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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Dickes B
  2. 2 Pro-Ject X1 B und Pro-Ject Phono Box S3 B: Klangtest & Vergleiche

Nur in Black erhältlich? Made in Berlin? Die Nachfolger eines A-Modells? Nein, falsch geraten, die dicken „B“ in den Typenbezeichnungen des Plattenspielers Pro-Ject X1 B (999 Euro) sowie des Phonovorverstärkers Pro-Ject Phono Box S3 B (399 Euro) stehen für „balanced“, was auf die für diese Preisklasse ungewöhnliche symmetrische Signalübertragung der beiden Komponenten hindeutet (deutscher Vertrieb: https://www.audiotra.de/).

Symmetrische Signalübertragung bringen viele zuallererst mit Studio- oder Veranstaltungs-Technik in Verbindung und ganz so verkehrt ist das auch nicht. Schließlich geht es dort um Verlässlichkeit und Störfreiheit bei mitunter langen Übertragungswegen. Letzteres plagt den Musikfreund im trauten Heim nicht unbedingt – aber bisweilen eben schon. Glauben Sie nicht? Aus Bequemlichkeit, um nicht ständig fürs Plattenumdrehen aufstehen zu müssen, landen der hier zum Test geladene Plattendreher Pro-Ject X1 B und die Phonovorstufe Phono Box S3 B in einer Armlänge Abstand direkt vor dem Sitzplatz. Dadurch wird eine drei Meter lange Verbindung zum Verstärker notwendig, und die symmetrische XLR-Leitung hat da schon etwas Beruhigendes.

Der eigentliche Punkt ist aber: Die symmetrische Übertragung ist bei den MC-seitig hochfeinen (oft um 0,3 – 0,5 mV, teils noch darunter) Phonosignalen vor der Vorverstärkung besonders von Vorteil. Darüber hinaus sind MC-Systeme im Grunde von Haus aus symmetrische Signalquellen. Ein Umstand, der selbst bei teuren Komponenten nicht immer und insbesondere bei preiswerteren Plattenspielern und Phonovorverstärkern selten berücksichtigt wird. Und genau das, so erzählt mir am Telefon mit tiefer Stimme und bayerischem Dialekt Gunter Antoniazzi, Product Manager beim zuständigen Vertrieb Audio Trade, „will der Lichtenegger auf den Kopf stellen“. Heinz Lichtenegger, Chef von Pro-Ject Audio Systems, habe der Gedanke an zu hebende Potenziale offenbar nicht mehr losgelassen.

Das Anschlussfeld des Pro-Ject X1 B inklusive einer XLR-Schnittstelle für den symmetrischen Betrieb

Das Anschlussfeld des Pro-Ject X1 B kommt inklusive einer XLR-Schnittstelle für den symmetrischen Betrieb

Eine durchgehend symmetrische („true balanced“) Signalübertragung (zum grundsätzlichen Wirkprinzip: https://www.fairaudio.de/lexikon/symmetrischer-anschluss/) ist technisch freilich aufwändiger sowie bauteileintensiver zu realisieren – und damit mit Mehrkosten behaftet. Sie bedingt bei allen beteiligten, nicht desymmetrierenden Geräten ein pro Kanal „doppelt“ ausgelegtes Schaltungsdesign – in unserem Fall eben beim Plattenspieler und dem nachfolgenden Phono-Pre.

Der Plattenspieler Pro-Ject X1 B

Schauen wir uns zunächst den Plattenspieler Pro-Ject X1 B genauer an, der sich sozusagen als „ausbaubarer Einstieg“ in die True-Balanced-Welt von Pro-Ject präsentiert. Werksseitig ist das MM-System „Pro-Ject Pick it S2“ vormontiert – um von den Vorzügen symmetrischer Signalübertragung zu profitieren, muss also in ein MC-System investiert werden. Das ist für die symmetrische Signalübertragung aufgrund seiner internen Schaltungstopologie prädestiniert, weil sich hier ein nichtinvertiertes (positives) wie invertiertes (negatives) Nutzsignal bei getrennt geführter Masseverbindung realisieren lässt. Rein theoretisch wäre die symmetrische Signalübertragung auch mit einem MM-System möglich. Mit einem MC-System ergibt das Ganze – allein schon wegen der sehr kleinen, noch schutzbedürftigeren Spannungen – so oder so mehr Sinn. Wer den Pro-Ject X1 B mittels MC-Tonabnehmers upgraden will, kann zu einem entsprechenden System wie dem hier verwendeten Ortofon Quintet Red (um 350 Euro) greifen.

Der MC-Tonabnehmer Ortofon Quintet Red am Pro-Ject X1 B

Gehört wurde der Pro-Ject X1 B mit dem MC-Tonabnehmer Ortofon Quintet Red

Der Pro-Ject X1 B zeigt sich als solides, klassisches Laufwerk mit einem Chassis aus verdichteten Holzfasern, ohne exotische Materialexzesse, Subchassis oder auf Hardcore-Masse getrimmte Bauweise. Ob das ein Manko ist, werden wir noch hören, auf jeden Fall hält das den Verkaufspreis angenehm effizient. Und es gibt gleichwohl ein externes Netzteil, was nicht zuletzt insofern vorteilhaft ist, als dass auch hier spätere Upgrades möglich sind. Der Motor des Plattenspielers erlaubt per Knopfdruck ein Umschalten zwischen den Geschwindigkeiten 33 1/3 und 45 U/min, so dass ein Umlegen des Antriebsriemens per Hand nicht erforderlich ist. Der verbirgt sich auch für das Auge unsichtbar unter dem Acryl-Plattenteller, der mit seinem Gewicht von 1,5 Kilogramm für ein gewisses Trägheitsmoment sorgt. Auch das sei eine Besonderheit der „True Balanced-Plattenspieler: Denn MC und magnetische Plattenteller würden zusammen nicht optimal funktionieren, so Gunter Antoniazzi. Wie dem auch sei, der milchfarben schimmernde Acryl-Teller steht auf jeden Fall in schönem Kontrast zum schwarzen hochglanzlackierten Laufwerk.

Die piekfein polierte, aus acht Schichten bestehende Hochglanz-Lackierung kann sich mehr als nur sehen lassen. Was auch generell für die Verarbeitung des nicht in Asien, sondern in Europa zusammengebauten Plattenspielers gilt.

Die Lackierung des Pro-Ject X1 B

Die Lackierung sowie die gesamte Verarbeitung des Pro-Ject X1 B machen optisch auf jeden Fall etwas her

Kommen wir zum Motor, der nicht einfach fest am Laufwerk montiert, sondern an einem ringförmig angeordneten Riemenkonstrukt schwebend aufgehängt und somit vom Laufwerk mechanisch entkoppelt ist. Diese pfiffige Lösung hält Vibrationen in Schach und bringt mehr Ruhe ins musikalische Geschehen. Der Motor überträgt das Drehmoment mittels eines flachen Riemens an den unterhalb des Plattentellers befindlichen Innenteller. Dessen Lagerung kommt eine essentielle Bedeutung zu, denn erst eine möglichst reibungs- wie vibrationsarme Rotation gewährleistet hochwertigen Klang. Damit hier nichts anbrennt, läuft die Edelstahlwelle innerhalb einer eng tolerierten Laufbuchse aus Sinterbronze. Die aufwändigeren Lösungen wie keramische Laufflächen oder kräftige Neodym-Magnete an der Laufbuchse bleiben den produkthierarchisch weiter oben angesiedelten, teureren Pro-Ject-Laufwerken vorbehalten.

Um störend einwirkenden Resonanzen zu begegnen, verfügt der Pro-Ject-X1-B-Plattenspieler über eine Dreierformation an Aluminiumfüßen, die unterseitig mit einem resonanzdämpfenden Kunststoff versehen sind und sich, für die Nivellierung feinfühlig drehbar, jeweils separat in der Höhe verstellen lassen.

Der Riemenantrieb des Pro-Ject X1 B

Der Riemenantrieb des Pro-Ject X1 B

Beim Tonarm greift Pro-Ject auf Bewährtes zurück und steuert einen konisch zulaufenden, mit Aluminiumkern ausgestatteten und von einer Karbonschicht überzogenen Allrounder bei. Auffällig ist der nahtlose Übergang zu einer aus Karbon bestehenden Headshell, der Tonarm meines Pro-Ject Perspective Anniversary, läuft hingegen in eine Aluminium-Headshell hinein, hier hat man offenbar Potenzial für Verbesserungen gesehen. Die Tonarmbasis besteht aus Aluminium und bietet genug Möglichkeiten für eine sorgsame Justage. So können nicht nur der Azimut und der vertikale Spurwinkel, sondern auch die Tonarmhöhe akkurat eingestellt werden.

Entscheidend ist nicht zuletzt der Blick aufs Heck unseres Pro-Ject X1 B, denn das Anschlussterminal weist im Vergleich zum ansonsten baugleichen X1 ohne das „True Balanced“-Feature eben den maßgeblichen Unterschied auf. Bei unserer B-Version hat’s rückseitig neben Masse-Anschluss und klassischer Cinch-Schnittstelle einen Mini-XLR-Ausgang. Das erforderliche „Balanced“-Kabel hat Pro-Ject in ganz unterschiedlichen Varianten im Sortiment.

Der Pro-Ject-X1-B-Plattenspieler mit Tonarm und abgenommenem Plattenteller

Der Tonarm des Pro-Ject-X1-B-Plattenspielers weist einen Aluminiumkern und eine Karbonbeschichtung auf

Rein theoretisch ließe sich auch mein in die Jahre gekommenen Pro-Ject Perspective Anniversary mit einem entsprechenden Kabel (Cinch-XLR) an die symmetrische Phono Box S3 B anschließen. Gut, keinesfalls die reine Lehre, aber eine Einladung zum Experimentieren.

Pro-Ject Phono Box S3 B

Die schaltungstechnisch nicht nur symmetrisch konzipierte, sondern auch in Doppelmono gehaltene Phono-Vorstufe kleidet sich in ein gerade mal knapp über 20 Zentimeter breites, schlicht-elegantes Metallgehäuse, das es in schwarzer oder silberner Ausführung gibt. Die Pro-Ject Phono Box S3 B markiert ebenfalls den Einstieg in das „True Balanced“-Konzept der Österreicher – und ich bin auch deswegen von den vorderseitigen Einstellmöglichkeiten ganz angetan. Vielleicht kennen Sie das ja, Mini-Mäuseklaviatur am Geräteboden, dazu zwei Plattenspieler, einer mit MM-, einer mit MC-System und ein leidiges Auf-dem-Boden-robben beim Einstellen und Hin-und-her-stecken, uff, nein, das muss nicht sein.

Sehr praktisch ist daher die Möglichkeit, über den kleinen vorderseitigen Input-Linsenknopf entweder den via Mini-XLR angeschlossenen Pro-Ject X1 B mit MC-System oder einen per Cinch angeleinten Plattenspieler mit MM-System auszuwählen, ganz ohne Mäuseklavier. Denn die für die Tonabnehmereinstellung relevanten Parameter wie Eingangsimpedanz, Eingangskapazität oder auch Gain lassen sich ebenso einfach mittels frontseitiger Taster auf das vorhandene System optimieren.

Die Front der Pro-Ject Phono Box S3 B mit Tastern zur Eingangswahl sowie zur Anpassung an den Tonabnehmer

An der Front der Pro-Ject Phono Box S3 B finden sich Taster zur Eingangswahl sowie zur Anpassung an den Tonabnehmer

Dass ich dabei theoretisch den Pro-Ject Perspective Anniversary mit Sumiko-Blue-Point-MC via Cinch-Ausgang der Phono Box S3 B mit einem Röhrenverstärker betreiben kann und den Pro-Ject X1 B per XLR mit meiner Vor-End-Kombi, lässt meine Augenbrauen nach oben schnellen. Die Konstellation aus einem Plattenspieler und zwei unterschiedlichen Verstärkern ist natürlich ebenso denkbar. Bei alledem muss ich mir nochmal in Erinnerung rufen, dass die Pro-Ject Phono Box S3 B gerade mal 399 Euro kostet und neben all diesen Schmankerln ja auch noch mit diskretem Schaltungsaufbau lockt. Praktisch auch, dass sich die S3 B sämtliche Einstellungen je nach Eingang merkt. Gibt es einen Haken? Um dies herauszufinden, nehme ich mir einen „Grüner Veltliner“ vom Kloster Neustift aus dem Keller als Beistand und gehe der Sache auf den Grund.

Pro-Ject X1 B und Pro-Ject Phono Box S3 B: Klangtest & Vergleiche

Um den klanglichen Charakteristika des Plattenspielers Pro-Ject X1 B und des Phonovorverstärkers Phono Box S3 B auf die Spur zu kommen, leine ich das Duo zunächst per Cinch an meine Sony Vor-End-Verstärkerkombi an. Ziehe den Pro-Ject Perspective Anniversary zum Vergleich hinzu und entschließe mich schlussendlich, den X1 B via XLR an den Sony TA-E 80 ES zu leinen. Der Perspective Anniversary ist dabei unsymmetrisch mit der S3 B verbunden. Klingt kompliziert, ist es aber nicht, gleichwohl kann man unendliche Stunden mit Vergleichen verbringen.

Natürlich hinken diese Vergleiche ein wenig, denn streng genommen müsste man die gleichen Systeme verwenden und den Anniversary ebenso per XLR an den Phono-Pre anschließen. Nichtsdestotrotz sollte man ein Gefühl dafür bekommen, inwieweit das „True Balanced“-Prinzip Wirkung zeitigt.

Die Rückseite der Pro-Ject Phono Box S3 B mit symmetrischen sowie Cinch-Anschlüssen

Die Rückseite der Pro-Ject Phono Box S3 B mit XLR- sowie Cinch-Anschlüssen

Tutti unsymmetrisch

U2 Under A Blood Red SkyIntuitiv greife ich ins Regal und ziehe einen Stapel Platten heraus. Es offenbart sich eine interessante Mischung aus Joe Cocker, Public Enemy und U2, die mich durch unterschiedliche Epochen meiner musikalischen Entwicklung führt. Unsymmetrisch verkabelt, kommt das Stück „The Electric Co.“ von U2 (Live-Album: Under A Blood Red Sky) über den Pro-Ject X1 B markanter, temperamentvoller rüber als über den unsymmetrisch angeschlossenen Perspective Anniversary. Tonal mutet der X1 B dabei eher neutral an, während der Anniversary dem Ganzen einen etwas weicheren und wärmeren Touch verleiht.

Die oberen Lagen präsentieren sich über den Pro-Ject X1 B nämlich bereits via unsymmetrischer Verkabelung mit mehr Präsenz und Glanz, der Anniversary interpretiert die Höhen runder und sanfter. Gleiches gilt für den gesamten dynamischen Antritt, gut wahrnehmbar bei der Percussion von Larry Mullen Jr. Auch die Energie im Spiel von Bassist Adam Clayton transportiert der X1 B vehementer und straffer, was dem Stück mehr Emotion und ein mitreißenderes Live-Feeling verleiht.

Vorne und hinten symmetrisch

Der Pro-Ject X1 B mit Acryl-Plattenteller ohne Haube

Der Pro-Ject X1 B mit Acryl-Plattenteller

Tasten wir uns langsam vor, wollen wir doch auch wissen, ob die True-Balanced- gegenüber der unsymmetrischen Verbindung einen Unterschied macht. Vorneweg: Dem ist so. Eine nuanciertere Auflösung und ein deutlich lebendigerer dynamischer Impact lassen sich mit der XLR-Anbindung des Pro-Ject X1 B an die Phonovorstufe Phono Box S3 B erzielen. Aber es geht noch weiter. Emotional so richtig mitten drin wähne ich mich mit der vollständig symmetrischen Verbindung, bei der die Phono Box S3 B ihr ausgangsseitiges Signal per XLR an die Sony-Vorstufe abführt. Konkret drückt sich dies in einer gesteigerten Brillanz der höheren Lagen aus, die mehr Leuchtkraft und Intensität entfalten. So muten nicht zuletzt die Hallanteile von Stimmen ausgearbeiteter an, was Gesang generell besser ortbar erscheinen lässt, und etwa Bono noch etwas plastischer ins Geschehen integriert. Das liest sich jetzt vielleicht nach nicht viel, macht aber einen deutlichen Unterschied, besonders in der emotionalen Wirkung des Stücks.

Die Mitten und der Maßstab

Joe Cocker CockerSchauen wir uns das Mittenband näher an: „Heart Of The Matter“ von Joe Cocker (Album: Cocker) lädt mit treibendem Synthie-Rhythmus und zackig intonierten Gitarrenriffs richtiggehend zu körperlicher Bewegung ein – was dankenswerterweise unbeobachtet bleibt. Muten der Orgelsound und speziell die stimmliche Intonation über die rein unsymmetrische Verbindung zwischen Pro-Ject X1 B und Phono Box S3 B farblich vergleichsweise blass und nicht übermäßig körperhaft an, entstehen per True-Balanced-Verbindung zwischen den Pro-Jects und vollsymmetrischen Anschluss an die Sony-Vorstufe die am deutlichsten hörbaren Veränderungen, sodass diese Variante als Maßstab für die folgenden Vergleiche dienen wird. Instrumente und Joe Cockers prägnante Stimme wirken hier differenzierter, deren Umrisse und Plastizität definierter.

Die rückseitigen Schnittstellen des Pro-Ject X1 B

Die rückseitigen Schnittstellen des Pro-Ject X1 B: Der symmetrische Anschluss punktet mit nuancierterer Auflösung und lebendigerer Dynamik

Die wärmere Timbrierung und nonchalantere Definition von Stimmen und Instrumenten des Pro-Ject Perspective Anniversary kann man zwar durchaus als Geschmacksache bewerten. Die informativere, transparentere Gangart des symmetrisch angebunden X1 B ist dennoch objektiv richtiger. Hier verschwindet dann das letzte Quäntchen Hüftschwere, um einer gelösteren, sich musikalischer freier anfühlenden Spielweise Platz zu machen.

Ab in den Süden: der Bass

Public Enemy Fear Of A Black PlanetDen tiefen Lagen heißt es mit „Pollywanacraka“ von Public Enemy (Fear Of A Black Planet) auf den Zahn zu fühlen. Interessanterweise präsentieren sich diese beim „X1 B / S3 B“-Gespann im komplett unsymmetrischen Betrieb prägnanter bzw. schlichtweg lauter, was sie voluminöser und vordergründiger wirken lässt. Mit dieser Imposanz werden aber lediglich eine gewisse Schwerfälligkeit und der Durchhörbarkeit abträgliche Unsauberkeiten kaschiert. Beim Wechsel auf die durchgängig symmetrische Verkabelung zeigt sich der tonale Süden in einem ganz anderen Bild. Der Bass kommt griffiger und schlanker, mithin neutraler. Dennoch sind Tiefgang und Druck in genügendem Ausmaß vorhanden – unterm Strich wirkt das Gesamtgeschehen homogener.

Im Vergleich dazu präsentiert der unsymmetrisch an die Pro-Ject Phono Box S3 B angeschlossene Pro-Ject Perspective Anniversary seine eigene Tiefton-Tonalität. Auch hier stellt sich pegelseitig eine Bassbetonung ein. Nichtsdestotrotz tönt der unsymmetrisch angebundene Pro-Ject X1 B trennschärfer und sortierter, der Perspective vergleichsweise gemütlicher, weicher und noch eine Spur wärmer.

Konzentration auf den Raum

Der Innenteller des Pro-Ject X1 B

Abschließend noch die Betrachtung der Räumlichkeit, hier leuchtet der Pro-Ject X1 B gerade im symmetrischen Betrieb schärfer und konzentrierter auch in die äußeren Randbereiche hinein.

Unsymmetrisch ist hingegen so etwas wie ein Ineinanderlaufen von Strukturen wahrzunehmen. Zudem schweben die klassische Instrumentierung sowie der Gesang beim einleitenden zweiten Akt von Puccinis Tosca nicht so frei und gelöst im Raum (Deutsche Grammophon in der Fassung mit Herbert von Karajan sowie den Berliner Philharmonikern).

Der symmetrische Betrieb verstärkt unterm Strich das Gefühl der Partizipation. Ein Gefühl, das übrigens auch von der XLR-Verbandelung zwischen der Pro-Ject Phono Box S3 B und meiner Vor-End-Kombi bestärkt wird.

Kurz zusammengefasst – und extern verglichen

Der Plattenspieler Pro-Ject X1 B mit den Phonovorverstärkern Pro-Ject Phono Box S3 B und Pro-Ject Phono Box DS3 B

Der Plattenspieler Pro-Ject X1 B mit den Phonovorverstärkern Phono Box S3 B und Phono Box DS3 B

Fassen wir also zunächst zusammen, gegen den Plattenspieler Pro-Ject Perspective Anniversary setzt sich der Pro-Ject X1 B bereits in unsymmetrischer Konfiguration mit fokussierterer und strafferer Spielweise durch. Reizt man das „True Balanced“-Prinzip aus, dann kommen noch mehr Struktur, mehr Schlüssigkeit sowie eine dynamischere Beweglichkeit ins Spiel.

Natürlich stellt sich die Frage, wie dieser „interne Sieger“ nach außen hin abzugrenzen ist. Um das zu klären, ziehe ich keinen Geringeren als meinen zwar betagten, dennoch immer noch viel Hörfreude bereitenden Linn LP12 mit dem vorzüglichen MC-Abtaster Audio-Technica AT-0C9 ML/II zurate.

Kurzum, der Linn LP 12 strotzt trotz unsymmetrischer Verbandelung mit dem Pro-Ject Phono Box S3 B vor Lebendigkeit, geht fast schon angeberisch mit auskunftsfreudigen und hochaufgelösten oberen Lagen ins Rennen, lässt die Mitten in einem Farbrausch vorbeiziehen, während der Tiefton von sonor-kräftig bis präzise-beweglich förmlich alle Register ziehen lässt. Liest sich das zu euphonisch und euphorisch? Nein, ähnlich wonnige Wortvollbäder werden sie vermutlich in vielen LP-12-Beschreibungen zu lesen bekommen. Dabei fallen nicht zuletzt die Durchhörbarkeit sowie Weite/Tiefe und Plastizität der Bühne im direkten Vergleich auf, hier leistet der Pro-Ject X1 B zwar Erstaunliches, der LP 12 dennoch hörbar mehr. Alles andere wäre bei den Preisrelationen auch überraschend gewesen. Nein, unser X1 B muss sich nicht grämen, allein, dass ich überhaupt auf die waghalsige Idee komme, ihn mit dem Linn LP12 zu vergleichen, spricht für ihn. Und Pro-Ject hat in seinen oberen Regalen ja auch noch ganz andere Kaliber in petto.

Die Kontrahenten der Pro-Ject Phono Box S3 B für den finalen Hörvergleich

Die Kontrahenten der Pro-Ject Phono Box S3 B für den finalen Hörvergleich

Sowohl der Linn LP 12 als auch unser Pro-Ject-Duo dürfen nochmal antreten, um auch phonovorstufenseitig weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Im Quervergleich mit der Phono-Sektion des Mytek Brooklyn DAC + gehört, setzt der Pro-Ject Phono Box S3 B der analytischeren, sachlich-neutralen, helleren und dynamisch-zackigeren Gangart des Mytek eine gehaltvollere, vollmundigere, dennoch angenehm ausgewogen wirkende Spielweise entgegen.

Geschmackssache? Sicherlich. Anders bei der als Geheimtipp durchgehenden iFi Audio ZEN Phono (199 Euro), die sich durchaus wacker schlägt, letztlich aber die S3 B aufgrund ihrer transparenteren und ansprechenderen Charakteristik vorbeiziehen lassen muss. Ach ja, dass die produkthierarchisch weiter oben angesiedelte Pro-Ject Phono Box DS3 B auch hier noch mal eine Schippe drauflegt, schmälert die Darbietung der S3B keineswegs.

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Test: Pro-Ject X1 B | Pro-Ject Phono Box S3 B | Phono-Vorstufe, Plattenspieler

  1. 1 Dickes B
  2. 2 Pro-Ject X1 B und Pro-Ject Phono Box S3 B: Klangtest & Vergleiche