Test: Saxx coolSound CX 30 | Kompaktlautsprecher
Preis: 598 Euro

Soundstylist?

Saxx coolSound CX 30

August 2016 / Benjamin Baum

Designermöbel! Hipster-Schachtel! Pin-up-Boxen! Zugegeben: Liebe auf den ersten Blick ist es nicht, was sich zwischen mir und der kompakten Saxx coolSound CX 30 abspielt. Die Vorbehalte gegen Lifestyleböxchen für preisbewusste Gelegenheitshörer: zu fest verankert im Testerhirn.

Ja, ich bin nicht gänzlich unbefangen in diesen Test gegangen. Dass Musikstreaming – dank Tidal und Qobuz in CD-Qualität – mittlerweile auch in Deutschland salonfähig geworden ist, erfreut zwar meine highfidele Seele. Was diese Trendwelle aber bislang an passenden Lautsprechern ins hiesige Wohnzimmer „gestreamt“ hat, gehört in den allermeisten Fällen dann doch eher in die Rubrik „des Kaisers neue Boxen“: viel Gehabe, wenig Klang. Die Rede ist von ganzen Armeen winziger Multiroom-, Wireless- und Sonstwie-Böxchen, die man auf Wunsch auch als Back-Surround per Bluetooth auf dem Toilettenspülkasten ansteuern kann, die dort aber genauso badewannig klingen wie sonstwo.

Okay, die Saxx CX 30 hat mit Wireless und so nix am Hut, sie ist eine klassische, passive Zwei-Wege-Box. Trotzdem, ich muss es so hart sagen: Lifestyle-Lautsprecher sind bislang fast durch die Bank mehr Lifestyle denn Lautsprecher. Ich prüfe diese - nennen wir es mal neutral - These durch einen Klick auf die Hersteller-Webseite der Saxx coolSound: www.saxx-audio.de. Kacheloptik, Flatdesign, dazu Porträtfotos tätowierter Bartträger, Textilaufnäher als Gestaltungselement. Nun ja ... wissen Sie was: Wir lassen das.

Saxx CX 30 in Schwarz, mit Frontbespannung
Saxx CX 30 in Schwarz, mit Frontbespannung

In meinem Wohnzimmer befeuert eine Röhrenkette ein Lautsprecherpaar der Marke Harbeth, deren „Werbung“ im Wesentlichen darauf hinausläuft, dass Chefentwickler Alan Shaw etwa alle zehn Jahre kundtut, er habe in der Zwischenzeit die ein oder andere Kleinigkeit an dieser oder jener Box nachgebessert und man möge sich dies doch bei Gelegenheit einmal anhören. Das versteh' ich unter „cool“ – aber gut, womöglich bin ich bloß ein bisschen altmodisch.

Also: Bleiben wir objektiv und gucken uns die kleinen, ausschließlich im Direktvertrieb erhältlichen Saxx einfach mal genauer an. Und bewundern als erstes den blitzsauber gefertigten AMT-Hochtöner.

AMT-Hochtöner der Saxx CX 30
AMT-Hochtöner der Saxx CX 30

Diese kleine Sternstunde der Faltkunst in einer 600-Euro-Box, das ist wie Kaviar bei Aldi und damit per se schon hörenswert. Ebenfalls interessant: Die Verarbeitung der Boxen ist tadellos. Gehäuse aus bombenfest verschraubtem MDF mit blankpoliertem Klavierlack-Finish, ordentlich Gewicht (von wegen „Joghurtbecher“), all das auf recht massiven Alufüßen ruhend. Ein bohrlochfreies Frontpanel mit magnetisch haftenden, leicht abnehmbaren Abdeckungen sowie elegant fließende Rundungen um beide Chassis herum lassen den berühmten „WAF“ in höhere Bereiche ausschlagen. Ist das schon retro oder noch „Zukunft aus Sicht der 90er“? Egal – außen sind die Saxx CX 30 rundum hui! Doch das war wohl auch zu erwarten. Schauen wir also, was drin steckt. Und raus kommt.


Theorie & Praxis

Starten wir die Mission „Abbau HiFi-snobistischer Vorurteile gegenüber sogenannten ‚Lifestyleboxen‘“ mit einem Blick auf die Rückseite unseres kleinen „Raumschiff Orion“. Verkabelt werden wollen die CX 30 über vergoldete Single-Wire-Anschlüsse. Das spart schon einmal die Anschaffung teurer Kabelbrücken oder gar Bi-Wiring-Strippen.

Terminal der Saxx CX 30

Das fragliche Budget investiert man sowieso am besten in einen halbwegs potenten Verstärker. Beim gebotenen Wirkungsgrad von 84 dB/W/m und der Fähigkeit, bis auf ordentliche 48 Hertz in den Basskeller hinabzusteigen, empfiehlt sich auch für das zweitkleinste Modell der coolSound-Serie (das Topmodell Saxx CX 90 hatten wir schon im Test) ein ausreichend „saftiger“ Halbleiter ab circa 50 Watt Leistung. Zur optimalen Verstärker-Paarung später noch mehr.

Technisches Highlight der coolSound-Reihe und damit auch der CX 30 ist zweifelsohne der in dieser Preisklasse sicher einzigartige Hochtöner. Der zum Einsatz kommende AMT (Air Motion Transformer) wurde bereits in den 1960er-Jahren vom deutschen Physiker Oskar Heil entwickelt und beruht im Wesentlichen darauf, dass verhältnismäßig große Mengen Luft durch Ziehharmonika-ähnliche Membranbewegungen in Schwingung versetzt werden (siehe Lexikonbeitrag hierzu). Besagtes Wirkprinzip soll – nicht zuletzt durch minimierte Membrandicke – eine saubere und schnelle Impulswiedergabe, gute Auflösung und ordentlich Wirkungsgrad ermöglichen. Diese Vorteile spielen AMT-Hochtöner wegen hoher Material- und Fertigungskosten jedoch bislang nur in deutlich teureren Lautsprechern aus.

Die Frequenzweiche der Saxx CX 30
Die Frequenzweiche der Saxx CX 30

Doch bevor wir uns anhören, wie Edeltechnik zum Economytarif klingt, müssen wir den Saxx CX 30 einen geeigneten Hörrahmen schaffen. Und spätestens hier hat es sich dann mit dem Thema „Lifestylebox“. Von wegen Integration in meinen Alltag! Nach ausgiebigem Gerücke, Geräume und Gepolstere darf konstatiert werden: Die Saxx ist keine Sonos, und sie tut einen Teufel (Kalauer, sorry!) dafür, sich meinem Wohnumfeld anzupassen.

Steht die CX 30 näher als 50 Zentimeter zur Rückwand, wird sie – wohl auch aufgrund der rückwärtigen Bassreflexöffnung – leicht muffelig. Winkelt man sie zu stark ein, klingt sie im Hochton etwas harsch. Ein wenig Einwinkeln wiederum muss sein, da einerseits das Abstrahlverhalten des verbauten AMT-Hochtöners eher zu vermehrter Bündelung neigt als zumeist bei Kalotten der Fall und andererseits die Saxx in Sachen Basisbreite so einiges an Abstand abkönnen, ohne dass die Bühne auseinanderfiele. Zum echten Nahfeldhören sind die CX 30 übrigens nur bedingt geeignet. Der optimale Saxx CX 30Hörabstand liegt eher so zwischen 1,80 und 3,50 Metern. Investiert man etwas Zeit und Nerven in eine korrekte Aufstellung und gönnt den CX 30 je nach Fußboden ordentlich an- oder entkoppelnde Lautsprecherständer (im Test haben sich hierzu anstelle hart koppelnder Spikes mal wieder die Audioplan Antispikes bewährt), danken es einem die Saxx CX 30 mit einer klanglichen Performance, die bereits nach wenigen Takten jedwedes Pauschalurteil gegen die neo-audiophile Einstiegsboxen-Schickeria rückstandslos aus dem Testerhirn entfernt. So langsam neugierig geworden? Dann los.

 

 

 

 

 

Im Test:

Kompaktlautsprecher Saxx coolSound CX 30

UVP zum Testzeitpunkt:

598 Euro

Hersteller & Vertrieb:

SaxxTech GmbH & Co. KG

Telefon: 05032 – 95 67 120

eMail:
info@saxxtech.com
Web:
www.saxx-audio.de

 
Größe des Hörraums:

Grundfläche 28 qm
Höhe: 3,70 m 

Equipment:

Quellen:

Streaming-Bridge:
Auralic Aries LE

D/A-Wandler:
Jadis JS 2 MKII
Chord Hugo

Verstärker:

Vollverstärker:
Jadis DA 50 Signature
Abacus Ampino

Lautsprecher:

Harbeth SHL5plus

Kopfhörer:

Audeze LCD-XC

Sonstiges:

Rack: Quadraspire Q4 Evo

Netzfilter: Isotek Aquarius

Kabel:
Stromversorgung: Tellurium Black (Zuleitung), Tellurium Ultra Blue, Furutech Steckdose;
LS, Jumper, NF: Tellurium Ultra Black;
Digital: Tellurium Black
Ethernet: Audioquest Vodka

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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