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Audeze LCD-X: Konzept & Klang

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Audeze LCD-X: Konzept & Klang

Kommen wir zum Testpartner – dem Audeze LCD-X. Nach dem großen Erfolg des LCD-2 hat Audeze seine Kopfhörerpalette zwischenzeitlich deutlich erweitert. Neben das neue Luxusmodell LCD-3 und den geschlossenen LCD-XC hat sich nun unser Proband gesellt. Er wird von Audeze selbst als Referenzhörer klassifiziert und ist für mich persönlich das spannendste Modell im Portfolio.

Audeze LCD-X

Ich habe nichts gegen angenehm klingende Kopfhörer, welche auch mit schlechten Aufnahmen auf Dauer ein entspanntes Hörvergnügen liefern können. Dennoch übt der Vorsatz der absolut neutralen Wiedergabe eine besondere Faszination auf mich aus – verspricht er doch mit guten Aufnahmen das realistischste Klangerlebnis. Eben die raren, aber umso intensiveren Wow-Momente. Ob der Audeze diese tatsächlich „zaubern“ kann?

Während der LCD-3 (ebenso wie früher der LCD-2) wahlweise in einer repräsentativen Holzbox oder einem robusten Reiseetui ausgeliefert wird, gibt es den LCD-X nur mit letzterer Umhüllung. Für den harten Alltag in einer Studioumgebung sicherlich passend. Ihm liegen zwei Anschlusskabel bei – einmal klassisch 3-pol-Klinke (6,35 mm) und einmal 4-pol-XLR für den symmetrischen Betrieb. Bei den riesigen Polstern hat man die Auswahl zwischen sehr feinem Lammleder und Mikrovelour. Im Gegensatz zu den anderen Modellen setzt sich der LCD-X nicht mit schmucker Holzmaserung in Szene, sondern kommt in Schwarz daher. Abgesehen von der schieren Größe ist der Hörer also eher dezent gehalten. Da passen Bakoon und Audeze doch schon gut zusammen.

Audeze LCD-X

Klanglich gibt sich der LCD-X hingegen alles andere als schlicht. Wo der Audeze LCD-2 mich bereits klanglich begeistert hatte, spricht mich das Referenzmodell noch einmal ganz anders an. Der LCD-X spielt neutral – und zwar im besten und ehrlichsten Sinne. Es gab während des gesamten Tests nicht einen Moment, in dem mich irgendein Frequenzbereich gestört hätte, noch nicht einmal einen, in dem etwas irgendwie „auffällig“ geriet. Der Audeze spielt von oben bis unten alles genau so, wie es auf der Aufnahme ist.

Während der LCD-2 in den Höhen etwas zurückgenommen schien, um ermüdungsfreies Hören zu ermöglichen, tönt der LCD-X hier deutlich lebendiger. Ebenso am anderen Frequenzende: War der Bassbereich des LCD-2 bereits beeindruckend, so setzt der LCD-X noch eins drauf. Geht er doch ebenfalls erstaunlich tief herunter, bleibt jedoch jederzeit absolut kontrolliert.

Audeze LCD-X

Der Referenz-Audeze hält es tonal also keineswegs so dunkel wie zum Beispiel ein Sennheiser HD650 und zeigt ebenso wenig ein (durchaus spannendes) Hochtonverhalten wie ein Audio Technica W1000, der Frauenstimmen geradezu glänzen lässt. Nein, er spielt einfach nur im wahren Sinne „referenzwürdig“. Kann eine Sängerin in den höchsten Lagen glänzen, gibt der LCD-X dies ganz klar wieder – schwächelt die Stimme jedoch, hört man auch dies.

Ein Album, welches ich vor kurzem neu entdeckte, ist der 1997-Spätling Bridges To Babylon der Rolling Stones. Mag man persönlich von den späten Stones halten, was man will, mich stonesbegeistert die Energie und der förmlich zu hörende Enthusiasmus der Band. Nach dem vom Mastering her absolut verunglückten Studiovorgänger Voodoo Lounge stieg die Aufnahmequalität hier wieder. Dennoch sind einige Frequenzen über die Maßen betont. Die erste Singleauskopplung „Anybody Seen My Baby?“ weist eine sehr markante Basslinie auf, die sich durch den gesamten Song zieht. Diese ist häufig zwar gut hörbar, wenn man drauf achtet, fällt jedoch dennoch meist nicht besonders ins Ohr – obwohl im unteren Bassbereich eher geklotzt denn gekleckert wurde.

Ganz anders verhält sich’s mit „fähigem“ Equipment. Die Veränderung gerät mit diesem so stark, dass die erwähnte Basslinie den Song förmlich dominiert. Der LCD-X zählt zu den wenigen Kopfhörern, die einem den Bass derart wahrhaftig vorzuführen vermögen. Bisher kannte ich das nur von größeren Studiomonitoren. Kopfhörer mit kleineren Treibern zeigen einem diese Frequenzen erst gar nicht, und selbst mit großen Treibern – wie bei einem AKG K812 oder Sennheiser HD800 – kann man die Betonung der Frequenzen zwar erkennen, jedoch nicht die Intensität spüren, die einem die Abmischung eigentlich bietet. Anders mit dem Audeze LCD-X: Man spürt die Musik förmlich – so, als würde man mit großen Lautsprechern hören.

Entgegen manchen sehr basslastigen Kopfhörern, die einem dieses Gefühl ebenfalls vermitteln, dickt der Audeze jedoch den gut hörbaren Oberbass dabei in keiner Weise künstlich auf, sondern spielt die wirklich vorhandenen Tieftonanteile einfach ungemein druckvoll bis in den Frequenzkeller.

Audeze LCD-X

Beworben wird der „X“ als hocheffizientes Modell, welches auch an portablen Quellen zu betreiben ist. Während das tatsächlich geht und die erreichbaren Lautstärken auch auf einem sehr guten Niveau für solch einen großen Kopfhörer liegen, kann ich das nur in Verbindung mit wirklich hochwertigen Quellen empfehlen. Der Klangverlust an minderwertigen Quellen ist mit dem Audeze einfach äußerst auffällig. Ganz davon abgesehen, dass die sehr offene Bauweise einem wirklich mobilen Betrieb nicht unbedingt zuträglich ist. Es ist dennoch gut zu wissen, dass man den LCD-X an vielfältigen Quellen einsetzen kann, sein volles Potential kann er jedoch nur bei adäquater Verstärkung ausspielen.

Test: Audeze LCD-X und Bakoon HPA-01 | Kopfhörer-Verstärker

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