fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

liberty of action knallt gehörig rein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

klar, das ist wieder voll auf die ...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

nimm mir alles,
aber nicht meinen rock'n'roll

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der apfel fällt nicht weit vom stamm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

seufz. poetisch ist der mann ja

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

das kenn ich doch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

unsere ureigenen, alten lieder im
folk-gewand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

etwas für freunde von spielleutemusik

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

experiment gelungen, kompliment!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ein bisschen verrückter professor, ein bisschen punk

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

unglaublich lustige party-tracks

Diese Ausgabe unserer Musik-Kolumne enthält acht neue Platten von folgenden Künstlern: Puder | Melissmell | First Aid Kit | Smith & Burrows | The BossHoss | Adam Cohen | VA: Geisterbahn | Joe Fleisch


The BossHoss / Liberty of Action

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Mit Cover-Songs kennt man sich auch bei der Berliner Country-Rockband Band The BossHoss bestens aus, denn ursprünglich startete das Projekt 2005 mit dem Album „Internashville Urban Hymns“ als Country-Cover-Band. Ihre Masche? Aktuelle Hits aus den Charts „auf Country“ neu einzuspielen – ähnlich, wie es Ben L’Oncle Soul es „auf Soul“ macht. Nach einer Handvoll weiterer Alben, darunter eines, auf welchem sie gemeinsam mit dem Babelsberger Filmorchester ihre bekanntesten Nummern im klassischen Gewand neu eingespielt haben („Low Voltage“, 2101), und ungezählten Live-Auftritten war es für die urbanen Cowboys Zeit für eine Pause.

Das Ergebnis der kreativen Auszeit, die sie auch nach Texas bringen sollte, ist der Longplayer Liberty of Action, auf dem sich The BossHoss weiter eigenes Terrain erobern und dazu ihre Wandlung von der Cover- zur eigenständigen Rock’n’Roll-Band untermauern. Allein der großartige Album-Opener „Don’t Gimme That“, der zugleich erste Single-Auskopplung ist, klingt mit seinem funky Bläser-Piano-Kopfnicker-Beat mehr nach Damon Albarns Gorillaz und damit nach künstlerisch ernster zu nehmender Musik als alle ihre bisherigen Werke. Doch natürlich währen The BossHoss nicht The BossHoss, wenn die Single nicht ordentlich Rumms hätte, oder, wie die Frontmänner Alec „Boss Burns“ Völkel und Sascha „Hoss Power“ Vollmer, es ausdrücken würden, eben „voll auf die Nuss“ ginge (siehe BossHoss-Interview ). Das ganze Album sei das „arschtretendste“ ihrer modernen Outlaw-Karriere, und in der Tat muss man ihnen hier recht geben, denn Liberty of Action knallt gehörig rein – und das bei einer schier überbordenden Anzahl musikalischer Einflüsse, von Country und Rockabilly zu Punkrock über Blues und Funk zu Pop und sogar Calypso. Eine riesige Spielwiese!

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Augenzwinkernde Krönung des Ganzen ist „My Country“, ein Cover der aktuellen Rammstein-Single „Mein Land“, um welches die brachialen Tanzmetaller explizit gebeten hatten – und welches ganz nebenbei dem Original den Rang abläuft. Ein anderes Remake – denn ganz können sie das Covern ja doch nicht lassen – gibt es vom Beatles-Klassiker „Money (That’s What I Want)“, allerdings nicht in der „Popversion“ der Beatles, sondern in der Rock’n’Roll-Interpretation der Sonics, nach deren einem Titel („The Real BossHoss“) sich die Berliner benannt haben. Die sei – wie sollte es auch anders sein – „so richtig voll auf die Nuss“ ... Und Jesse von den Eagles Of Death Metal mischt hier auch noch mit. Apropos Metal: „Killers“ stammt im Original von den britischen Hardrockern Motörhead. Klar, das ist wieder voll auf ... Sie wissen schon.

Zarte Töne gibt es auf „Liberty of Action“ lediglich beim unglaublich überraschenden Special-Bonus-Track „L.O.V.E.“, bei dem es sich um nichts Geringeres als ein Cover des Easy-Listening-Klassikers von Nat King Cole handelt. Neben Pop-Mama Nena, die gemeinsam mit den beiden BossHoss-Frontmännern aktuell in der Jury zu „The Voice of Germany“ sitzt, sind hier mit Matthias Schweighöfer, Denis Moschitto, Maximilian Brückner und Alexandra Maria Lara auch die Schauspieler des Detlef-Buck-Films „Rubbeldiekatz“ zu hören, aus dessen Soundtrack der Song stammt. Wo üblicherweise viele Köche den Brei verderben, ist das „L.O.V.E.“-Cover ausgesprochen gut gelungen – und fügt dem Repertoire von The BossHoss eine weitere Facette hinzu, auf dass sie in Zukunft niemand mehr eine Country-Cover-Band zu nennen wagt.

Auch wenn ich „Liberty of Action“ als ziemlich cooles, stellenweise gar originelles Album bezeichnen möchte, habe ich ein Problem mit dieser Platte, denn aus rein kulturkritischer Perspektive dürfte ich es nicht mögen. Und tatsächlich fragt sich, wie weit es mit der Glaubhaftigkeit eines Albums her ist, auf dem sinngemäß gesungen wird, „nimm mir alles, aber nicht meinen Rock’n’Roll“, wobei sich der Künstler dann für eine sehr un-rock’n’rollige Casting-Show hergibt. Allerdings habe ich als klassischer Nicht-Fernseh-Besitzer besagte Show nie gesehen. Vielleicht ist sie ja gar nicht so un-rock’n’rollig.

 

Adam Cohen / Like a Man

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Weniger „auf die Nuss“, sondern eher besinnlich geht es bei Adam Cohen zu. Klar, wird so mancher denken, bei dem Vater. Dabei wollte Cohen nie Vergleichen mit dem übermächtigen Leonard standhalten müssen, und es dauerte Jahre, bis er sich an genau die Musik heranwagte, die er schon immer hatte machen wollen, von der er aber fürchtete, sie würde die Leute zu sehr an die Songs des Vaters erinnern. Das klassische Julian-Lennon-Syndrom. Und so musizierte der Sohnemann auch erst einmal französisch-sprachig, spielte mit der kalifornischen Pop-Rock-Band Low Millions und machte sich einen Namen als Songschreiber für andere Künstler, beispielsweise für Bette Midler.

Irgendwann aber war dem mittlerweile Neununddreißigjährigen klar: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, und wie der Vater, so der Sohn und so fort, also was sollte es, konnte Adam Cohen doch gleich ein Album aufnehmen, dessen Songs nun einmal klingen wie die des „Lord Byron Of Rock‘n’Roll“, des „Master Of Erotic Despair“, des „Godfather Of Gloom“ und welche Ehrentitel man seinem Daddy nicht noch alle verpasst hat. Like A Man bezieht sich nicht von ungefähr auf einen der großen Hits des Vaters („I’m Your Man“) und sucht so den direkten Vater-Sohn-Vergleich, denn er trage, so Cohen Junior, „bei diesem Album meinen Genen und meiner Familiengeschichte Rechnung. Trotz meiner Versuche, eine andere Identität zu entwickeln, gehöre ich in Wirklichkeit zu einer langen Liste von Menschen, die sich dem Geschäft der Eltern widmen.“ Nicht zuletzt muss sich jeder Künstler, der im von Cohen Senior geprägten Singer/Songwriter-Genre wildert, mit diesem messen lassen.

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Und dennoch gelingt Adam Cohen eine überraschend moderne Herangehensweise: Like A Man klingt weit weniger nostalgisch, als man erwarten könnte, was einerseits der frischen und hellen Stimme Cohens zu verdanken ist, andererseits schlicht daran liegt, dass melancholischer Folk durch Künstler wie William Fitzsimmons oder Bon Iver gerade absolut en vogue ist. Dem Genre geschuldet ist auch die erfrischende Kürze des Albums: In etwas mehr als einer halben Stunde hat Cohen seine zehn Geschichten erzählt, die allesamt romantische Liebeserklärungen sind. Die gelungenste: Der Titeltrack „Like A Man“, der zugegebenermaßen schon sehr viel Leonard-Cohen-Aura verströmt. Auch die beiden darauf folgenden Titel „Sweet Dominique“ und „What Other Guy“ schlagen in dieselbe Kerbe. Hier wäre wohl jede gern die Besungene, wenn es heißt „We were face to face and lips to lips and heat to heat“ oder „I can name the first guy you ever kissed/I can name the perfume on your wrist/What other guy knows you like that?” Seufz. Poetisch ist der Mann ja. Kein Wunder, dass „Like A Man“ und „What Other Guy“ sogar Lob aus Daddys Mund erfuhren. Ihm seien hier einige „world-class love songs” gelungen, wie der Junior auf seiner Website den Vater stolz zitiert.

Das Problem mit „Like A Man“ ist dann auch nicht die vieldiskutierte Nähe zum Werk Leonard Cohens, die sich kongenial in der Überschrift „Der kleine Papa“ der Kollegen von plattentests.de widerspiegelt, sondern vielmehr der Umstand, dass sich die Songs des Albums zu sehr ähneln. Songs wie „Girls These Days“ sind einfach zu substanzlos, um zu überdauern. Allenfalls das poppigere „Matchbox“ hat das Zeug zur Single in den Indie Charts des College Radios, und auch die Let’s-Pretend-Hookline von „Lie Alone“ könnte etwas länger im Ohr bleiben.

Ein Song, den ich wirklich, wirklich mag, ist „Overrated“. Ja, Liebe wird überschätzt. Aber er liebt sie trotzdem. Schön, und musikalisch ähnlich intensiv wie der Titeltrack. Schade, dass dieser Eindruck mit dem kitschigen „Beautiful“ („thank you for being so beautiful“ – och nö) gleich wieder zunichte gemacht wird. Glücklicherweise schiebt Cohen „Stranger“ hinterher, das sich aber frech beim Basslauf vom Temptations-Hit „My Girl“ bedient und schon deshalb für einen positiven Das-kenn-ich-doch-Effekt sorgt. Ein durchwachsenes Album.

Various Artists / GeisterBahn

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Traditionellem deutschen Liedgut sind die allermeisten wohl gerade erst in der Weihnachtszeit wieder begegnet. Auch auf GeisterBahn geht es um alt-überlieferte deutsche Volkslieder – gesungen allerdings von gestandenen Folksängern aus Irland und Großbritannien, ausgewählt nach der ungebrochenen Relevanz der Texte zum modernen Leben.

Und tatsächlich denkt man bei den ersten Akustikgitarrenakkorden des Albums zunächst, man sei in eine alte Dylan-Aufnahme (wenn auch in wesentlich besserer Soundqualität) hineingestolpert. Doch dann setzt der deutsche Gesang ein, man stutzt für einen Augenblick und realisiert erst nach einem halben Satz, hey, nein, dass hier ist keine Folk-Musik, weder amerikanischer noch englisch-irischer Provenienz, sondern das sind tatsächlich unsere ureigenen, alten Lieder im Folk-Gewand, womit auch das Geheimnis um den Titel gelüftet ist: GeisterBahn-Produzent Andrew Cadie, der Folk-Fans als Teil des in Deutschland ansässigen englischen Duos Broom Bezzums bekannt ist, war bei seiner Ankunft in Deutschland über die hiesige Musiklandschaft enorm verwundert, die ihm geisterhaft verwaist erschien: „Im Radio lief oft nur uninteressanter angloamerikanischer Radiopop und selbst viele deutsche Bands sangen nicht einmal in ihrer eigenen Sprache. Es schien, als gäbe es keine eigene Kultur.“

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Zwar hat sich dies vor allem im Popbereich mittlerweile geändert, aber Cadie spielt Folk, und hier scheint alles beim Alten. Insofern ist GeisterBahn der ambitionierte Versuch einer Rückbesinnung auf und Stärkung von eigenen musikalischen Traditionen. Damit befindet sich Cadie in guter Gesellschaft – man erinnere sich hier nur an Edgar Knechts „Good Morning Lilofee“! Es scheint, die Zeit sei reif für die alten Lieder, und so obskur es im ersten Moment anmutet: Diese Handvoll englischer, schottischer und irischer Musiker, die Cadie da auf seinem Album versammelt hat, vermögen längst verloren Geglaubtes glaubhaft wiederzubringen. Das liegt zum Teil wohl auch daran, dass die Sänger alle hart an ihrer Aussprache arbeiten mussten, damit GeisterBahn nicht zur Freak-Show seltsamer Akzente gerät. Schon Mark Bennett beeindruckt beim Opener „Ich weiss ein fein braun’s Mägdelein“, wie er die ihm fremde Sprache ohne merklichen Akzent singt.

Ansonsten war die Vorgabe an die von Cadie rekrutierten Musiker lediglich, an das traditionelle deutsche Liedgut so heranzutreten, wie sie es mit den Vorlagen eines alten Liedes aus ihrer eigenen Heimat tun würden. So beispielsweise wird das von Cadie selbst gesungene „Ach bittrer Winter“ von einer keltischen Fiddle und Northumbrian Pipes begleitet und „Tanz mir nicht mit meiner Jungfer Käthen“ in der Interpretation des Schotten Craig Herbertson mit einer deutschen Tanzmelodie zwischen den einzelnen Strophen versehen. Dank der Instrumentierung und Herangehensweise der Musiker klingt GeisterBahn schlussendlich weniger nach Folk als nach Spielmann; unbewusst nimmt der Hörer an, dieser „ursprüngliche“ Klang sei kein artifizielles Projekt, sondern eine Art Rekonstruktion originaler Aufführungspraxis. Auch Mark Bloomers „Es geht ein dunkler Wolk herein“, meine Lieblingsnummer des Albums, ist etwas für Freunde von Spielleutemusik, hat das Traditional hier doch eine kongeniale Fiddle-Melodie verpasst bekommen.

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Alles in allem ist GeisterBahn ein recht beschauliches Album, einzig beim in der Tradition von Männer-Vokalgruppen wie Hudson Shad stehenden a-capella-Outro „Hamborger Veermaster“ kommt Schwung in die Sache, das swingt – und bleibt auch nach Verklingen der Platte als Mitsinger erhalten. Ansonsten sind die wirklich schönen Momente des Albums die ruhigen, wollte ich gerade schreiben, aber ruhig sind sie alle; sind also die wirklich schönen Momente die Stücke in Moll, die uralte, archaische Menschheitsmelodien ahnen lassen, wie beispielsweise „Hejo spann den Wagen an“, das auf GeisterBahn klingt, als wären es direkt im Hochmittelalter komponiert und ohne Reibungsverluste auf CD gepresst worden. Experiment gelungen, Kompliment!

 

Joe Fleisch / Oi Amerike

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Wenn Sie zu den beinharten Adepten von Victoriah’s Music gehören – sprich: die Kolumne nicht nur lesen, sondern sich auch oft und gern ihrem Rat anschließen –, haben Sie Ihre diesjährige Silvesterparty mit der „Electro Swing Revolution Vol. 2“ beschallt. Haben Sie? Brav. Hat es Ihnen gefallen? Fein. Dann habe ich hier nämlich noch ein Sechs-Track-Leckerchen für Sie: Joe Fleisch in Gestalt seines Alter Egos ElectroYid mit der Oi Amerike-EP.

Die ersten Takte des Titeltracks „What can you mach, sis is Amerike“ erinnern zwar sehr an den sofort in die Beine gehenden, stampfenden Rhythmus von Seeeds „Ding“, doch kommt hier statt Peter Fox’ einschmeichelnden Stimme mit einem Mal ein nervöses Gehektike aus den Boxen, ein bisschen verrückter Professor, ein bisschen Punk – und welche Sprache singt der Typ da eigentlich? Ähnlich wie The BossHoss am Beginn ihrer Karriere nimmt sich der gebürtige Frankfurter Joe Fleisch bereits bestehender Lieder an und unterzieht sie einer ganz speziellen Fleischisierung. Für den Normalhörer kommen dabei großartige und vor allem unglaublich lustige Party-Tracks im Stile von „Russendisko in der Klapsmühle“ heraus; der musikhistorisch Beschlagene freut sich zudem an dem subversiven Humor und der Respektlosigkeit Fleischs.

Der nämlich nimmt sich gemeinsam mit seinen JewishMonkeys Dr. Boiko und Gael Seidner (einem Tierarzt und einem Psycho-Coach) traditioneller jüdischer und nicht-jüdischer Einwandererlieder an, und anstatt in musealer Historisierung zu erstarren oder die hundertste pseudo-authentische Klezmer-Aufnahme einzuspielen, nimmt er die Klischees des Genres aufs Korn, bis eine aberwitzige Klezmer-Parodie entsteht. Übrigens auch den Titel „Misirlou“, der uns zuletzt in der Version von Tsching! über den Weg gelaufen ist (Sie wissen schon: Dieser griechische Rebetiko, auf den fast jede Nation Anspruch als ureigenes Volkslied erhebt), und der bei Fleisch zur tubalastigen Electro-Polka gerät.

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Abgerundet wird das Dreigestirn von Wilmoth Houdinis „Black but Sweet“ aus dem Jahr 1931, für dessen etwas andere Wiederbelebung hier keine Geringeren als die Tel-Aviver Gitarren-Surfer BoomPam verpflichtet wurden, abgerundet von einem tollwütig jaulenden Joe Fleisch.

Von all dem Irrsinn gibt es dann noch die tanzbaren Remixe des Berliner DJs, Produzenten und Label-Chefs Daniel Haaksmann, die die ohnehin schon wahnwitzigen Versionen Fleischs in unermessliche Abgedrehtheit steigern. So klangen die Originale mit Sicherheit nicht, und das ist auch gut so!

Das Händchen für den überschäumenden Spagat zwischen osteuropäischen Beats und Electro kommt auf Oi Amerike nicht von ungefähr, denn Joe Fleisch hat sich mit Ori Kaplan aka DJ Shotnez den Saxophonisten, Komponisten und Produzenten von Balkan Beat Box mit ins Boot geholt, und der weiß eines: wie man die Hintern der Leute von den Stühlen reißt und die Tanzflächen dieser Welt zum Schwingen bringt. Gepaart mit den JewishMonkeys, die man wohl am besten als burleskes Trio mit nahezu Marx-Brothers-artigem Sinn für Unsinn beschreiben kann, entsteht eine explosive Mischung. Subversiver, irrwitzig abgedrehter Klezmer-Punk? Egal, wie man es nennen mag, es macht Spaß! „Oi Amerike“ wird mit Sicherheit nicht nur auf den Kosher-Nostra-Parties dieser Welt der Renner und ist ganz bestimmt noch weit vor King Oliver’s Revolver das Abgefahrenste, was ich in letzter Zeit gehört habe. Ein Muss!

 

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