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Highland Audio Dílis 4405 Standbox: Lautstärke und Dynamik – Test fairaudio

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Höchste Detailfreudigkeit ist die Sache der Dílis 4405 allerdings nicht. Zarteste Strukturen lösen die Lautsprecher nicht bis ins Detail auf. Wer gesteigerten Wert auf Auflösungsvermögen legt und etwa feinste Artikulationsgeräusche einer Sängerin oder die Geräusche der Mechanik eines Konzertflügels aus dem Klaggeschehen herausgearbeitet hören möchte, muss tiefer in die Tasche greifen – und sich etwa den Nubert NuLine 264 zuwenden, die ich zuletzt zu Gast hatte. Die kosten bei ansonsten ähnlich gelagerten Talenten fast 700 Euro mehr, bieten dafür aber eben auch ein klares Mehr an Details.

Sicherlich könnte man auch auf andere Produkte in der Preisklasse der Dílis ausweichen. Bei denen müsste man aber sicher andere Kompromisse eingehen, was schade wäre, denn die sonstigen Talente der Dílis sind beachtlich. Aber nochmal: Extreme Detailwiedergabe und Feinzeichnung, das „Sezieren“ des musikalsischen Geschehens, ist nicht Sache der Dílis. Die agieren – sagen wir einfach: „integrierend“.

Tonal verhalten sie die Dílis absolut einwandfrei. Kein Frequenzbereich drängt sich ungebührlich in den Vordergrund. Die Wiedergabe gerät ausnehmend neutral ohne irgendwelche Färbungen. Mittel- und Hochton bauen souverän auf das solide Bassfundament auf und ergeben eine ausgewogene Performance über alle Frequenzbereiche.

Apropos Hochton: Auch hier wird einem nicht das höchste Auslösungsvermögen geboten. Der Hochton ist kräftig und vermittelt den Eindruck, weit nach oben zu gehen. Er trägt einiges dazu bei, dass die Lautsprecher insgesamt sehr breitbandig klingen, da sie einen gebührenden Gegenpol zum soliden Bassfundament bilden, was zusammen mit den ausdrucksstarken Mitten zu einem homogen-spielfreudigen Ganzen führt. Bei aller Lebendigkeit tendieren die Highländerinnen aber nie dazu, nervös oder nervig zu klingen. Sie agieren klangstark, aber ausgewogen, dynamisch und kontrolliert – sieht man einmal vom Tiefbass ab. Insgesamt ist die Abstimmung sehr langzeithörtauglich geraten.

Die räumliche Abbildung gehört meiner Meinung nach ebenfalls zu den Stärken der Dílis: Bei dem eingangs genannten Stück „O samba e o tango“ von Paula Morelenbaum lassen meine Geithain ME 150 quasi den ganzen Hörraum pulsieren und setzen mich mitten ins akustische Geschehen. Das ist sicher eine Besonderheit der Geithain. Der Kollege Michael Bruß verglich diese involvierende Räumlichkeit gar mit dem Eindruck, den Kopfhörer vermitteln.

Die Dílis 4405 agieren hier anders, nämlich „klassischer“. Bei ihnen befinde ich mich auf einem klar definierten Zuhörerplatz mit einer Draufsicht aufs Geschehen. Die Musik vereinnahmt einen weniger, sondern spielt eher hinter der Basislinie der Boxen. Damit gibt eine klare Trennung zwischen dem Raum, in dem ich mich befinde und dem, den die Lautsprecher für die Musikwiedergabe aufmachen.

Im letzteren herrscht dabei eine wirklich bemerkenswerte Ordnung. Selten habe ich eine so stabile Räumlichkeit mit einer so exakten Lokalisationsschärfe gehört. Auf alle Tonquellen kann man förmlich mit dem Finger zeigen, ja, sie fast exakt in ihren Abmessungen umreißen.

Auch Spielereien mit künstlichen Raumeffekten machen mit den Highländerinnen richtig Spaß. Roger Waters hat bei der Aufnahme seines medienkritischen Albums Amused to Death das Q-Sound verfahren eingesetzt, das es ermöglicht, mit Hilfe der Stereotechnik regelrechte Raumklangeffekte zu erzeugen. Und tatsächlich scheint der bellende Hund im ersten Stück „The Ballad of Bill Hubbard“ klar von rechts hinten zu kommen. Allerdings funktioniert die Geschichte am besten, wenn die Lautsprecher auf den Hörplatz ausgerichtet sind. Zwar bringen sie auch anders noch eine gute Räumlichkeit, aber eben nicht mit einer so beeindruckenden Akkuratesse.

Die räumliche Abbildung verhilft den Highland Audio Dílis 4405 auch zu einer bemerkenswerten Performance bei der Wiedergabe klassischer Werke. Ich gebe zu, dass mich das Ganze überrascht – bin ich doch bisher davon ausgegangen, dass ein souveräner Raumeindruck zu einem nicht unbeträchtlichen Teil durch feinste Geräusche erzeugt wird, die das Gehirn mehr oder weniger unterhalb der Bewusstseinsebene auswertet und dem Bewusstsein dann das „Resultat“ als Gesamteindruck des Raumes mitteilt. Da Auflösungsvermögen beziehungsweise die Wiedergabe feinster Details aber nun mal gerade nicht die Domäne der Dílis ist, frage ich mich, woher dieser gut wahrnehmbare Raumeindruck kommt.

Unabhängig von einer Erklärung funktioniert die Vermittlung der Größe des Aufnahmeraums aber gerade bei der Wiedergabe klassischer Musik erstaunlich gut. Dabei transportieren die Highland Audio Dílis 4405 zum einen einen glaubwürdigen Eindruck des Orchestersaals selber. Das geht so weit, dass ich deutlich die Unterschiede der Aufnahmeräume, ihre unterschiedlichen Ausdehnungen in den einzelnen Dimensionen, wahrzunehmen glaube. Zum anderen geben sie auch die Anordnung der Instrumentengruppen exakt wieder und vermitteln überzeugend das Konzerterlebnis. Wobei ihnen hierbei sicher auch ihre hohe Klangfarbentreue zugutekommt. Insgesamt liefern die Dílis auch bei Klassik eine überzeugende Vorstellung ab.

Test: Highland Audio Dílis 4405 | Standlautsprecher

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