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Demnächst im Test:

Einen guten Grund zum Feiern gab es am letzten September-Wochenende für die Westdeutschen HiFi-Tage. Bereits zum zehnten Mal fand die im Portfolio der deutschen HiFi-Messen fest etablierte Veranstaltung im Bonner Maritim statt. Wie gewohnt organisiert vom HiFi-Studio Linzbach – die Geschäftsführer Christian Breil und Benno Salgert sehen Sie oben im Bild – und kostenfrei für alle interessierten Besucher. Dabei bot das Hotel in der Nähe des Rheins nicht nur eine elegante Location für feine und feinste HiFi-Anlagen, sondern auch ausreichend Gelegenheit zur standesgemäßen Verköstigung oder dazu, sich einfach mal zum Plausch mit Gleichgesinnten auf einen Kaffee zurückzuziehen. Wobei es ratsam war, die Zeit im Auge behalten – doch wer wirklich alle interessanten Vorführungen besuchen wollte, dürfte dazu vermutlich sowieso beide Messetage einkalkuliert haben.

Das Messehotel der Westdeutschen HiFi Tage 2019

Das Messehotel, in dem die Westdeutschen HiFi Tage 2019 stattfanden

Einen – wenn naturgemäß auch nur unvollständigen – Einblick in die Vielfalt der präsentierten HiFi-Preziosen wollen wir Ihnen nicht vorenthalten, sollten Sie es nicht geschafft haben, die „Westdeutschen“ selbst zu besuchen:

In einem der größeren Säle im ersten Stockwerk hatte Audio Components (www.audio-components.de), einer der dienstältesten deutschen Highend-Vertriebe, eine faszinierende Anlage installiert, die mit großen Namen auch Kenner zu beeindrucken wusste. Als (Verstärker-)Herz fungierte die brandneue Vorstufe C53 von McIntosh. Neben reichlich analogen Eingängen, Phono inklusive, gewährt McIntoshs neues DA2-Digital-Audio-Module immerhin sieben digitalen Quellen Zutritt zur C53. Dank neuestem 32-Bit-DAC sind natives DSD und eine Auflösung bis zu 512 kHz via USB-Eingang möglich. Die koaxialen und optischen Eingänge lassen 24 Bit/192 kHz zu. Diese Flexibilität hat mit 9.500 Euro natürlich auch einen entsprechenden Preis.

McIntosh-Stereoendstufe MC462

McIntosh-Stereoendstufe MC462

Die Endverstärkung erledigten zwei McIntosh-Stereoendstufen MC462 (12.480 Euro pro Stück) im Biamping-Betrieb. Die 2 x 450-Watt-Boliden stellen ihre Leistung wie üblich bei 2, 4 und 8 Ohm zur Verfügung. Neben dCS CD-Spieler Rossini (mit Netzwerk-Streaming-Funktionalität) zu 22.000 Euro kam auch McIntosh-Plattenspieler MT5 zum Einsatz, natürlich mit einem im typischen Grün des Herstellers leuchtenden Plattenteller.

Blick auf die Anlage im Raum von Audio Components

Blick auf die Anlage im Raum von Audio Components

Wer 25.998 Euro in ein Paar Persona 7F des kanadischen Herstellers Paradigm investiert, erhält zwei ausgewachsene Drei-Wege-Standlautsprecher, unter deren filigran gearbeiteten Schutzgittern Außergewöhnliches vor sich geht. Schließlich werden nicht nur der Hoch-, sondern auch der Mitteltonbereich der Persona 7F von Berylliumtreibern verantwortet, was in der Regel mit horrenden Kosten für die Chassis verbunden ist – aber eben auch mit enorm verzerrungsarmem und detailreichem Klang. Und genau so war es auch. Die Lautsprecher konnten nicht nur mit tief reichendem und ebenso schwarzem Bassfundament glänzen, sie erlaubten auch einen nahezu lupenartigen Einblick in den feinstverästelten Hochtonbereich, der sich den transparenten Mitten nahtlos anschloss. Dass dabei die Räumlichkeit keineswegs zu kurz kam, sei der Vollständigkeit halber auch erwähnt. Übrigens: Wir hatten neulich das kleinere Standmodell der Persona-Serie, die 3F, im Test.

Im Raum von Daluso

Im Raum von Daluso

Physisch etwas kleiner, qualitativ aber auf höchstem Niveau, ging es gegenüber im Raum Planck zu, wo Daluso (www.daluso.com), Deutschlands Harmonix-Vertrieb, Stellung bezogen hatte. Die Harmonix Zweiwege-Lautsprecher Encore gefallen mir von Jahr zu Jahr besser, gelingt es ihnen doch ein sehr natürliches Klangerlebnis in den subjektiv viel zu großen, dafür aber mit Harmonix Room-Tuning Chips versehenen Hörraum zu projizieren. Die für ein Pärchen aufzuwendenden 5.990 Euro (ohne Ständer) gehen daher in Ordnung. Letztes Jahr hatte man die Verstärkerkombination von Harmonix zur Verstärkung mitgebracht. Klasse Amps, ohne Frage, aber auch keine Sonderangebote.

Ed Doggen von Daluso

Ed Doggen von Daluso

Diesmal allerdings hatte Vertriebschef Ed Doggen sich für den 2 x 125 Watt leistenden Vollverstärker 925 von Trilogy Audio Systems entschieden. Ein Hybrid-Design des englischen Herstellers und mit 12.950 Euro auch nicht wirklich billig, aber deutlich günstiger als die japanischen Edelverstärker. Da ich klanglich keine wirklichen Abstriche vernehmen konnte, könnte die Harmonix-Trilogy-Kombi sogar zu einem echten Geheimtipp werden. Auch von Ed Doggen kam angesichts dieser Vermutung kein Widerspruch.

Ein paar Meter weiter entdeckte ich eine Kette, die auch gestandenen Highend-Fans die Handflächen feucht werden lässt. Bemax Audio (www.bemax-audio.de) vertreibt nicht nur die in Long Eaton, UK hergestellten Lautsprecher von Living Voice und Musikserver von Request aus der Schweiz, sondern auch die legendären Verstärker von AN Kondo in Österreich und Deutschland. Dies „harte“ Los schien Bemax Chef Benjamin Schmieding allerdings mit ausgesprochen guter Laune zu ertragen.

Mono-Endstufen Kondo Gakuoh

Mono-Endstufen Kondo Gakuoh

Kein Wunder bei der feinen Installation, die Bemax hier aufgebaut hatte. Darunter gleich drei Kondovorstufen. Neben dem Klassiker G-70 gaben sich eine M-7 Heritage mit integrierter Phonovorstufe und das Top-Model G-1000, für welches nicht weniger als die Kleinigkeit von 110.000 Euro aufgewendet werden muss, ein Stelldichein. 95.000 Euro brauchte es dann noch zur standesgemäßen Endverstärkung mit zwei Gakuoh-Monos, die im Push-Pull-Betrieb 20 exklusive Watt aus je zwei 300B-Röhren erzielen können und zur weiteren Verbreitung an ein Pärchen OBX-RW3 von Living Voice weiterreichten.

OBX-RW3 von Living Voice

OBX-RW3 von Living Voice

Mit 15.000 Euro pro Paar in dieser Kombination geradezu vernünftig, markieren sie die Spitze der Auditorium-Serie und sollen dank ausgelagerter Frequenzweichen besonders plastisch und räumlich spielen.

Musikserver Request The Raptor

Musikserver Request The Raptor

Unbedingt sollte noch die hier eingesetzte Quelle ihre verdiente Würdigung erfahren. Der Musikserver Request The Raptor verfügt über ein OnBoard-Ripping-Device, soll alle gängigen Audioformate und Bitraten beherrschen und auch Computer-HiFi unerfahrene User bedientechnisch nicht überfordern. Mit 15.900 Euro (Version mit eingebautem DAC) ist The Raptor sicherlich ein Hochpreisprodukt, doch für das Request-Musikserver-Statement The Beast, an dem sich der Neuzugang klanglich orientieren soll, müssen gar 40.000 Euro einkalkuliert werden.

Chris Heuer und York Dettmers von Boaacoustic

Chris Heuer (links) und York Dettmers von Boaacoustic

Auf dem Weg in die oberen Stockwerke blieb noch Zeit für einen Besuch der Ausstellungsflächen im Erdgeschoss. Hier traf ich auf Chris Heuer und York Dettmers von Boaacoustic/JIB-Germany (www.jib-germany.de), die unter anderem die Kabel der neuen Blueberry-Serie einem breiteren Publikum demonstrierten. Wir hatten die in Deutschland konfektionierte Kabelserie erst kürzlich getestet und ein erfreuliches Preis-Leistungs-Verhältnis attestiert. So verwendet Boaacoustic für die Signalkabel hochreines OCC-Kupfer und gönnt den Kontakten eine Beschichtung aus 24-karätigem Gold. Bei Preisen ab 185 Euro für ein Cinchkabel oder 200 Euro für das XLR-Pendant dürften sich auch Besitzer nicht so exorbitant teurer Anlagen kaum überfordert sehen. Klanglich fällt der Abstand zu Top-Leitern geringer aus als man denken könnte, wie Kollege Ralph Werner im Test resümierte. Und wer noch höher hinaus möchte, kann sich ja mal bei den Verbindern der Kupfer- und Silber-Serie von Boaacoustic umschauen.

Fast wäre mir dann noch eine wirklich spannende Vorführungen entgangen, da der Raum außerhalb der üblichen Laufwege lag. Pure Emotion by AW und Entwickler Axel Wurm waren mir bis dato unbekannt. Was zunächst nach einem weiteren übermannsgroßen Lautsprecher aussah – bewusst christomäßig in Leinen gepackt und gut verschnürt, samt einem eindrucksvoll vergoldetem Horn –, war eigentlich noch mehr. Dahinter steckte nämlich ein komplettes Aktivsystem, mit aufwendiger, DSP-basierter Weiche, einem integrierten Amp mit 2 x 500 Watt Leistung und zwei Bassendstufen, welche zusammen gut 2,4 Kilowatt in Richtung Lautsprecher pumpen können. Ein aus Zirbelholz hergestelltes Kabinett, der aufwendig abgeschirmte, 2 Zoll große Kompressionstreiber mit besonders tiefer Übernahmefrequenz sowie das mit vier Materialien komplett beruhigte Composite-Horn sind weitere „Specials“ des solo 70.000 Euro teuren Schallwandlers.

Pure Emotion by AW

Pure Emotion by AW

Als das Auditorium die Frage „Vertragen sie etwas Lautsstärke?“ bejahte, drückte das System ein Schlagzeugsolo im Originalpegel in den Hörraum, womit es sämtliche Fragen bezüglich dynamischer Kompetenz umgehend und recht eindeutig beantwortete. Noch faszinierender aber geriet der sensible Umgang mit Anette Askviks Stimme auf Liberty. Gerade weil der Track öfter auf den Westdeutschen zu hören war, ließ sich gut ermessen, zu wie viel Feinzeichnung und emotionalem Ausdruck Pure Emotion fähig war. Vorausgesetzt man konnte im Sweetspot Platz nehmen, denn außerhalb davon war leider merklich weniger von der Faszination der Pure Emotion zu hören. Gut 100.000 Euro werden zusammen mit der speziell abgestimmten Elektronik für die Pure-Emotion-Kette aufgerufen. Eine hohe Summe für ein System, das sich im Vergleich mit anderen ähnlich kostspieligen Anlagen aber durchaus zu behaupten wusste.

Obwohl Hotelzimmer häufig für schlechte Akustik oder dürftigen Strom gescholtenen werden, konnte man gerade dort einige Ketten entdecken, die richtig Laune machten:

Rike-Chef Georg Arsin mit seiner Lilly

Rike-Chef Georg Arsin mit seiner Lilly

Die Zusammenstellung eines integrierten Röhrenverstärkers von Rike Audio (https://rikeaudio.de/) mit Lautsprechern von Lansche (www.lansche-audio.com) war für mich ungewohnt, traf aber klanglich ins Schwarze. Rike-Chef Georg Arsin hatte seine Lilly (4.400 Euro) mitgebracht, ein unterhalb der Romy positionierter, um die russische Senderöhre GU 50 aufgebauter Vollverstärker. Anders als bei Rikes beliebter Romy, die ihren Wohlklang mit einer Single-ended-Triodenschaltung realisiert, wird die GU 50 als Pentode beschaltet. Die Lilly ist dennoch kein Muskelprotz. Mit 2 x 12 feinen Watt ist sie eigentlich auf wirkungsgradstärkere Spielpartner angewiesen, was hier im Maritim allerdings keine so große Rolle spielte, da die, natürlich mit dem legendären Corona-Ionenhochtöner ausgestatteten Lansche 3.2 (Paar ab 21.000 Euro, im Paket mit Lansche-Stereoendstufe 25.000 Euro) im Biamping-Modus betrieben wurden. Für den Tiefton standen Endstufen mit 2 x 500 Watt zur Verfügung.

Lansche-Lautsprecher an Rike Audio Elektronik

Lansche-Lautsprecher an Rike Audio Elektronik

Damit wurde es auch im kleinen Hotelzimmer möglich, eine recht lautstarke House- und Techno-Party zu veranstalten. Selbstverständlich mit Vinyl, denn Arsin ist im Nebenberuf begeisterter DJ.

Im Raum von Abacus Electronics

Im Raum von Abacus Electronics

Dass ein präzise aufgeräumtes Klangbild und musikalische Begabung keine Gegensätze sein müssen, demonstrierte die Virage 3 von Abacus Electronics (www.abacus-electronics.de). Der mit Air-Motion-Hochtöner, 10 Zentimeter Mittel- und immerhin einem 26-cm-Tieftöner ausgestattete aktive 3-Wege-Monitor des Herstellers kommt im angesagten Retro-Look daher und lässt sich, passend zum Wohnambiente, mit hochwertigem Filz oder ganz trendy mit Kunstleder überziehen. Bei Preisen ab 6.900 Euro fürs Paar keine unvernünftige Anschaffung, zumal selbst pegelintensive Partybeschallung die Virage nicht vor nennenswerte Probleme stellen dürfte, schließlich wird sie von Abacus kraftvollen Dolifet-Verstärkern befeuert.

Hanno Sonder von Abacus

Hanno Sonder von Abacus

Deren highendige Seite hatte Kollege Jörg Dames vor ein paar Wochen erfahren können, als er die aktualisierte Stereoendstufe Ampollo Dolifet (4.500 Euro) einer näheren Betrachtung unterzog. Sein Versuch, sich mit der Steigerungsregel „doll, doller, dolifet“ einen Platz im Duden zu sichern, ist zwar gescheitert, zeigt aber, wohin die Reise mit Abacus Top-Endstufe geht. Entsprechend gut gelaunt zeigte sich dann Junior-Chef Hanno Sonder, als er mit der Ampollo fürs Foto demonstrierte.

Die Kette im Raum von DynamiKKs

Die Kette im Raum von DynamiKKs

Old-school-mäßig ging es bei Ulf Moning von DynamiKKs (www.dynamikks.de) zu. Aus seiner Leidenschaft für Altecs Lansings Model 14 mit legendärem Mantary-Horn macht Moning keinen Hehl. Sein Modell 12 mit 30-Zentimeter-Bass samt hart aufgehängter Papiermembran und einem 1-Zoll-Druckkammertreiber ist eine Reminiszenz an den Klassiker und mit 1.990 Euro Stückpreis sicher fair kalkuliert. 94 dB Wirkungsgrad und eine Impedanz von 12 Ohm prädestinieren das Model 12 natürlich für den Betrieb mit Röhren. Im Dynamikks-Raum fanden sich dann auch Vollverstärker von Thivan Labs (http://thivanlabs.de/), einem Hersteller aus Vietnam mit gut zehnjähriger Historie.

DynamiKKs Monitor 12 an Elektronik von Thivan Labs

DynamiKKs Monitor 12 an Elektronik von Thivan Labs

Insbesondere die 811 Anniversary hatte es mir angetan, ein Single-Ended-Triodenamp mit 2 x 12 Watt Ausgangsleistung für übersichtliche 2.800 Euro. Eine gelungene Kombination mit dem Dynamikks Monitor 12, der seine Gene nicht verleugnete und gerade rockige bis jazzige Töne sehr authentisch, gleichwohl up to date bezüglich Auflösung und Raumdarstellung zu Gehör brachte. Machen Sie es sich doch in ihrem Eames-Chair bequem und nehmen diesmal einen Bourbon …

Den gelungenen Gegenentwurf – eine Kette, die mit modernster Technik überzeugt – lieferten Kii Audio (www.kiiaudio.com) und Innuos (http://innuos.com) ab. Straff, straight und extrem dynamisch ist die klangliche Signatur dieser Anlage. Das Herzstück, der aktive Kii Three Monitor, hier mit passendem Bassmodul BXT, stach dank ultracooler Lackierung in Baton Rouge Metallic sofort ins Auge. Dabei vereinigt allein die Kii Three nicht weniger als sechs Treiber, sechs D/A-Wandler und ebenso viele 250-Watt-Endstufen in ihrem kompakten Gehäuse. Sie gewährt digitalen Signalen via USB, S/PDIF, Toslink und AES/EBU zutritt, verfügt aber auch über einen XLR-Analogeingang. Im Vergleich dazu wirkte der Musikserver Innuos Zenith Mk3 fast schon ein wenig unauffällig, was aber keineswegs für seine audiophilen Fähigkeiten galt. Die sind in der aktuellen Mk3-Ausführung nämlich ganz nahe dran am Zenith SE, einer auf nur hundert Exemplare limitierten Special Edition, die, inzwischen vergriffen, auch als Ausgangsbasis für das heutige Top-Modell Statement des portugiesischen Unternehmens diente.

Die Kii Audio ist ein echter Hingucker

Die Kii Audio ist ein echter Hingucker

„Zufällig“ verrichtet ein Zenith SE auch in meiner heimischen Anlage seinen Dienst. Nachdem ich im Bonner Maritim des ersten Innuos PhoenixUSB Reclocker ansichtig geworden bin, wird er das möglicherweise aber nicht mehr lange allein tun müssen, sondern vom Phoenix unterstützt werden. Innuos verspricht jedenfalls eine erhebliche Aufwertung des USB-Signals, ganz gleich, aus welcher Quelle es stammt.

Kii Audio

Die Preise für all die Herrlichkeiten will ich nicht schuldig bleiben: Ein spielfertiges Set aus Kii Three, BXT und Kii Control startet ab 30.345 Euro, der Innuos Zenith Mk3 schlägt mit 3.499 Euro und ein PhoenixUSB Reclocker mit 2.499 Euro zu Buche.

Klangloft aus München hatte Lautsprecher von Cube Audio mitgebracht

Klangloft aus München hatte Lautsprecher von Cube Audio mitgebracht

Und wo gab es noch besonders ansprechenden Sound? Zum Beispiel hier: Klangloft (www.klangloft.de) aus München steht bekanntlich für Highend abseits ausgetretener Pfade. Inhaber Michael Kromschröder hatte die neuen Midi-Nenuphar Breitbandlautsprecher (11.900 Euro) von Cube Audio im Gepäck. Sie spielten nahezu entfesselt an Rike Audios Vollverstärker Romy. Was hier wörtlich zu nehmen ist, da dem Signal keine einbremsenden „Fesseln“ in Form einer Frequenzweiche angelegt werden. Nicht ganz unschuldig am mitreißenden Sound der Kette wird auch der richtig große D/A-Wandler gewesen sein, den Kromschröder ausgewählt hat: der rund 20.500 Euro teure Ladder-DAC Kassandra Reference Mk.II stammt vom Hersteller Aries Cerat aus Zypern und markiert doch tatsächlich das Einstiegsangebot der Zyprioten!

Richtig Gutes gab es auch bei Mike Christ von HEADQUARTERaudio (www.headquarteraudio.de) auf die Ohren. Den hochwertig verarbeiteten Open-Baffle-Lautsprecher Qunique RS bietet der relativ junge Hersteller aus Bergisch Gladbach ab 8.900 Euro auch als Bausatz an. Ein fertig aufgebautes Paar liegt etwa 2.000 Euro darüber. Es arbeiten drei Konustreiber und ein Hochtonhorn auf einer nach hinten offenen Schallwand. Die Frequenzweiche wurde logischerweise ausgelagert und fand in einem Humidor (!) Platz. Nicht nur eine witzige Idee, wie Christ versicherte, sondern auch eine klanglich überlegene Lösung.

Mike Christ von HEADQUARTERaudio

Mike Christ von HEADQUARTERaudio

Die übrige Kette bestand aus dem CD-Laufwerk Jays Audio CDT 2 Mk.2, Denafrips R2R D/A-Wandler Terminator und dem Vollverstärker EX-M1 von Kinki Studio. Allesamt verhältnismäßig günstige chinesische Fabrikate, die klanglich und fertigungstechnisch aber ein Niveau markieren, dass man sich noch vor zehn Jahren nicht hätte vorstellen können. Kurz: Die Anlage überzeugte mit natürlicher, unaufdringlicher Performance. Und wozu vier Fünfzehnzöller im Bedarfsfall bassdynamisch fähig sind, lässt sich wohl leicht ausmalen.

Vorführung im GGNTKT

Vorführung im GGNTKT-Raum

Zwei weitere Start-ups, die bestrebt sind, Klangwelten mit hohem Niveau, aber kompakter Bauform in die Wohnzimmer zu bringen, bedürfen der Erwähnung. GGTNKT (sprich: Gegentakt) bemüht dafür den aktiven Monitor M1, der nicht nur im modernen Wohnambiente, sondern auch in Tonstudios Verwendung finden könne. In dem auffällig flachen Gehäuse aus CNC-gefrästem Valchromat (30 % steifer und härter als MDF) stecken ein 44-mm-Titan-Kompressionstreiber und drei 17-Zentimeter-Tiefmitteltöner. Der spezielle Waveguide vorm Kompressionstreiber soll eine breite Abstrahlung mit großem Sweetspot garantieren. Zwei der Tiefmitteltöner strahlen nach hinten ab und ermöglichen eine kardioide Schallführung im Bassbereich, was den M1 besonders aufstellungsunkritisch machen soll.

GGNTKT-Lautsprecher

GGNTKT-Lautsprecher

Er kann daher problemlos auch nahe einer Rückwand positioniert werden. Aufgrund der engen Platzverhältnisse wanderte die fast dreihundert Watt starke Class-D-Elektronik in ein ausgelagertes Gehäuse. Sicher eine gute Idee, denn die pro Paar ab 6.000 Euro teuren GGTNKT M1 sollen Spitzenpegel bis 119 dB erreichen. Da möchte ich ebenfalls nicht im Gehäuse stecken.

Markus Höffner präsentierte seine Lautsprecher

Markus Höffner präsentierte seine Lautsprecher

Höffner Audiosysteme (http://hoeffner-audio.de/) aus Aachen existiert zwar erst seit 2014, doch ist Unternehmensgründer Markus Höffner bereits seit 2006 hauptberuflich im Lautsprecherbau tätig. Anders als sein mit organischen Formen spielender Erstling H1 betonen die neuen, aktiven Zweiwege-Lautsprecher H-10 mit klassischem Design und feinen Echtholzfurnieren stärker den Aspekt des edlen Möbels. Dazu kommen noch wohnraumfreundliche Maße – da scheint es nicht unwahrscheinlich, dass auch kritische Ehepartner die Investition von 8.900 Euro für ein Paar H-10 gutheißen werden. Wenn dann noch hochwertige Elektronik, wie hier der Einstein Audio The Preamp, für die passende Vorverstärkung sorgt, macht ein detailreicher, klarer, doch keineswegs höhenlastiger Klang eine Entscheidung für Lautsprecher aus der Aachener Manufaktur leicht. Zumal die H-10 für ihre Größe auch im Bass erstaunlich tief herunter reichen.

Höffner-Lautsprecher

Höffner H-10

Zuletzt bleibt zu vermelden, dass Ensemble Audio aus der Schweiz künftig vom erfahrenen ATR-Vertriebsteam (www.audiotra.de) auf dem hiesigen Markt vertreten sein wird. Gegründet 1986, pflegt Ensemble Audio seit Langem den inzwischen häufig vernachlässigten Gedanken einer Kette aus einer Hand.

Ensemble Audio im Raum von ATR

Ensemble Audio im Raum von ATR

Während der diesjährigen High End in München habe ich mich im Hotel Pullmann, wo Firmengründer Dr. Urs Wagner und seine charmante Gattin eine Ensemble-Anlage abseits des üblichen Messetrubels vorführten, von deren Qualitäten überzeugen können. Dabei gelang es den Schweizern dank des besonderen Augenmerks auf die Reproduktion allerfeinster Klangdetails eine selten anzutreffende musikalische Richtigkeit zu erzeugen, die jenseits des bloßen Schwelgens in satter, emotional aufgeheizter Klangfarbenschönheit zu verorten ist. Wer im Bonner Maritim der ebenfalls zum großen Teil aus Geräten der eidgenössischen Manufaktur bestehenden Kette länger lauschen konnte, wird mich sicher verstehen. Bleibt zu wünschen, dass die Kooperation mit ATR, wo man sich auch mit weiteren Neuzugängen wieder verstärkt der Highend-Sparte zuwenden möchte, die Marke Ensemble verstärkt in den Fokus rücken kann.

Web: www.westdeutsche-hifi-tage.de

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: TW-Acustic Raven AC Tonarm: Graham Phantom B-44, Analog Tools, Pyon Sound Iris Tonabnehmer: Steinmusic Aventurin 6, modifiziertes Denon DL 103R Sonstiges: Plattentellermatten von Dereneville und Steinmusic, externer Plattenspielerantrieb Dereneville DAE-01SP

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Questyle CMA 600i Musikserver: Innuos Zenith SE

Vollverstärker: Devialet D-Premier

Vorstufen: Hochpegel: Silvercore 324 Phonoverstärker: Einstein The Phonostage

Endstufen: Dartzeel NHB-108 (Stereo), Tenor Audio 75 Wi (Monos), Kharma MP150

Lautsprecher: Acapella La Campanella, Clockwork Event Horizon

Kabel: Lautsprecherkabel: Analog Tools Reference Serie NF-Kabel: Analog Tools Reference Serie, Akeno Audio Ultimate Netzkabel: Steinmusic Highline Netzleiste: Nordost QRT QB4 und QB8 Sonstiges: Analog-Tools-Phonokabel (Reference Serie)

Zubehör: Stromfilter: Trenntrafos von Steinmusic Sonstiges: Sicherungen: AHP-Klangmodule, Steinmusic Harmonizer, AHP II Kupfer, Hifi-Tuning Supreme 3 und Audio Magic SHD Beeswax Ultimate

Sonstiges: Racks von Copulare und Audio Lignum, Basen von Symposium Acoustics und Acapella, Symposium Precision und Ultra-Coupler. Harmonix RFA-7800 Room Tuning Devices

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 23,4 m² Höhe: 2,64 m

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