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Phono-Vorstufe Aqvox Phono 2 Ci – Testbericht – fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Phono-Vorstufe Aqvox Phono 2 Ci - Testbericht - fairaudio

Aqvox Phono 2Ci MKII:

Aqvox Phonostufe

Der Aqvox ist im Vergleich zu den beiden Vorgenannten fast schon ein Pilotencockpit – na ja, fast. Jedenfalls hat er eine recht beachtliche Anschlussvielfalt: Der Eingänge und Ausgänge sind jeweils zwei vorhanden – symmetrisch (XLR) und unsymmetrisch (RCA/Cinch). Die Schalter für Gain, Eingangsimpedanz und -kapazität beziehen sich nur auf den unsymmetrischen Eingang. Die möglichen Impedanzwerte sind 100 Ohm, 1 und 47 kOhm. Zu den internen 47 Pikofarad Kapazität sind für MM-Systeme die Werte 47, 100, 220 und 470 pF zuschaltbar.

Der Gain ist auf der Rückseite für MMs um 6 dB erhöhbar, für MCs stehen +20dB zur Verfügung. Apropos: Moving Magnets sind nur via des Cincheingangs zu betreiben, MCs sowohl an diesem als auch am symmetrischen. Wobei der Hersteller das „als auch“ wohl eher in „vor allem“ umformulieren würde – denn gerade am XLR-Eingang könnten MC-Tonabnehmer vom „technologischen Vorsprung“ profitieren, den Aqvox für sich reklamiert. Was steckt dahinter?

Aqvox Seitenteil

Aqvoxs Phonovorstufe gibt es erst seit drei Jahren – und es hat den Anschein, als sei sie schon jetzt so etwas wie ein Klassiker. Wie kommt dies? Sicherlich zum Teil daher, das ein bekannter Entwicklername dahinter steht – Carlos Candeias. Zum anderen aber bestimmt auch aufgrund des „Profi-Charmes“, den sowohl das Gerät, als auch die Firma Aqvox verströmen. Aqvox ist mit den insgesamt drei Geräten, die sie anbieten, ja sowohl im HiFi- als auch im Studiobereich zu Hause. Und ab und an spricht sich im Amateurlager rum, dass die Studioleute gar nicht sooo schlechtes Equipment haben … Und vor allem auch nicht so schlechte Preise! Zur Markteinführung gab es den 2 Ci für schlanke 600 Euro – inzwischen ist das wohlNetzteil des Aqvox etwas „inflatorisch bereinigt worden“. Schade. Allerdings wartet die aktuelle MKII-Version auch mit einer aufwändigeren Stromversorgung auf (Bild rechts), als der Vorgänger. Das Netzteil sitzt – anders als bei den anderen beiden Probanden- im Gehäuse, auf einer extra Platine. Der Aqvox hat ja auch ein bisschen mehr Platz …

Die 950 Euro, die der Pre mittlerweile kostet (das Update des MK I liegt bei 300 Euro), sollten aber immer noch recht kompetitiv sein, denn ein weiteres vollsymmetrisches Gerät mit dieser Ausstattung lässt sich so leicht nicht ausmachen. Wobei die Frage entsteht, ob es denn unbedingt symmetrisch sein muss? Und damit nun wirklich zur Technik. Aqvox betont im Wesentlichen vier Punkte …

1. Symmetrie

Da Tonabnehmer symmetrische Signalquellen sind, sollten die Vorteile dieser Technik auch konsequent genutzt werden. Dies ist zum einen der prinzipiell störungsfreiere Signaltransport, welcher gerade bei so kleinen Spannungen Sinn ergibt. Und zum anderen die um +6 dB höhere Ausgangsspannung, da bei der symmetrischen Verstärkung nicht die Potentialdifferenz zur Masse (Null), sondern zum gegenphasigen Signal des Tonabnehmers hergestellt wird.

2. Stromverstärkung

MC-Tonabnehmer liefern einen „ganz brauchbaren Strom“, aber nur eine „sehr geringe Spannung“, so Aqvox. Zudem variiere der Strom von High- und Low-Output-MCs nur wenig – ganz im Gegensatz zur Spannung. Die Stromverstärkung sei daher das Mittel der Wahl. Hierbei wird das MC-Pickup quasi „kurzgeschlossen“ und der Stromfluss gemessen.

Zwei praktische Vorteile sollen sich hieraus ergeben: Der Tonabnehmer werde elektrisch bedämpft (analog zum Dämpfungsfaktor), was sich bei MCs mit einer (lästigen) Eigenresonanz im Hochtonbereich segensreich auswirken soll – und gleichwohl nicht die dynamischen Fähigkeiten des Pickups limitiere. Okay. Zum zweiten ermöglicht diese Technik, dass keinerlei Impedanzanpassungen am Phonovorverstärker notwendig werden, solange man MCs (und nur diese!) am symmetrischen Eingang betreibt. „Plug and play“ heißt die (sehr bequeme) Devise. Die Zeiten, in denen der analoge HighEnder nachts schweißgebadet hochschreckte, „Verdammt, vielleicht doch noch 20 Ohm mehr!“, sind damit erledigt. Stattdessen wird er wohlmöglich grummelig ins Bett gehen, weil man ihm ein Spielzeug geklaut hat …

3. RIAA plus Neumann

Die RIAA-Kennlinie sei zwar der offizielle Standard, das „plus Neumann“ aber das ungeschriebene Gesetzt. Herr Neumann hatte seinerzeit eine Begrenzung für die Hochtonanhebung eingeführt, um die Schneideköpfe seiner Plattenschneidemaschinen zu schützen. Da diese Technologie ein de-fakto Industriestandard geworden sei, sollte auf der Wiedergabeseite die entsprechende Entzerrung dem auch folgen – sprich, ab 10 kHz weniger stark absenken, als es nach reiner RIAA vorgeschrieben ist. Das Argument hat etwas für sich.

4. LEF

LEF-Modul CC80Dies ist die „Candeias- Verstärkungstechnologie“, welche unter anderem auch beim Hersteller C.E.C. Verwendung findet. Um Unlinearitäten der Transistorkennlinien – und der damit einhergehenden nicht-linearen Verstärkung – aus dem Weg zu gehen, vertraut das Last Effekt Freie Schaltungsdesign einer Art „aufgepeppter Kaskoden- schaltung“, bei der die Spannungs- und Stromkennlinien des Endtransistors eben nicht durchlaufen werden. Eine linearere Verstärkung und damit ein sauberes Klangbild sollen die Folge sein. Wie genau das funktioniert? Nun, auf der Aqvox-Homepage gibt es einen recht umfangreichen Erklärungsversuch hierzu.

LEF-Modul CC80 von der Seite

Alle Aqvox-Komponenten (es gibt neben dem Phonopre noch einen D/A-Wandler und einen Mikrofon-Vorverstärker) verwenden diese Technologie. Und so sind auch im „Phono 2 Ci“ vier dieser LEF-Module zu finden – je Kanal und Verstärkungsstufe eines.

Vier CC80-Module im Aqvox Phonopre

Was wohl die Disco-Animation bedeutet?

Leuchtende LEFs

Die LEDs dienen (so Aqvox) der Spannungsglättung und zur schnellen Statusermittlung im Servicefall.

Fehlt noch was? Ja: drei Knöpfe und zwei Drehregler. Der Schalter zur MM/MC-Wahl ist auf der Rückseite zu finden, genau so wie der zum „Ground Lift“ – eine Funktion, die bei Brummproblemen weiterhelfen kann. Das Subsonic-Filter hingegen lässt sich vorderseitig zuschalten.

Potis zur kanalgetrennten Anpassung des Verstärkungsfaktors

Und auf der Front lassen sich auch die beiden Potentiometer zur kanalgetrennten Einstellung des optimalen Verstärkungsfaktors finden: „Die Stelle, bei der Räumlichkeit und Bühnenabbildung am besten sind, ist die richtige“, versichert Herr Lübke von Aqvox. Es gehe hierbei nicht um eine Art Ersatz für den Lautstärkesteller am Verstärker.

Um in den Genuss der Symmetrie zu kommen, bedarf es freilich auch einer symmetrischen Verkabelung. Diese ist bei den meisten Tonarmen sowieso der Standard (bekannte Ausnahme: Rega – zum Umbau, siehe Aqvox-Homepage). Besitzt man aber ein Phonokabel mit Cinchsteckern am Ende – was die Regel sein dürfte – so lässt sich für 25 Euro ein „Cinch-zu-XLR“-Adapter bestellen. Genau diesen habe ich zu Quervergleichszwecken auch benutzt – gleiche Bedingungen für alle. Zumal ich keine Lust hatte, bei jedem A/B-Vergleich den VTA neu zu justieren, das Phonokabel „hängt“ bei mir direkt unterm Tonarm, den muss man dann schon ausbauen, will man das Kabel wechseln.

Allerdings ist eine „echte“ symmetrische Verkabelung von Vorteil: Das „Gleiche-Störungen-subtrahieren-sich“-Theorem ist auch in der Praxis deutlich auszumachen. Der „Hintergrund“ wird vernehmlich leiser: Ein sehr geringer Rauschpegel ist die Folge und den russischen Nachrichtensprecher, der mich beim Plattenwechseln immer übers Weltgeschehen auf dem laufen hielt – so richtig vermisse ich ihn nicht …

Aqvox Phono 2 Ci von innen

Test: Aqvox Phono 2 Ci, Holfi Vitalus, SAC gamma | Phono-Vorstufe

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