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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Mensch, ärgere dich nicht!
  2. 2 Klangeindrücke vom Boaacoustic USB-Kabel
  3. 3 Testfazit: Boaacoustic Silver Digital Xeno

Sind das etwa chromglänzende Mensch-ärgere-dich-nicht-Figuren? Nein, diese Assoziation war wohl nicht das geheime Ansinnen der Köpfe hinter der jungen und umtriebigen Kabelmanufaktur JIB Germany (www.jib-germany.de), als sie sich an das Design des USB-Kabels Boaacoustic Silver Digital Xeno machten.

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Vielmehr handelt es sich bei den vermeintlichen Brettspielfiguren um geschickt verpackte Ferritringe, die Schutz vor von außen einfließender Unbill bieten sollen. Man kann also wirklich nicht von unnötigem Zierrat sprechen, auch wenn die Orientierung hin zum asiatischen Wachstumsmarkt an der Entscheidung für diese Optik sicherlich nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürfte – dort mag man einen etwas exaltierteren Designfaktor eben ganz gerne.

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Die von Anfang an geplante internationale Ausrichtung der Marke ist angesichts eines derart umkämpften Marktsegments wie dem der hochklassigen HiFi-Kabel nachvollziehbar – und mit Sicherheit auch klug. Übrigens ist die Nomenklatur bei diesen Kabeln nicht ganz einfach: Die Firma heißt JIB Germany, die Marke Boaacoustic, es gibt eine JIB-Kupfer- und eine JIB-Silber-Produktlinie, und das hier behandelte, 300 Euro/1 m teure Modell hört auf den Namen Silver Digital Xeno. Alles klar?

Aber nun zum Gegenstand dieses Testberichts, und zwar in einem ersten Schritt zu seinen technischen Eigenschaften. Das Boaacoustic Silver Digital Xeno ist ein USB-Kabel, das die digitalen Musiksignale durch Leiter aus versilberten Kupferlitzen schickt, welche jeweils einen Querschnitt von 0,0792 mm² besitzen. Zum Einsatz kommt dabei hochreines Kupfer (6N = 99,9999 %), das mithilfe der sogenannten „OCC-Technologie“ hergestellt wurde, so JIB Germany. OCC (Ohno Continuous Casting) ist ein im Jahre 1982 von Professor Ohno am japanischen Chiba Institute of Technology entwickeltes Gießverfahren. Das so entstehende monokristalline Metall eliminiere die „Korngrenzen“, die eine Quelle von Signalverzerrungen seien, heißt es. OCC-Kupfer werden daher ausgezeichnete Leitungseigenschaften nachgesagt, zudem soll es korrosionsbeständiger sein.

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Das Boaacoustic Silver Digital Xeno unterstützt dank der USB-2.0-Spezifikation eine Datenübertragung von bis zu 480 Mbit/s. Die Kontaktflächen der USB-Stecker sind mit 24k Gold beschichtet, was nicht nur der Korrosion entgegenwirken, sondern auch einer möglichst verlustfreien Übertragung dienen soll. Wenn man Kabelhersteller fragt, welches Leitermaterial das Beste sei, so gibt es kaum einen Konsens – lobt der eine massive Silberkabel, lehnt der andere sie kategorisch ab. Und versilbertes Kupfer als Kompromiss findet auch nicht bei allen selbsternannten Spezialisten Gnade. Ich erinnere mich noch, dass ein HiFi-Studiobesitzer zu mir einmal sagte, dass versilberte Kupferkabel „ALLE nervös und unharmonisch“ klängen – hier war wohl eher ein psychologischer Effekt am Werk als tatsächlich hieb- und stichfeste Erfahrung. Denn in der Tat scheinen versilberte Leiter zumindest für Anwendungen wie USB-Audiosignalübertragung doch ganz gut geeignet zu sein: Die hochfrequenten digitalen Signale bleiben nämlich, so lautet zumindest die Theorie der amerikanischen Kabel-Urgesteine von AudioQuest, bei der Übertragung fast ausschließlich auf der Oberfläche des Leiters (siehe Skineffekt). Und da diese aus hochreinem Silber besteht, komme die Wiedergabe der eines massiven Silberkabels sehr nahe.

Der genaue Aufbau und die Verschaltung der Innenleiter des Boaacoustic Silver Digital Xeno sind Betriebsgeheimnis – nach einer kurzen Einsicht in die Querschnittszeichnung kann ich jedoch sagen, dass JIB Germany nicht gerade wenig Aufwand betreibt, um die Leiter so gut abgeschirmt wie möglich mit der Datenübermittlung zu betrauen. Man scheint nichts mehr zu fürchten als elektromagnetischen Schmutz, der das zarte Signal von außen verunreinigen könnte. Zwei verschiedene Aluminiumfolien und ein geflochtenes Metallgeflecht dienen der Schirmung – und gegen mechanische Einflüsse wickelt man drei unterschiedlich dicke Lagen Kunststoff sowie eine Textilhülle um die Leitergruppierung. Das fertige Ergebnis sieht dann auch noch ganz gut aus und bleibt einigermaßen flexibel – einigermaßen.

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Klangeindrücke vom Boaacoustic USB-Kabel

Klangunterschiede bei Kabeln sind ja ein oft und gerne und heiß diskutiertes Thema – insbesondere, wenn es um Netzkabel („Wenn ein Gerät auf Stromkabel reagiert, ist es eh Elektroschrott!“) und Digitalkabel („Da gehen doch eh nur Einsen und Nullen durch!“) geht. Ich denke, wer sich dem Thema unvoreingenommen nähert und einfach mal hört, statt ewig zu theoretisieren, wird kaum an dem Schluss vorbeikommen, dass „Kabelklang“, also die Auswirkungen unterschiedlicher Produkte auf den Klang von Aufnahme- und Wiedergabegeräten, eine Realität ist. Und – Achtung, Spoiler! – wer das mit einem Boaacoustic Silver Digital Xeno im Vergleich zu einem 08/15-USB-Kabel tut, dürfte dabei einen Aha-Effekt erleben.

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Nun höre ich in meiner Kette nicht mit einem solchen Standard-USB-Kabel: Zwischen dem Streamer Auralic Aries und dem Norma Audio SC-2 DAC/Vorverstärker befinden sich normalerweise ein AudioQuest Cinnamon USB (um 90 Euro für 1,5 Meter) sowie ein Graditech Kide Digital (um 685 Euro/1 m). Das AudioQuest darf ab und an auch den Vermittler zwischen dem Macbook Air und dem im Norma integrierten Wandler spielen. Zu Vergleichszwecken für diesen Hörbericht stellten mir die fairaudio-Kollegen zusätzlich noch das Aqvox Excel (um 170 Euro/1 m) zur Verfügung. Üblicherweise höre ich den Auralic Aries übrigens über das Graditech Kide Digital, also über die S/PDIF-Koaxialverbindung. Im Vergleich zum deutlich günstigeren AudioQuest Cinnamon USB klingt die Wiedergabe so deutlich entspannter, detaillierter und weniger technisch – also letztlich musikalisch flüssiger.

Mit dem USB-Verbinder Aqvox Excel liegt die Wiedergabegüte zu meinem Erstaunen nun fast schon auf dem Niveau der koaxialen Verbindung mit dem Graditech Kide Digital – bei nur etwas mehr als einem Viertel der Kosten! Auffallend ist, dass das Aqvox etwas mehr Druck in den Oberbass legt als das finnische Koaxialkabel, während es das Geschehen ganz unten herum minimal früher ausblendet und den Raum insgesamt etwas weniger weit aufzieht. Ansonsten würde ich von Gleichstand sprechen.

Aber da wir hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen wollen, kommt das Boaacoustic Silver Digital Xeno nach gebührender Warmlaufzeit zu seinem Einsatz, um sich am Aqvox zu messen – und es hat Boom gemacht, und zwar nicht erst nach tausendundeiner Nacht. Nein, es sind weder Sicherungen durchgebrannt noch sonstige Missgeschicke passiert, aber der klangwirksame Effekt dieses USB-Verbinders zwischen Auralic Aries und dem D/A-Wandler der Vorstufe Norma Audio SC-2 ist eindeutig.

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Natürlich spielt die Anlagenkonfiguration mit ihrer jeweiligen klanglichen Charakteristik immer eine tragende Rolle, inwieweit sich Veränderungen durch neue Geräte oder Accessoires auswirken. Im Falle meiner Verstärker-Lautsprecher-Kombination aus Norma und Lansche und bei Durchverkabelung mit Graditech-Verbindern tendiert die Tonalität zur etwas wärmeren Seite. Das Boaacoustic Silver Digital Xeno kommt in dieser Umgebung eine balancierend-optimierende Rolle zu. Angesichts des im Vergleich zur Anlage noch überschaubaren Einstandspreises überrascht mich dabei die Selbstverständlichkeit, mit der das Silver Digital Xeno sich klangverbessernd integriert.

Mein allererster Eindruck vom Boaacoustic Silver Digital Xeno ist der von einer unbegrenzter Weite des Klangraums. Von einem „sehr großen Raum“ zu sprechen ist dabei fast schon untertrieben, denn die Bühne weitet sich mit dem Silver Digital Xeno sehr deutlich über die Lautsprecheraußenkanten hinaus und lässt die Boxen (mehr als sowieso schon) als Schallquelle akustisch verschwinden. Die virtuelle Bühne zeigt sich sehr flexibel in den Ausmaßen und bei der Positionierung der Akteure, ich kann klarer als zuvor mit dem AudioQuest oder dem Aqvox nachvollziehen, wie sich das von Aufnahme zu Aufnahme verändert. Die sehr dreidimensionale Darstellung von Instrumenten und Schallereignissen gefällt mir dabei sehr. Und zwischen den einzelnen musikalischen Akteuren befindet sich – einer der größten Pluspunkte des Boaacoustic-USB-Kabels – enorm viel Luft. Die Abbildung der Bühne rutscht zudem bei fast allen Aufnahmen insgesamt etwas nach oben, was den Eindruck von Weite und Luftigkeit noch unterstützt. Oder ist dieser Eindruck ein Nebeneffekt der auffallenden Offenheit des Hochtons?

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Es mag ja ein Klischee sein, aber hier ist es angebrachter denn je: Ein Vorhang lüftet sich, wenn das Silver Digital Xeno im Spiel ist, und zwar egal ob im Vergleich zum AudioQuest, dem Aqvox oder gar dem deutlich teureren Graditech-Koaxkabel. Der Grad, in dem die Auflösung zunimmt, ist gegenüber AudioQuest und Aqvox unüberhörbar, und selbst das doppelt so teure Graditech Kide Digital schafft es nicht ganz, das Boaacoustic USB-Kabel auf Distanz zu halten. Dass das Silver Digital Xeno dennoch auch hier tonal neutral bleibt, liegt daran, dass bei ihm der Hochton im Pegel nicht angehoben werden muss, um mehr Information durchzulassen.

Yello, ToyIm Oberbass agiert das Silver Digital Xeno schlanker und fluider als das Aqvox Excel, was mit einem erstaunlichen Effekt einhergeht, der sich auch außerhalb des Bassbereichs bemerkbar macht: Graduelle Tonhöhenverläufe sind besser wahrnehmbar – so wie Linn es immer sinngemäß gepredigt hat: „tune is everything“. Der Bass in „Kiss the Cloud“ von Yellos aktuellem Album Toy (auf Amazon anhören) ändert seine Frequenzlage subtil und ohne vernehmbare Tonhöhenschritte, ebenso „gleitet“ das Glockenspiel in „Problems with the Sun“ (Nicolas Jaar, Album: Space Is Only Noise, auf Amazon anhören) durch die Frequenzen. Mit dem Aqvox wird einem das erst wirklich bewusst, nachdem das Boaacoustic-USB-Kabel den Hörer quasi schon mit der Lupe darauf hingewiesen hat. Solche „Kleinigkeiten“ bringen meines Erachtens unglaublich viel für das Verständnis musikalischer Intentionen und Zusammenhänge.

Helium VolaDas Boaacoustic spielt zudem tiefer in den Frequenzkeller hinab als das Aqvox, wirkt massiver, besser konturiert und kantenschärfer. Den Kickbassimpuls in Helium Volas „Veni Veni“ (Album: Liod, auf Amazon anhören) grenzt es geradezu perfekt ab, und man kann das Gate, mit dem der Nachhall im Studio abgeschnitten wurde, förmlich zuschnappen hören. Der Bassbereich wirkt trotz aller Präzision wirklich raumfüllend, und im Gegensatz zu den beiden anderen Kabeln entspringen auch die tieffrequenten Schallquellen in „Bitte um Trost“ von Helium Vola punktgenau definierbar auf der Bühne, kommen elektronisch generiert auch schon mal von oben links hinten aus der Ecke, statt einfach nur irgendwo im Kellergeschoss ihren Ursprung zu nehmen.

Die für diese Preisklasse ungewöhnlich offene Ausleuchtung von Bass und Hochton ohne tonale Überhöhungen lenkt den Fokus des Hörers ein wenig weg vom Mittelton, der gefühlt ein kleines bisschen schlanker rüberkommt als mit anderen Kabeln. Ein Nebeneffekt dieser Abstimmung ist, dass die Mitten so noch transparenter und sauberer wirken. Überhaupt ist Sauberkeit neben der exzellenten dreidimensionalen Abbildung und dem unaufdringlichen Auflösungsvermögen eine der größten Tugenden des Boaacoustic Silver Digital Xeno. Der Mittelton besitzt ebenso wie der Hochton eine feinstoffliche Qualität, wirkt seidig, nie hart oder rau.

Grobdynamisch setzt das Boaacoustic keine neuen Bestmarken, es hält sich aber auch wahrlich nicht zurück, wenn es beispielsweise um heftige Bassimpulse geht. Seine grundsätzliche Schnelligkeit beschränkt sich also nicht nur auf „distinguierte Feinheiten“. Doch die feinfühlige Analyse, die das Silver Digital Xeno drauf hat, präferiert im Gesamtbild eher den Blick auf feindynamische Zusammenhänge. 

Testfazit: Boaacoustic Silver Digital Xeno

Das Boaacoustic Silver Digital Xeno USB-Kabel spielt extrem offen und sauber, schnell, weiträumig sowie mit außerordentlicher dreidimensionaler Abbildungsqualität und hervorragender räumlicher Definition. Der Synergieeffekt in meiner Kette ist groß – es ist einer der so oft gesuchten highfidelen Glücksfälle, weshalb dieses USB-Kabel meine Anlage so schnell auch nicht wieder verlassen wird.

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Doch auch Wiedergabeketten, die im Hochton etwas mehr Biss haben, können von der tonal neutralen sowie detailreich-feinen Gangart dieses Kabels profitieren und an Langzeitqualität hinzugewinnen. Das Silver Digital Xeno besticht als im besten Sinne des Wortes neutraler Vermittler: Es spielt sehr klar, prägnant und ohne aufgesetzte Spitzen.

Fakten:

  • Modell: Boaacoustic Silver Digital Xeno
  • Konzept: USB-2.0-Kabel, USB-A auf USB-B
  • Preis: ab 300 Euro/1 m

Test: Boaacoustic Silver Digital Xeno | USB-Kabel

  1. 1 Mensch, ärgere dich nicht!
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  3. 3 Testfazit: Boaacoustic Silver Digital Xeno

Über den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: J. Sikora Initial Tonarm: Kuzma Stogi Reference S12 VAT Tonabnehmer: ZYX R100 Fuji

Digitale Quellen: Streamer: Auralic Aries

Vollverstärker: Linn Majik DSM

Vorstufen: Hochpegel: Norma Audio SC-2 DAC Phonoverstärker: Neukomm MCA112S

Endstufen: Norma Audio PA 160 MR

Lautsprecher: hORNS Mummy, Lansche Audio No.3.1

Kopfhörer: AudioQuest Nighthawk, Philips Fidelio M2BT

Kopfhörerverstärker: ifi iDSD nano, Meier Audio Corda Classic

Kabel: Lautsprecherkabel: Audioquest Rocket 88, Graditech Lumi 3 NF-Kabel: Audioquest Yukon, fastaudio Black Science (Phono), Graditech Kide 3 und Kide 1 Digitalkabel: AudioQuest Cinnamon und Carbon, Graditech Kide Digital Netzkabel: Graditech Voima 1 und 2, AudioQuest NRG-2 Netzleiste: Audioplan Powerstar

Zubehör: Stromfilter: Fisch Audiotechnik AFL Filterleiste, Tsakiridis Super Athina Sonstiges: fastaudio Absorber, Acoustic System Resonatoren

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 24,5 m² Höhe: 2,7 m

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