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Test: La Rosita Maverick Mk 2 | Verstärker | Preis: 6.290 Euro

La Danse

La Rosita Maverick Mk 2

April 2015 / Martin Mertens

Daran kann ich mich noch bestens erinnern: an den Auftritt von La Rosita auf der Hifideluxe 2014. Anstelle graumelierter Herren, die auf Stühlen vor Anlagen saßen und mit konzentrierten Falten auf der Stirn audiophilen Klängen lauschten, tanzte hier ein vorwiegend jüngeres Publikum ab. Grund waren neben der Musik nicht zuletzt die Partypegel, mit denen die neu vorgestellten Ipanema-Lautsprecher von La Rosita (http://www.larosita.fr) die Suite im Marriott Hotel München rockten.

Ok, Pappen mit ordentlich Fläche, koaxial angeordnetem Hochtonhorn und massig Volumen im Rücken taugen fast immer für eine Party. Der anspringenden Dynamik der Ipanemas und der vorgeschalteten Elektronik konnte man sich kaum entziehen. Angesichts meiner ergrauenden Schläfen habe ich mich zwar nicht unter das tanzende Volk gemischt, aber das breite Grinsen, La Rosita Maverick Mk 2das mir die Vorführung ins Gesicht getrieben hat, konnte mir später nicht mal das schier endlose Warten auf den Shuttle-Service zurück zur parallel stattfindenden High End nehmen.

Diese überaus sympathische Vorstellung war ganz sicher als Statement gedacht. Wenn es um den Klang geht, stehen bei La Rosita offensichtlich Dynamik und Spaß ganz oben auf der Prioritätenliste. Und ich habe mich natürlich gefragt, wie viel hifideler Ernst hinter dem Spaß steckt. Den sollte man bei dem Preisniveau der La-Rosita-Produkte nämlich genauso erwarten können. Und so brannte ich förmlich darauf, mal ein Produkt des französischen Herstellers in meinem eigenen Raum zu hören. Und ja, im Herbst 2014 stand ein Test des Netzwerkplayers Alpha New an. Die Freude darauf verhagelte mir dann der Kollege Ralph Werner, indem er mir verkündete, dass Dan Bellity, der bei La Rosita für die Entwicklung verantwortlich ist, strikt auf eine Apple-Umgebung zur Datenlieferung und Steuerung setzt. Nun ist in der Redaktion bekannt, dass sich meine Affinität zu Apple-Produkten in argen Grenzen hält ...

Als mir jetzt der große Vollverstärker der Franzosen, der La Rosita Maverick Mk 2, zum Test angeboten wurde, war ich natürlich hoch erfreut. Ein Vollverstärker ohne DAC oder so, das geht völlig Apple-frei – dachte ich. Doch die Steuerung des Maverick Mk 2 erfolgt komplett über die Fernbedienung. Und die kommt von Apple. Aber sie wird mitgeliefert und entpuppt sich als echter Handschmeichler. Jaaa, ok, für sowas haben die Jungs aus Cupertino ein Händchen.

La Rosita Fernbedienung

Als ganz sooo einfach entpuppt sich die Sache dann aber doch nicht. Denn als ich den Verstärker frisch aus der Verpackung schäle und loslegen will, hört der zunächst so gar nicht auf die Befehle des schicken Apple-Gebers. Ich gebe zu: An diesem Punkt hätte ich mir schon ein paar Bedientasten auf der Gerätefront gewünscht. Dann hätte ich auch unabhängig von der Fernbedienung mal ein erstes Ohr riskieren können. Vom Vertrieb erfahre ich: Bei neuen Geräten müssen sich Verstärker und Fernbedienung erst mal kennenlernen. Dazu muss man die „M“- und die Zurück-Taste der Fernbedienung einige Sekunden gedrückt halten, während man auf den IR-Empfänger am Verstärker zielt – normalerweise wird dieses „Beschnuppern“ schon ab Werk gemacht, sodass der Kunde sofort loslegen kann, bei meinem Testmuster hatte man das aber vergessen.

La Rosita Maverick Mk 2
Man legt viel Wert auf ein stabiles Netzteil ...

Generell gibt man sich bei La Rosita nicht besonders auskunftsfreudig. Immerhin erfahre ich, dass dem Maverick Mk 2 ein eher puristisches Schaltungskonzept zugrunde liegt. Viel Wert legt man auf ein stabiles Netzteil. Davon zeugen allein schon die zwei im Gehäuse sichtbaren, großen Ringkerntransformatoren. Jedem Trafo sind noch Sieb-Kondensatoren von je 100.000 µF an die Seite gestellt. Ein dritter, kleinerer Trafo befindet sich unter der Aluminium-Abdeckung im Inneren des Gerätes. Das alles trägt zum recht beträchtlichen Gewicht des Verstärkers bei, der größenmäßig mit 43 cm Breite aber nur 30 cm Tiefe mit moderaten Abmessungen daherkommt.

La Rosita Maverick Mk 2
Links und rechts die Siebkondensatoren, mittig der Ringkerntrafo - diese Bestückung gibt's beim Maverick pro Kanal

La Rosita Maverick Mk 2
Die Verstärkermodule des La Rosita Maverick sind abgekapselt

Der Maverick Mk  2 arbeitet in Class-AB-Technik. Wobei der Class-A-Anteil offensichtlich gering gehalten wurde, denn Kühlkörper sieht man im Inneren nicht. Da die zentralen Schaltungen – Vorverstärker- und Endstufenschaltung – in separaten, vergossenen Metallgehäusen untergebracht sind, kann ich nur davon ausgehen, dass entweder die Wände des Endstufenbehältnis oder der Boden des Verstärkergehäuses zur Kühlung herangezogen werden. Viel Fläche ist das nicht. Doch auch im Partybetrieb wird der Verstärker kaum warm. Immerhin soll er rund zwei mal 100 Watt an acht Ohm leisten. Wobei man extrem kritische Lasten vermeiden sollte – so der Vertrieb. Wer also noch ein Paar der berüchtigten Infinity Kappa 9 mit ihrem legendären, verstärkermordenden Impedanzverlauf mit Minima unter zwei Ohm im Keller hat, sollte es besser dort lassen. Den La Rosita Maverick Mk 2 kombiniert man eher mit normal bis leicht zu treibenden Lautsprechern, gerne auch mit Hörnern und anderen hochdynamischen Konstruktionen. Das glaube ich nach der Vorstellung im Münchner Marriott gerne.

La Rosita Maverick Mk 2
Nimmt man die Kappe ab, sieht man, dass die eigentliche Schaltung auch noch vergossen wurde

Das puristische Schaltungskonzept macht sich unter anderem beim Ein- und Ausschalten bemerkbar. Nach dem Einschalten mittels des mittig auf der Rückseite angeordneten Netzschalters erlauben es sich die dicken Transformatoren, erst mal ein wenig vor sich hin zu brummen. Das Brummen wird schnell leiser und erreicht schließlich ein Niveau, das man nur noch mit dem Ohr am Gehäuse wahrnimmt. Beim Ausschalten verabschiedet sich der La Rosita Maverick Mk 2 dagegen mit einem fetten Plopp aus den Lautsprechern, denn ein Ausgangsrelais hält man in Südfrankreich offenbar für klangschädigend. Brummen und Ploppen nimmt man in Kauf. Dem Benutzer wird empfohlen, das Gerät am Netz zu lassen und wenn man keine Musik hört, es per Fernbedienung in den Standby zu versetzen. Und der Plopp lässt sich vermeiden, indem man vor dem Ausschalten die Lautsprecherausgänge mittels des zwischen den Lautsprecherklemmen angebrachten Hebelschalters abschaltet – und erst dann den Netzschalter betätigt. Nur darf man nicht vergessen, die Lautsprecherausgänge später auch wieder von Hand einzuschalten, sonst beginnt eine lästige Fehlersuche. Habe ich ausprobiert. Man kann ziemlich lange nach dem Grund suchen, warum der Amp keinen Ton von sich gibt, obwohl doch eigentlich alles funktionieren müsste, bis man drauf kommt, es doch mal mit besagten Hebelschalter zu versuchen ...

La Rosita Maverick Mk 2

Ganz unpuristisch gibt man sich in Frankreich dagegen in Sachen Klangregler. Die hält der Schöpfer des La Rosita Maverick Mk 2 nämlich für durchaus sinnvoll und überhaupt nicht schädlich für den Klang. Wenn die Regelung richtig gemacht ist. Bässe und Höhen lassen sich beim Maverick Mk 2 genauso über die Fernbedienung anheben oder absenken, wie man die Lautstärke regeln, zwischen den vier Eingängen umschalten oder den Verstärker stummschalten kann. Auch in den Standby-Schlaf lässt sich der Maverick mittels Fernbedienung versetzen. Auf eine Balance-Regelung verzichtet man bei La Rosita dagegen.

 

 

 

Im Test:

Vollverstärker
La Rosita Maverick Mk 2

UVP zum Testzeitpunkt: 6.290 Euro

Vertrieb:

La Rosita

Telefon:
+33-(0)493-604412

eMail:
info@larosita.fr
Web:
http://www.larosita.fr

Equipment

Quellen:

analog:
Thorens TD 160 HD
(mit TP250 Tonarm &
Benz Micro MC Gold
Tonabnehmer)

digital:
Antelope Zodiac+ DAC,
Creek CD 42 MkII
CD-Player,
North Star Design
Supremo DAC,
North Star Design
CD-Transport

Verstärker:

Phono-Pre:
Lehmann Black Cube SE II

Vollverstärker:
Exposure 2010 S
Musical Fidelity AMS 35i

Lautsprecher:
Gaithain ME150

Kabel:
USB: Wireworld Starlight 7
NF: Vampire CC
LS: Fast Audio Compact 6M in Biwiring-Konfiguration

Stromversorgung: Audioplan FineFilter S, Mehrfachsteckdose PowerStar S, Gerätefilter PowerPlant S, Netzleitungen PowerCord

HiFi-Rack: BassoContinuo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

dynamik und spaß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

doch nicht ganz
apple-frei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

moderate maße,
aber gut bestückt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

besser keine mörderischen impedanzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

nebenwirkungen
des purismus