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Lab 12 Suono: Klangeindruck & Vergleiche

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Inspektion Lab 12 Suono
  2. 3 Lab 12 Suono: Klangeindruck & Vergleiche

Der Lab 12 Suono landete kurz vor der Abholung der Columbus-22-Lautsprecher von Casta Acoustics bei mir. Die kurze Liaison mit ihnen gestaltet sich leider wenig erfolgreich: Die Papiermembranen und der 2″-Hochtöner mit hohem Wirkungsgrad sind mit den knackiger klingenden und stärkeren Op-Amp-Ausgängen der 50-Watt-Clones-Audio-Monos, die aus dem Stand heraus an den Columbus 22 auf den Punkt spielen, viel besser dran. Kurz gesagt, die Combo aus Lab 12 Suono und Columbus 22 klingt nach zu viel des (soften) Guten. Also raus mit den Papiertreibern, rein die Keramik-Alternativen des deutschen Herstellers Accuton, die in den zierlichen, sehr hübschen Albedo-Aptica-Standlautsprechern aus Italien stecken.

Das ist molto bene von Anfang an, wenn auch nicht ohne erkennbare Persönlichkeit. Vor allem im Ultralinear-Modus, aber in geringerem Maße auch im Triodenbetrieb, zeigen die oberen Mitten und unteren Höhen des Suono etwas Schärfe, wann immer feurige Flamenco-Stimmen, Violinen oder ähnliche Instrumente sich dynamisch aufschwingen. Dieser „Biss“ hat den eindeutigen Beigeschmack von ungeradzahlig Harmonischen. Das hier ist nicht die „Süße“, die man von den geradzahligen Verzerrung eines Single-Ended-Konzeptes eigentlich erwartet. Während die weicheren Papierwandler das nicht herausstellen konnten, zeigen die harten Treiber der Aptica diesen Charakterzug der Endstufe deutlich auf. Triangel und Schlagzeugbleche spielen etwas oberhalb dieses Frequenzbereichs und werden mit dem Lab 12 weniger explizit dargestellt als beispielsweise mit dem Job/Goldmund-Amp. Der etwas zu stark repräsentierte Frequenzbereich des Suono liegt also darunter.

LAB12 Suono Röhren Endstufe Bias-Trimmplatine

Hier ist ein Ausgangsübertrager und die Bias-Trimmplatine im Bild …

LAB12 Suono Röhren Endstufe Glättungsdrossel

… und hier eine Glättungsdrossel. Trotz dieser Drosseln, die hinter der Frontplatte montiert sind, ist der Suono ernsthaft „hecklastig“, was mit den großen Trafos vor den Polklemmen zusammenhängt. Das von unten belüftete Gehäuse besteht aus gebogenem Blech, das gerade so stark ist, um sich nicht zu verziehen

Am anderen Ende des Spektrums, im mittleren bis tiefen Bass, spielen die KT150 des Lab 12 erstaunlich kraftvoll und mächtig – und etwas voluminöser als die Pass Labs XA30.8. In Sachen Quantität sowie wahrgenommener Tiefe lässt der Suono dem FirstWatt F7 keine Chance, doch der kontert mit mehr Kontrolle und Grip im tonalen Untergeschoss. Um die Bass-Dosierung der Lab-12-Röhre und gleichzeitig eine bessere Kontrolle zu erzielen, muss ich schon zum kräftigeren, 6.500 Dollar teuren Class-A Mosfet von point.8 greifen.

Die geringere Dämpfung des Lab 12 Suono ist über die gesamte Bandbreite wahrnehmbar. Er spielt mit großzügiger, leicht matt gehaltener Textur, und wie immer in solchen Fällen leidet hier bei sehr komplexem Musikmaterial die Trennung von Schallereignissen ein wenig. Es verhält sich hier in etwa so wie mit einem schnellen, schweren Auto mit ordentlich Drehmoment, das sehr gerne geradeaus stürmt, dessen Federung aber eher auf der komfortablen Seite liegt. Der Suono bietet die Antithese eines trockenen, überdämpften Klangbildes. Wo ein solches ultradetailliert und präzise rüberkommt, ist der Suono weit weniger sauber und „highres“. Vielmehr kombinierte er einen kräftigeren Ansatz mit dynamischem Drehmoment – er kann richtig zuschlagen und besitzt diese kleine Ausgelassenheit in der Präsenzregion … Hier wird geradezu eine physische spürbare und „feuchte“ (im Gegensatz zu trockene) Klang-Charakteristik gefeiert – die dabei, zugegeben, etwas opak, zumindest nicht wirklich hundertprozentig transparent rüberkommt.

Der Lab 12 Suono ist ein Single-Ended-Röhrenverstärker mit relativ niedriger Ausgangsleistung – aber einer, der die Vorzeichen geradezu verdreht: Statt sich für den Einsatz mit einfach instrumentierter Musik bei leisen Pegeln über wirkungsgradstarke Lautsprecher zu empfehlen, verlangt er danach, mehr Gas geben dürfen, um seine Stärken auszuspielen. Mit 2.200 Euro kann man ihn als „Übergangs-HiFi-Gerät“ bezeichnen. Er ist nicht vergleichbar mit billigen chinesischen Importen, kostet aber immer noch viel weniger als die Produkte der meisten etablierten Firmen. Das macht seine Abstimmung doppelt überraschend: Man erwartet ja, dass ein 20.000 Euro teurer Lamm-Amp normale und schwierig zu treibende Lautsprecher sicher durch symphonisches Chaos und Rockhymnen navigiert. Von einem etwas über 2.000 Euro teuren SET-Amp erwartet man es nicht. Doch solange man nicht ultimative Raffinesse und Analyse verlangt und dem Suono ein wenig jugendliches Ungestüm zugesteht, liefert er genau das.

LAB12 Suono Röhren Endstufe Trioden-/UL-Umschalter

Hier sehen wir die Röhrenbuchsen und die Trioden-/UL-Umschalter

Ein mit 45er bestückter SET-Amp wäre sicher raffinierter, luftiger, heller, leuchtender und „spiritueller“ – auch wenn er nicht mit der Leistung der KT150 mithalten könnte. Diese KT150-Maschine hat dafür eine erdige Rock’n’Roll-Attitüde zu bieten, einschließlich der Fähigkeit, Gitarren mit ordentlichem Jaulen und Wehklagen darzustellen. Der Fokus des Lab 12 Suono liegt also eindeutig auf „Makro“ und nicht auf „Mikro“, insbesondere bezogen auf Dynamik und Bass; aber letztlich gilt das ganz generell fürs Klangbild. Das bedeutete auch, dass man mit dem Lab 12 Suono immer etwas lauter spielen „muss“ als mit anderen Verstärkern: Da die Detailauflösung und die mikrodynamische Granulierung geringer ausfällt, empfiehlt es sich, diese Aspekte über einen höheren Pegel zu pushen. Unterhalb einer gewissen Lautstärkeschwelle wirkt’s etwas zu gemütlich, oberhalb verwandelt sich der Suono dagegen.

LAB12 Suono Röhren Endstufe Ansicht 3

Das untere Frequenzende hat echten Punch und Slam zu bieten. Man würde nie erwarten, dass so ein kleiner Mitteltöner, egal wie geschickt er durch die Transmissionline unterstützt wird, einen derart großen Tieftonschub produzieren kann. Hier verhält sich der UL-Betrieb des Lab 12 wie ein kleiner Turbo-Boost. So zeigt er noch mehr Muskeln als im Triodenmodus, und die erwähnte leicht eckigere Behandlung der Präsenzregion bringt auch noch eine Prise mehr Pfeffer ins Spiel. Damit einher geht, dass der Hochton ein wenig „früher in Schwung kommt“, sodass man auch mit geringeren Lautstärken hören kann als im softer abgestimmten Triodenbetrieb. Diese Beobachtung bestätigt, dass es sich beim Lab 12 Suono nicht um eine moderne High-Res-Maschine handelt, die schon bei Flüsterlautstärke alle Details offenbart. Seine Abstimmung macht ihn auch nicht zu einem Favoriten fürs Leisehören, er muss schon ein wenig gefordert werden, wenn er die Haare offen tragen soll …

LAB12 Suono Röhren Endstufe Hörraum 1

Im Vergleich zum „Ready-to-Rock“-Suono wurde der russische S.A. Lab Blackbird SE mit dem klaren Fokus auf die Wiedergabe klassischer Musik entwickelt. Hier geht es mehr um Legato als um Stakkato, mehr um strukturelle Elastizität als um Slam. Der Blackbird SE bildet im Mikrobereich schärfer ab und agiert weniger heftig, wenn er grobdynamisch gefordert wird. Obwohl er klanglich raffinierter erscheint, fehlen ihm die Grobdynamik und Basstauglichkeit des Lab 12. In vielerlei Hinsicht entspricht der Russe eher den traditionell Tugenden eines Röhrenverstärkers, während der Suono moderner und für ein jüngeres Publikum ansprechender wirkt.

Um den Effekt zu verdeutlichen: Stellen Sie sich eine ältere Sonus faber und einen Lautsprecher von Zu Audio vor … Ich würde übrigens voraussagen, dass die Zu Audio Druid V und der Lab 12 Suono eine ziemlich heiße und glühende Liaison eingehen würden. Und dieser Satz könnte Ihnen vielleicht mehr über den Lab 12 Suono verraten als alles, was davor kam …

Fakten:

  • Modell: Lab 12 Suono
  • Konzept: Röhren-Endstufe
  • Preis: 2.190 Euro
  • Leistung: 2 x 25 Watt (Ultralinear-Betrieb); 2 x 16 Watt (Trioden-Betrieb)
  • Maße und Gewicht: 43x19x29 cm (B x H x T), 18 kg
  • Ausführungen: Schwarz und Silber
  • Ein- & Ausgänge: 1 x Line-in (Cinch), 1 x Lautsprecherdoppel mit 4 und 8 Ohm-Abgriffen
  • Sonstiges: manuelle Bias-Einstellmöglichkeit; Umsachltbar zwischen Ultralinear- und Triden-Betrieb
  • Garantie: 2 Jahre

Vertrieb:

CM-Audio – Flöter Technology Service
Adlerstraße 46 | 41066 Mönchengladbach
Telefon: +49(0)2161 – 6782451
E-Mail: info@cm-audio.net
Web: www.lab12.audio

Test: Lab 12 Suono | Röhren-Endstufe

  1. 2 Inspektion Lab 12 Suono
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