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Im Hörraum mit den Quadral Aurum Montan 9 (Forts.)

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  1. 3 Im Hörraum mit den Quadral Aurum Montan 9 (Forts.)

Müsste man die Tonalität der Quadral Aurum Montan 9 plastisch in Worte fassen, dann würde ich die Analogie einer gutsortierten Kirchenorgel wählen. Alles da – man muss nur die gewünschten Register ziehen. Allerdings: Die Qualität eines solchen Instruments zeigt sich erst dann, wenn beim Ziehen aller Register („Organo Pleno“) immer noch ein harmonisch-prächtiger Gesamtklang entsteht, bei dem weder die tiefsten noch die höchsten Register über die Stränge schlagen. Wenn man bei voll durchregistrierter Orgel einen Bach-Choral spielt, müssen alle Einzelstimmen gut nachverfolgbar sein, es darf weder wummern, noch dröhnen, näseln oder gleißen.

Quadral Aurum Montan 9 Mitteltöner

Bei der Quadral Aurum Montan 9 ist genau das der Fall: Sie spielt vom Frequenzkeller bis in die Höhen komplett sauber durchgezeichnet – man kann aber bei Bedarf auch einfach nur ein oder zwei Register anwählen und erhält trotzdem ein überzeugendes Klangbild. Insgesamt fällt es bei diesem Lautsprecher schwer, isoliert von Bass, Mitten und Höhen zu sprechen – denn diese im HiFi-Journalismus übliche artifizielle Grenzziehung funktioniert hier nicht. Stellen Sie sich die Aurum Montan 9 einfach wie einen Lautsprecher vor, der einen schnurgeraden Frequenzgang ohne jedwede Schlagseite oder Delle zu haben scheint – und dabei aber trotzdem Spaß macht, und zwar gehörig.

Ein bisschen weniger schwammig kann gottlob über die dynamischen Fähigkeiten gesprochen werden. Die Aurum Montan 9 ist in der Lage, aus dem Stand gewaltige Reserven zu mobilisieren – und zwar tatsächlich ohne hörbare Verzerrungen, selbst bei gewagten Lautstärken. Und in dieser Beziehung ist sie modeselektorauch der erste Lautsprecher, der meiner geliebten Tannoy Turnberry Gold Reference das Wasser reichen kann – ihr Koaxialchassis ist nämlich geradezu gefährlich schnell und „bissig“ im positiven Sinne. Das zeigt sich sehr schön bei dem bitterbösen „The Black Block“ von Modeselektor (Album: 2007, auf Amazon anhören). Was dem geneigten Hörer hier an Synthbässen um die Ohren fliegt, ist so brachial, dass es einem das Trommelfell nach innen stülpt. Ultraharte Sägezahn-Sequenzersounds, puckernde Bassdrums mit zugemischtem Hochtonclick und ab 03:50 eine künstliche Hi-Hat, deren klare und nicht ins Zischelige lappende Darstellung schon für sich alleine als Herausforderung für jeden Hochtöner durchgeht: Die Aurum Montan 9 brettert alle genannten Schallquellen dermaßen furchtlos in den Raum, dass man sich in bacheiner Großraumdiskothek wähnt: Keine Verzerrungen auszumachen, pure Energie, trotzdem eine herrliche Klarheit.

Ähnlich sieht es bei der Feindynamik aus: J.S. Bachs Cembalokonzert Nr. 5 in F-Moll (gegeben vom Munich Bach Orchestra, Karl Richter) fordert im zweiten Satz (Largo) mit einem ungemein zarten Cembalo-Thema, begleitet von Streicherpizzicati und gezupftem Cello heraus. Ganz gleich, ob es um das feine Ausschwingen der Cembalosaiten geht oder das Nachklingen der Pizzicati im natürlichen Raumhall – hier kann wirklich jeder Ton bis zu seinem absoluten Ende genau verfolgt werden, ohne dass irgendetwas unterginge. Was das angeht, spielt beispielsweise mein Tannoy-Lautsprecher nicht ganz so präzise, alles rückt ein wenig in den Hintergrund – der feingeistige Attack aller Töne ist zwar vorhanden, wenn es aber in die Ausschwingvorgänge geht, wirkt die Wiedergabe etwas unklarer.

Quadral Aurum Montan 9 Mitteltöner

Halten wir kurz inne: Tonal komplett unauffällig, nämlich kristallklar von oben nach unten durchzeichnend, tolle Fein- und Grobdynamik, stupende Raumabbildung – wo ist denn nun der Haken? Nun, einen echten gibt es nicht, zwei Dinge sind jedoch zu berücksichtigen: Zum einen braucht die Aurum Montan 9 eine gewisse Mindestraumgröße, denn sie muss mit wiederum mit einer gewissen Mindestlast „fahren“. Wer mit ihr wirklich flüsterleise hören will, der wird an den Frequenzgangenden, vor allem am unteren, eine gewisse Zurückhaltung spüren. Doch wer wird schon in einer 15-Quadratmeter-Kammer einen Lautsprecher solcher Ausmaße unterbringen wollen? Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass sie am besten mit Verstärkern harmoniert, die eine gewisse Kontrolle und Bestimmtheit mitbringen. Meine zwar wattmäßig durchaus leistungsstarken Röhrenmonoblöcke von Audreal (60 Watt pro Kanal) können das volle Potenzial der Aurum Montan nicht ganz mobilisieren – das betrifft insbesondere das Timing und die Durchzugskraft im Bass. Mit meinem Abacus Ampollo hingegen, aber auch mit dem testweise angeleinten NuForce Icon 2 vermag sie richtig „abzugehen.“ Ich empfehle also die Paarung mit einem klassischen transistorierten Amp!

Test: Quadral Aurum Montan 9 | Standlautsprecher

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