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Klangeindruck AudioQuest DragonFly Black

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Klangeindruck AudioQuest DragonFly Black

Der im Vergleich zum Black fast doppelt so hohe Preis des AudioQuest DragonFly Red wirft neben der Frage nach der absoluten Performance der beiden „Sticks“ natürlich auch die nach dem besseren Preis-/Leistungsverhältnis auf. Gehört habe ich die beiden zunächst am Apple-Laptop MacBook Pro und im Anschluss daran am iPhone 6, um die von AudioQuest beworbene Mobiltauglichkeit zu überprüfen.

Audioquest DragonFly

Das Kleine Schwarze
Der erste Über-Alles-Eindruck mit dem AudioQuest DragonFly Black anstelle des MacBook-Pro-Audioausgangs als Signallieferant lässt sich am besten mit freierem Atmen in saubererer Luft beschreiben. Als ob eine schwere Last von Apple MacBook Pro und NightHawk-Kopfhörer gefallen sei, verleiht der Black jeder Art von Musik mehr Leichtigkeit, Selbstverständlichkeit, Autorität und luftige Klarheit. Der berühmt-berüchtigte und journalistisch allzu oft zerfetzte Schleier, dessen Existenz man sich ohne direkten Vergleich nicht wirklich bewusst ist, hebt sich von der akustischen Bühne.

Die im Vergleich zum Audioausgang des MacBook Pro ungleich verbesserte klangliche Organisation des gesamten Klangbildes offenbart eine Fülle von Details und eine Vergrößerung des gesamten Klangraums, in dem sich einzelne Schallereignisse umso besser entfalten können. Naturgemäß wird das besonders deutlich bei der Wiedergabe von Schlagzeugblechen und bei anderen hochfrequenten Schallanteilen. So funkelt das dezente dEUS-Album In a Bar, Under the SeaBlechwerk in „Supermarketsong“ vom genialen dEUS-Album In a Bar, Under the Sea (auf Amazon) nicht nur etwas heller und klarer, sondern wirkt auch stimmiger in den Mix eingepasst. All die kleinen Soundevents, die die Belgier in ihren nur knapp 2-minütigen, schrägen Song eingebaut haben, gewinnen an akustischer Bedeutung. Sei es das knarzige Saxofon, das locker-luftig gespielte Xylofon oder die Gesangstimmen: Alles ist im Fluss, wirkt entspannt und ist von selbstverständlicher Autorität geprägt. Okay, in all diesen Disziplinen, insbesondere aber in Sachen Luftigkeit und räumlicher Ausdehnung, kann der NightHawk noch so einiges mehr, das beweist er regelmäßig an meinem Meier Audio Corda Classic Kopfhörerverstärker – aber der ist auch sechsmal teurer!

AudioQuest DragonFly

Im Mittelton verändert sich vergleichsweise wenig gegenüber dem MacBook-Ausgang. Anblasgeräusche sind noch klarer definiert und Stimmen scheinen einen klitzekleinen Tick mehr an Wärme und Körper zu gewinnen – auch hier sind größere Differenzierungsfähigkeit feindynamischer Vorgänge, eine weniger „gepresst“ wirkende Diktion insgesamt und einfach ein Mehr an Luft um die Sänger die entscheidenderen Stichworte gegenüber rein tonalen Veränderungen. Lassen sich am MacBook die beiden Stimmen im oben genannten Track nur nach links und rechts verorten, stehen sie mit dem DragonFly Black eindeutig abgegrenzt von der Band im virtuellen Raum (insbesondere die dunklere, etwas zurückhaltendere Stimme rechts) und lassen Intonationsgeräusche und das leise Reiben in der Stimme des rechts abgebildeten Sängers besser erahnen.

Maggie Rogers „Alaska“In Maggie Rogers „Alaska“ vom gleichnamigen Album schlägt sich diese Klarheit und Differenzierungsfähigkeit, die sich wie ein roter Faden durch die Präsentation des DragonFly Black zieht, mehr als deutlich auch in einer eindeutig definierten und kontrollierten Basswiedergabe nieder: Der teilweise dynamisch-federnde, teilweise langgezogen-druckvolle elektronisch erzeugte Bassbereich des Tracks kann bei mangelnder Durchzeichnungsfähigkeit der Wiedergabekette auch mal nerven, doch mit dem AudioQuest DragonFly Black wirkt er im direkten Vergleich mit dem 3,5-mm-Ausgang des MacBook Pro gleichermaßen gestrafft, flotter, präsenter und mit gesteigertem physischem Druck ausgestattet. Gleiches gilt für den E-Bass im fast schon kitschigen, aber auch berührenden Country-Track „Came Here to Forget“ von Blake Shelton vom gleichnamigen Madrugadas „Hands Up – I Love You“Album und dem knorrig-mittigen Bass in Madrugadas „Hands Up – I Love You“ (auf Amazon), der frei und trocken abgemischt mittig vor dem Schlagzeug im Raum steht. Die Integration der tiefen Frequenzen ins Gesamtklangbild fällt trotz (oder wegen?) der wesentlich besseren Loslösung des Instruments von der Band viel natürlicher und geschmeidiger aus. Etwas tiefer geht es dabei auch runter – ohne akustische Tricks, denn der schwarze AudioQuest-Kopfhörerverstärker vermeidet es, eine gefällige Portion an Dezibels um den 80-Hz-Bereich herum draufzuschippen, die bei nicht wenigen Komponenten den echten Tiefgang nur vortäuscht.

Ich will eines ganz klar sagen: Tonal ändert sich mit dem DragonFly Black eigentlich gar nicht sooooo viel gegenüber dem Standard-Audioausgang des MacBook, soll heißen, die Balance bleibt gewahrt beziehungsweise wird durch die Ausdehnung der Frequenzenden und dem Mehr an Information unten wie obenrum sogar optimiert. Der durchaus entstehende Eindruck von mehr Fülle resultiert aus der detailreicheren Wiedergabe über das gesamte Frequenzband hinweg, definiert sich also nicht einfach über einen volleren Bassbereich oder „buntere“ Klangfarben im Mittelton. Der Bass ist zwar durchaus druckvoller und präsenter (gleichwohl auch präziser und kontrollierter), aber das sind der Mittelton und sogar der nun weniger vom Rest des Spektrums beeinträchtigte Hochton auch. Besonders deutlich empfinde ich diesen Effekt im atmosphärisch dichten „Guilty Pleasures“ vom genannten dEUS-Album. Die Art und Weise, wie schon der kleinere der beiden DragonFlys das Gewirr an Instrumenten in all seiner Komplexität leichter nachvollziehbar und damit eingängiger und einfacher zu genießen serviert, unterscheidet (sorry für die Phrase) recht guten Klang von musikalisch wirklich ansprechender Wiedergabe.

AudioQuest DragonFly

Am erstaunlichsten aber erscheint mir die ungleich größere Direktheit, mit der Impulse aus den Membranen meines Kopfhörers geschleudert werden. Die im gerade erwähnten dEUS-Track im dichten Mix sonst fast schon untergehenden Toms des Schlagzeugs gewinnen an Prägnanz und locker aus der Hüfte kommendem Schwung. Scheint es so, dass die Snaredrum in Potheads „Henry and Mabel“ am Kopfhörerausgang des MacBooks kurz hinter den Treibern an Fahrt verliert, dringt sie mit dem Black präzise und ohne Hemmungen mit voller Impulsivität bis an die Trommelfelle vor.

Test: AudioQuest DragonFly Black & Red | D/A-Wandler

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