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Klang HiFiAkademie Phono

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„Ich gehe davon aus, dass der Phono irgendwo ins Rack geworfen, eingestellt und ‚vergessen‘ wird. Es soll ein Gerät sein, über das man sich keine Gedanken machen muss, das einfach nur seinen Job tut, ohne dass man es als solches bemerkt.“

HiFiAkademie Phono

Gut, das war lediglich Herrn Reiths Antwort auf die Frage, warum es an seinem Phonoentzerrer keinen On/Off-Schalter gibt. Aber die Aussage könnte auch als klangliches Leitmotiv herhalten: Nichts drängt sich beim Phono in den Vordergrund, kein einzelner klanglicher Parameter gerät so extravagant, dass man darauf „hinhört“ und ohne Direktvergleich mit anderen, teureren Phonovorstufen fehlt einem auch nicht wirklich etwas. Vor allem aber fügt der HiFiAkademie Phono dem Klangbild keine artifizielle Note hinzu. Das klingt vielleicht nach wenig, ist es aber nicht. Es gibt ja die alte HiFi-Weisheit, nach der etwas weglassen besser sei als etwas hinzuzufügen – daran hält sich das Reith’sche Kästlein. Und so fällt mir das Vergessen in der Tat nicht schwer, auch wenn ich den Phono nicht in mein Creaktiv-Rack geworfen, sondern pfleglich auf eine separate Ebene gestellt habe. Ein technisches Gerät zu vergessen kann ja so gut sein, macht’s doch den Kopf frei – zum Beispiel für die Musik, die man hört.

Etwa Laura Marlings neue Platte Once I Was An Eagle. Jedes Mal, wenn ich Marling auflege, kann ich nicht glauben, dass sie erst Anfang Zwanzig sein soll. Das klingt so ernsthaft, reif, erwachsen – 23 Lenze, es nicht zu fassen.

Laura Marlings neue Platte Once I Was An Eagle

Auch wenn auf Once I Was An Eagle Drums, Percussion, E-Bass zu hören sind, bisweilen ein Cello hineinschwebt und eine Hammondorgel orgelt – die primären Instrumente sind Akustikgitarre und Marlings Stimme, schließlich ist das ja immer noch Singer/Songwriter-Stoff beziehungsweise Indie-, Neo-, Whatever-Folk. Also sollten die mittleren Lagen akkurat transportiert werden, denn wenn die Mitten nicht stimmen, stimmt gar nichts, zumal bei solcher Musik.

Genau das macht der HiFiAkademie Phono, was zunächst einmal heißt: Tonal gibt er sich in diesen Lagen sehr ausbalanciert und neutral. Die Akustikgitarre habe ich schon mal flirrender/heller gehört – und auch sonorer. Gleiches gilt für den Gesang. Reiths Phonopre kennt da, so scheint’s, keine Schlagseite.

Rückseite des HiFiAkademie Phono

Des Weiteren heißt das aber auch: Der Phono agiert in diesem wichtigen Frequenzbereich – eingedenk seiner Preisklasse – angenehm transparent und durchlässig. Das Fingerpicking oder Sliden über den Gitarrenhals, es kommt authentisch und natürlich rüber, klar vernehmbar sind diese Anrisse und die vermeintlichen Nebensächlichkeiten, gleichzeitig aber bleiben sie immer im Ganzen eingebettet. Ebenso ist es bei Marlings Stimme, von deren Mikrodynamik und Textur ich so viel erfahre, dass ich „dranbleibe“, da der Vortag schön lebendig gerät – aber auch hier bleibt die Perspektive aufs Ganze gerichtet, man muss auch nicht auf jedes Detail zoomen, scheint das Motto zu lauten. Und Pseudoauflösung durch den Trick, dass man ab den oberen Mitten aufwärts mehr Gas gibt – so etwas liegt diesem Phonovorverstärker sowieso fern.

Sehr fern sogar, eher werden die oberen Oktaven sogar etwas milder serviert. Und dies geht einher mit dem Umstand, dass das HiFiAkademie-Kistchen auch nicht als regelrechter Impulsfetischist durchgeht, denn Transienten sind nun mal steilflankig, vulgo tonal eher obenrum angesiedelt. Doch ist diese Tendenz mild ausgeprägt und sorgt lediglich für eine leichte Sanftheit im Klangbild (und damit auch beste Langzeittauglichkeit). Impulse wirken, wie gesagt, immer noch echt, keinesfalls verschliffen, und klangfarblich gesehen geht’s nur ganz, ganz leicht „bronzen“ statt taghell zu – verhangen geht anders.

HiFiAkademie Phono

Und untenrum? Bleiben wir bei Laura Marling, Seite A, Track 2: „I Was An Eagle“ – da schneit doch auf einmal ein netter Drumkick rein! Der HiFiAkademie Phono bringt ihn mit ausreichend Schubs. EfterklangAuch bei den dänischen Indie-Poppern und Wahl-Berlinern von Efterklang (Album: Magic Chairs) gefällt mir das Gewicht, mit dem Basslauf und Drumarbeit transportiert werden – alles andere als eine ätherische Nummer ohne Bodenhaftung. Zwei kleinere Präzisierungen seien gleichwohl vermerkt: Wer maximalen Tiefgang sucht, ist hier falsch (und sollte eher das doppelte bis dreifache Budget einplanen) – und konturierter/trockener geht ein Bass auch schon noch, der Phono ist eher auf der etwas weicheren denn knorrigeren Seite zu Hause.

Im Vergleich mit dem MC-Eingang meine Vorstufe Octave HP300 MKII fällt nicht nur auf, dass die Reith’sche Lösung weniger rauscht – wohl kaum verwunderlich, sitzt beim Octave doch auch eine Röhre in der Schaltung, während beim HiFiAkademie Phono durchgängig Transistoren den Job erledigen, und der Akkubetrieb dürfte ebenfalls sein Scherflein zur Ruhe beitragen –, auch die Art der räumlichen Darstellung ist eine andere.

HiFiAkademie Phono

Mit der Octave-Vorstufe gehört, steht Bonnie ‚Prince‘ Billy beim Stück „I See A Darkness“ (auf dem gleichnamigen Album; Johnny Cashs Cover des Songs ist gut, aber das Original besser) etwas weiter vorne als über den HiFiAkademie-PreampBonnie ‚Prince' Billy, der die virtuelle Bühne auf Lautsprecherebene beginnen lässt. Was die Abbildungspräzision, die Qualität der „Randeinfassung“ der einzelnen Klänge angeht, höre ich dagegen nur wenige Unterschiede, wiewohl das Octave-Modul knapp das Doppelte kostet. (Etwas anders verhält es sich in Relation zur ebenfalls doppelt so teuren, symmetrischen SAC Gamma, die sehr präzise abbildet – präziser als HiFiAkademie und Octave.) Freilich zieht dieses aber doch den etwas größeren Raum auf, in der Breitendimension zwar nur wenig, was die Tiefenausleuchtung betrifft, aber schon ein vernehmliches Stück mehr. Von einer Schwäche des HiFiAkademie Phono kann gleichwohl keine Rede sein, denn preisklassenbezogen ist das alles schon sehr anständig. Und für irgendwas müssen teurere Produkte ja auch gut sein.

Test: HiFiAkademie Phono | Phono-Vorstufe

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