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Dynaudio Contour 20: Klangeindrücke

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Dynaudio Contour 20: Klangeindrücke

Mag schon sein, dass die Contour 20 eine komplette Neuentwicklung darstellt – doch schon nach den ersten Takten Musik stellt sich schnell das altbekannte Dynaudio-Gefühl ein: „Passt alles! Verdammt – was schreibe ich denn jetzt?“ Das mag nun nicht unbedingt Ihr Problem sein, aber für einen Testredakteur …

Dynaudio Contour 20

Gut, das soll mich nun nicht daran hindern, analytischer einzusteigen. Und natürlich steht das obige Kompliment in keinem Widerspruch zur Aussage, dass auch die Dynaudio Contour 20 ihre Limits hat. Logisch. Sie können fürs Geld auch ganz leicht ausgewachsene Standlautsprecher mit gehörig mehr Volumen und Membranfläche kaufen, die Ihnen in Sachen Maximalpegel, Grobdynamik sowie Autorität und Durchschlagskraft im Bassbereich mehr bieten werden. Tatsächlich hatte ich mit der JaWil Ragnarök ja gerade eben erst eine Exemplar mit Horn und Riesen-Woofer zu Gast, das ein Drittel weniger kostet und von dem ich mich bei Bedarf mit fiesen Electro-Tracks in Konzertlautstärke wegföhnen lassen konnte – das gelingt Ihnen mit einer Contour 20 natürlich nicht so überzeugend. Im Grunde ja eine triviale Feststellung, aber trotzdem: Lautsprecherkauf ist eben nicht nur eine Geld-, sondern auch eine Konzeptfrage, und da gibt es schon sehr große Unterschiede.

James BlakesAngesichts von Konzept und Größe – bei der Contour 20 arbeitet ein 7-Zoll-Chassis in circa 22 l Volumen – bietet sie allerdings mehr Basssubstanz als ich vermutet hätte. Ich würde mich glatt zur Aussage hinreißen lassen, dass sie im Mittel- und Oberbass sogar eine halbe Schippe drauflegt. Was ganz gut passt, denn auch wenn die untere Grenzfrequenz von 40 Hz, die die Dänen angeben, halbwegs glaubhaft ist, so scheint mir, dass die Flanke darunter doch zügig abfällt. Klar nachvollziehbar ist das mit James Blakes selbst betiteltem Debütalbum (auf Amazon anhören): Während der elektronische Kickbass bei den ersten beiden Tracks „Unluck“ und „The Wilhelm Scream“ respektvolles Augenbrauenliften verursacht, so hart und punchy kommt der rüber, wird bei den bösartig tiefergelegten Synthesizer-Wobbeltönen, die in Blakes Feist-Cover von „Limit to your love“ ab 0’55“ zum Einsatz gelangen, eben auch klar: Hier wird zwar dezent darauf hingewiesen, aber nicht das volle Brett geboten. Ich denke, ich gehe nicht fehl in der Annahme, dass beispielsweise eine Harbeth Super HL5 plus mehr Druck in den allertiefsten Lagen entfalten würde, was einen aber auch kaum wundert, ist sie doch mehr als doppelt so groß und eigentlich nur aus „formalen Gründen“ ein Kompaktmodell.

Der Bassreflexkanal befindet sich auf dem Rücken der Box
Der Bassreflexkanal befindet sich auf der Rückseite der Box

Allerdings ist die „qualitative Sicht“ auf den Tiefton interessanter als die obige Extremwertforschung. Konturiert ist dieser und dabei eher halb- als extra-trocken. Vor allem aber ist die Contour 20 hervorragend darin, auch in diesem Frequenzbereich Klangfarben und Texturen herauszuarbeiten, wie mir klar wird, als ich Bachs Cello-Sonaten (Heinrich Schiff/Cello Suites Nos 1-6, auf Amazon anhören) Heinrich Schiff/Cello Suites Nos 1-6höre: Das hier ist wirklich das genaue Gegenteil eines „One-note-Bass“, der untenrum einfach nur Volumen anfüttert, damit klar wird, dass das keine Violine ist – ansonsten das meiste aber im Vagen lässt. Nein, die Dynaudio lässt nichts im Ungefähren. Hochakkurat werden die holzigen Resonanzen und das Timbre dieses schönen Instruments nachgezeichnet, was zur Illusion „Das passiert ja bei mir im Zimmer!“ entscheidend mit beiträgt. Diese „Farbechtheit“ kann süchtig machen. Die Contour 20 lässt das Cello nicht nur deshalb intakt und natürlich erscheinen, weil sie tonal nichts verbiegt – sie bringt vielmehr ihr exzellentes Auflösungsvermögen auch „untenrum“ und nicht nur in den Mitten und Höhen zum Einsatz. Man könnte das glatt einen „ganzheitlichen Ansatz“ nennen.

Zur Contour 20 wird ein passender Stand angeboten, an dessen Trägerplatte sich der Lautsprecher verschrauben lässt
Zur Contour 20 wird ein passender Stand angeboten, an dessen Trägerplatte sich der Lautsprecher verschrauben lässt

Derart angefixt surfe ich durch die Weiten meines Musikservers, wobei viel akustisch Instrumentiertes läuft. Zwei Sachen lassen sich festhalten: Tonal sind die mittleren und höheren Lagen in der Tat schlicht und ergreifend neutral und ehrlich: Cohen wird mit vollem Brustumfang dargeboten, doch nicht mit vollerem, Heather Nova haucht recht hold, fistelt aber nicht durch die Gegend. Die Contour 20 mischt sich da einfach nicht ein, sondern mimt den Lizz WrightReporter. Und zweites: Das erwähnte Auflösungsvermögen ist wirklich eine zentrale Stärke der Dynaudio. Die Contour 20 erfüllt hiebei nicht einfach nur die hohen Anforderungen, die man an einen Monitor dieser Preisliga stellen darf, sondern ragt ein gutes Stück darüber hinaus. Wann habe ich zuletzt Gitarre und Stimme auf „A Taste of Honey“ von Lizz Wright (Album: Dreaming wide Awake, auf Amazon anhören) detailreicher präsentiert bekommen? Die genannte JaWil kommt in dieser Hinsicht nicht mit. Die KSD 2030 war annähernd gleich gut, doch auch nicht besser (man kann das aber nicht so richtig vergleichen, denn sie ist eine Aktive). Ja, klar, die Wilson Audio Sabrina, die konnte tatsächlich noch mehr an Details und Feinheiten aus Aufnahmen und vorgelagerter Elektronik herausquetschen. Und kostet das Vierfache.

Wenn von Auflösung und hohem Detaillierungsgrad die Rede ist, fällt schnell das Wort „analytisch“. Nüchtern betrachtet trifft’s das ja auch, schließlich drückt es aus, dass das angelieferte Signal nicht einfach mal grob nachskizziert, sondern quasi Dynaudio Contour 20aufgedröselt, also auch in den Einzelheiten korrekt wiedergegeben wird. Gleichwohl: Im HiFi-Jargon ist das Wörtchen eher negativ konnotiert, von vielen wird es synonym zu „leicht kühl und etwas pedantisch“ gebraucht. Ob zu Recht oder Unrecht sei mal dahingestellt, wichtig ist mir an dieser Stelle nur, dass keine Missverständnisse auftauchen: Von einer solchen Assoziation können Sie sich, was die Dynaudio Contour 20 angeht, komplett freimachen – die liefert den echten Stoff. Um einen schon öfter gebrauchten Vergleich zur Digitalfotografie zu bemühen: Es ist mit ihr nicht so, als ob man ein Bild in Photoshop künstlich nachschärfen würde. Auf den ersten Blick erzeugt dieses Nachschärfen spektakulär knackig umrissene Objektkanten, die sich auf den zweiten dann aber als grobpixelig herausstellen, was die Aufnahme insgesamt artifiziell erscheinen lässt. Nein, im Gegenteil, mit der Contour sind „so viele Pixel im Spiel“, dass der Ersteindruck in der Tat eher weicher als normal ausfällt. Tatsächlich dachte ich zu Beginn, die Dynaudio zöge einen hauchdünnen Seidenschleier übers gesamte Klangbild, so smooth, liquide, samtig kommt das rüber. Nun, das Wörtchen „seidig“ darf man stehen lassen, aber einen „Schleier“, den gibt es nicht. Sonst wäre beispielsweise auch der Hintergrund, vor dem sich die Klänge ganz klar absetzen, nicht so tiefschwarz und still, sondern etwas gräulicher, milchiger, unruhiger. Davon kann aber überhaupt keine Rede sein.

Die Contour 20 löst einfach derart fein auf, dass keine porösen oder rauen Stellen übrig bleiben, wenn sie denn nicht auf der Aufnahme selbst sind. Das meine ich mit „echtem Stoff“. Und es geht eben nicht nur darum, dass viele geräuschhafte Details wie Stuhlknarren, Ansatzgeräusche oder Ähnliches durchgelassen werden – vor allem gefällt mir an ihr, dass sie, ich wiederhole mich, hinsichtlich Klangfarben und der Textur von Tönen so frappierend echt wirkt. Wenn Sie Klassik- oder Jazz-Fan beziehungsweise ganz generell Freund von akustisch instrumentierter Musik sind, dann ist das Ihr Lautsprecher.

In dynamischer Hinsicht sortiert sich die Dynaudio ins Feld preisähnlicher, gleichgroßer Monitore ein, und da wir uns hier in der Lautsprecher-Upperclass befinden, heißt das: Absolut gesehen kommt da jede Menge bei rum, aber relativ darf man das eben auch erwarten. Anders meine Einschätzung zu den räumlichen Fähigkeiten der Contour 20 – die übertreffen das normale Maß deutlich.

Die Contour 20 besitzt ein hochwertiges WBT-Terminal
Die Contour 20 besitzt ein WBT-Terminal

Was Instrumentenseparation, Abbildungspräzision, Plastizität von Klängen angeht, ist die Dynaudio sowieso ’ne Bank. Fokussiert und auf den Punkt? Ja. Wie gelasert (und somit leicht überscharf)? Nein. Dafür wirken Stimmen und Instrumente zu griffig, organisch, körperhaft-plastisch, als das hier eine artifizielle Note aufkäme. Gut so.

Am meisten gestaunt habe ich aber über die Bühnendimension und -perspektive. Wirkt’s mit einer Aufnahme recht kompakt in der Breite, überrascht die Contour bei einer anderen damit, links und rechts auch sehr, sehr weit über die seitlichen Begrenzungen der Lautsprecher hinauszugehen. Und so geht das weiter: Mal steht eine Stimme anderthalb Meter vor der Boxengrundlinie, mal befindet sie sich brav auf dieser – dito bei der Tiefenstaffelung: mal flach, mal geradezu canyonartig. Diese Monitore „machen“ keinen Raum, sie transportieren den auf der Aufnahme vorhandenen gleichsam ohne Filter. Eine solche Variabilität des Bühneneindrucks je nach Musik und vorgelagerter Elektronik bieten einem nicht allzu viele Lautsprecher. Hier zeigt, dass die Dänen auch in räumlicher Hinsicht hochakkurat und transparent vorgehen. Wer auf eine authentisch wirkende Bühnenillusion besonders anspricht, wird hier vollumfänglich bedient.

Test: Dynaudio Contour 20 | Kompaktlautsprecher

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