einer ungewöhnlich entspannten Langzeittauglichkeit verbinden. Gleichzeitig sind solche Konzepte nicht jedermanns Sache, mit zwei Lautsprechern (Sub und Satellit) pro Kanal sprechen sie Minimalisten wohl weniger an.

Mit der Sigberg Audio Saranna wollen die Norweger ihre technisch-klangliche Philosophie in einen zumindest formal vertrauter wirkenden und somit für normale Wohnräume konsensfähigeren Lautsprecher übertragen – in einen Drei-Wege-Standlautsprecher also. Allerdings einen, der sich weiterhin konsequent der Sigberg-Idee verpflichtet fühlt, DSP-Einstellmöglichkeiten, einen hohen Direktschallanteil und eine kontrollierte Rauminteraktion (reduzierte Reflexionen, dazu später mehr) mit enormen Dynamikreserven und kompromissloser Breitbandigkeit zu kombinieren. Die Lautsprecher sollen auch in akustisch normalen, nicht übermäßig großen Räumen tief, laut und kontrollierter, klarer und räumlich stabiler spielen als viele klassische Konstruktionen. Diese Zielsetzung ist, sagen wir mal, ambitioniert. Die Sigberg Saranna muss die Präzision eines Studiomonitors mit der körperhaften Autorität großer Subwoofer-Systeme verbinden und dabei unterschiedlichste Musikstile glaubwürdig transportieren, von fragilen Akustikaufnahmen bis hin zu dicht produzierten Elektronik-, Metal- oder Orchesterwerken mit massivem Dynamikumfang. Sigberg nennt das „The Sigberg Sound“ und ruft die Devise „von Mahler bis Metallica“ aus.
„Mal was anderes“ auf Norwegisch
Thorbjørn Sigberg, der Macher hinter der Marke, ist nicht nur ein überaus williger Informationsgeber, sondern auch leidenschaftlich daran interessiert, sein Produkt im richtigen Licht erscheinen zu lassen – oder sagen wir, die Perspektive der Leserschaft dieses Artikels zu öffnen und ihren Fokus zu schärfen:
„Die meisten Berichte über unsere Systeme folgen dem Muster anderer Testberichte: Sie loben die Klangqualität, die technische Innovation und den allgemeinen Eindruck. Das ist zweifellos wichtig, erfasst jedoch nicht unbedingt, was diese Systeme in der Praxis am meisten auszeichnet: ihr unkompliziertes und adaptives Verhalten in realen Räumen. Das Nierencharakteristik-Design in Kombination mit flexiblen EQ-Einstellungsmöglichkeiten – die eine wandnahe Aufstellung ermöglichen – führt in der Regel zu weniger Problemen mit der Raumakustik, selbst in Räumen, die akustisch nicht stark behandelt sind. Insgesamt können diese Designentscheidungen das Ergebnis im Vergleich zu konventionellen Konstruktionen deutlich verbessern. Bei den Saranna handelt es sich also um einen systemischen Ansatz, dessen Designentscheidungen dazu beitragen, dass es sich auf natürliche Weise besser in Räume integrieren lässt.“
Ergänzend betont Thorbjørn Sigberg, dass er beziehungsweise seine Vertriebe (in Deutschland ist Hörzone aus München zuständig) seinen Kunden Unterstützung bei der Aufstellung, der Raumakustik und der DSP-Anpassung anbietet, einschließlich Hilfe bei REW-Messungen und der parametrischen Entzerrung, zu der wir noch kommen.
Koax, Kardioid und kontrollierte Energie
Erst aber zum Herzstück der Sigberg Audio Saranna und zu einem der drei klangbestimmenden Designprinzipien.

Der speziell für dieses Projekt modifizierte 20-Zentimeter-Koaxialtreiber des italienischen Herstellers Sica arbeitet mit kräftigem Neodym-Antrieb und kombiniert die Papier-Mitteltonmembran mit einem horngeladenen Kompressionstreiber auf einer gemeinsamen akustischen Achse. Der Konustöner übernimmt den für einen Mitteltöner ungewöhnlich tief einsetzenden Bereich zwischen 130 und 1500 Hertz, darüber arbeitet der Kompressionstreiber mit einem radialen Phaseplug.

Dieses Prinzip verspricht in der Theorie ein punktquellenähnliches Verhalten, eine saubere Phasenlage und eine stabile räumliche Abbildung selbst außerhalb des klassischen Sweet Spots. Andererseits können der als Quasi-Hornfortsatz fungierende Konus-Trichter und die Sicke zu Verfärbungen führen, da sich die akustische Umgebung für den Hochtöner ständig verändert. (Spoiler: Davon hört man bei den Sigberg Saranna absolut nichts.)

Besonders spannend wird die Konstruktion hinsichtlich der Abstrahlung. Die Sigberg Saranna arbeiten bis etwa 130 Hertz hinab, der unteren Grenzfrequenz des Sica-Konus, mit einem kardioiden Konzept (also Abstrahlung mit Nierencharakteristik), das Reflexionen im Mitteltonbereich gezielt reduziert. Technisch geschieht das über seitliche Öffnungen im Gehäuse, aus denen phasenverschobene Schallanteile austreten. Diese löschen einen Teil jener Energie aus, die normalerweise an die Seiten- und Rückwände abgestrahlt würde. Das Resultat – ein höherer Direktschallanteil am Hörplatz – soll eine präzisere räumliche Wiedergabe sein.
Tiefton mit ungewöhnlicher Geometrie
Auffällig ist die rückwärtige Anordnung der beiden Tieftöner, womit wir bei der zweiten Besonderheit der Saranna wären. Von vorne betrachtet wirkt Sigbergs Saranna wie ein großer Zweiwege-Lautsprecher. Erst der Blick auf die Rückseite offenbart die eigentliche Bassabteilung. Die Anordnung der beiden Woofer ganz oben und ganz unten an der Gehäuserückseite dient einer gleichmäßigeren Anregung des Raums.

Die beiden 20-Zentimeter-Woofer von Wavecor arbeiten bis etwa 130 Hertz, also gerade noch so auf dem typischen Subwoofer-Terrain. Doch im Gegensatz zu den geschlossenen Tieftonsystemen seiner beiden Subwoofer-Satelliten-Konzepte setzt Sigberg in den Saranna auf ein tief abgestimmtes Bassreflexprinzip. Die großzügig dimensionierte rechteckige Öffnung soll die gefürchteten Strömungsgeräusche minimieren und extremen Tiefbass mit hoher Pegelfestigkeit ermöglichen.
Laut Hersteller reicht die Wiedergabe im Raum bis etwa 20 Hertz hinab, im Freifeld stehen bei -3 dB immer noch beeindruckende 28 Hertz im Datenblatt. Betrachtet man dies im Lichte des maximalen Schalldrucks von 116 Dezibel, zu dem die Saranna pro Kanal fähig sind, kann man nur den Hut ziehen und sich ein freistehendes Einfamilienhaus als Arbeitsplatz für die Norwegerinnen wünschen.

Insbesondere angesichts solcher Zahlen ist die ausdrücklich gewünschte wandnahe Aufstellung bemerkenswert. Während viele High-End-Lautsprecher möglichst frei im Raum stehen sollen, empfiehlt Sigberg lediglich 15 bis 50 Zentimeter Abstand zur Rückwand. So sollen die Saranna die Grenzflächenkopplung zur Bassunterstützung nutzen und klassische „Speaker Boundary Interference Response“-Effekte reduzieren. Die SBIR beschreibt, wie die Nähe eines Lautsprechers zu einer harten Begrenzung wie Wand, Decke und selbstverständlich auch zum Boden den Frequenzgang, insbesondere im Tieftonbereich, verändert. An dieser Stelle dürfte der ein oder andere Leser die Stirn runzeln, und das kann ich verstehen – mir ging es ebenso. Aber man soll ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen.
Aktivtechnik statt Passivromantik
Denn die Saranna haben Trümpfe im Ärmel. Zum einen sind sie vollständig aktive Lautsprecher. Jeder Weg verfügt über einen eigenen Verstärker. Insgesamt arbeiten also drei Verstärkermodule im Inneren: 250 Watt gehen an die rückwärtigen Basschassis, weitere 250 Watt stehen für den Mitteltontreiber sowie 100 Watt für den Hochtonbereich bereit. Die Verstärker basieren auf der Hypex-nCore-Technologie und folgen damit dem thermisch und energetisch effizienten Class-D-Prinzip.
Die aktive Architektur ermöglicht nicht nur präzise Frequenzweichen und exakte Zeitausrichtung, sondern auch umfangreiche Eingriffsmöglichkeiten. Drei DSP-Presets stehen direkt am Lautsprecher bereit und lassen sich unkompliziert anwählen. In der Werkseinstellung entspricht Preset 1 der neutralen Referenzabstimmung. Preset 2 hebt den Bassbereich moderat an, Preset 3 arbeitet mit einer nochmals kräftigeren Tieftonbetonung — etwa für größere Räume, eine wandfernere Aufstellung oder Filmton. Darüber hinaus lässt sich die Sigberg Audio Saranna mit der kostenlos erhältlichen Software „Hypex-Filter-Designer“ tiefgreifend am Rechner anpassen. Über ein USB-Kabel kann der User parametrische EQs setzen, Eingangsempfindlichkeiten verändern oder Signalquellen fest zuweisen. Sigberg empfiehlt dabei ausdrücklich moderate Eingriffe mit breitbandigen Filtern statt aggressiver „Linealglättung“. Schade: Mac-User gucken diesbezüglich in die Röhre. Die Software, die sich von der Sigberg-Audio-Website herunterladen lässt, ist derzeit ausschließlich für Windows verfügbar.
Konnektivität
Die Anschlusssektion der Sigberg Audio Saranna fällt praxisgerecht aus: Neben symmetrischen und unsymmetrischen Analogeingängen stehen AES/EBU, koaxiale und optische Digitaleingänge zur Verfügung. Digitalsignale werden direkt von den DSPs verarbeitet, bevor sie für die Verstärkung durch die Class-D-Endstufen wieder in die analoge Domäne gewandelt werden. Analoge Signale werden intern zunächst digitalisiert, anschließend DSP-basiert verarbeitet und dann erneut gewandelt und an die Endstufen übergeben. Laut Sigberg bleibt dabei selbst der Charakter externer DACs erhalten. Alle Wandlungsvorgänge werden von hochwertigen AKM-Wandlern übernommen, so Thorbjørn Sigberg.

Alles in allem steht hier also ein durchdachter, mit clever ineinandergreifenden Technologien ausgestatteter, potenter und nicht allzu großer Lautsprecher, der seine Endstufen bereits mitbringt. Die Kombination aus Breitbandigkeit, Pegelfestigkeit, kontrolliertem Abstrahlverhalten und der versprochenen Möglichkeit, auch mittelgroße bis kleinere Räume bei einer wandnahen Aufstellung zu bespielen, ist sehr interessant und weckt meine Neugierde. Also los!
Sigberg Audio Saranna: Hörtest und Vergleiche
In meiner Kette übernimmt die Vorstufe Norma Audio REVO SC-2 mit integriertem DAC-Modul die Signalversorgung der Saranna. Die Kopplung obliegt dem XLR-Kabel Gutwire Synchrony SE. Den besten Kompromiss zwischen Bühnenbreite und Abbildungschärfe habe ich mit einer minimalen Einwinkelung von etwa 5 Grad erreicht.

Basso famoso
Schon die ersten Minuten machen klar, dass die Sigberg Saranna kein Lautsprecher für Asketen ist. Der Tiefton gerät körperhaft, energiereich und satt. Nicht weich oder konturlos, aber eben eher vollmundig als allzu sehnig-trocken. Vor allem der Tiefbass beeindruckt mit einer Wucht und Selbstverständlichkeit, die ich in dieser Form zuletzt eher von ausgewachsenen Subwoofer-Systemen kannte. Die aktiven ATC SCM50ASL (23.260 Euro) wirken etwas kontrollierter und sind trockener abgestimmt, reichen subjektiv jedoch bei Weitem nicht so tief hinab in den Basskeller. Selbst die üppig bestückten (passiven) Revel F328Be (19.800 Euro) spielten in Kombination mit meiner Endstufe Norma Audio REVO PA-150 (7.190 Euro) nicht mit derselben Autorität bis an die Wahrnehmungsschwelle herunter.

Ebenso schnell wird klar, dass die von Sigberg empfohlene wandnahe Aufstellung in größeren Räumen grundsätzlich funktioniert. In meinen 25 Quadratmetern lande ich an der oberen Grenze der Aufstellungsempfehlung, also bei etwa 50 Zentimetern Abstand zur Rückwand. Darunter werden die Raummoden meines Wohnzimmers etwas zu stark angeregt. Zudem habe ich den Equalizer auf -2 dB bei 125 Hertz eingestellt. Dieses Setting habe ich während der gesamten Hörsitzungen verwendet.
Und trotz dieser kleinen Zähmung untenrum bleibt die Saranna tonal auf der warmen, satten Seite der Neutralität. Bassläufe strukturiert sie sauber durch, macht Tonverläufe auch ganz untenrum hinreichend nachvollziehbar, trennt Punch und Körper überzeugend voneinander und behält selbst bei hohen Pegeln die Kontrolle. In „Jazzik“ von Alexei Aigui (Album: Happiness, Fame and Fortune) schlagen die Kickdrums mit beinahe PA-artiger Wucht in den Raum, gleichzeitig bleibt nachvollziehbar, wie sich der trockene Anschlag vom Resonanzkörper der Trommel löst. So eine gelungene Mischung aus Tiefgang, Brutalität und Differenzierung hört man selbst in dieser Klasse selten.
Druckschwankungen


Verbindlich im Detail
Trotz ihres kraftvollen Bassfundaments wirkt die Saranna sauber und durchhörbar. Sie beschönigt weder schlechte Aufnahmen noch aggressive Produktionen, kippt dabei aber nie in Härte oder unangenehme Schärfe. Selbst problematisches Material bleibt hörbar, ohne dass man reflexartig leiser drehen möchte. Der Hochton besitzt Substanz und vermittelt ehrliche Verbindlichkeit, statt ätherische Luftschlösser zu malen, sprich: er gibt sich weitgehend neutral und allenfalls ganz oben etwas dezenter. Die passiven Inklang Ceterra 70R Black Edition (13.000 Euro) wirken im Zusammenspiel mit meiner Norma Audio PA-150 (7.150 Euro) im Superhochton jedenfalls noch etwas freier, offener und aufgelöster – aber auch zahmer in der Attacke. Die aktiven ATC SCM50ASL fächern das Geschehen ebenfalls etwas luftiger auf und wirken zudem ganz, ganz oben herum nochmals minimal analytischer. Bitte nicht falsch verstehen: Auflösung und Feinstruktur des Sigberg-Kompressionstreibers bewegen sich bis zur Superhochtonschwelle auf dem hohen Niveau der beiden Vergleichslautsprecher, erst im absoluten Oberstübchen zieht sie sich ganz vornehm (und ohne direkten Vergleich kaum wahrnehmbar) einen Hauch zurück.

Im Präsenzbereich spielt die Sigberg direkter und etwas offensiver als meine Kombination aus Norma-Amp und passiven ATC. Die Italiener zeigen hier einen leichten Hang zur Milde, während die Saranna unmittelbarer, teilweise auch etwas härter agiert; letztlich ist das aber eher die „Normal-Null-Position“ und somit realistischer. Ein Beleg dafür: Insbesondere Big-Band-Fetzer wie „Jumping at the Woodside“ von Count Basie machen mit den Sigberg Saranna unglaublich viel Spaß, weil der Biss der Bläser phänomenal unlimitiert wirkt. Wo andere Lautsprecher gerade die höheren Töne von attackierenden Trompetengruppen etwas einbremsen, marschieren die Saranna so entfesselt und sauber drauflos und bieten gleichzeitig so viel Textur und natürliche Klangfarben, dass es mir schwerfällt, wieder andere Mucke aufzulegen. „Hold my beer“ sagen 65daysofstatic und Daisuke Tanabe. Sie beweisen mit „popular beats“ beziehungsweise „Cat Step“, dass auch elektronische Synths in den oberen Mitten und im Präsenzbereich gewaltiges Texturpotenzial bergen, das die meisten Lautsprecher nicht ansatzweise ausloten können. Die Sigberg Saranna entdecken diese Klänge auf faszinierend ungekünstelte und einsichtsreiche Weise. Meine Synästhesie bedankt sich – wer braucht da Drogen?
Mittendrin statt nur dabei
Überhaupt zählen die Mitten zu den Talenten der Sigberg Audio Saranna. Stimmen wie die von Dominique Fils-Aimé in „Birds“ (Album: Nameless) erscheinen plastisch und bemerkenswert direkt im Raum. Gleichzeitig arbeitet die Sigberg feinste dynamische und tonale Variationen innerhalb von Gesangslinien sehr präzise heraus. Beim leicht schräg gesungenen „Free Love“ von Irreversible Entanglements wirkt das ausgesprochen fesselnd.
Im direkten Vergleich zur SCM50ASL wirken Stimmen bei sehr dichtem Begleitgeschehen einen Tick stärker ins Gesamtbild eingebunden. Die aktive ATC löst solche Konstellationen mit ihrer berühmten „Bärennase“ etwas freier und transparenter auf. Von einem echten Rückstand kann dennoch keine Rede sein – vielmehr bewegt sich die Saranna hier auf einem Niveau, auf dem Nuancen über den Vergleich entscheiden.
Raum nur dann, wenn er da ist
Räumlich folgt die Saranna einem etwas anderen Ansatz als viele klassische High-End-Lautsprecher, die gerne mit riesigen Bühnenaufbauten protzen. Anscheinend mag der Markt die Illusion der Tiefe hinter den Lautsprechern – je mehr, desto besser. Wie realistisch das mit den meisten Aufnahmen ist? Das ist eine Sache der Philosophie, und da will ich jetzt nicht tief einsteigen.

Die Bühne der Sigberg Audio Saranna wirkt jedenfalls eher kompakt und baut sich auf der Lautsprecherbasis oder leicht davor sowie vergleichsweise hoch im Raum auf. Sie bleibt unabhängig vom Pegel stabil in ihrer Größe. In der Breite konzentriert sich das Geschehen etwas stärker zwischen den Lautsprechern als etwa bei der ATC oder der Inklang Ceterra 70R Black Edition.
Klar: Wo weniger Seitenreflexionen ans Ohr gelangen, entstehen wohl auch weniger klangverfremdende Artefakte, die dem Hörer mehr Raum vorgaukeln, als auf der Aufnahme eigentlich drauf ist. Wenn Aufnahmen allerdings gezielt mit Effekten arbeiten — etwa bei Q-Sound-Produktionen — löst sich das Klangbild problemlos weit über die Lautsprecher hinaus.
Dasselbe gilt für die Tiefenstaffelung. Nur entsprechend potente Aufnahmen wie „Rhapsody in Blue“ von Gershwin projiziert die Sigberg Saranna hörbar hinter die Lautsprecherebene, aber auch hier nicht in dem Maße wie bei einigen Wettbewerbern. In der Tat halte ich diese Herangehensweise für die eigentlich ehrlichere – aber klar: letztlich ist es Geschmackssache. Wer ausnehmend weitläufige und insbesondere tiefe „Klangbäder“ schätzt, kommt hier weniger auf seine Kosten.
Schallereignisse projiziert die Sigberg Audio Saranna allerdings klar voneinander getrennt und verleiht ihnen eine holografische Glaubwürdigkeit, die das Niveau der diesbezüglich herausragenden passiven Inklang Ceterra 70R Black Edition erreicht. Gleichzeitig bildet die Sigberg einzelne Schallquellen insgesamt etwas kleiner ab als viele konventionelle Konstruktionen. Vermutlich ist auch das eine Folge ihrer kardioiden Arbeitsweise: Weniger diffuse Raumenergie bedeutet weniger „wabernde“ Ränder, dafür schärfere Konturen und eine realistischere Größenordnung einzelner Klangquellen.
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