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Klangerfahrungen mit der Neat Ultimatum XL6

Inhaltsverzeichnis

  1. 3 Klangerfahrungen mit der Neat Ultimatum XL6

Laurie Anderson / Bright RedErst mal gucken, was untenrum so los ist! Für ein solches Ansinnen ist Laurie Andersons Album Bright Red von 1994 immer noch eine gute Wahl – sei’s wegen der Bassdrumkicks, sei’s wegen synthetisch zusammengebrauter Tieftonkost, hier „geht“ in dieser Hinsicht einiges. Also den Pegelsteller mal schnell nach rechts gedreht – denn laut ist gut und sollte auch beherrscht werden – und den Track „The Puppet Motel“ angesteuert. Schön, wie mich die Drum aus der Mitte der Bühne heraus ankickt und das eben nicht nur „auditiv nachvollziehbar“, sondern mit kleinen Schlägen auf den Brustkorb auch physisch verständlich. Gar nicht übel, so soll das sein, die Briten scheinen mit ihrer Isobaric-LobredeNeat Ultimatum XL6 schon mal keinen Stuss verzapft zu haben. Die hunderttausendmal schon gelesene (und ich hoffe nicht geschriebene) Kompaktbox-Test-Phrase „erstaunlich basskräftig für ihre Größe“ – hier passt sie mal wirklich, auch wenn es um einen ausgewachsenen Standlautsprecher geht. Die Neat Ultimatum XL6 darf als untenrum komplett bezeichnet werden. Und, ach ja: Laut geht bis zur Ruhestörungsklage, ohne dass die Neat dichtmachen, verzerren und so ungustiös wie die Nachbarn werden würde.

Die zum Direktvergleich herangezogene Ascendo System F agiert in den unteren Lagen zwar noch voluminöser und substantieller, wie sie den Frequenzkeller auch noch eine Handbreit tiefer ausschachtet. Aber sie gräbt sich auch tiefer ins Portemonnaie hinein, da sind noch einmal knapp 30 Prozent mehr zu berappen; und zudem ist sie, wie schon gesagt, deutlich größer, sie beansprucht so um die 70 – 80 Prozent mehr Volumen. Ein Umstand, der unter realen (also nicht meinen) Wohnzimmer-Bedingungen für viele nicht unentscheidend sein wird. In Relation zu den Gehäuseabmessungen der Neat fällt mir so schnell kein Lautsprecher ein, der hier quantitativ mehr schiebt respektive tiefer gräbt. Wer auch körperlich spürbaren Bass zum Glücklichsein braucht, auf Monsterkisten in der Hütte aber verzichten kann beziehungsweise muss – mit den Neats ist ein ernsthaftes Lösungsangebot in Sicht.

Neat Ultimatum XL6 - Rückseite

Doch legen wir audiophilen Feingeister aufs Qualitative ja mindestens genau so viel Wert, und auch da hat die Neat ein Angebot zu machen: Trocken, schnell und federnd geht es nämlich im Untergeschoss zu und dieser Charakter zieht sich weit bis in den Grundtonbereich hinein, der ebenfalls eher drahtig-schnell, denn ausgemacht sündig-üppig-weich ausfällt. Bassimpulse wirft die Neat geradezu eckig in den Raum, eckig jedenfalls im Vergleich zur schon erwähnten Ascendo, der zum Beispiel Bassdrumkicks runder im Ansatz über die Bandpassöffnung kommen. Diese „Härte“ der Neat hat was. Etwas Unmittelbares nämlich, meinetwegen auch was „Livehaftiges“, wobei ich den Begriff fragwürdig finde, aber er transportiert mehr oder minder die richtige Idee. Bassdrumfetischisten und Rhythmusfanatiker kriegen mit der Neat das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht, Freunde akkurat nachgezeichneter Kontrabasssoli delektieren sich derweil an der fettfreien, sonor-holzigen Gangart und jenen, denen elektronisches Subbassgewaber und/oder Töne sieben Meter langer Orgelpfeifen eine Herzensangelegenheit sind, die kriegen … nun, tatsächlich nicht das ganze Brett, aber doch ganz deutlich mehr als einen Hinweis geboten, was, ich wiederhole mich, eine ziemlich seltene Erfahrung bei (passiven) Lautsprechern dieser Größengattung ist.

Nun sollte man aber nicht meinen, dass der Bassbereich eine Art Sonderstellung einnimmt, denn völlig bruchlos sind die mittleren Lagen angebunden und da es von dort quasi in einer Linie Richtung Hoch- und Superhochton geht, lässt sich mit Recht von einer sehr geschlossenen Darstellung des tonalen Spektrums sprechen; größere Betonungen/Lücken kann ich bei der Neat Ultimatum XL6 nicht ausmachen. Aber vielleicht kleinere Tendenzen oder Nuancen?

Joan As Police Woman / The Deep Field

Auf dem Plattenteller dreht sich das neue Album von Joan As Police Women und ich muss sagen – der Song „The Magic“ hat wirklich etwas Eingängiges, nicht umsonst wurde er auch als Single ausgekoppelt. Aber als Sternstunde der Aufnahmetechnik geht er nicht durch. Klar, ich versteh‘ schon, die Stimme soll irgendwie leicht indiemäßig-angehaucht und cool-verzerrt rüberkommen, doch tönt sie mir schlicht und ergreifend auch zu spitz, schredderig, plastikartig und präsent. Zumindest ab einer gewissen Lautstärke – und über die Ascendo gehört. Kann gut sein, dass dieser Lautsprecher hier auch den Finger in die Wunde legt und den monitoresken Berichterstatter gibt; und ich weiß das ja meist auch zu schätzen. Aber die lockerste Art ist das nun auch nicht.

Das soll jetzt im Kontrast nicht heißen, dass die Neat geradezu lässig-nachlässig vorginge, aber sie gibt Joans Stimme eben ein angenehmes Quäntchen entspannter wieder, ohne dass man das Gefühl hat, wichtige Details würden kassiert. Meine Theorie ist, dass dieser angenehm offene, aber auch leicht besänftigende Vortrag durch eine kleine Dezenz in den oberen Mitten/unteren Höhen in Kombination mit einer Extraprise in den allerhöchsten Lagen hervorgerufen wird.

Test: Neat Acoustics Ultimatum XL6 | Standlautsprecher

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