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Inhaltsverzeichnis

  1. 1 Keep it simple
  2. 2 bFly-Audio Octopus: Klangeindruck
  3. 3 Testfazit: bFly-Audio Octopus

Ich versuche mein Leben – und HiFi ist ein großer Teil davon – so einfach wie möglich zu gestalten. Im Grunde bin ich der Typ „Vollverstärker“, und so höre ich auch häufig. Dennoch weiß ich natürlich, dass man viel zu viel Klangpotenzial verschenkt, wenn man zum Beispiel seine Komponenten einfach so irgendwo irgendwie hinstellt. Nicht zuletzt deshalb schätze ich die Produkte von bFly Audio – sie sind einfach anzuwenden, effektiv und erschwinglich. Es war also ein sogenannter „No-Brainer“, als mir das oder die bFly-Audio Octopus (ab 449 Euro) zum Test angeboten wurde.

Spinnt er jetzt, der Bayer. Das oder die Octopus? Nun, „Octopus“ wird als das Plattengewicht und/oder die Plattenklemme angeboten, was im ersten Moment verwirrend klingen mag. Einigen wir uns deshalb auf „der Octopus“ und machen es nicht unnötig kompliziert, schließlich ist das Konzept entwaffnend einfach.

Welche Farbe soll's denn sein? Den bFly Octopus gibt es in Schwarz und in Silber

Welche Farbe soll’s denn sein? Den bFly Octopus gibt es in Schwarz und in Silber

Zuerst müssen Sie sich für eine Farbe entscheiden – silber oder schwarz eloxiert sind im Angebot, als Basis dient poliertes Aluminium. Dann können Sie überlegen, ob Sie den Octopus ausschließlich als Gewicht (es gibt aktuell nur die „Light“-Version) und/oder als Klemme einsetzen möchten. Um die Funktionen zu variieren, braucht es lediglich ein anderes „Insert“, die Basis bleibt gleich. Ich finde, das ist ein weiterer No-Brainer, denn für 40 Euro Aufpreis sollte man die Klemm-Option auf jeden Fall ziehen. Wie das dann genau funktioniert, darauf komme ich gleich noch zu sprechen.

God is in the details

Das Insert, das den Plattentellerdorn aufnimmt, wird aus einem Spezialkunststoff gefertigt, dessen Spezifikationen Reinhold Schäffer, bFly-Inhaber und -Entwickler, verständlicherweise nicht verraten möchte. Er schreibt: „Die Schwingungen, ausgehend vom Dorn des Plattenspielers, werden durch die Dornaufnahme aus resonanzarmen Spezialkunststoff sowie durch einen Zylinder aus Kupfer absorbiert, der im Knauf des Octopus eingesetzt ist und zusätzliches Gewicht bringt.“ Der Kunststoff muss sowohl steif als auch bruchfest und geschmeidig genug sein, um ge- beziehungsweise entspannt werden zu können, ohne dabei seine Form zu verlieren – und das viele, viele Male. POM hat für diese Anwendung einen zu geringen Reibewiderstand.

Der bFly Octopus ist mit zylindrischem und kugelförmigem Knauf zu haben

Der bFly Octopus ist mit zylindrischem und kugelförmigem Knauf zu haben

Den Octopus-Knauf kann man übrigens in zwei Versionen bekommen: zylindrisch, so sieht er moderner und vielleicht edler aus, oder kugelförmig. Diese Variante ist ein echter Handschmeichler und bringt 70 Gramm mehr als der Kollege auf die Waage. Schließlich können Sie noch zwischen einer silbernen oder kupferfarbenen Münze mit dem bFly-Logo wählen, die oben in den jeweiligen Knauf eingelegt wird. Mit vermeintlichen Klangunterschieden der Münzvarianten werde ich Sie garantiert nicht belästigen.

bFly Octopus - oben mit Logo, in Silber oder Kupfer

bFly Octopus – oben mit Logo, in Silber oder Kupfer

Gut Ding will Weile haben

Die Entwicklung des bFly Octopus dauerte gut eineinhalb Jahre – der bisher aufwendigste und komplizierteste Entwicklungsprozess der Firmengeschichte, so Schäffer. Anfangs hatte er die Idee für eine reine Klemme. Ihm wurde aber schnell klar, dass eine universelle Lösung als Gewicht und Klemme wohl der klügere Weg wäre. Von vornherein war der Octopus als Ergänzung/Alternative zu den bFly-Plattengewichten PGI (MK2) und PGO gedacht, die 350 beziehungsweise 380 Gramm wiegen. Schäffer entschied sich für 200 Gramm Gewicht, die sich im Fall des runden Knaufs noch um etwa 100 Gramm erhöhen, beim Zylinderknauf sind es circa 30 Gramm.

Die Grundkonstruktion des Octopus besteht wie beim PG1 aus Aluminium. Die Materialauswahl sei in langen Versuchsreihen mit vielen verworfenen Prototypen entstanden. Ein Irrweg war zum Beispiel eine komplett aus Holz gefertigte Octopus-Version. Im Hörtest, der jeden Entwicklungsschritt bei bFly-Audio begleitet, fehlten Schäffer Klarheit und Präzision, also verließ er diesen Weg.

Die Ahorn-Halbkugeln auf der Unterseite des bFly-Audio Octopus dienen der Resonanzableitung

Die Buche-Halbkugeln auf der Unterseite des bFly-Audio Octopus dienen der Resonanzableitung

Interessant ist in dem Zusammenhang die neu gestaltete Auflagefläche. Auf der Unterseite des bFly Octopus findet man nämlich acht Kugeln aus Buche – hier ergibt Holz dann offenbar doch wieder Sinn. Tatsächlich sind es Halbkugeln, auf deren flacher Oberseite jeweils ein Gelpad sitzt, mit dem Schäffer schon beim PG1 gute Erfahrungen gemacht hat. Diese Holz-Gel-Elemente dürfen in den Aussparungen auf der Unterseite natürlich nicht hin- und herrutschen, andererseits aber auch nicht zu fest eingepresst oder gar gequetscht werden, sonst geht die gewünschte Wirkung verloren.

Der bFly-Audio Octopus enthält Holz-Gel-Absorberelemente

Der bFly-Audio Octopus enthält Holz-Gel-Absorberelemente

Ist das denn wirklich nötig?

Wofür braucht man so ein Plattenteller-Gewicht beziehungsweise eine -Klemme eigentlich? Nun, in erster Linie will man damit parasitäre Schwingungen, die der Tonabnehmer in der Rille aufnehmen könnte, ableiten und vernichten. Ein sinnvoll konstruiertes Auflagegewicht optimiert den Kontakt zwischen Platte und Plattenteller und kann kleinere Verwellungen glätten. Noch effektiver wirken hier freilich Klemmen, womit wir beim zweiten Nutzen des bFly Octopus sind.

Der Wechsel des Insert des bFly-Audio Octopus ist fix gemacht

Der Wechsel des Insert des bFly-Audio Octopus ist fix gemacht

Quasi mit einem Handgriff lässt er sich zur Klemme umrüsten, das ist wirklich kinderleicht: Man schraubt den Knauf ab, nimmt das Insert für die reine „Gewichtsfunktion“ heraus und setzt das neue ein. Das lässt sich durch drehen des Knaufs öffnen und spannen. Nachdem es eingesetzt wurde, ist es offen und kann den Dorn aufnehmen. Nun sorgt man manuell für den richtigen Anpressdruck und dreht den Knauf der Klemme so lange im Uhrzeigersinn, bis der Plattentellerdorn fest umschlossen ist. So lassen sich auch größere Verwellungen im Vinyl effektiv glätten.

bFly-Audio Octopus: Klangeindruck

Der Octopus sieht schick aus, ist raffiniert konstruiert und lässt sich einfach bedienen. Doch wie steht es um seinen klanglichen Mehrwert, ohne den das alles umsonst wäre?

Cannonball Adderley Quintets auf (Album: In San Francisco)Zuerst vergleiche ich ihn in seiner Funktion als Plattengewicht mit meinem bFly-Audio PG1, das mir seit vielen Jahren gute Dienste leistet. Die Dornaufnahme des PG1 ist aus POM gefertigt, die Absorption erfolgt über Sorbothane-Pads in der Auflagefläche. Es wiegt mit Kugelknauf etwa 50 Gramm mehr als das Octopus Light. Ich lege eine Platte des Cannonball Adderley Quintets auf (Album: In San Francisco; auf Amazon anhören), die ich seit mehr als 30 Jahren besitze. „This here“ höre ich zuerst ohne Gewicht, dann mit dem bFly-Audio PG1 und schließlich wechsle ich zum Octopus.

Ohne Gewicht kann man natürlich auch prima Musik hören, aber die Wiedergabe entspannt und strafft sich zugleich, sobald das bFly PG1 aufliegt. Als ich das PG1 gegen den Octopus tausche, nehme ich zum ersten Mal bewusst wahr, wie leise Adderley bei seinem Intro spricht. Nach etwa 25 Sekunden geht er entweder näher ans Mikro heran oder jemand reißt das Mikro auf.

bFly-Audio, von oben und unten

Doch es kommt noch besser, denn mit der Klemmfunktion des Octopus verbessert sich nicht nur die Mikrodynamik, sondern auch die Sprachverständlichkeit – und das, obwohl die Platte nicht verwellt ist. Die Deutlichkeit der musikalischen Artikulation nimmt leicht zu und das Klangbild erscheint mir etwas strukturierter, homogener, in sich geschlossener. Zudem steigert sich die räumliche Transparenz, ich kann nun tiefer in den Konzertsaal blicken – und ja, sogar die Durchzeichnung im Bass gewinnt ein wenig.

bFly-Audio Octopus, Unterseite mit acht Holz-Halbkugeln

Die Klemmfunktion habe ich dann natürlich auch mit LPs ausprobiert, die das tatsächlich nötig haben. Was passiert hier? Stellen Sie sich vor, Sie müssten aus einem Gedichtband vorlesen, während Sie auf einer Wackelscheibe stehen. So in etwa geht es einem Tonabnehmer, der eine wellige Schallplatte abtasten muss. Der Job der Nadel ist auch so schon schwer genug, man sollte ihn nicht noch zusätzlich erschweren!

Tom Petty (Album: Wildflowers)Mit Klemme klingt eine verwellte Platte einfach deutlich besser, nämlich klarer, dynamischer, straffer, homogener – sämtliche Frequenzbänder gewinnen. Das ist besonders gut bei meiner leider ziemlich welligen Lieblingsscheibe von Tom Petty (Album: Wildflowers; auf Amazon anhören) hörbar. Erstaunlich, wie sich die Raumillusion steigerte und ich Petty fast vor seinem Mikrofon sehen kann. Auch der Tiefbass gewinnt an Tiefe und Struktur und die Mittenwiedergabe erscheint freier, geschmeidiger. Im Hochton macht sich der Wegfall gewisser Kompressionseffekte bemerkbar, die obersten Oktaven klingen sauberer.

Testfazit: bFly-Audio Octopus

Mit der Doppelfunktion des Octopus als Plattengewicht und -klemme hat bFly-Audio eine sehr interessante Lösung an den Start gebracht. Der bFly-Audio Octopus ist flexibel, lässt sich leicht handhaben und sieht klasse aus.

bFly-Audio Octopus in Silber und Schwarz

Das Wichtigste ist freilich, dass er den Ohren viel Freude bereiten kann – und das nicht nur im Zusammenspiel mit verwelltem Vinyl. Mit dem Octopus auf dem Plattenteller wirkt das Klangbild generell etwas strukturierter, homogener, räumlich transparenter und mikrodynamisch feiner abgestuft. Klare Sache: Meinen behalte ich.

Fakten:

  • Modell: bFly-Audio Octopus Light
  • Konzept: Plattenteller-Gewicht und -Klemme
  • Preis: 449 bis 489 Euro (eine oder beide Funktionen)
  • Ausführung: Aluminium, silbern oder schwarz eloxiert; Knauf zylindrisch oder kugelförmig; Funktion als Gewicht oder Klemme (oder beides)
  • Gewicht: 230 g mit Zylinder-Knauf; 300 g mit Kugel-Knauf
  • Garantie: 2 Jahre

Hersteller & Vertrieb:

bFly-Audio
St.-Martin-Weg 1 | 86986 Schwabbruck
Telefon: +49(0)8868-1818755
E-Mail: info@bfly-audio.de
Web: https://www.bfly-audio.de/

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Test: bFly-Audio Octopus | Phono-Zubehör

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Über die Autorin / den Autor

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Analoge Quellen: Plattenspieler: Garrard 401 TR, PTP Audio Solid 9 „Speciaal“, Pear Audio Captain John Handy Tonarm: Schick 12, Schröder No 2 SQ, Pear Audio Cornet 1 Tonabnehmer: Ikeda 9TS, Jan Allaerts MC1 Eco MKII, Lyra Delos, Denon DL-103LCII (im Gütte-Bronze-Body), Grace F8c, Decca FFSS MKII Sonstiges: MC-Übertrager: Consolidated Audio, Altec 15095

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Abbas Audio TDA 1541A NOS CD-Player: Player auf Philips CDM 4/19 Basis (modifiziert)

Vollverstärker: Lavardin ISx Reference

Vorstufen: Hochpegel: Air Tight ATC-1 Phonoverstärker: Air Tight ATE 2005

Endstufen: Air Tight ATM-4, Quad 303

Lautsprecher: Rogers LS3/5a (15 Ohm), Haigner RHO

Kabel: Lautsprecherkabel: Black Cat 3202, Isenberg Audio, Audio Consulting NF-Kabel: Black Cat 3232, Isenberg Audio, Jupiter Audio Copper, Silvercore Space Cable, Vidocq Snapper

Zubehör: Stromfilter: Plixir Elite BAC 150, Kreder Audio Tuning Sonstiges: Acoustic Revive ECI-100 Kontaktspray, Acoustic System Resonatoren, bFly-Audio Master Absorber / PURE / PURE-Tube / Gerätebasis BaseOne, Gerätefüße Critical Mass Center Stage