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Audioplans Kantata – von unten bis oben

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Audioplans Kantata - von unten bis oben

Im Bass geben sich die Kantata schnell, schlank und federnd. Die Synthesizer von The Kills, „Now Wow” reichen verhältnismäßig tief hinab und bleiben trotzdem differenziert. Die körperlich wahrnehmbaren Bässe, die große Standboxen vermitteln, bringen die Kantata logischerweise nicht. Dennoch ist es beeindruckend, wie viel Schub die kleinen Tieftöner entwickeln. Der Bass hat eine für meinen Geschmack hervorragende Qualität.

Audioplan Kantata

Die meisten Lautsprecherboxen, insbesondere Bassreflexboxen, klingen in meinen Ohren fast immer ein Wenig nach Kiste. Dazu kommt, dass sie vielfach bei höheren Lautstärken eine Art von Druck aufbauen, der mir unangenehm ist. Ganz anders klingt beispielsweise der Bass, den Vollbereichs-Flächenstrahler oder Basshörner erzeugen können. Nicht „kistig”, sondern schlank, schnell, mit weniger Druck, aber trotzdem durchsetzungsstark. Und genau in diese Richtung geht der Bass der Kantata. Mir gefällt diese Art der Basswiedergabe sehr, auch bei höheren Lautstärken wird es nicht unangenehm. Und beim leisen Hören ist der Bass der Kantata irgendwie früher da als bei meinen im Verhältnis größeren Geithain – das kleinere Bassreflexsystem der Kantata ist da einfach fixer in der Ansprache.

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Und so höre ich mich mit großem Vergnügen laut oder leise durch einige Bassorgien, seien sie nun synthetischer Natur, etwa bei Fatfreddys „Drop”, The Notwists „The Devil, You + Me” oder diversen Madonna-Alben, seien es Bässe natürlichen Ursprungs, etwa bei Holly Coles „Romantically Helpless” oder – klassisch – Wagners „Rheingold” von Solti und den Wiener Philharmonikern. Die Wiedergabe der Kantata lässt mich nichts vermissen. Im Gegenteil: Das Klangbild erscheint geschlossen, der Bass klingt sehr entspannt und damit irgendwie souveräner als mancher Monsterbass, der sich an der eigenen Kraft zu verschlucken scheint. Erwähnenswert ist in diesen Zusammenhang, dass die Kantata diesen schlanken, schnellen, differenzierten und kontrollierten Bass in Verbindung mit meinem Röhrenverstärker erzeugen. Ein Hinweis darauf, dass die Lautsprecher für den Verstärker eine gutmütige Last darstellen. Damit dürften die Kantata mit vielen Verstärkern gut zusammen spielen.

An den Bassbereich schließt sich ein ebenso entspannter Mitteltonbereich an. Irgendwie klingt alles schnell, smart und souverän, was die Kantata an Klang in den Raum transportieren. Dabei kommen sie mit jedem Musikmaterial zurecht. Sei es die extrem klar aufgezeichnete, fragile Stimme von Ofri Brin (Ofrin / On Shore Remain), bei der man fast jede Glottis-Bewegung nachvollziehen kann; die souveräne Soul-Stimme von China Moss (Moss, China & Raphaël Lemonnier / This One’s For Dinah) hat Körper, man hört wunderbar die Artikulation. Die Country-Röhre von Lucinda Williams hatte ich oben bereits erwähnt. Auch die Herren der Schöpfung kommen voll zu Geltung. Robbie Williams hatte ich auch bereits erwähnt, man kann wunderbar hören, wenn er die tiefen Lagen, die er nicht so gut beherrscht wie Sinatra, ein wenig röchelnd in den Rachen verlegt. Die Probleme hat Leonard Cohen („I’m Your Man”) definitiv nicht. Dafür kommt sein sonores Timbre wunderbar eindringlich rüber. Oder Joe Jackson („Blaze of Glory”) der zeigt, dass es durchaus in Ordnung ist, wen die Stimme an den richtigen Stellen ein wenig nasal wird.

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Auch mit Instrumenten legen die Kantata eine hervorragende Performance an den Tag. Fein differenzieren sie zwischen Klangfarben, werden dabei aber nie akademisch oder langweilig. Vielmehr sprühen sie vor Dynamik, werden aber nie anstrengend. Gerade bei Jazz beeindruckt mich zudem, dass die Kantata rhythmisch auf den Punkt spielen. em / [live]oder e.s.t. / Leucocyte, Alben, die ich nicht immer hören kann, klingen entspannt und auf dem Punkt. Gerade bei modernerem Jazz kommt es darauf an, dass ein Lautsprecher den Zusammenhang zwischen den oft weit voneinander agierenden Instrumenten herstellen kann, der oft nur dadurch gegeben ist, dass sich die einzelnen Beteiligten rhythmisch immer wieder zusammen finden. Selten fiel es mir so leicht, mich auf diese Musik einzulassen und sie zu erleben und zu durchleben.

Dabei spielt auch die räumliche Darstellung eine wesentliche Rolle. Auch hier: Entspannung und Souveränität. Souveränität, weil die Lokalisierungsschärfe es problemlos zulässt, die einzelnen Schallquellen – Instrumente, Sänger oder Instrumentengruppen – klar zu orten, Entspannung, weil die Kantata zwischen den einzelnen Schallquellen Luft lassen. Man wird nicht mit einer Wand aus Schall konfrontiert, sondern mit einem feinen Netz. Die Zusammenhänge bleiben erhalten, erschlagen einen aber nicht, sondern lassen Raum zum Durchhören. Dazu kommt, dass man als Zuhörer in einem angenehmen Abstand vor der Bühne zu sitzen scheint. Während meine Geithain ME 150 dazu neigen, mich ins Zentrum des Geschehens, zwischen die Musiker, zu setzen, sitze ich bei den Kantata zentral im Zuhörerraum.

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Die Fähigkeiten der Kantata kommen ihnen auch und besonders bei der Wiedergabe von Klassik zugute. Auch wenn sie die Abmessungen des Konzertsaals nicht so eindringlich erfahrbar machen, wie andere Lautsprecher das können, bei denen man auch bei Stille den Raum wahrzunehmen meint, sobald die Musik einsetzt, vermisse ich Nichts. Im Gegenteil: Stravinskys „Le Sacre du Printemps” (Pierre Boulez, Cleveland Orchestra) fesselt mich mit seiner Eindringlichkeit. Sowohl das einsame Fagott am Beginn als auch die mächtigen Trommeln, die dem ersten wilden Treiben Einhalt zu gebieten versuchen, jagen mir Schauer über den Rücken. Selbst das wilde Treiben in der Halle des Bergkönigs (Edvard Grieg, Peer Gynt Suites 1 & 2, Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker) steigert sich zu einem so dramatisch wilden Crescendo, dass ich bei deutlich gehobener Lautstärke völlig vergesse, vor verhältnismäßig kleinen Lautsprechern zu sitzen. Stets – auch bei sehr dichter Musik – behalten die Kantata den Überblick, teilen mit ganz klar mit, welche Instrumentengruppe von wo ihren Beitrag leistet.

Der Hochton schließlich passt zur Gesamtabstimmung der Kantata. Er hat genau das richtige Maß, um nicht zu nerven und trotzdem in seiner hervorragenden Auflösung gut wahrnehmbar zu sein. Einige HiFi-Freunde werden vermutlich etwas „Air” vermissen, ich persönlich halte aber nichts von „Hochtonorgien”. Die strengen mich bei längerem Hören eher an. So empfinde ich die Kantata im Hochtonbereich ungefähr so entspannt wie im Bass. Ja, auch im Hochtonbereich gibt es Lautsprecher, die „mehr“ können. Aber wenn es um Qualität statt Quantität geht, sind die Kantata ganz vorne dabei. Die Hi-Hats auf Chihirio Yamanakas „Abyss” strahlen, aber sie überstrahlen nichts. Stimmen kritischer Aufnahmen, von mir immer gern herangezogen die „Modern Cool” von Patricia Barber, geraten angenehm unzischelig. Im Vergleich zu meinen Geithain scheint mir der Hochtonbereich der Kantata noch etwas „samtiger“. Er drängt sich nicht auf, ist aber sehr differenziert und hat eine Menge an Informationen zu bieten.

Test: Audioplan Kantata | Kompaktlautsprecher

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