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Musicconnection – Hochwirkungsgrad – Lautsprecher – Dynamikks – Interview fairaudio

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  1. 3 Musicconnection - Hochwirkungsgrad - Lautsprecher - Dynamikks - Interview fairaudio

Tja, da kommen Sie nicht drum herum. Aber vorab nochmal was ganz anderes: Einige werden Sie mit der Firma „Musicconnection“ in Zusammenhang bringen, die Sie zusammen mit Herrn Roman Groß lange Jahre geleitet haben. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit? Und, natürlich auch interessant, warum geht jetzt jeder wieder allein seines Weges?

Dynamikks Soundmaster

Bedingt durch den guten Wirkungsgrad meiner Lautsprecher begann ich mich natürlich auch für Röhrenverstärker zu interessieren und speziell Single-Ended-Amps waren in den Neunzigern ja noch eine neue, reizvolle und auch ziemlich schräge Alternative. Roman Groß baute damals so Dinger und suchte seinerseits noch die passenden Lautsprecher dazu. So wurden wir aufeinander aufmerksam.

Eines Tages kam er dann mit einem More Fidelity 300B- und vor allem einem 2A3-Verstärker vorbei und alles harmonierte auf Anhieb. Von da an arbeiteten wir eng zusammen und nachdem wir die High End 1997 gemeinsam bestritten hatten – in dem Jahr debütierte die Dynavox 3.0 -, gründeten wir Musicconnection. Die folgenden Jahre waren durch eine kreative Zusammenarbeit geprägt. Musicconnection wurde zum echten Vollsortimentler. Es fiel uns sehr leicht, viele neue Dinge auf die Beine zu stellen, da unsere Vorstellungen absolut deckungsgleich waren und wir unsere Kreativität perfekt kanalisiert hatten. Das führte zu drei kompletten Lautsprecherlinien, drei Elektronikserien, Plattenspielern, Tonarmen, Kabel und Zubehör. Eine sehr fruchtbare Zeit …

Aber irgendwann fingen die Dinge an, eine andere Richtung zu nehmen. Es fiel zunehmend schwerer, Konsens zu finden, sich auf Produkte zu einigen, auch unsere klanglichen Vorstellungen liefen auseinander. Es gab auch mehr Reibung in der Zusammenarbeit, bedingt durch diese unterschiedlichen Vorstellungen, Einstellungen und eigenen Interessen. Das Ganze war ein bisschen so wie bei einem alten Ehepaar – Widerspruch als Reflex.

Zum Glück kam die Entscheidung, so nicht weitermachen zu können, bei uns beiden ziemlich gleichzeitig und so war Musicconnection ziemlich unvermittelt, aber schmerzfrei Geschichte. In diesem Punkt haben wir dann wieder zu der gewohnten Fähigkeit gefunden, uns schnell einig zu werden. Produkttechnisch ist natürlich vieles auf der Strecke geblieben, zum Beispiel die magnetische Vorstufe, vor allem aber auch im Lautsprecherbereich, sodass die Dynamikks db8 zunächst das einzige Lautsprechermodell unter dem neuen Namen war.

Der Name „Dynamikks“ legt ja schon nahe, dass Sie ein Faible für dynamische Wiedergabe haben – klar. Blättert man oberflächlich durch Ihre Webseiten, denkt man schnell „Aha, ein Hochwirkungsgrad-Freund“. Schaut man tiefer hinein, tauchen ganz interessante Statements auf … Ein Beispiel: „Viele sind der Meinung, dass die Musikwiedergabe einer HiFi-Anlage sich am Live-Erlebnis zu messen hat – nach dem Motto: Wenn es klingt wie live, dann ist es perfekt. Wir sind da völlig anderer Meinung“, steht dort. An anderer Stelle heißt es: „Körperhaftigkeit ist eine Schlüsselqualität für eine musikalisch glaubhafte Wiedergabe, also zum emotionalen Zugang zur Musik.“ Wie passt das zusammen: Hochdynamisch soll es sein, aber das Live-Erlebnis ist nicht die Messlatte für eine gute Musikreproduktion, stattdessen sowas Diffuses wie „Körperlichkeit“. Was soll das eigentlich genau sein?

Also das erste Zitat ist einfach aus dem Zusammenhang gerissen, an seinem Platz ergibt es einen ganz anderen Sinn als so herausgestellt. Live – das ist für mich selbstverständlich ein wichtiger Maßstab!


Der Bespannungsstoff für die Dynamikks Soundmaster

An der zitierten Stelle geht es aber darum deutlich zu machen, was das entscheidende Kriterium für gute Musikwiedergabe ist: nämlich das Transportieren dessen, was gerne die „Seele der Musik“ genannt wird, der Grund, warum sich Menschen seit der Steinzeit mit Musik beschäftigen. Wir hören Musik – auch zuhause – um die Intention der Musiker zu verstehen und die von der Musik ausgehenden Emotionen zu erleben. Im Zweifel wäre das sogar wichtiger als ein „livehaftiges“ Erlebnis.

Das Liveerlebnis ist zudem immer von der Situation und den Umständen geprägt und es handelt sich um ein singuläres, zeitlich gebundenes Ereignis. Dagegen bestimmen wir zu Hause selbst ob, was und wie oft wir etwas hören wollen, unsere Motivation und wahrscheinlich auch unsere Erwartungen sind ganz andere. Wir suchen die, sagen wir, „Magie“ in der Musik. Also ist die Fähigkeit, uns diese nahe zu bringen, das wichtigste Kriterium einer Musikwiedergabekette. Ich sage bewusst nicht HiFi-Anlage. HiFi kann auch unter rein technischen Aspekten Spaß machen. „HiFi statt Märklin“, sozusagen.

Unter rein klanglichen Gesichtspunkten ist „live“ für mich natürlich schon ein wichtiger Maßstab. In den eigenen vier Wänden wird es zwar nie so sein wie live, aber es geht um den unmissverständlichen Wiedererkennungswert. Wie selbstverständlich „live“ als Qualitätsmerkmal von manchen in Anspruch genommen wird, finde ich allerdings oft mehr als peinlich. So, nun zur „Körperhaftigkeit“ …

Hier geht es weniger um etwas Diffuses als vielmehr um etwas Greifbares: das Gefühl, dass das oder die Instrumente tatsächlich im Raum sein könnten. Das fühlt sich ganz anders an als diese Imagination mit den Ohren so zu hören, wie das Auge sieht, um die es bei Highend immer geht …

Sorry, das verstehe ich nicht ganz. Was soll das heißen?

Das Auge gaukelt dem Ohr häufig etwas vor, beispielsweise eine präzisere Abbildung eines Instruments als eigentlich vorhanden ist oder auch die Größenverhältnisse: Man sieht ja, wie groß die Gitarre ist, also muss die auch so groß klingen – nach dem Motto. Schließt man in der Livesituation aber die Augen, nimmt man die Instrumente ganz anders war. Häufig etwas diffuser und vor allem mit wechselnder Größe, je nachdem, wie das Instrument gespielt wird, in welcher Tonlage, mit welcher Lautstärke usw.


Zitat Röhrensammler Moning: „Das war so ‘ne Resteverwertungsgeschichte …“ Oben zu sehende Trioden-Stereoendstufe leistet 2 x 1,5 Watt und spielte am Hochwirkungsgradlautsprecher Dynamikks Monitor 10.15 ganz vorzüglich

Und was bedeutet das für die Wiedergabe daheim?

Lassen Sie es mich mal so ausdrücken: Mir scheint es ein Highend-Ideal zu geben, das so hören möchte wie das Auge sieht: Fein säuberlich gestaffelt, jedes einzelne Instrument wie mit dem Skalpell heraus seziert und – wie es dann immer heißt – mit „realistischen Größenverhältnissen“, was letztlich auf eine 1:1-Abbildung von optischer zu akustischer Erscheinung hinausläuft. Ist ja auch alles gut und schön – aber eben nicht mein Maßstab. Insbesondere bezweifle ich, dass das realistisch ist, geschweige denn was mit live zu tun hat.

Ich möchte daheim lieber so hören, wie in einem Konzert mit geschlossenen Augen: Die Klänge müssen sozusagen frei atmen können, statt sich in dieses komische HiFi-Raster zu zwängen. Um diese Wahrnehmung geht es mir bei einer guten Kette. Sie sehen, live ist bei mir sehr wohl ein entscheidender Maßstab, aber ich reduziere das nicht auf viel Dynamik.

Interview: Ulf Moning von Dynamikks

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