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Nubert nuLine 264 – Dynamik, Auflösung – Testbericht fairaudio

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Nubert nuLine Front-AbdeckungTonale Ausgewogenheit, gute Dynamik und ein feines Auflösungsvermögen sind mittlerweile selbst in der Einsteigerklasse nichts Außergewöhnliches mehr. Und auch eine solide räumliche Abbildung kann man schon von jeder halbwegs seriösen Einstiegsbox erwarten. Bei weniger greifbaren Aspekten, etwa dem Vermitteln von der Atmosphäre und Energie einer Live-Aufnahme, sind die Talente schon deutlich dünner gesät. Und hier legen die Nubert ein wirklich erstaunlich hohes Niveau vor.

Bringen sie bei Dee Dee Bridgewater ungebremst die Emotionen rüber, die diese Session geprägt haben, vermitteln sie bei e.s.t. Live in Hamburg viel von der beinahe meditativen Konzentration, die diese Ausnahmeaufnahme auszeichnet. Und genauso überzeugend wird die echte Begeisterung des Publikums transportiert. Das ist schon verdammt gut.

Ok, ich gebe zu, „bodenständige“ HiFi-Kriterien habe ich inzwischen verlassen. Aber warum auf Dingen herumreiten, die die Nubert einfach richtig machen? Dann rede ich doch nicht über die Pflicht, sondern über die Kür. Und wie gesagt: Auch weit jenseits des Pflichtprogramms kann ich den Nuberts schon ziemlich beeindruckende Leistungen attestieren.

Gut, bei sehr komplexer, dynamischer Musik würde ich mir an einigen Stellen noch etwas mehr Kontrast und Schärfe wünschen. Auf die akustische Ebene übersetzt meine ich, dass die Nubert zwar schnell und dynamisch auf jeden Impuls anspringen, ich mir aber hier und da ein noch etwas akzentuierter wiedergegebenes Ausschwingverhalten wünschen würde. Aber angesichts ihrer sonstigen Talente: geschenkt.

Nubert nuLine 264

Eine Kröte muss man beim Betrieb der Nubert nuLine 264 allerdings schlucken: Ihre wirklich großartigen Talente spielen sie nur aus, wenn man weder zu leise, noch zu laut hört. Eine gewisse Mindestlautstärke benötigen die Lautsprecher einfach, um lebendig zu werden. Wer vornehmlich sehr leise hört, wird nicht in den Genuss der vollen dynamischen Talente der Boxen kommen. Verlangt man von den Lautsprechern dagegen zu hohe Pegel, bricht das Klangbild auf. Irgendwie hören die Chassis auf, zusammen zu spielen. Das passiert auch unabhängig vom „Party-Modus“ mit gefilterten Tiefbässen. Das Lautstärkeband, in dem sich die Nubert wohl fühlen, dürften allerdings gut 95 Prozent aller Hörsituationen abdecken.

Meredith BrooksUm eine etwas härtere Gangart einzulegen, wechsele ich ins rockige Milieu: Meredith Brooks, Blurring the Edges. Das unvergängliche Stück „Bitch“ nagelt mich mit seiner Energie in den Hörsessel. Die Gitarren rotzen wunderbar in den Raum und Frau Brooks singt sich die Seele aus dem Leib. So muss das! Das schreit nach mehr. Auch bei Lucinda Williams, World Without Tears, wissen die nuLine 264 zu überzeugen. Die Nubert bauen bei dieser atmosphärisch dichten Aufnahme eine weite Räumlichkeit auf, die Lucinda Williams, World Without Tearsrechts und links deutlich über die Ränder des Stereodreiecks hinausgeht und eine erstaunliche Tiefe vermittelt. Ja, Raum können die Schwäbinnen auch ganz prima. Wobei sie, ganz unschwäbisch, nicht dazu neigen, Raum zu „schaffen“. Sie halten sich da eher sehr konkret an die Gegebenheiten der Aufnahme. Das gilt auch für Ortung und Lokalisationsschärfe.

Ihre Talente in Sachen Räumlichkeit dürfen die Nubert nuLine 264 dann noch bei klassischer Musik beweisen. Wobei ich erst einmal mit Klavier beginne. Und Bachs wohltemperiertes Klavier, eingespielt von Maurizio Pollini (Deutsche Grammophon) bachbeeindruckt mich nicht wenig. Dynamisch und mit vielen Details perlen die Anschläge. Dabei scheint das Instrument fast physisch im Raum zu stehen. Schon mal gut. Ok, auch hier könnte ich mir im Ausschwingverhalten noch ein paar Schwebungen mehr wünschen, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Ansonsten bin ich schlicht von der energiereichen Darbietung beeindruckt.
Spontan überkommt mich sogar die Lust, mal wieder moderne Klassik, Stockhausen, zu hören. Und ich gebe zu: So ausgedehnt bin ich schon lange nicht mehr am „Mantra“ kleben geblieben – die Wiedergabe über die Nubert geriet wirklich ausnehmend spannend.

Bei großem Orchester punkten die nuLine 264 damit, dass sie den Konzertsaal erfahrbar machen. Neben der bereits konstatierten guten Ortbarkeit und Lokalisationsschärfe weiß auch hier die Peer Gynt Suite No. 1Darstellung des gesamten Aufnahmeraums zu überzeugen. Man vernimmt nicht nur die Musiker, sondern zudem die feinen Echos, die den Ohren verraten, wo ungefähr die Wände zu verorten sind. In der Halle des Bergkönigs (Peer Gynt Suite No. 1, Op. 46 – Herbert von Karajan, Berliner Philharmoniker) geht es gewohnt wild und doch geordnet zu, von ihren Ausmaßen habe ich eine klare Vorstellung. Passt. Hier fällt mir auf, dass auch die Differenzierung der Klangfarben gut funktioniert. Insgesamt kann ich den Nubert nur uneingeschränkte Klassiktauglichkeit attestieren.

Nubert nuLine 264 Traverse

Test: Nubert nuLine 264 | Standlautsprecher

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