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Klang AVM Evolution SD 3.2/SD 5.2 (Teil 1)

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  1. 2 Klang AVM Evolution SD 3.2/SD 5.2 (Teil 1)

Vorab: Alle grundlegenden Hörtests in der Digitaldomäne wurden mit dem voreingestellten „Steep“-Digitalfilter durchgeführt, dessen Auslegung so oder so ähnlich in den meisten Wandlern zu finden sein dürfte.

AVM

Die Klangregelung befand sich während des ganzen Tests in der Neutralstellung – in meiner Hörumgebung gab es einfach nichts zu kompensieren. Ebenso treten die im Folgenden analysierten Charaktere und Unterschiede zwischen den Geräten im Streaming- beziehungsweise Wandlermodus ebenso zutage wie im rein analogen, vom Plattenspieler VPI Scout II (mit dem System ZYX R100 Fuji und der Phonostufe Sonneteer Sedley) gefütterten Betrieb.

AVM Evolution SD 3.2/SD 5.2

Tonal wandeln beide deutschen Streaming-DACs gleichermaßen trittsicher auf dem Pfad der Tugend. Dennoch gibt es charakterliche Unterschiede – so ist das eben auch bei Geschwistern manchmal. Erstaunlich ist dann aber eine meiner Erwartung entgegengesetzte Ausrichtung: Man erwartet von einer „Röhre“ ja irgendwie immer ein leicht anheimelnd-warmes, eher bassstarkes als ätherisches Klangbild – jetzt mal ehrlich, oder? Nun, hier bietet sich ein anderes Bild: Der AVM Evolution SD 5.2 geht nämlich insgesamt den tonal leicht helleren und The Aciddeutlich luftigeren Weg und agiert im Bass sogar einen ganz kleinen Tick zurückhaltender als Nummer 3.2. Beides lässt sich mit The Acids Album Liminal mustergültig nachvollziehen. Der AVM Evolution SD 3.2 lässt den Bass an der etwas längeren Leine laufen und wirkt dadurch beim ersten Hören druckvoller, doch die bessere Kontrolle des SD 5.2 im Tiefton schlägt sich in eindeutig klarer durchzeichneten Bassläufen nieder. Mit der röhrenbewehrten Vorstufe wird die akustische Textur des elektronischen Basses wirklich deutlich – wo zuvor, übertrieben formuliert, eben „nur“ Bass war, kann man nun eine komplexe Struktur von Schallwellen im tieffrequenten Bereich ausmachen.

Die klangfarbenstärksten Vertreter sind die Geräte von AVM meiner Erfahrung nach im Allgemeinen nicht. Das zeichnet sich auch beim Evolution SD 3.2 bereits nach wenigen Minuten (aber natürlich nach angemessener Einspielzeit) ab. Wie schon der integrierte AVM CS 2.2 liefert der ausschließlich mit Transistoren arbeitende Streaming-DAC eine saubere, aufgeräumte, aber eben auch nicht exorbitant umfangreiche Farbpalette ab, deren Farbfelder strikt voneinander getrennt zu sein scheinen. Um das etwas griffiger zu erläutern: Ich fühle mich mit dem SD 3.2 an den Test des CS 2.2 erinnert, während dessen ich kurz Besuch vom Wandler-Vorverstärker Norma Audio HSDA-1 Pre hatte. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie der Cremonese kontrapunktisch zum geradlinigen Spiel des Deutschen mit einer fast schon ausufernden Farbenpracht wucherte. In dieser Hinsicht konnte AVMs CS 2.2 nicht ganz mithalten, setzte eher auf Analyse und tonale Neutralität – was vollkommen legitim ist und unterschiedliche Hörgeschmäcker befriedigen dürfte.

AVM Evolution SD 3.2/SD 5.2
Oben der AVM Evolution SD 3.2, unten der Evolution SD 5.2

Der AVM Evolution SD 3.2 schlägt nun in die gleiche Kerbe, wobei er allerdings in allen klanglichen Belangen die Qualitätslatte etwas höher hängt als der kleine Bruder CS 2.2 – mehr dazu gleich, bleiben wir ganz kurz bei den Klangfarben. Denn kaum spielt der Evolution SD 5.2 mit seiner Röhrensektion auf, fühle ich mich ein ganzes Stück näher an dem Norma-Erlebnis. Auch wenn der AVM immer noch nicht die Inbrunst und Leidenschaft eines fetzigen Saxophons mit feurigem Orange-Rot nachzeichnet oder den erdverbundenen braunen Ton eines Solo-Cellos in Moll so deckend und voller Nuancen aufzutragen vermag wie der satt pinselnde italienische Wandler-Pre, so offeriert der Evolution SD 5.2 doch eine merklich breitere Farbpalette als der SD 3.2 und malt insbesondere den Mittelton eine gute Stufe impressionistischer aus. Der Unterschied ist klar vernehmbar, und er ist zugegebenermaßen größer, als ich gedacht hatte. Nicht nur in diesem Bereich, übrigens.

Auch suf Siri’s Svale Bands „Smoke Gets in Your Eyes“ vom Album Necessarily So … ist das Obertonverhalten der Kontrabässe mit dem größeren Streming-DAC differenzierter zu erhören, und im mittleren und oberen Spektrum hat das Saxophon im Siri's Svale Banddarauffolgenden Stück „Danny’s Deam“ die genau richtige bissige und dennoch druckvolle Charakteristik, die man nur mit perfekt ausbalancierten Geräten erhält.

Dass dabei die Anblasgeräusche und das Spratzeln am Ansatzstück des Saxophons so sauber und im Mix differenziert rüberkommen, deutet bereits auf die nicht nur preisklassenbezogen sehr gute Auflösung beider Geräte hin. Auch in diesem Aspekt setzt sich der AVM Evolution SD 5.2 mit einer natürlicher wirkenden Lockerheit in Szene, die dem SD 3.2 bei aller objektiv vorhandenen Qualität so nicht in die Wiege gelegt wurde. Mögen sich die beiden Geschwister vom Grundcharakter (neutral, kontrolliert, ehrlich) her noch so ähnlich sein, der SD 5.2 wirkt doch erwachsener, selbstsicherer und souveräner, weniger angespannt und weniger bewusst den Fluss der Musik kontrollierend. Becken und Glockenspiel flirren mit dem 5.2 freier und schöner, lösen sich besser von anderen Schallereignissen ab und überschreiten diese nicht definierbare Schwelle zum Realismus, die nur wirklich erstklassig auflösende Komponenten überhaupt erreichen.

AVM Evolution SD 3.2/SD 5.2
Der silberne AVM Evolution SD 5.2 erlaubt einen Blick auf die mit einer Röhrenausgangsstufe bewehrte Elektronik

Dies geschieht übrigens nicht nur im Hochton, sondern auch im Mittelton, der gefühlvoller analysiert und mit selbstverständlicher Akkuratesse einfach mehr Information bietet als der des SD 3.2. Alela Diane hat mit The Pirate’s Gospel ein ruhiges, anrührendes Alela DianeKleinod Folk-beeinflusster akustischer Musik geschaffen, in dessen harmonische und melodische Klänge man versinken möchte. Das intensive „Pieces of String“ mit seinen Kinderstimmen und das nicht minder faszinierende „Clickity Clack“ werden mit dem Röhrenmodul zum emotional aufgeladenen Erlebnis, während dieselben Stücke mit dem rein Transistor-bewehrten Streaming-DAC zwar hervorragend klingen, aber auch etwas Distanz zur Stimme und zur Emotionen lassen. Eine ganz minimale Härte des SD 3.2 im oberen Mittelton und Hochton lässt sich nur im direkten Vergleich konstatieren – nichtsdestotrotz ist sie da.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Der AVM Evolution SD 3.2 lässt – für sich gehört – in Sachen Auflösung absolut nichts vermissen, sondern wird ganz im Gegenteil seinem Besitzer den ein oder anderen Gänsehautschauer ob der schieren Informationsmenge, die er zu den Endstufen und Lautsprechern schickt, über den Rücken jagen – nur serviert der „Streber“ SD 5.2 all dies (und noch ein bisschen mehr) mit einer derart unverschämt locker wirkenden Nonchalance, dass man sich schon ein bisschen wundert, wie man vorher mit weniger – oder anders gesagt: mit einer angestrengter wirkenden Einsicht in das klangliche Geschehen hat leben können.

Test: AVM Evolution SD 3.2 und Evolution SD 5.2 | D/A-Wandler, Netzwerk-Player

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