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ProAc Response: Klangliche Eindrücke

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 ProAc Response: Klangliche Eindrücke

Gemeinhin mag ich‘s, die Basisbreite in Relation zum Hörabstand auf, sagen wir einmal, circa 110% zu setzen. Sprich: Die Lautsprecher stehen voneinander etwas weiter entfernt als jeweils zu mir. Das ist natürlich völlig subjektiv – ich besitze eben eine Vorliebe für eine möglichst breite, raumgreifende Bühne, solange in der Mitte kein akustisches Loch entsteht. Bei der ProAc wählte ich allerdings doch lieber 90%, eben weil es mit der üblichen Basisbreite im Zentrum der Bühne etwas dünn wurde.

Die D Two stand (sehr) frei im Raum – so ungefähr 1,7m von den Seitenwänden und 1m von der Rückwand entfernt. Experimentieren ließ sich zudem mit der Hochtöner-Position: nach außen zeigend oder nach innen. Ich hörte meistens in letztgenannter Variante, kam sie mir so doch ein wenig präziser bei der Abbildung der Klänge vor. Wer allerdings meint, „nach außen schielend“ klänge es etwas offener, einladender und leicht größer, dem spreche ich auch nicht das Hörvermögen ab … es waren Nuancen, keine Welten.

ProAc Response D Two - Hochtöner

Das Auffälligste an der ProAc Response D Two ist, dass sie sich unauffällig zeigt, und das meine ich durchaus unironisch. Es lässt sich als Tester kaum vermeiden, dass vorm geistigen Auge Checklisten runter rattern, hört man erstmalig einer Komponente genauer zu. Extremwert-Checklisten, um einen schnellen ersten Eindruck zu bekommen:

  • Besonders tiefer Bass – oder eher nicht?
  • Besonders lokalisationsscharf – oder eher nicht?
  • Besonders dynamisch – oder eher nicht?
  • Besonders … okay, ich glaube, Sie wissen was ich meine.

Nach einer Stunde Musik quer durch den Garten durfte ich feststellen, dass ich nirgendwo einen Haken dran gemacht habe, geschweige denn ein Ausrufezeichen. Hm. Das ärgert natürlich den audiophilen Schubladenverwalter in mir, der aber andererseits konzedieren muss, dass „audiophile Sound-Sondermätzchen“ eben nicht die Sache der ProAcs sind, was gar nicht mal übel ist, weil der (Konzentration auf die) Musik zuträglich. Dieser Lautsprecher nimmt sich ziemlich zurück. Ich würde sogar sagen „bewusst“ zurück in einer tonal nicht 100%ig neutralen Art und Weise, aber dazu später mehr.

Bühnentechnisch darf man zufrieden sein. Realistisch breit wie tief wird die Musik ins Zimmer gezeichnet – von den schieren Ausmaßen der Bühne kommt mir die zu Quervergleichen herangezogene Thiel SCS4 zwar manchmal ein wenig weitläufiger vor, aber das ist kaum entscheidend. Die räumliche Präsentation der Musik gerät diesen beiden Lautsprecher aber recht unterschiedlich: Die Thiel spielt ziemlich genau auf der Grundlinie der Boxen, weder entfernt, noch nah – die ProAc dagegen kommt ‘nen halben Schritt auf einen zu.

ProAc Response D Two

Und während die US-Kompakte ein sehr offenes, klar strukturiertes Bild zeigt – quasi zum Draufschauen -, ist man mit der britischen Kollegin zwar ein wenig stärker involviert, da die Musik etwas näher an einen herantritt, dafür herrscht aber nicht diese Übersicht, diese Präzision in der Abbildung, diese Transparenz. Die Lokalisationsschärfe der ProAc ist gut, die Relationen der Musiker untereinander werden einem schon klar vor Augen geführt – aber die Aufführung als Ganzes hat Vorrang vor den Einzelstimmen. Dies können Sie nun „organischer“ oder „aura-hafter“ nennen, beides stimmt.

Test: ProAc Response D Two | Kompaktlautsprecher

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