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Klang Primare Pre 32 & A 34.2 (Teil II)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klang Primare Pre 32 & A 34.2 (Teil II)

Marillion/Sounds That Can't Be MadeDie allertiefsten Kelleretagen sind es eher weniger. So findet im Opener „Gaza“ von Marillions neuem Album Sounds That Can’t Be Made vor allem im letzten Drittel des fast 17-minütigen Stückes Interessantes im Subbassbereich statt. Die offenbar elektronisch erzeugten Strukturen bilden eine weitere Ebene unter dem eigentlichen Hauptmelodiebogen. Man kann es fast mehr fühlen, als dass es tonal genau einzuordnen wäre.

Vorverstärker Pre 32 von Primare

Mein Symphonic Line arbeitet auch diese Subebene sehr deutlich heraus, man kann ihr folgen. Die Schweden lassen eher erahnen, dass da noch was passiert. Ihr Bassbereich ist dafür im Vergleich – und das konnte ich mir kaum vorstellen – noch trockener, noch knorriger als der des Integrierten aus dem Ruhrgebiet, die Primares wirken dadurch auf mich kontrollierter.

Kraft hat diese Kombi, der Bass wirkt keinesfalls zugeschnürt oder ausgebremst. Ich habe aber das Gefühl, der Symphonic Line geht mit seiner Potenz in den tiefen Lagen großzügiger um, während die Primares hier eher „berechnend“ agieren. Für sie sind die allertiefsten Abgründe nicht so wichtig. Je nach bevorzugter Musikrichtung kann sich diese Gangart in den unteren Lagen sogar positiv auswirken. Welche Performance im Bassbereich eher zu Ihrem Hörgeschmack passt, müssen Sie selbst beurteilen.

Endstufe 34.2 von Primare

Was Pre32 und A34.2 bei aller „Ordnungsliebe“ und Struktur indes stets vermitteln, ist Lebendigkeit in der Wiedergabe, musikalischen Impulsen folgen sie hellwach und blitzschnell. Snaredrums knallen so unvermittelt, dass es eine Freude ist, ein dicht aufgenommener Kontrabass, wie er zum Beispiel bei der „Stockfisch“-Aufnahme des Bassface Swing Trios (Album: Plays Gershwin) zum Einsatz Bassface Swing Triokommt, knarzt so unmittelbar, als würde man daneben stehen. Da ist immer eine Bewegung, eine Agilität im Spiel. Man kann dieser Kombi auch deshalb stundenlang zuhören, weil es den Entwicklern gelungen ist, die Frequenzbänder in eine über das gesamte Spektrum homogene Balance zu bringen. Viele allzu harmonische Systeme können allerdings eine Atmosphäre gepflegter Langeweile verbreiten. Das ist hier nicht der Fall. Dafür ist es viel zu spannend, den feinen Nuancen und mehrschichtigen Schwebungen zuzuhören, die Marillion-Keyboarder Mark Kelly in „Montréal“ aus seinem Maschinenpark herauskitzelt. Bis in höchste Tonlagen treibt ihn seine Experimentierfreude und nimmt den Hörer mit. Das Hochtonspektrum wird bis in jedes Eckchen ausgeleuchtet und liebevoll aufbereitet, ohne dass hier etwas glasig oder spitz klingen würde. So mag ich das.

Lautsprecherterminal der Primare-Endstufe

Year of the Black Rainbow von Coheed and CambriaBisweilen würde ich mir allerdings noch ein Quäntchen mehr grobdynamische Durchsetzungsfähigkeit wünschen. Konzeptalben aus dem Rock-Genre wie Year of the Black Rainbow von Coheed and Cambria leben von unvorhersehbaren Dynamiksprüngen, auf ein zartes Klavierintro folgt ein Instrumentalgewitter, die Leise-Laut-Differenzen sind mitunter beträchtlich. Der Symphonic-Line-Amp läuft in solchen Situationen zur Topform auf, scheint geradezu auf derlei Gelegenheit zu warten, in denen er seine Kraft explosionsartig demonstrieren kann. Diese Attacke gelingt dem Primare-Gespann weniger unmittelbar. Es wirkt, als müssten sie kurz überlegen, ob es sich lohnt, so viel Energie für einen so kurzen Moment zu „verballern“.

A34.2 - Primare-Verstärker von hinten

Richtig „rund“ ist die Darbietung der Amp-Geschwister dann wieder etwa beim legendären Genius Loves Company-Album, welches Ray Charles in den Jahren 2003 und 2004 mit diversen Gastmusikern einspielte und das posthum diverse Awards abräumte. Das gemeinsam mit Natalie Cole intonierte „Fever“ perlt so selbstverständlich locker-leicht, entspannt und kristallklar aus den Lautsprechern, dass man glaubt, die Schweden haben hier Genius Loves Company/Ray Charlesihre Bestimmung gefunden. Da passt einfach alles. Die virtuelle Bühne in nahezu perfekten Relationen, die Musiker einwandfrei ortbar, die Stimme natürlich und fast dreidimensional, kein Frequenzband unter- oder überrepräsentiert – Här är de hemma (Hier sind sie zuhause). Und übertragen das Wohlgefühl auf ihren Zuhörer.

Test: Primare Pre 32 und Primare A 34.2 | Vor-End-Kombi

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