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Klangliches zur Tsakiridis-Kombi (Teil II)

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klangliches zur Tsakiridis-Kombi (Teil II)

Auf der tonalen Ebene fällt mir auf, dass die Tsakiridis-Kombi recht frisch klingt. Die Arbeit des Drummers an den Blechen kommt auf der besagten Aufnahme von Eva Cassidy gut zur BarberGeltung. Bei kritischen Aufnahmen, etwas Patricia Barbers Album Modern Cool, die etwas zum Zischeln neigt, ist der frische Hochton vielleicht nicht ganz das Optimum, aber das liegt eben auch an der Aufnahme. Auf der anderen Seite verwöhnen die Griechen hier mit einem schönen, sonoren Bassbereich, sodass es insgesamt ausgewogen wirkt. Gerade Stücke, bei denen der Gesang klar im Vordergrund steht, etwa die Coverversion von Paul Ankas „She’s A Lady“, machen Gänsehaut. Aber auch, wenn Instrumente ins Spiel kommen, werden diese exakt und mit präzisen Klangfarben abgebildet. Im gesamten Mittenband agierten Alexander und Artemis+ auf hohem Niveau – tonal exakt und dynamisch agil.

Antilope mit Tskiridis-Endstufe

Auch der Bass hat immer genügend Schub. Er ist insgesamt zwar etwas weicher als ich es von meinem Musical Fidelity AMS35i gewohnt bin, hat aber den nötigen Druck, um sich, wo nötig, mit der richtigen Autorität Gehör zu verschaffen. Synthetische Töne, etwa von Madonnas Album Ray Of Light, lässt die Kombi effektvoll durch den Raum fetzen. Die satten Beats auf dem Album Dr. Boondigga & the Big BW von Fatfreddy‘s Drop gehen angenehm in die Magengrube.

Die Tsakiridis-Endstufe besittz natürlich auch eine Abdeckhaube
Die Tsakiridis-Endstufe besitzt natürlich auch eine Abdeckhaube

Und selbst bei Klassik habe ich kaum etwas zu beanstanden. Hier kommt den Tsakiridis-Geräten vor allem ihre facettenreiche Klangfarbendarstellung zugute. Und dass die 45 Watt, die der Artemis+ aus den Röhren schüttelt, auch bei gehobenen Lautstärken und Fortissimo-Passagen nicht in die Knie gehen, sorgt auch bei lautem Hören für Entspannung. Die Preludes von Liszt (Solti, London Philharmonic Orchestra) krachen ordentlich und gehen unter die Haut, klingen aber nie angestrengt. Ok, hier liegt wieder ein Vorteil von Röhren, die, wenn sie wirklich mal an ihre Leistungsgrenzen kommen, vorwiegend harmonische Verzerrungen produzieren, was sich für das Gehör häufig „richtig“ anhört.

Dient der Kontrolle des Ruhestroms beim Artemis+
Dient der Kontrolle des Ruhestroms

Wo sind die Grenzen der Tsakiridis-Kombi? Gut, dass es Verstärker gibt, die im Bass straffer und kontrollierter agieren, hatte ich bereits erwähnt. Die federnd-swingenden unteren Lagen der griechischen Röhrenkombi haben aber ihren Charme. Auch die Transientenwiedergabe beherrschen andere (meist deutlich teurere) Verstärker besser – geschenkt. Mehr „Air“ im Hochton? Nein, braucht kein Mensch. Vielleicht noch einen Hauch mehr Feinauflösung in den obersten Lagen. So richtig vermissen tu ich die aber nicht. Was bleibt? Eine unglaublich gute Röhrenkombi zu einem geradezu auffallend günstigen Preis.

Die Sache mit den kleinen Schaltern ...

Schuldig bin ich Ihnen noch die Wirkung der kleinen Schalter vor den Leistungsröhren des Artemis+, mit denen man die Gegenkopplung beeinflussen und zwischen Pentoden- und Triodenbetrieb umschalten kann. Leider habe ich keine Hochwirkungsgradlautsprecher hier. Auch extrem röhrenfreundliche Einweg-Konstruktionen stehen mir gerade nicht zur Verfügung. Und für alle die, die wie ich mit „normalen“ Lautsprechern hören, gilt: Bleiben Sie bei den empfohlenen Einstellungen und betrachten Sie die Umschaltmöglichkeiten als „nice to have“, falls sich wirklich mal ein Lautsprecherexot in Ihren Hörraum verirrt. An normalen Lautsprechern wird der Klang, unabhängig davon, welchen der Schalter Sie ausprobieren, generell etwas weicher, wärmer, aber irgendwie undefinierter. Mein Tipp: Bleiben Sie bei Ihren Lautsprechern und freuen Sie sich über die Performance einer wirklich tollen Röhren-Vor-/Endstufenkombi.

Test: Tsakiridis Alexander und Artemis+ | Vor-End-Kombi

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