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Teufel Real Z: der Klangeindruck

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Teufel Real Z: der Klangeindruck

Ich kann mich noch ziemlich genau an das erste Probehören mit dem Teufel Aureol Real im Berliner Flagship-Store im Bikini-Haus (siehe auch Teufel/Raumfeld-Firmenporträt) erinnern. Ein paar Takte Musik, von meinem iPhone abgespielt, hatten genügt, mir mehr als nur ein anerkennendes Nicken zu entlocken – ich konnte meinen Kopf kaum stillhalten, als Big & Rich ihr „Save a Horse, Ride a Cowboy“ in meine Gehörgänge pusteten. Für knapp 100 Euro ist das, mit Verlaub, einfach verdammt geil! Fein auflösend, ohne jeglichen Anflug von Schärfe klingt der Aureol und ist eindeutig einer meiner Favoriten in dieser Klasse. Der Real Z soll das nun alles noch besser machen, worauf schon der um 80 % höhere Preis hindeutet. Mal sehen …

Teufel Real Z

Die klangliche Familienbande ist unverkennbar, schließlich ist der Real Z im Prinzip nichts anderes als ein kräftig optimierter Aureol Real. Sehr präzise, insbesondere im Bass – da geht schon was, aber der Z ist im Vergleich zu so einigen Kandidaten der Klasse neutraler, näher an der akustischen Wahrheit. Wie der Aureol gibt sich der Real Z in diesem Bereich eher audiophil als fett. Ein knackig aufgenommener Track wie „Iron Sky“ von Paolo Nutini zum Beispiel versumpft nie in zu viel Bass, sondern brilliert mit funkelnden Bläsersätzen und der sehr natürlich wirkenden Stimme von Nutini. TesseracT wiederum machen ordentlich Druck – so und nicht anders ist es eben in die Masterbänder verewigt worden –, der Teufel Real Z gibt dies wieder, ohne sich auf die wabbelige Gangart gewisser amerikanischer Trendkopfhörer einzulassen. Andererseits wirkt ein (fast doppelt so teurer) Sennheiser Momentum schon noch etwas knorpeliger und härter im unteren Frequenzbereich – insbesondere im Oberbass, und dort auch deutlich fetter –, der Teufel Real Z geschmeidiger, flüssiger.

Teufel Real Z

Der Real Z drückt gerade im Bass der Musik keinen Stempel auf, sondern zeigt sich wandelbar bis an den Rand der Selbstverleugnung. Wenn der Soundingenieur dem Mix keinen Hammerbass zugefügt hat, lässt der Real Z einen solchen auch nicht entstehen. Dass die Teufel-Entwickler der Versuchung widerstanden haben, einen bassgewaltigen Blender im hart umkämpften Bereich um 200 Euro zu bauen, ist ihnen hoch anzurechnen – dass er dabei so tief herunterreicht, dass nie der Eindruck entsteht, es mangele der Musik an Fundament, auch. Von einer „leicht bassbetonten“ Abstimmung, wie es das Marketing von Teufel verkündet, würde ich nicht unbedingt sprechen wollen. Bis ganz nach unten herrscht kein Mangel an Schwärze und Fülle, nein, aber der Teufel Real Z trägt nie zu dick auf.

Teufel Real Z

Auch im Mittel- und Hochton setzt der Teufel Real Z seine klangliche „Forschungsmission“ fort. Schwelgerische Farbigkeit in der Berichterstattung ist dabei nicht so sein Ding, eher frönt er der kommentarlosen Analyse. Mit etwas mehr Liebe zum feinen Detail und strenger wirkender Klangorganisation lässt er seinen kleinen Bruder hinter sich, definiert mithin unterschiedliche Instrumente genauer und wirkt in der Darstellung differenzierter und offener. Das mag auch an einer ganz leichten Zurückhaltung im unteren Mittelton und Grundton liegen, die mir aber erst im Vergleich zum farbiger und etwas satter spielenden AudioQuest NightHawk (circa 600 Euro) auffällt. Diese schlägt sich in einer Darkthronesminimal ätherisch wirkenden Charakteristik nieder, die er zum Beispiel mit einem AKG K701 (circa 200 Euro) gemein hat – übrigens inoffiziell die klangliche Messlatte für die Teufel-Entwickler. Rau aufgenommener Indie-Schrappel-Musik und traditionell produziertem Black Metal geht so die Gnädigkeit anderer Kopfhörer etwas verlustig; zum Beispiel lässt Darkthrones „A Blaze in the Northern Sky“ (nein, bitte nicht als klangliche Referenz für irgendwas außer der Vertonung von fliegenden Eiskristallen und Hagelstürmen heranziehen) auch mich als Nine-Horseshartgesottenen Metaller nach gewisser Zeit die Lautstärke reduzieren. Auf der Habenseite dieser gefühlt eher den oberen als den unteren Mittelton fokussierenden Balance steht eindeutig eine differenzierte und klare Stimmwiedergabe, zum Beispiel von David Sylvian in „Wonderful World“ vom Nine-Horses-Album Snow Borne Sorrow (auf Amazon): Die Authentizität der Artikulationsgeräusche und des leicht kratzigen Kehltons von Sylvian kommt mit dem Teufel Real Z unmittelbar und direkt rüber.

Teufel Real Z

Dass die tonale Balance vielleicht einen Tick Richtung hell tendiert, das liegt nicht nur am leicht zurückgenommenen unteren Mittelton, sondern auch am feinen und luftigen Hochtonbereich des Teufel Real Z. Gut ausgeleuchtet, aber nicht DJ Kicks: Moodymanübermäßig gleißend erklingen die schwirrenden und bis ans Maximum verfremdeten Sounds in Stephan Panevs „Obscured“ (Album: Night Shift Cases, auf Amazon anhören). In „Remain“ von José Gonzalez (Album: DJ Kicks: Moodyman, auf Amazon anhören) nimmt der Real Z der akustischen Gitarre nichts von ihren feinen Obertönen, und die leise im Hintergrund gespielte Rhythmusrassel ist klar definiert. Dass der Hochton des Real Z ein wenig kühler und kristalliner, weniger feinseidig wirkt als der des AudioQuest NighHawk, ist angesichts der ordentlichen Preisdifferenz verschmerzbar, denn an den Sennheiser Momentum reicht er in dieser Hinsicht schon heran.

Zusammengenommen tragen diese beiden kleinen tonalen Eigenheiten (die leicht zurückgenommenen unteren Mitten und der präsente, aber nie aufdringliche Hochton) zum insgesamt recht luftigen und offenen Charakter des Teufel Real Z bei – und zeichnen auch für den Eindruck einer preisklassenbezogen großzügigen räumlichen Darstellung mit verantwortlich. Klar, die Arvo PärtDimensionen der absoluten High-End-Klasse erreicht der Teufel Real Z nicht wirklich, muss sich aber auch mit klassischer Musik beschickt nicht vor dem Sennheiser Momentum verstecken – im Gegenteil. In Orient & Occident von Arvo Pärt (auf Amazon anhören) breitet er die sich monoton entfaltenden und anschwellenden Klangflächen des Orchesters in einem klar abgegrenzten Raum aus, dessen Dimensionen durchaus realistisch, wenn auch nicht gigantomanisch sind. Wo der NightHawk ebenso wie der Momentum stärker in die Breite gehen, projiziert der Real Z seine akustische Landschaft eher in den Kopf hinein, lässt aber den einzelnen Klangereignissen dennoch genug Platz – meiner Meinung nach ist das Geschmacksache.

Teufel Real Z

In Sachen Dynamik kann der Real Z locker mit einem Kaliber wie dem Sennheiser Momentum mithalten, auch wenn er den Fokus auf die feineren Zwischentöne setzt, statt auf markerschütterndes Donnern. Dabei spielt sicher auch die im Grundton minimal schlanke tonale Abstimmung und die luftige Gesamtcharakteristik bei. Während der Momentum hier mit seinem Mephisto & Co des Minnesota Orchestra unter Eiji Oueknuffigen Oberbass bei den großen Trommeln im „Danse Macabre“ auf dem Album Mephisto & Co des Minnesota Orchestra unter Eiji Oue (auf Amazon anhören) mehr Dampf machen kann, differenziert der Teufel Real Z feine Abstufungen in der Phrasierung der Streicher fast noch ein wenig besser, dröselt Obertöne noch gewissenhafter auf.

Test: Teufel Real Z | Kopfhörer

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