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Konzeptionelles zur Neat Ultimatum XL6

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Konzeptionelles zur Neat Ultimatum XL6

Bleiben wir zunächst beim Gehäuse. Das ist ganz überwiegend aus Birke-Multiplex hergestellt worden, einem Material, dem einige Hersteller resonanztechnische und damit auch klangliche Überlegenheit im Vergleich zum verbreiteteren MDF attestieren, meist einhergehend mit der Beschwerde darüber, dass es deutlich aufwändiger zu verarbeiten sei – so sieht man das auch bei Neat Acoustics. Doch auch MDF kommt bei der Ultimatum XL6 zum Einsatz, nämlich an der vorderen sowie oberen Schallwand, die über eine Polyethylenfolie mit dem Multiplex-Gehäuse verbunden sind.

Neat Ultimatum XL6 - seitlich betrachtet
In den Fugen zwischen den schwarzen Schallwänden und dem eigentlichen Gehäuse befindet sich einen Polyethylenfolie

Dass so entstandene Dreilagen-Sandwich (MDF, Polyethylen, Multiplex) soll weiterer Resonanzunterdrückung zuträglich sein. Dem dient indirekt auch der Umstand, dass die Neat im Innern fünf Kammern beherbergt, deren vornehmliches Neat Ultimatum XL6 - SchnittzeichnungZiel darin besteht, den jeweiligen Chassis „vom Lärm der anderen“ ungestörte Arbeitsbedingungen zu garantieren, aber der weiteren Gehäuseversteifung natürlich ebenfalls zupasskommt.

Sechs Chassis, fünf Kammern, obere Schallwand? Das ist ungewöhnlich. Die nebenstehende Schnittzeichnung der Neat Ultimatum XL6 zeigt die beiden größten Besonderheiten der Neat, und um oben zu beginnen: Auf dem „Dach“ des Lautsprechers befinden sich zwei magnetostatische Folienhöchtöner – sogenannte EMITs -, was einen zunächst mal Wunder nimmt, aber: „Die Superhöchtöner sind dort montiert, um dem Klangbild Luftigkeit zuzufügen und brauchen deshalb nicht auf den Hörer ausgerichtet zu sein”, so Entwickler Bob Surgeoner, und damit ist ja auch schon fast alles gesagt. Nur dass eben wenige Lautsprecherhersteller Supertweeter überhaupt mit an Bord haben beziehungsweise für wichtig erachten. Die EMITs der Ultimatum XL6 arbeiten ab 13 kHz aufwärts unterstützend zur frontseitigen Kalotte.

Frontseitige Gewebekalotte der Neat ...
Frontseitige Gewebekalotte der Neat …

... und ein Emit-Folientöner in der Detailansicht
… und ein EMIT-Folien-Superhochtöner in der Detailansicht

Die zweite Besonderheit betrifft das andere Ende des Frequenzschriebs, den (Tief-)Bassbereich (siehe Frequenzbereiche). Nicht, dass Downfiring so außergewöhnlich wäre – wobei die meisten Hersteller dann die Bassreflex-Öffnung, nicht das Chassis selbst Richtung Boden arbeiten lassen, bei der Neat Ultimatum XL6 zeigt der Bassreflexkanal nach hinten -, aber eine isobarische Chassisanordnung ist schon recht selten anzutreffen.

Bassreflexöffnungen der Neat
Zwei Bassreflexöffnungen – die obere ist dem Bass-/Mitteltöner auf der Frontseite, die untere der isobarischen Subbass-Einheit der Neat zugeordnet

Beim isobarischen Prinzip werden zwei Basstreiber, die phasengleich geschaltet sind, räumlich hintereinander angeordnet. Als großen Vorteil führt Neat-Entwickler Bob Surgeoner an, dass bei gleicher unterer Grenzfrequenz nur halb so viel Gehäusevolumen nötig ist wie dies bei der Verwendung nur eines einzigen Chassis der Fall wäre. Dies ist also der Trick zur Versöhnung der Geschlechter: Tiefer, voluminöser Bass – aus einem relativ kleinen Gehäuse. Klingt fast zu gut, um wahr zu sein. (Aber natürlich ist auch wahr, dass diese Chassisanordnung den Wirkungsgrad – im Vergleich zu einem Chassis im doppelten Volumen – um 3 dB senkt, man also auch doppelt so viel Verstärkerpower bereitstellen muss, denn nichts ist umsonst im Leben …) Ein weiterer Pluspunkt sei übrigens, dass sich die beiden Chassis, vermittelt über das gemeinsame Volumen, gegenseitig kontrollieren, was korrektere Ein- und Ausschwingvorgänge und damit eine sauberere (Tief-)Basswiedergabe zur Folge habe, so Neat.

Das untere Chassis-Tandem arbeitet bis 80 Hz parallel zum frontseitigen Bass-/Mitteltöner, dem nämlich kein Hochpass vorgeschaltet ist, was die Neat Ultimatum XL6 weichentechnisch zu einem „Zweieinhalb-Wege-Lautsprecher plus Superhochtöner“ mache, so Mr. Surgeoner. Getrennt wird generell sehr flach mit 6 dB/Oktave, außer bei der Hochtonkalotte, der ein Hochpass 2. Ordnung vorgeschaltet ist, was aber auch noch als „moderat steil“ durchgehen kann.

Neat Ultimatum XL6

Bass- und Bass-/Mitteltöner sind Eigenentwicklungen und werden von Neat selbst hergestellt. Viel lässt sich über sie leider nicht in Erfahrung bringen – außer dass die Membran aus beschichtetem Papier und die Sicke aus Neopren bestehe, erfahre ich noch, dass der Treiber 20 Jahre kontinuierliches Feintuning hinter sich haben soll. Die erwähnten Supertweeter-EMITs werden dagegen zugeliefert, was auch für die 26 Millimeter durchmessende und speziell für Neats Zwecke abgestimmte Gewebekalotte gilt, die stammt nämlich von Seas. Auffällig ist, dass um beide Hochtonabteilungen herum Schaumstoffrahmen laufen – auf diese Art möchte man Reflexionen im direkten räumlichen Umfeld der Tweeter und hierdurch hervorgerufene Interferenzerscheinungen minimieren. Diesem Zweck gehen auch die Anfasungen beim Gehäuse in Höhe der Kalotte nach, hier gilt der Kampf von Kantenreflexionen verursachtem Ungemach.

Test: Neat Acoustics Ultimatum XL6 | Standlautsprecher

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