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Test: Nuforce IA-18 | Verstärker | Preis: 3.499 Euro

Flache Flunder

Nuforce IA-18

Juli 2013 / Frank Hakopians

Natürlich hätte auch ein Kollege sich des pulsweitenmodulierenden Vollverstärkers (www.nuforce-europe.com) annehmen können. Vielleicht einer von den Jüngeren, die mit Computer-HiFi und Class-D-Verstärkung bereits ausreichend sozialisiert wurden. Sicher kein Problem, und ich hätte schön weiter auf eine fette Röhre oder ein schnuckeliges Class-A-Verstärkerchen warten können.

Nuforce IA-18

Also oldschoolmäßig beide Augen fest verschlossen halten angesichts „neuer“ Technik? Nein, kein Gedanke daran, denn inzwischen haben Class-D-Verstärker bereits höchste HiFi-Weihen erreicht. Beispielsweise in Form superteurer Endstufen (Kharma MPA 350) oder als Treibsatz für bestbeleumundete Aktivlautsprecher (Geithain 800K, Grimm Audio LS1). Dazu gesellt sich ein vergleichsweise hervorragender Wirkungsgrad von um die 70 Prozent und mehr gegenüber höchstens mickrigen 20 Prozent besserer AB-Designs. Da ein ständig anliegender Ruhestrom entbehrlich ist, glänzen Class-D-Amps in der Regel mit umweltverträglich niedrigem Stromverbrauch und schön „cool“ bleibenden Gehäusen.

So weit, so gut, würden im highendigen Segment nicht allzu oft andere Dinge im Vordergrund stehen. Da gilt halt noch das alte Kanzlerwort: Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Oder eben – wie gut es klingt. Und genau aus dem Grund hat ein Vertreter dieser Spezies inzwischen auch bei mir zu Hause Einzug halten können. Der D-Premier von Devialet, dem Grundsatz nach ebenfalls ein Vollverstärker, macht sich zurzeit als unbestechliches Arbeitsgerät mit nachhaltig hohem Spaßfaktor unentbehrlich. Andererseits aber, und das verschweige ich nicht, hat es gerade deshalb auch bis jetzt gedauert, mit der neuen Technik warm zu werden.

Ein/Aus, Eingangswahl...
Ein und Aus, Balanceregelung, Eingangswahl ...

... sowie Lauf/Leise und Mute: beim Nuforce läuft die Bedienung über Touchdisplay
... sowie Laut/Leise und Mute: Beim Nuforce läuft die Bedienung über ein Touchdisplay

Nun also her mit dem neuen, an die Reference-Serie der Marke angelehnten Vollverstärker Nuforce IA-18. Der Hersteller entwickelt seine Produkte in Kalifornien/USA und fertigt kostenoptimiert in Taiwan – heutzutage ja keine ungewöhnliche Art der Arbeitsteilung. Seit ihrer Gründung im Jahre 2005 gilt die Firma als Spezialist für Class-D-Verstärkertechnologie und versucht ebendiese auch auf dem gehobenen High-Fidelity-Markt zu etablieren. Angesichts der reichlich verliehenen Awards und positiven Besprechungen in der nationalen und internationalen Presse offensichtlich auch mit einigem Erfolg.

Zunächst lassen Sie mich aber noch einmal klarstellen: Ein Class-D-Verstärker ist nicht – was häufig angenommen wird – zwangsläufig auch ein Digitalverstärker. Die Transistoren eines Class-D-Amps werden zwar zwischen den beiden Zuständen Ein und Aus durchgeschaltet und erinnern so entfernt an das binäre System der digitalen Signalverarbeitung. Das eigentliche Signal bleibt aber im Normalfall gänzlich analog. Was häufig zur Verwirrung führt, ist, dass es auch Class-D-Verstärker gibt, in denen das analoge Eingangssignal digitalisiert und anschließend eben auch digital weiterverarbeitet wird. Der D-Premier kann beispielsweise als ein Vertreter dieser Gattung angesehen werden, oder der kürzlich bei uns getestete NAD C 390DD. Ein zentraler DSP-Chip managt die Verstärkung, was natürlich so nur mit digitalen Signalen möglich ist.

Nuforce IA-18

Dass der größte Integrierte von Nuforce in meinem Hörraum nun ausgerechnet auf den interessanterweise ebenfalls im Flachdesign gestylten Franzosen trifft, erscheint mir keinesfalls unpassend. Schließlich bewirbt Nuforce seinen Vollverstärker selbstbewusst damit, sich klanglich auch vor den Besten des Fachs nicht verstecken zu müssen. Der D-Premier ist da sicher ein Gegner aus der ersten Liga. Wobei dem Nuforce schon aufgrund seines 3.499-Euro-Preisschildes eher die Rolle eines Davids im Vergleich zum 12.500 Euro schweren Goliath aus Frankreich zukommt.

Freilich erinnert das Äußere des IA-18 nur sehr wenig an einen David. Flach und schwarz, dafür aber in der Ebene ziemlich ausufernd, hebt sich der Nuforce IA-18 wohltuend vom Kistendesign üblicher Vollverstärker ab. Wem das dunkle Outfit zu martialisch erscheint, dem bietet Nuforce auf Wunsch auch eine silbern anodisierte Alternative an (bei der der Gehäusedeckel aber schwarz bleibt).

Natürlich ist der IA-18 auch fernbedienbar. Optisch kommt der massive, metallene Geber den Lichtschwertern der Jedi-Ritter verblüffend nahe. Erstaunlich, dass sich auf Knopfdruck nicht zischend der gleißende Lichtbogen einer Laserwaffe zum Leben erwecken lässt.

Fernbedienung des Nuforce

Stattdessen erwecke ich ganz friedlich den Nuforce IA-18 aus seinem Stand-by-Modus. Übrigens liegt die Fernbedienung trotz ihrer Andersartigkeit ziemlich gut in der Hand. Allenfalls die klapprigen, gleichwohl aus Metall gefertigten Taster irritieren da ein wenig.

Die Rückfront des IA-18 scheint auf den ersten Blick doch reichlich aufgeräumt zu sein. Und auch bei genauer Inspektion lassen sich nur fünf mit Cinch-Buchsen bewehrte Eingänge identifizieren. Dann noch ein Paar Lautsprecherterminals und der Netzanschluss – XLR-Eingänge, Subwooferausgang, USB-Anschluss, Phonoeingang, ein Pre- oder gar ein Tape-Ausgang glänzen durch schlichte Abwesenheit. Kopfhörerbuchse? Nein, auch nicht. Nun, das kann man als mäßige Ausstattung oder als puristisches Prinzip interpretieren.

Mehr Inputs gibt's nicht: Fünf Cinchbusendoppel besittz der IA-18
Fünf Hochpegel-Eingänge besitzt der Nuforce IA-18

Um nichts zu übersehen, beschäftige ich mich zunächst mit der Betriebsanleitung. Vielleicht sind ja in der Tiefe eines versteckten Untermenüs noch einige klangrelevante Goodies versteckt. Tatsächlich erfahre ich so, dass sich der Nuforce IA-18 die Lautstärkeeinstellung für jeden Eingang merkt und diese daher beim Umschalten nicht erst mühsam hochgefahren werden muss. Eine feinfühlige Balanceregelung (+/- 3 dB) ist ebenfalls mit an Bord. Zum Wiederherstellen der Werkseinstellung drücke man einfach den roten Reset-Schalter auf der Rückseite. Dumm nur, dass es diesen Knopf an meinem IA-18 gar nicht gibt. Wohl aber bei der Referenzvorstufe P-20, wie mir das Studium der Nuforce-Webseite zeigt. Jene teilt sich wohl nicht nur das schmucke Gehäuse mit dem integrierten Verstärker, sondern auch einen Teil des Manuals.

Wenn es um innere Werte geht, braucht sich der IA-18, jedenfalls angesichts der kolportierten nahen Verwandtschaft zu den Referenzgeräten, nicht zu verstecken. In seinem weitläufigen Chassis finden sowohl eine an die Schaltung von Nuforce' bestem Vorverstärker P20 angelehnte Vorstufensektion als auch zwei V3-Endverstärkermodule nebst einer Kondensatorbank, hier als „Cross Matrix Array“ bezeichnet, ihren Platz.

Nuforce' IA-18 von innen
Nuforce IA-18, von innen betrachtet

Die beiden Endstufenmodule leisten jeweils 150 Watt an acht, respektive 200 Watt an Vier-Ohm-Lasten. Damit sollten sich Pegel auch deutlich jenseits gehobener Zimmerlautstärke locker realisieren lassen. Zu deren genauer Justage, die Lautstärke lässt sich in 99 Einzelschritten zu je 0,5 Dezibel regulieren, verwendet Nuforce nicht etwa ein traditionelles Potenziometer oder gar einen Chip, sondern spendiert dem IA-18 eine aus Einzelwiderständen konstruierte Widerstandsleiter. Laut Hersteller liegt bei jeder einstellbaren Lautstärke nur jeweils ein einziger Widerstand im Signalweg. An solchen Details zeigt sich der highendige Anspruch, den die Kalifornier mit dem großen Integrierten verfolgen. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass in der Eingangstufe sogenannte JFets verbaut sind. Rauscharme Feldeffekttransistoren, die mir zuletzt in der Vorstufe M-8 des neuseeländischen Herstellers Plinius begegneten, und an deren klangliche Performance ich immer noch äußerst gerne zurückdenke.

Lautsprecherterminal des Nuforce IA-18
Lautsprecherterminal des Nuforce IA-18

Der eigentliche Clou liegt aber sicherlich in der Endverstärkerabteilung des IA-18. Nuforce betont gerne, dass es sich um einen analogen Schaltverstärker (Analog Switching Amp) handelt. Nun, das Thema hatten wir ja schon. Klanglich entscheidend ist bei Class-D-Verstärkern unter anderem, wie die hochfrequente Trägerwelle mitsamt ihres ausgeprägten Störspektrums wieder aus dem Signal getilgt wird, bevor es zu den Lautsprecherklemmen geht. Üblicherweise kommen an dieser Stelle Tiefpassfilter zur Anwendung. Die Wettbewerber müssten sich, so Nuforce, regelmäßig mit deutlich reduzierten Bandbreiten und stark ansteigenden Verzerrungswerten herumschlagen. Das von Nuforce eingesetzte Filter limitiere die Bandbreite des Verstärkers hingegen kaum, zudem seien konstant niedrige Verzerrungen und nur geringen Phasenverschiebungen die Folge.

Doch wie gesagt, entscheidend ist, was hinten rauskommt ...

 

 

 

 

 

Im Test:

Vollverstärker
Nuforce IA-18

UVP: 3.499 Euro

Vertrieb:
Audio Distribution Europe

Telefon (Niederlande):
+31 (0)493 744021

eMail:
info@audio-distribution-europe.com


Web:
www.nuforce-europe.com


Equipment:

Quellen:

digital:
Bladelius Gondul M

analog:
Laufwerk: Horstmann & Petter Ulysses

Tonarme: Audiocraft AC 4400, Horstmann & Petter  Iason

Tonabnehmer: Dynavector XV-1S, Denon DL 103 „Volpe“

Verstärker:

Phonovorstufen:
Einstein The Turntables Choice, Naim Superline, Tessendorf TE Phono

Vorstufe:

Melody 1688 II

Endstufen:
Tenor Audio 75 Wi Monoverstärker, Jeff Rowland Design Mod. 112

Vollverstärker:
Devialet D-Premier

Lautsprecher:

Kharma Ceramique CE- 3.2, Gamut Phi 3, Tocaro 40 b, A.C.T.  AL 4x4 (Subwoofer)

Stromversorgung:

Trenntrafos von Steinmusic und Moll-Audio, AHP-Klangmodule, Furutech-Steckdosen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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