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Klang: Beyerdynamic T90 und A20

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  1. 2 Klang: Beyerdynamic T90 und A20

La RouxDoch genug der Vorworte und schnell was auf die Ohren. Gestartet habe ich mit leichtem Elektropop von La Roux. Gute-Laune-Musik – und auch der Beyerdynamic T90 erfreut von Beginn an. Hauptsächlich dafür verantwortlich ist die Tatsache, dass er nicht so klingt, wie ich erwartet habe. Der DT990 war stets ein etwas zwiespältiger Hörer, da er zwar vielen Leuten Spaß macht (und darum geht es ja letztendlich), das aber auf Kosten der Klangqualität: Die Mitten dieses offenen Modells sind etwas zurückgenommen, sodass er den typischen „Badewannensound“ (betonte Bässe und Höhen) erhielt, der Musik effektvoller klingen lässt. Und obwohl der 2005er-Relaunch den 990er etwas ausgeglichener machte, griff der Purist immer zum „akustisch korrekteren“ DT880. Der T90 hingegen liegt für mich eher in der Klanglinie der halboffenen Modelle DT880 und T1!

Beyerdynamic T90 - VerpackungDie Musik von Elly Jackson und Ben Langmaid lebt durch ihre schnellen Beats, Ellys hohe Stimme und den vielen Details. Im zweiten Song „Tigerlily“ gibt es unzählige kleine Beats im Hintergrund, die allesamt den Gesamtrhythmus des Songs bestimmen. Die Beyerdynamic-Kombi schafft es hervorragend, alle diese Einzelteile ans Ohr zu bringen und dabei ein absolut einnehmendes Gesamtbild zu erschaffen. Oft spielt Detailtreue eher gegen das Gesamtbild an, beim T90 hingegen fügt es sich harmonisch zusammen. Am Ende bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es an der seltenen Kombination aus leicht betontem Mittenbereich bei gleichzeitig sehr hoher Auflösung liegen muss.

Beyerdynamic T90

Was ebenfalls sofort auffällt, ist der hohe Verstärkungsfaktor des A20. Während er für schwächere Quellen wie einen Mobilplayer einen Segen darstellt, wird er direkt am CD-Player zu einem Problem für Leisehörer. Speziell mit laut ausgesteuerten Alben befindet man sich mit dem Poti am unteren Ende und muss aufpassen, sich nicht im Bereich minderen Kanalgleichlaufs zu bewegen. Bei meist leiser ausgesteuerten, hochwertigen Aufnahmen hatte ich dieses Problem nicht mehr.

Während ich bei Männerstimmen gern zu Sennheiser oder Grado greife, kommen Frauenstimmen bei Audio-Technica und Beyerdynamic besonders zur Geltung. Die Japaner von AT betonen eher die sehr hohen Frauenstimmen – und dies Marianne Faithfullteilweise so stark, dass auch die natürliche Instrumentenwiedergabe leidet. Beyerdynamic geht einen weniger extremen Weg. Die leichte Betonung erfolgt etwas tiefer und deutlich eleganter. Auch dunklere Frauenstimmen mit hohen Akzenten können hier glänzen, wie beispielsweise die gereifte Marianne Faithfull auf Alben wie Horses and High Heels.

Doch für den T90 griff ich auch zu Rachael Yamagata. Im Debutalbum Happenstance gibt es den Popjazz-Titel „I Want You“, welcher ihre Stimme sowie Klavier und Blechbläser zusammenführt. Die Beyerdynamic-Kombi bringt so viel Spaß in diese Instrumente, dass der Song ein ganz neues Leben erhält. Rachael YamagataDas Faszinierende hierbei ist die Tatsache, dass dies eben nicht über eine starke Betonung in Bass und Höhen erreicht wird, sondern hauptsächlich über die sehr exakte und reine Wiedergabe. Die Musik springt einen in ihrer Lebendigkeit quasi an. Dieses direkte Gefühl vermittelt zwar auch ein Grado, verbindet das bei den meisten Modellen aber nicht mit der tonal natürlichen Wiedergabe des T90. Übrigens: Im direkten Vergleich mit dem A20 fällt das Klanggebilde am Kopfhörerausgang des CD-Players ein gutes Stück zusammen. Tonal gibt es nahezu keine Unterschiede, doch im Detailreichtum und der Klarheit erreicht der Beyerdynamic T90 im Zusammenspiel mit dem A20 ein deutlich höheres Niveau.

Allgemein lässt sich über den Detailreichtum des T90 sehr Gutes berichten – er liegt hörbar über dem Niveau zum Beispiel eines Sennheiser HD650. Zu den Spitzenmodellen T1 und HD800 bleibt aber noch etwas Luft. Der Verstärker A20 leistet in diesem Bereich sehr gute Dienste und ist eindeutig auf die Beyerdynamic-Hörer abgestimmt. Mit den hochohmigen Modellen von Sennheiser wollte der A20 sich nicht recht anfreunden und der Klang blieb im Mittenbereich leicht belegt – eine Schwäche, die den Sennheiser-Modellen häufig nachgesagt wird. Es fiel ebenfalls auf, dass die Performance des Beyerdynamic A20 in Verbindung mit dem T90 leidet, wenn am zweiten Ausgang ein hochohmiger Kopfhörer angeschlossen ist. Im Solobetrieb hingegen zeigen sich keine Probleme. Mit niederohmigen Hörern liefert der A20 eine gute Performance ab und sein Hintergrundrauschlevel ist ausgesprochen niedrig. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass er während meiner Testphase mit dem T90 und DT880 am besten harmonierte.

Beyerdynamic A20

Der T90 schlägt sich auch bei ganz anderen Musikrichtungen hervorragend. So fällt etwa bei schnellen Metalstücken besonders die saubere Trennung und Darstellung des Schlagzeugs auf sowie bei Live-Blues-Aufnahmen die wunderbare Staffelung der Bühne. Der Beyerdynamic T90 ist unter den dynamischen Kopfhörern neben dem T1 einer der genauesten, was die Darstellung und Anordnung einer Bühne angeht. Auch bei großen Sälen bricht dieses Bild nicht zusammen und jedes Instrument ist jederzeit exakt zu orten.

Typischerweise ist die Basswiedergabe einer der Bereiche, in denen ein Kopfhörerverstärker die deutlichsten Vorteile bringt. Der Beyerdynamic A20 hingegen fällt vor allem durch seine hervorragende Auflösung auf. Die höhere Kontrolle des T90 in den unteren Registern steht an zweiter Stelle – ist aber dennoch deutlich hörbar. Die Tieftonwiedergabe ist allgemein recht ausgeglichen und trocken, lediglich bei den ganz tiefen Frequenzen hätte ich mir etwas mehr Druck gewünscht. Hier spielt eine halboffene Bauweise möglicherweise besser auf, da der Treiber dank dichterer Muscheln mehr Druck aufbauen kann.

Beyerdynamic A20

Apropos: Der Beyerdynamic T90 punktet mit hervorragendem Komfort. Die Kopfhörermuscheln bieten ausreichend Platz um die Ohren, um zu großer Wärmebildung vorzubeugen, und der Anpressdruck ist – der offenen Bauweise entsprechend – äußerst gering. So steht auch längerem Hören am Stück nichts im Weg.

Kehren wir für die nächste Detailbetrachtung wieder zu Frauenstimmen zurück. Vermutlich passt das momentan auch einfach in meine Stimmung. Lou Lou RhodesRhodes Erstling Beloved One – hier fesselt insbesondere der Song „Tremble“. Bei diesem setzen nach knapp einer Minute ein paar Shaker auf dem linken Kanal ein. Obwohl diese natürlich mit jedem Kopfhörer zu hören sind, sind sie mir mit dem T90 besonders aufgefallen. Die Klarheit und Auflösung, die die Kombination aus A20 und T90 hier ans Ohr bringt, rücken diese Kleinigkeit so in meinen Fokus, dass ich den Song ganz neu erlebe. Hörte ich zuvor hauptsächlich auf die durch verschiedene Stimmlagen und Pausen erzeugte Spannung, rückt jetzt der Kontrast zwischen den Abschnitten mit und ohne Shaker mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die Beyerdynamic-Kette schafft, wonach ich bei HiFi-Geräten immer suche: Sie zeigt mir meine Musik in einem neuen Licht, ohne dabei unangenehm tendenziös zu klingen. Nach diesem Song griff ich sofort zu einigen meiner Lieblingsalben und hörte den Abend – und einen guten Teil der Nacht – quer durch dieses und jenes Album. Oft zeigten Beyerdynamic A20 und T90 eine andere Darstellung als gewohnt, wenn auch selten so deutlich wie es mir bei Lou Rhodes erschien. Viel wichtiger aber war die Tatsache, dass dieser Abend inmitten meiner Lieblingsalben so viel Spaß gemacht hat wie seit Langem keine Hörsession mehr.

Test: Beyerdynamic T90 und A20 | Kopfhörer, Kopfhörer-Verstärker

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