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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Masse mit Klasse
  2. 2 Klangeindruck und Vergleiche

Wir alle kennen Marken, deren Namen zu Synonymen ganzer Produktgattungen geworden sind. Bei „Tempo“ denken wir sogleich an gefaltete Papiertaschentücher, und wenn es meinen halbwüchsigen Sohn am Frühstückstisch nach „Nutella“ verlangt, ist Nussnougatcreme gemeint, selbst wenn auf dem Glas eine völlig andere Bezeichnung zu lesen ist.

Ganz so weit hat es der in Bergisch Gladbach ansässige, vor bald 45 Jahren vom jetzigen Seniorchef Jochen Räke gegründete Plattenspielerhersteller Transrotor (www.transrotor.de) zwar noch nicht gebracht, aber bei den meisten auch nur ansatzweise an HiFi Interessierten dürfte bei Nennung des Namens Transrotor vor dem geistigen Auge das Bild eines silbrig glänzenden Plattenspielers erscheinen. Sozusagen als Inbegriff eines komplett in unseren Landen gefertigten Plattendrehers (mehr zur Geschichte des Unternehmens finden Sie in unserem Firmenbericht). Wobei ich jetzt mal bewusst ausblende, dass es da noch den einen oder anderen Anwärter auf diesen Posten geben könnte und das Transrotor vor Jahren auch mal einen CD-Spieler gebaut hat, der sich aber, vielleicht zum Glück für Transrotor (Stichwort Kernkompetenz), am Markt nicht durchsetzen konnte.

Dennoch sind die Transrotoren und ich nie so richtig zusammengekommen. Weder habe ich einen Plattenspieler der Marke besessen, noch zum Test da gehabt. Dabei hege ich keinerlei Vorbehalte gegenüber dem Hersteller, es hat sich bisher einfach nicht ergeben.

Transrotor Massimo

Mein transrotorloses Leben beendete nun Kollege Ralph Werner, der bekanntlich ebenfalls eine ausgeprägte Affinität zu den schwarzen Scheiben besitzt und überdies mit dem MC-System Figaro auch ein Tonabnehmersysteme von Transrotor im täglichen Einsatz hat. Er weiß um meine Schwäche für Masselaufwerke und weckte mit dem Hinweis, es handle sich um ein gut 45 kg schweres und mit knapp 10.000 Euro durchaus „amtliches“ Laufwerk eines namhaften deutschen Produzenten zuverlässig meine Neugier. Dass unser Testobjekt auf den schönen wie bezeichnenden Namen „Massimo“ hört, lässt mich ein wenig schmunzeln. Humor haben sie also auch im Bergischen. Derselbe vergeht mir allerdings schnell, als der DHL-Fahrer zwei stattliche Kartons von je knapp 30 kg an meine Arbeitsstelle liefert – und ich sie danach mutterseelenallein in den heimischen Hörraum bugsieren darf.

Doch kaum sind die Kartons geöffnet, verflüchtigt sich der Missmut auch schon wieder. Absolut sicher und feinsäuberlich sind die Teile, aus denen das Laufwerk zusammenzusetzen ist, verpackt worden. Da haben auch ruppige Logistiker kaum eine Chance, Schaden anzurichten. Darüber hinaus ist der Tonarm, es handelt sich um den beim englischen Hersteller SME für Transrotor aufgelegten SME 5009, bereits auf der Laufwerksbasis montiert und sogar Transrotors MC Figaro sitzt präzise ausgerichtet unter der Headshell. Mit zum Lieferumfang gehören auch ein richtig schweres Plattenauflagegewicht und ein Tonarmkabel vom niederländischen Tonabnehmer- und Kabelspezialisten van den Hul.

Vorne die Laufwerksbasis, hinten die zwei Motoren (mit/ohne Motorbasis)

Vorne die Motorbasis, hinten die beiden Motoren (mit/ohne Basis)

Die Standardausführung des Transrotor Massimo, der sein spiegelndes Äußeres auf Hochglanz polierten Aluminiumoberflächen verdankt, besitzt einen Antriebsmotor und liegt bei 8.900 Euro. Unser Testlaufwerk verfügt allerdings über eine zweite Motordose, welche ebenfalls an die aufwendige Motorsteuerung Konstant angeschlossen werden kann. Eine Option, die den Grundpreis um 1.050 Euro erhöht. So ausgestattet benötigt der Massimo allerdings eine Stellfläche von mindestens 71 cm, die die oberste Basis meines Copulare-Racks nicht bieten kann. Nach einem kurzen Abstecher zum örtlichen Baumarkt bekommt der Transrotor schließlich einen Platz auf einer ausreichend großen Multiplexplatte aus Birkenholz zugewiesen.

Transrotor Massimo

Das 45 Kilo schwere Masselaufwerk, dessen Formgebung nicht von ungefähr an die klassischen Laufwerke des seligen japanischen Kultherstellers Micro Seiki erinnert, ist dank der gut bebilderten und in verständlichen Schritten verfassten Anleitung rasch aufgebaut. Auf die aus einem gewichtigen Alublock gefräste Laufwerksbasis wird zunächst das Lager montiert – die beiden Motordosen werden sodann auf eigene Basen danebengestellt. Nun müssen zwei geschliffene Präzisionsrundriemen aus Gummi um den Subteller gelegt werden. Im Anschluss daran setzt man vorsichtig den allein bereits 15 kg schweren und mit einer Acrylauflage bedämpften Aluminiumteller auf. Jetzt noch die beiden Motordosenabdeckungen aufgelegt und schon kann es daran gehen, das Laufwerk genauestens „ins Wasser zu stellen“.

Laufwerksbasis des Transrotor Massimo mit TMD-Lager/Subteller und montiertem Tonarm

Laufwerksbasis des Transrotor Massimo mit TMD-Lager/Subteller und montiertem Tonarm

Diese häufig umständliche, bisweilen sogar richtig fummelige Tätigkeit geht beim Transrotor Massimo ausgesprochen leicht von der Hand. Das Drehen an den großen, von oben problemlos zugänglichen und mit einer eleganten Riffelung versehenen Knebeln bereitet nicht nur wegen deren wertiger Haptik Freude, sondern ermöglicht dank sahnig laufender Feingewinde auch eine ausgesprochen gefühlvolle Einstellung. Fast ist es schade, dass sich der Massimo, erst mal in die Waage gebracht, überhaupt nicht mehr aus der Ruhe bringen lassen will.

Lagerachse des Transrotor Massimo

Lagerachse des Transrotor Massimo

Noch ein Wort zum magnetgekoppelten Lager (TMD) mit dem Transrotor den Massimo – und noch so einige andere Plattenspieler des Hauses – ausstattet. Es handelt sich um ein zweigeteiltes Lager, dessen Achse mit Kugellagern gestützt und dessen unteres Segment von den Rundriemen bewegt wird. Dieses nimmt mittels kräftiger Neodymmagnete das obere Teil, auf dem der eigentliche Plattenteller wie auf einem gewöhnlichen Subteller aufliegt, einfach mit und reduziert so etwaige Unsauberkeiten des Antriebs, wie sie durch Polrucken der Synchronmotoren entstehen können. Eine Ölumlaufschmierung mit einem speziellen, nicht zu dünnflüssigen Öl sorgt dabei für geringstmöglichen Verschleiß. Das Lager ist erstklassig verarbeitet und wirkt auf mich wie das Herzstück des Transrotor Massimo.

Blick auf die Lagerbuchse des TMD-Lagers

Blick auf die Lagerbuchse des TMD-Lagers

Im Gegensatz zu den Transrotoren sind mir die Tonarme des englischen Herstellers SME (zuletzt hatten wir den Plattenspieler SME 15A im Test) vertraut. Als ehemaliger Eigner eines SME 3012 hatte mich schon vor Jahren die hohe Fertigungsgüte des Zwölfzöllers begeistert. Mit dem SME 5009 ist das nicht anders. Ein Arm, der sicher einen eigenen Test verdient hätte, hier aber zum Lieferumfang des Laufwerks gehört und daher ein wenig hinter diesem zurücktreten muss. Nur soviel: Es gehört eindeutig zu den freudvolleren Aufgaben, diesen Arm, der auf dem beliebten SME 309 aufbaut, aber über enger tolerierte Lager sowie das Armrohr und die Silberinnenverkabelung des SME V verfügt, zu justieren. Von der Montage des Systems unter die Headshell bis zum punktgenauen Einstellen des erforderlichen Auflagegewichts, nirgends wird man vor Probleme gestellt, alles funktioniert leichtgängig und präzise. Die oft beschworene, fast schon legendäre SME-Qualität eben.

Ebenfalls erfreulich: Mit dem Transrotor Massimo kombiniert wird der normalerweise 3.250 Euro teure Arm zu einem subventionierten Preis abgegeben und kostet dann „nur noch“ 2.500 Euro. Sollte im übrigen jemand der Ansicht sein, der 5009 reiche aus klanglicher Sicht nicht aus, kann natürlich auf das deutlich höherpreisige Model V zurückgegriffen werden, welches Transrotor ebenfalls in einem Paket mit dem Massimo anbietet. Es lassen sich bis zu vier Tonarme auf einen Massimo montieren. Zusätzliche Basen kosten zwischen 398 und 598 Euro, je nachdem ob diese einen Neun- oder Zwölfzoll-Tonarm zu tragen haben.

Transrotors TMD-Lager, das von zwei Reimen angetrieben wird

Transrotors TMD-Lager, das von zwei Reimen angetrieben wird

Auch zum MC-System Figaro sollen hier nicht zu viele Worte verschwendet werden, denn das Wesentliche lässt sich ja im Test des Kollegen Michael Bruß, der sich im August 2015 um das Figaro gekümmert hat, nachlesen. Auch mir bereitete das 2.500 Euro teure Figaro mit seiner kraftvollen, aber niemals groben Gangart, gut dosierten Klangfarben und einer Detailauflösung, die mit zum Besten seiner Preisklasse gehört, über den mehrmonatigen Testzeitraum viel Freude. Freude, für die Käufer des Transrotor Massimo übrigens ermäßigte 2.000 Euro zu bezahlen haben. Selbst als ich auf das mehr als doppelt so teure Aventurin 6 von Steinmusic umgestiegen bin, musste es sich keineswegs verschämt in irgendeine Ecke verziehen, denn das Figaro ist eine klanglich ausgesprochen befriedigende und preislich attraktive Offerte.

Klangeindruck und Vergleiche

Diana KrallsDiana Kralls mir wohl vertrautes Album Wallflower steht wieder am Anfang der Hörsession. Ihre Stimme kommt bei „California Dreaming“ unverrückbar aus der Mitte, während sich Begleiter und Chor im Halbrund um sie scharen. Der Bühnenaufbau wirkt, obwohl sehr wahrscheinlich ein Konstrukt aus dem Studio, erstaunlich real. Dabei erscheinen Sängerin und Instrumente nicht flach und körperlos, sondern schön plastisch modelliert. So richtig feines „Analogfeeling“ macht sich da im Hörraum breit – was ich in dieser Preisklasse allerdings durchaus zur Pflicht, nicht zur Kür zähle.

Diana KrallDas Cover von Miss Kralls neuestem Album Turn up the Quiet (auf Amazon anhören) ziert tatsächlich ein Laufwerk mit hübsch illuminiertem Plattenteller. Allerdings keines aus Bergisch Gladbach. Egal, denn die Produktion klingt auf Vinyl erfreulich ansprechend. Die einleitenden Klavieranschläge von „L-O-V-E“ erreichen punktgenau und so nachdrücklich gewichtig das Ohr des Hörers, wie man es mit der Physis eines so schweren Laufwerks unweigerlich verbindet. Selbiges gilt auch für den Bassisten, der beherzt einsteigt. An Volumen, Tiefgang und Schwärze mangelt es jedenfalls nicht. Hey, dieser Transrotor Massimo scheint ja richtig was zu können!

Motorfrage: Mono oder Stereo?

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, das Laufwerk versuchsweise mit nur einem Motor anzutreiben, um den Unterschieden zwischen der Basis- und unserer zweimotorigen Testversion auf die Spur zu kommen. Das Laufwerk dreht natürlich auch im „Mono“-Betrieb ungerührt seine 33,33 Runden pro Minute. Schwer vorstellbar, welche Veränderungen die Umstellung da bewirken soll.

Die Motoren des Transrotor Massimo

Die Motoren des Transrotor Massimo

Gewiss – doch erscheint der Bass, eben noch ungemein straff und konturiert, nun nicht irgendwie loser und weniger konzentriert zu sein? Würde jemand auf die Idee kommen, die Raumabbildung des Basis-Massimo als knauserig oder eingeschränkt zu bezeichnen? Wohl kaum. Aber war da eben mit zwei Motoren nicht etwas mehr Weite und Höhe im Spiel und fiel nicht ein helleres Licht in die Ecken? So schnell wie die zweite Motordose wieder angeschlossen ist, kehren dann auch die vermisste Stringenz und Souveränität zurück ins Klangbild.

Ob das vernehmliche Plus an Autorität und Echtheit letztlich auf einem gesteigerten Drehmoment, einer gleichmäßigeren seitlichen Zugbelastung des Lagers oder ganz anderen Effekten beruht, darf gerne diskutiert werden, doch wird der Transrotor Massimo erst einmal mit beiden, vom Konstant phasenversetzt angesteuerten Motoren betrieben, gibt es eigentlich kein zurück mehr.

Grundlagenarbeit

Miles Davis Bitches BrewDer Transrotor Massimo läuft bei mir jetzt ausschließlich mit beiden Antrieben. So hochgerüstet sollte er auch Scheiben „verdauen“, bei denen einfachere Plattenspieler schon mal an ihre Grenzen gelangen und mehr oder weniger Klangbrei produzieren. Meine Ausgabe von Miles Davis Bitches Brew (auf Amazon anhören) tendiert in diese Richtung. Das Album markierte vor fast 50 Jahren den Übergang des Meisters der Jazztrompete zu einem elektrifizierten Jazz mit rockigen Elementen. Die Rhythmen wurden vertrackter, improvisierte Melodielinien oftmals nur angedeutet, bevor sie einem neuen Einfall weichen mussten.

Schwere Kost für manche Zuhörer, aber nicht für Transrotors Massimo, der auch bei „Miles runs the voodoo down“ die Musiker geradezu an ihren Platz festnagelt. Er wahrt in heftigen Passagen den Überblick und bringt sogar den leicht polternden Bass von Dave Holland unter Kontrolle. Manch Kritiker würde jetzt vielleicht von „teutonischer Strenge“ sprechen, die den musikalischen Fluss gefährdet. Das sehe ich allerdings nicht so. Andere Toplaufwerke, die ich auf den einschlägigen HiFi-Messen oder in den Hörräumen ihrer Entwickler hören konnte, gehen es nämlich ähnlich an. Sei es ein Dereneville Modulaire von Rainer Horstmann, der Döhmann Helix II aus dem Stall von Audio Union, mein eigener TW-Acustic Raven und sicher auch die großen Dreher von SME – sie alle bieten in Sachen Tieftonkontrolle und Raumdarstellung eine grundsolide, stabile Basis, auf der sich die Musiker dann gerne austoben dürfen. Auf solch einer Grundlage basiert auch das punktgenaue, präzise Klangbild des Transrotor.

Dynamik

StokowskiEine Grundlage, die sich auch als profitabel erweisen kann, wenn es um die dynamische Schlagkraft des Drehers geht. Die LSC 2471 (Stokowski, Hungarian Rhapsodie/Liszt und Roumanian Rhapsodie/Enesco, Classic Records Reissue, auf Amazon anhören) gilt als probater Prüfstein für solche Zwecke. Hier macht das Laufwerk seinem Namen alle Ehre. Der Massimo beherrscht sowohl das wuchtige Fortissimo mit dem obenherum schneidend schmetternden Blech wie auch die leisen Töne zuvor. Dabei entwickelt er zwar nicht ganz den „Speed“ eines AMG Viella, was jedoch kein Beinbruch ist, denn seit dem Test des AMG ist mir kein Plattenspieler begegnet, der ihn in dieser Hinsicht übertroffen hätte. Allerdings verfügt der Transrotor über noch mehr Druck, was ihm gerade bei großorchestralen Werken zu gesteigerter Glaubwürdigkeit verhilft. Selbst der gewiss nicht kraftlose, dynamisch ziemlich aufgeweckte TW-Acustic Raven kann den Transrotor hier nicht in die Schranken weisen. Schlagkraft und grobdynamische Wucht des Transrotor Massimo sind mithin von einer Qualität, die die genannten hochklassigen Laufwerken nicht so ohne Weiteres erreichen.

Der späte Vladimir Horowitz wird allgemein gern als „The Last Romantic“ bezeichnet, doch schon 1966 konnte man auf Horowitz in Concert (Columbia M2S 757, auf Amazon anhören) hören, warum der Maestro diesen Titel verdient. Das Andante der Haydn-Sonate in F-Dur gerät unter Horowitz‘ Händen zu einem Ausblick auf die viele Jahre später folgende Epoche. Sacht, fast zärtlich scheint der Pianist die Tasten des mächtigen Flügels zu berühren; manchmal verschleppt er das Tempo oder lässt hier und da einen Ton etwas länger stehen. Dem TW-Acustic gelingt es, mehr von Horowitz Modulationskunst offen zu legen, während das Spiel über den Massimo feindynamisch einen Hauch gröber und statischer gerät.

Transrotors Motorsteuerung Konstant gehört zum Lieferumfang

Transrotors Motorsteuerung Konstant gehört zum Lieferumfang

Tonales

Im Basskeller liegt die Performance beider Laufwerke nah beieinander. Massimo und Raven sind in der Lage, tief und wohlig grummelnde Bässe zu erzeugen. Pegelseitig geben sie sich dabei genauso engagiert wie man es gemeinhin von echten Masselaufwerken erwartet. Nix mit lauer Luft, eher schon ein echtes Pfund, eine kleine Kelle mehr. Seien wir ehrlich: Wer tieftonmäßig Zurückhaltung bevorzugt, ist hier falsch.

lizz-wrightDie tendenziell etwas angefettete Bassbegleitung auf „(I‘ve got to use my) Imagination“ von Lizz Wrights Album Fellowship (auf Amazon anhören) bewahrt mit beiden Drehern freilich ausreichend Kontur und Schwärze. Den sehr tiefen Subbässen auf Burials Untrue wiederum kann der Transrotor Massimo am Ende sogar zu noch mehr Durchsatz verhelfen, während sie über das Set-up mit dem Raven einen Hauch unbestimmter aus den Membranen wabern. Wie gesagt, es ist ein ganz schön hohes Niveau, auf dem wir uns hier bewegen. Und so ist von Plattenspielern wie dem deutlich günstigeren und in seiner Klasse durchaus bemerkenswerten EAT C-Sharp Tieftonkompetenz auf diesem Level einfach nicht zu erwarten.

Der Transrotor Massimo ist tonal ein grundsätzlich recht neutral agierendes Laufwerk, besitzt aber ab den unteren Mitten aufwärts eine etwas andere Auslegung als mein Raven. Während sich mit dem TW-Acustic, abhängig von der gewählten Tonarm-Tonabnehmer-Kombination, in aller Regel das Klangbild mit den etwas wärmeren, intensiveren, gleichwohl fein abgestuften Klangfarben einstellt, nimmt sich der Massimo hier ein wenig zurück. So wirkt er im Direktvergleich etwas nüchterner und tendenziell heller, bewahrt sich aber doch genug Grundtonwärme, um nicht ausgezehrt zu wirken. Der etwa preisgleiche Raven trotzt der angenehm temperierten Stimme Harry Belafontes bei „God bless the child“ auf Belafonte sings the Blues (Classic Records 45Upm) klangfarblich ein paar Facetten mehr ab, weshalb dieser Klassiker über ihn das größere emotionale Potential entfalten kann. Auf dem Teller des Transrotor Massimo wirkt es schlanker und ein paar Grade kühler. Der geringfügig distanziertere, womöglich am Ende noch mehr der akustischen Wahrheit verpflichtete Duktus des Transrotor geht dabei eher in Richtung AMGs Viella, der ich seinerzeit ein hohes Maß tonaler Unbestechlichkeit attestierte.

Auflösungsvermögen

Beim Transrotor Massimo folgt den Mitten ein fein ziselierter Hochtonbereich, der sich mit den gespielten Tonabnehmern keinesfalls grell gibt, eher schon etwas zurückhaltender, dafür aber außerordentlich durchhörbar und detailliert.

Transrotor Massimo

Die Carmen Suite in der eigenwilligen, gleichwohl reizvollen Version für Streicher und Perkussion von Rodion Shchedrin mit dem Bolshoi Theatre Orchestra verlangt von einer analogen Quelle, verschiedenste Perkussionsinstrumente anhand ihres vor allem im Hochtonbereich charakteristischen akustischen Fingerabdrucks eindeutig zu differenzieren. Weniger akribische Plattenspieler lassen diverse Schlaghölzer, das Marimbaphon, Snaredrums und anderes Schlagwerk schnell sehr ähnlich und damit eher beliebig klingen. Nicht so unser Proband, dem es gelingt, einen ganzen Mikrokosmos an unterschiedlichen Klängen zuverlässig unterscheidbar zu reproduzieren.

helmut-eisel-und-sebastianNeben der bereits erwähnten ungemein stabilen Abbildungsfähigkeit des Massimo ist es eben diese Detailversessenheit, die auch feinste Rauminformationen nicht unterschlägt und dem Transrotor zu einer besonders glaubwürdigen Raumabbildung verhilft. Klarinettist Helmut Eisel, Pianist Sebastian Voltz und weitere Mitstreiter wurden im Rahmen der Studiokonzerte live in den Ludwigsburger Bauer-Studios aufgenommen (auf Amazon) – und das hört man. Die Weite des recht großen Aufnahmeraums, der aber eben keine Halle ist, wird vom Transrotor ausgesprochen stimmig dargestellt. Braust der Applaus auf, wähnt man sich inmitten des Publikums, fühlt intuitiv, dass dieser Kreis nicht sehr viel mehr als ein- oder zweihundert begeisterte Zuhörer umfasst.

Der Massimo mit zwei Motoren benötigt gute 70 cm Stellfläche in der Breite

Der Transrotor Massimo mit zwei Motoren benötigt in der Breite gute 70 cm Stellfläche

Es mag Plattenspieler geben, die mit noch mehr Raumtiefe oder breiterer Bühne locken. Wenn es um Realismus bei der Bühnedarstellung geht, würde ich aber dem Boliden aus Bergisch Gladbach vertrauen. Wie bei meinem Raven darf man getrost darauf setzen, dass sämtliche (Raum-)Informationen aus den schwarzen Rillen stammen und keinerlei Artefakte, seien sie auch noch so verführerisch, vom Laufwerk hinzugedichtet werden.

Test: Transrotor Massimo | Plattenspieler

  1. 1 Masse mit Klasse
  2. 2 Klangeindruck und Vergleiche
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