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Klang AMG Viella 12 (Teil 1)

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  1. 2 Klang AMG Viella 12 (Teil 1)

Wie sie denn klingt, die Viella? Ähem … sie will einfach nicht klingen. Und dass sie sich diesbezüglich strikt verweigert, ringt mir den höchsten Respekt ab. Natürlich habe ich meine üblichen „Testplatten“ rauf und runter gespielt und auch noch, was nicht oft passiert, mindestens ebenso so viel Vinyl gehört, das sonst eher selten bis gar nicht den Weg auf meinen Plattenteller findet.

AMG Viella 12

Klangliche Eindrücke gab es denn auch reichlich zu vermelden, aber die waren eben auf den schwarzen Scheiben drauf oder dem Tonabnehmer geschuldet. Es ist bekanntlich das hehre Ziel jedes Plattenspielers, dem Inhalt der schwarzen Rillen nichts hinzufügen oder gar etwas zu verschweigen. Aber so nah dran zu kommen, wie es AMG mit der Viella vorexerziert, dürfte auch in dieser Preisklasse nur den wenigsten gelingen. Konsequenterweise scheinen die Leute von AMG genau diese Eigenschaft auch auf ihren Tonarm übertragen zu haben. Der stellt sich jedenfalls an keiner Stelle dem Nichtklang des Laufwerks in den Weg, sondern macht sich daran, den gewonnenen Eindruck noch zu verstärken. Nichtklang? Und damit Ende der Klangbeschreibung?

AMG Viella

Nein, so einfach kommen Laufwerk, Tonarm und der Autor dann doch nicht davon. Denn selbstverständlich verfügt auch die AMG Viella über einen gewissen Grundcharakter, den es zu erfassen gilt. So vermittelt mir die Viella 12 beim Hören vom ersten Ton an das Gefühl, es mit einem ungemein „schnellen“ Laufwerk zu tun zu haben. Klar, auch der AMG-Plattenteller dreht sich nur mit 33 ½ Umdrehungen in der Minute, ich habe es ja gemessen. Aber die direkte, forciert unmittelbare Art, Impulse umzusetzen, führt unweigerlich zum Eindruck von besonderem „Speed“, dessen genaues Gegenteil man irgendwie mit „gemütlich“ beschreiben würde. Ein Beispiel gefällig?

Sarah Jane MorrisSarah Jane Morris hat mit Blue Valentine ein superbes Livealbum (Ronnie Scotts Club, London) eingespielt. Der flotte, treibende Rhythmus des Openers „Closest thing to heaven“ reißt sofort mit, nimmt gefangen und hält bis zum Schluss in Atem. Dann die scharfen, fast verzerrten Saitenanrisse der Gitarre beim Solo auf dem titelgebenden „Blue valentine“, so explosiv waren sie noch nie. Impulstreu? Und wie!

Auch mit klassischer Musik funktioniert das bestens. Nehmen wir einfach die ersten Takte von Rachmaninovs „Variations after a Theme of Paganini“ mit Artur Rubinstein am Flügel. Der Einsatz des Soloinstruments kommt mit Präzision und autoritärer Vehemenz. Sicher, die Wucht des Anschlags lieferte mir auch Horstmann & Petters gewichtiger Ullysses. Aber die Viella legt den Focus noch deutlicher auf die unbändige Energie, die sich in den Fingern des polnischen Pianisten konzentriert. Gerade weil die AMG-Kombination nicht danach trachtet, den Hörer mit dem Dampfhammer zu erschlagen, offenbaren die Fortissimo-Passagen des Werkes eine in meinen Ohren schwer zu übertreffende dynamische Kompetenz von Laufwerk und Tonarm.

AMG Viella 12

Natürlich nutzt Rachmaninov auch ausgeprägte Kontraste, um den Reiz seines Werkes zu erhöhen. Die fast zärtlich hingetupften Klavieranschläge in den sehr leisen Passagen untermauern auch in fein- und mikrodynamischen Aspekten die Ausnahmestellung der Viella. Hier kann ein Dreher nur brillieren, wenn er keine Laufwerksgeräusche produziert, die sich ihren Weg ins Nutzsignal Rachmaninovs „Variations after a Theme of Paganini“ mit Vladimir Horowitzbahnen könnten. Der enorm ruhige und schwarze Background, vor dem das AMG-Laufwerk selbst leiseste Signale platziert, darf ursächlich gerne darauf zurückgeführt werden, dass hier ein hervorragendes, intelligent konstruiertes Tellerlager auf einen nicht minder durchdachten, laufruhigen und nahezu lautlosen Antrieb trifft.

Test: AMG Viella 12 | Plattenspieler

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