Billboard
Boaacoustic

Francis Chaillet von Audionec

Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Francis Chaillet von Audionec

6moonsDieser Bericht erschien im Februar 2011 im englischsprachigen Audio Review Magazin 6moons.com und kann dort in der Originalversion gelesen werden: Roadtour AudioNec. Er ist durch uns übersetzt worden und wird hier den deutschsprachigen Lesern präsentiert. 6moons und fairaudio haben die Übereinkunft, gegenseitig ausgewählte Artikel zu übersetzen und für die englische beziehungsweise deutsche Leserschaft zu publizieren. Der Autor des Artikels ist am Anfang des Textes genannt, an seinem Ende finden Sie einen eMail-Link zu 6moons, falls Sie Fragen haben oder ein Feedback geben möchten. Der Bericht und alle Bilder unterliegen dem Copyright von 6moons.

Ihr fairaudio-team

Februar 2011 / Joël Chevassus

Da gibt es die angesehenen, etablierten Audiohersteller, die ihr Produktportfolio um Mediaplayer erweitert haben, wie zum Beispiel Boulder, McIntosh, Meridian und Naim – und es gibt diese neu gegründeten Firmen, die ihre ersten Schritte im High-End-Markt direkt mit Komponenten für „nicht-physische Musik“ unternehmen. So eine Firma ist AudioNec (Vertrieb: www.hgfa.de).

Einerseits besitzen Neugründungen dieser Art eher einen begrenzten Erfahrungsschatz im HiFi-Bereich, während der „klassische“ Newcomer in der Audioindustrie (wie beispielsweise Wyred4Sound) seine Wurzeln häufig im OEM-Bereich hat (engl.: Original Equipment Manufacturer, Originalhersteller, d.h. Produzent von Markenware für Dritte). Andererseits ist es für jene gerade deshalb auch möglich, quasi auf einem weißen Blatt Papier einen wirklich neuen und sauberen Entwicklungsentwurf zu konzipieren, während etablierte Marken sich häufig verpflichtet fühlen, an ihre Produkthistorie anzuknüpfen.

Der OEM-Audiomarkt ist heute so offen und zugänglich wie noch nie und abgesehen von einigen Ausnahmen stellen Computer ebenfalls offene und flexible Plattformen dar. Für Audio-Newcomer gibt es heutzutage beschaffungsseitig tatsächlich kaum noch technologische Barrieren. Natürlich: Wir alten Audiohasen wissen, dass Technologie nicht alles ist und auch nicht den Erfolg garantieren kann. Aber sicherlich ist die leichte Verfügbarkeit technischer Lösungen hilfreich – und das vermutlich mehr, als wir glauben. Vor diesem Hintergrund betrachtet, scheint mir die Digital-Audio-Wiedergabe heutzutage ein paradoxes Erscheinungsbild abzugeben. Für ein paar hundert Euro lässt sich mit einem iPod, gefüttert mit unkomprimierten Audiodateien, eine Klangqualität erreichen, wie sie vor zehn Jahren zu diesem Preis unmöglich gewesen wäre. Obendrein bekommt man die iTunes-Software, und zwar kostenlos.

AudioNec-Server

Versucht man allerdings mit Computer-Audio mehr zu erreichen als das, was jedem günstig zur Verfügung steht, werden die Dinge vertrackter. Lösungen hierzu könnten schlussendlich von Steve Jobs Laune abhängen – aber wahrscheinlicher ist’s doch, dass dies die Arbeit klassischer Audiofirmen bleibt. Während der recht kurzen Zeit, in der ich mich nun mit Computer-HiFi befasse, fühle ich ständig diesen Dualismus: Gefangen zwischen sehr respektabler Performance zu übersichtlichen Kosten einerseits – und andererseits dem Wunsch nach erstklassiger Performance, die aber leider mit stratosphärischen Preisschildern verknüpft zu sein scheint.

Es gibt eigentlich keinen besonderen Grund dafür, warum ein Computer mit riesigem Funktionsumfang wesentlich günstiger sein sollte als ein einfacher Mechanismus zum fehlerfreien Auslesen einer CD in Echtzeit … gleichwohl scheint mir der hohe Aufwand, der immer noch betrieben wird, um der alten Technik das letzte bisschen Klangperformance abzupressen, pure Zeitverschwendung zu sein, vergleicht man diese Technologie mit PC-basierten Audiolösungen. Tatsächlich werden heutzutage ja in einigen High-End-CD-Player RAM-Buffer eingebaut, um überhaupt noch mithalten zu können.

Unterm Strich muss man wohl sagen: Computer-Audio besitzt unwiderstehliche Vorteile. Die größte Herausforderung besteht zurzeit darin, eine bestmögliche Integration mit dem ansonsten recht „traditionellen“ Rest der HiFi-Anlage hinzubekommen; und natürlich ist die D/A-Wandlung ein Thema für sich. Hier haben wir es mit Themen wie Jitter, Master Clocks, Digitalkabeln und deren Auswirkungen etc. zu tun. Alles, was so hübsch integriert im klassischen CD-Spieler steckte, wird nun komplexer und eben auch entscheidender.

Audionec-Server - Rückansicht

Letztes Jahr las ich einen Artikel über den Stand der Dinge in Sachen HighRes-Audiofiles. Der Autor war der Überzeugung, dass der Schlüssel zu einer wirklichen Verbesserung der Musikwiedergabe genau hierin liege und dass dies wesentlich entscheidender sei als kleinere Verbesserungen an der HiFi-Anlage oder auch Komponenten-Upgrades. Die Argumentation hörte sich spontan schon recht überzeugend an, aber auch ungeachtet der Frage, ob HighRes-Audio zurzeit eine echte Option ist – was wird denn eigentlich aus den bestehenden Redbook-Musikbibliotheken? Ich persönlich habe nie aufgehört, CDs zu kaufen. Gerade letzte Woche habe ich 25 Stück für unter 100 Euro erstanden. Die Preise für CDs waren noch nie so günstig, wenn man denn weiß, wo man gucken muss. Die schiere Menge an Titeln allein sollte jeden Musikliebhaber erfreuen. Bei meinen Lieblingsmusikrichtungen – Klassik und Jazz – ist die Aufnahmequalität tendenziell recht hoch. Ich habe nach wie vor viel Spaß daran, mein altes, vermeintlich inferiores 16/44-Material zu hören!

Und der Unterschied zwischen HighRes-Files und dem CD-Format ist auch nicht immer gleich der zwischen Licht und Schatten. Viel hängt hier auch vom Aufnahmeequipment ab. Mit sehr günstigem scheint es so zu sein, dass die höhere Datendichte der hochauflösenden Formate deutliche klangliche Vorteile besitzt – in der High-End-Sphäre schrumpfen die Unterschiede zum CD-Format dann wieder zusammen. Das heißt natürlich nicht, dass die CD überlegen wäre, aber um in den vollen klanglichen Genuss der neuen Datenformate zu gelangen, müssen die Limitierungen eines Computerumfeldes genauso gründlich bekämpft werden, wie seinerzeit und noch heute die bei CD-Playern. Und alle noch so kleinen Engpässe der restlichen Kette sollten ebenfalls angegangen werden.

Für eine von Kopf bis Fuß hochakkurate Wiedergabe bietet die französische Firma AudioNec nun eine integrierte Lösung an: von der Quelle bis zu den Lautsprechern. Dies ermögliche Audiophilen nicht nur das Beste aus dem bestehenden CD-Format, sondern auch aus den hochauflösenden Formaten herauszuholen, so das Versprechen.

AudioNec-Server, Vitus Audio Monos, Marten Design Lautsprecher ...

Während der letzten anderthalb Jahre hatte ich viermal die Gelegenheit, AudioNec-Produkte zu hören. Die eindrucksvollste Begegnung war zweifellos die erste beim Salon Haute Fidélité in Paris, wo AudioNec mit Vitus-Audio-Monoblöcken und Mårten-Coltrane-Wandlern zusammenspielte (siehe oben). Dies war wirklich eine der besten Vorführungen, die ich in den letzten Jahren überhaupt erleben durfte. Eine geradezu perfekte musikalische Illusion.

Das zweite Mal war bei mir daheim, wo ich AudioNecs SDV3-Server in meinem eigenen System für zwei Tage ausprobieren konnte. Die dritte Begegnung fand zur letztjährigen Pariser Audioshow statt, bei der ein komplettes AudioNec-System, bestehend aus Server plus Aktivlautsprechern, zu hören war. Die vierte schließlich in AudioNecs eigenen Räumlichkeiten, die ich wegen der Verabredung zum Interview mit Unternehmensgründer Francis Chaillet (siehe nächste Seite) aufsuchte. Hier herrschten offensichtlich bessere Bedingungen als auf der Messe.

Zurück zu meinem AudioNec-Ersterlebnis: Meiner Meinung nach hatte der Server im direkten Vergleich mit dem Top-Laufwerk Raven AC an der Vitus/Mårten-Anlage sogar in Sachen musikalischer Fluss die Nase vorne. Sie müssen zugeben: Dies ist eine ziemlich seltene Sache, dass eine Digitalquelle ausgerechnet in dieser Hinsicht einem erstklassigen High-End-Plattenspieler die Butter vom Brot nimmt – aber genau das passierte mit dem AudioNec.

AudioNec-Lautsprecher Answer

Begegnungen Nummer zwei und drei waren – zugegeben – nicht völlig atemberaubend, aber doch sehr vielversprechend. Und das vierte Mal war insofern besonders, als ich unter realistischen Bedingungen das AudioNec-Einstiegssystem hören konnte. Der firmeneigene Hörraum ist zwar nicht perfekt, gibt aber einen guten Eindruck davon, was jeder erreichen kann, der einen eigenen Raum für die HiFi-Anlage besitzt. Vor diesem Treffen bei AudioNec war ich von ihren doch recht „speziellen“ Aktivlautsprechern nicht völlig überzeugt. Dies mag an dem ungewöhnlichen Breitbandchassis gelegen haben oder den eindrucksvollen 30×30-Zoll-Basswoofern – oder auch der problematischen Raumintegration auf der Messe.

Nun, jetzt muss ich zugeben, dass ich komplett falsch lag. Diese Lautsprecher sind äußerst verblüffend. Natürlich sind sie sehr teuer, stimmt, aber im Vergleich mit ähnlich kostspieligen Produkten sind sie doch auch erstaunliche Klangperformer. Für meine Ohren ist die Auflösung dieses Janus-Breitbänders einmalig, vergleichbar nur mit den besten Elektrostaten, aber dynamischer und tonal substanzieller ausgebaut. Die Linearität dieses Chassis von den mittleren Basslagen bis in den Hochton hinein überrascht. Auflösung und Räumlichkeit scheinen grenzenlos – das ist allererste Klasse.

AudioNec

Das Zusammenspiel mit den Infraplanar-Basstreibern scheint mir ebenfalls State of the Art zu sein. Die Präzision bei der Wiedergabe kleinster Timbreschwankungen ist wirklich umwerfend. Schließlich lässt sich auch eine „Über-alles-Kohärenz“ des Klangbildes erleben – das AudioNec-System schein mir nicht zuletzt auch deshalb zu den Wenigen zu gehören, die wirklich in der Lage sind, das volle Potenzial der MSB-D/A-Wandlung umzusetzen. Die meiner Meinung nach einzige Limitierung könnten die integrierten Hypex-Verstärkermodule darstellen, vergleicht man das damit, was zwei Vitus-Audio-Monos wohl hätten anstellen können … wenn man es mit einem derartig hochwertigen System zu tun hat, fallen einem die kleinsten Mängel auf.

Ein bedeutsames Highlight während meines Besuchs bei AudioNec war ein Album, das Francis Chaillet mir vorstellte: Olivier Vernets „Bach: Complete Organ Works“. Diese Ligia-Digit-Aufnahme des französischen Organisten erstaunt durch die große Palette an Klangfarben, die Vernet dem Instrument entlockt. Ich war begeistert davon, wie einfach man die unterschiedlichen Instrumente, die von der Orgel nachgeahmt wurden, heraushören konnte; das Instrument selbst wurde übrigens erst im Jahr 2000 vom bretonischen Orgelbauer Nicolas Toussaint neu restauriert. Als ich wieder zuhause war, spielte ich die gleiche CD über meine Anlage und war doch recht enttäuscht darüber, dass es ihr vergleichsweise deutlich an Auflösung mangelt. Das unglaubliche tonale Differenzierungsvermögen der französischen Orgel wurde durch das hochqualitative AudioNec-System überhaupt erst hörbar. Und tatsächlich war es das ganze System, das diese außergewöhnliche Auflösung ermöglichte – nicht nur der Server alleine.

Hier nun das Interview mit AudiNec-Firmengründer Francis Chaillet …

Firmenbericht: Francis Chaillet von Audionec

  1. 1 Francis Chaillet von Audionec
Billboard
B&W