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Test Hifi Plattenspieler Dr. Feickert Analogue DFA Twin – Klang und Fazit zum DFA Twin

Inhaltsverzeichnis

  1. 5 Test Hifi Plattenspieler Dr. Feickert Analogue DFA Twin - Klang und Fazit zum DFA Twin

Aber wie dem auch sei, nach dem, was ich bisher gehört habe, kann ich den DFA Twin schon ausreichend charakterisieren: nämlich als extrem detailliert und präzise, gleichzeitig souverän und sehr ausgewogen. Er hält perfekt die Balance zwischen Lyrik, Ausdruckskraft und Detaillierung. So manches Mal hatte ich schon einen Plattenspieler vor mir gehabt, der in einer dieser Disziplinen Hervorragendes leistete – aber dann in anderen Teilbereichen etwas vermissen ließ. Mit dem Twin aber bekommt man alle Einzelheiten mit, die man sich nur wünschen kann, und gleichzeitig versteht er es, quasi zu „singen“. Die Musik fließt in wunderbar arrangierter Art dahin, versehen mit einem tiefen, gleichwohl flüssigen Bass und weich aufgefächerten Höhen.

Kuzma Reference Tonarm

Während ich John Abercrombies „Night“ höre, fällt mir dieser Sinn für körperliche Präsenz auf, diese Prägnanz, mit der die Instrumente dargestellt werden: das perkussive und fließende Saxophon, dieses „Tschang“ der Trommelfelle – es springt in den Raum mit beeindruckender Physis. Sehr, sehr gut. Dazu die Fähigkeit, in Sekundenbruchteilen von Piano zu Fortissimo zu schalten und die Raumakustik der Aufnahme zu transportieren, bevor diese durch die heimischen akustischen Gegebenheiten verfremdet wird. Geradezu unheimlich ist das. Perfekt getimte Gitarrenglissandos, die Reggae-Drums, die dazwischen geworfenen Noten des Sax – man muss einfach lauter drehen, viel zu gut kommt das alles rüber.

DFA Twin: Blick ins Lager

Und auch, wenn der Klang kompliziert und vertrackt wird, weiß der Twin zu antworten. Es lässt sich klar heraushören, dass nun das Saxophon harsch spielt – und nicht die Anlage. Okay, man bekommt nicht diesen extremen Tiefbass wie beim Kuzma XL; aber es ist doch völlig hinreichend, um in die Musik hineingezogen zu werden. Eine Gischt von Hi-Hats explodiert im Raum, klar und glitzernd – wirklich berauschend! Und bei den ruhigeren Gitarren- und Saxophon-Parts versteht es der Twin, die Gedanken und Gefühle des Interpreten zu vermitteln – für mich immer ein klares Zeichen, dass die Dinge genau auf den Punkt gebracht wurden.

Ich besitze da eine Emma Kirkby Platte, die wirklich „harter Stoff“ für einen Plattenspieler darstellt. Ihre unglaublich delikate, warme und reine Stimme ist meisterhaft eingefangen worden – aber für die meisten Dreher stellt genau das eben auch eine unheimliche Herausforderung dar. Eine ganze Menge Setups verhärten hierbei den Ton und schaffen es einfach nicht, dieser schnellen und reichen Stimme zu folgen, wie sie von Note zu Note springt und gleitet. Wenn der Tonabnehmer nicht 1A sitzet, dann bekommt man Verzerrungen zu hören. Ein wirklich hartes Ding – und vielleicht eine der besten Platten, um ein Pickup nach Gehör einzustellen. Ein Album übrigens, bei dem der kleine Kuzma wirklich herausragt, er schafft’s, die ganze Ausdruckskraft und Lyrik, die in Frau Kirkbys Stimme liegt, zu transportieren.

Der Twin (in der aktuellen Konfiguration) besitzt hier noch mehr Transparenz und Detail, aber erreicht nicht ganz die feinfühlig-delikate Gestaltungsweise des Kuzma Stabi S. „I love, I love“, singt sie, und der Raum vibriert – aber doch mischt sich ein etwas rauerer Ton ein, als gewohnt. Ich habe dabei allerdings den starken Verdacht, dass dies am Tonarm liegt. Nichtsdestotrotz: Die Präsenz und verführerische Kraft dieser Stimme, wie sie der Twin offenbart, ist etwas, was man einfach erlebt haben sollte.

Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin ein Plattenspieler-Fetischist. Und ich erlaube mir des Öfteren den Spaß, mir auszumalen, wie es wohl wäre, wenn Geld keine Rolle spielte … Ich hätte vier Kabinen, jede wäre akustisch vom Hörraum entkoppelt und mit einer Glastür versehen, die auf Knopfdruck öffnet. In der linken stände ein Kuzma XL mit drei oder vier Armen drauf, und dann käme der „Baby-Kuzma“ – genau in der Ausstattung, wie ich ihn jetzt besitze. In der dritten fände sich dann der DFA Twin, wahrscheinlich bestückt mit einem SME 312-Arm – „Kondo-wired“ – und einem Schröder Tonarm. Dann natürlich der Garrard, aber da ich den schon so gut kenne, würde der öfter mal ausgewechselt werden. Ich würde Raven one- und Artemiz-Wochen einführen … Und ich würde alle diese Dreher behalten, mal sehen, zu welchen Erkenntnissen ich noch so käme. Aber mir ist klar, dass Dr. Feickerts Twin einen dauerhaften Platz erobern würde, denn er vereint Qualitäten, die meines Erachtens in dieser Kombination selten zu hören sind. Dieses Timinggefühl, diese Transparenz und Detaillierung sind einfach schwer zu finden, möchte man kein Vermögen ausgeben.

Fazit:

Um die Eigenschaften der Plattenspieler, die gegenwärtig bei mir stehen, zu charakterisieren bzw. zu skizzieren: Der „Baby“-Kuzma ist saftig, lyrisch und ausdrucksstark; der Garrard besitzt Autorität. Der Twin allerdings weist Transparenz, Detail und ein einmaliges Timing auf. Für mich ist der Dr. Feickert Analogue Twin ein echter Gewinner. Es wird schwer, einen Plattenspieler zu finden, der expressiver und körperlicher zu Werke geht oder mehr verführerische Kraft aufweist. Und weil dies so ist, sollten Sie den passenden Tonarm und das System hierzu sorgfältig wählen. Beachtet man dies, so wird man einen Plattenspieler besitzen, der einem über Jahre hinweg Freude bereiten wird.

Test: Dr. Feickert DFA Twin | Plattenspieler

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