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Squid – Bright Green Field

Der Musik der englischen Band Squid werden von Post-Punk über Krautrock, Jazz oder Funk viele Genres nachgesagt – dass all das tatsächlich irgendwie stimmt, hört man auf Squids Debütalbum Bright Green Field. Der experimentelle musikalische Ansatz der Band überzeugt hier und lädt die HörerInnen auf eine Achterbahnfahrt durch die Musikstile ein. Dabei sticht der meist schreiende Gesang von Schlagzeuger Ollie Judge markant hervor. So auch auf dem Song „G.S.K.“, in dem sich seine Stimme mehrmals überschlägt.

Squid - Bright Green Field

Der Song eröffnet nach der 40-sekündigen atmosphärischen Einleitung mit dem Titel Resolution Square das Album durch einen doppelten Snare-Schlag, der wie ein Hauen auf einen Blecheimer klingt. Von Synthies unterlegt setzt der Gesang ein, das Ganze wird von jazzigen Einwürfen der Band begleitet. In musikalischen Breaks geht es abwechselnd mit Gitarren-Soli in nerdiger Math-Rock-Manier und wirbelnden, rockigen Passagen weiter. Der Song, der simpel mit einer Strophe begann, löst sich in seiner Struktur immer weiter auf und wird zu einem Fluss aus Synthies, Bläser-Einwürfen und Gitarrentönen.

So geht das Album auch weiter. Der folgende Song Narrator entwickelt sich über acht Minuten und wird durch ein belebtes Arrangement mittels rollenden Drum-Beats, verspielten Gitarreneinwürfen und Synthies sowie Martha Skye Murphys vokalen Features zu einer spannenden Angelegenheit. Mal lädt sich der Song extrem auf und sie feuert die Dynamik flüsternd an, mal spricht sie im Wechsel mit Judge und es kommt zu einem lockeren Austausch zwischen den beiden. Die Spannungen im Song gehen auf und ab und finden bei Minute sieben zu einem kreischenden Höhepunkt: Die Becken des Schlagzeugs vibrieren, die Gitarren brettern und der Krach-Pegel ist ganz oben. Bei Squid weiß man am Anfang eines Songs nie, was einen erwartet – und das ist großartig!

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Audrey Nuna – a liquid breakfast

Audrey Nuna – a liquid breakfast

Audrey Nunas Debüt a liquid breakfast hat in der Musikwelt große Wellen geschlagen. Die koreanisch-amerikanische Sängerin und Rapperin aus New Jersey kombiniert Rap, Trap, Pop und gelegentlich auch R&B in ihren Songs. Was dabei rauskommt, ist eine Anreihung von energiegeladenen Hits, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Selten erreichen die Songs die Drei-Minuten-Marke – und genau das ist das erfolgreiche Konzept in Zeiten von Spotify, denn Nuna kommt schnell auf den Punkt.

Auf ihrer nach Streaming-Zahlen erfolgreichsten Single „Damn Rightlegt sie nach elf Sekunden mit einem stakkato-artigen Rap los und geht bei Sekunde 30 in den melodischen und poppigen Chorus über. Der Beat ist minimalistisch und wurde auch in einer Version von DJ Snake geremixt. Obwohl der Remix mehr instrumentelle Passagen hat, steht Nunas Stimme in beiden Versionen ganz im Vordergrund. Sie selbst sagt, sie hätte den Song in 15 Minuten geschrieben, nachdem sie einen Mole Taco probierte. Die Inspiration kann also von überall kommen, doch hört man in dem experimentellen Ansatz aus Trap, Pop und Hip Hop auf dem Album besonders den bunten Mix der Straßen New Yorks. Dort studierte Nuna am Clive Davis Institut der NYU, bevor sie sich 2019 durch ihren plötzlichen Hit „Soufflé“ vollkommen auf ihre Musikkarriere konzentrierte.

Dass Nuna mit ihrer Stimme – neben ihrer coolen Art zu rappen – auch fragil klingen kann, erfährt man auf der Single „Space“. Hier schlägt ihr Gesangstalent durch, denn sie singt gekonnt in langgezogenen und gehauchten Tönen. Dabei geht sie im Chorus in ihren glasklaren und eleganten Sopran über, der angesichts ihrer abgebrühten Sprechstimme positiv überrascht. Sowieso experimentiert Nuna fortlaufend mit ihrem stimmlichen Ausdruck und tut dies außerdem mit einer beeindruckenden Lockerheit. So wird das Album zu einer Entdeckung einer neuen Künstlerin, die mit ihren 22 Jahren gerade am Anfang einer Karriere steht – da kommt garantiert noch vieles auf sie zu.

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St. Vincent – Daddy’s Home

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Für ihr 2017 erschienenes Album Masseduction, das steril und minimalistisch klang, trat St. Vincent als gefühllose Latex-Domina auf. Das war aber nur eines ihrer künstlerischen Alter Egos. Die Looks der virtuosen Gitarristin verändern sich mit jedem Album und so auch auf ihrem neuen Album Daddy’s Home. Hier wagt sich die Musikerin in eine funkige Welt aus Synthies und groovigen Bassläufen und präsentiert sich als Seventies-Hippie-Queen mit blonder Perücke.

„Pay Your Way in Pain“, der erste Song des Albums, beginnt mit einer kurzen Klavier-Einleitung, die schnell in einen brachialen Synthie-Bass-Sound übergeht. Es blubbert und säuselt auf der Nummer. Durch ein Zwischenspiel mit effektbeladener Stimmen wird es teils psychedelisch. Die Musik ist geschickt arrangiert und produziert – was übrigens auch auf die anderen Songs zutrifft. „Down And Out Downtown“ beginnt mit einem simplen Drum-Groove sowie einer Elektro-Orgel; St. Vincent klar singt und bringt wiederholt ihre Gitarrensoli ein. Doch im Verlauf des Songs gleitet die Musikerin in neue Harmonien und taucht in eine fantastische Welt aus Streichern und Back-Up-Sängerinnen ein. Das Stück baut sich zunehmend auf und wird so zu einem Abbild ihres zuletzt gesungenen „Hey, I was flying“. Trotzdem kommt dabei kein Gefühl von Unkontrolliertheit, von Freiheit auf.

Ebenso wenig auf dem Track „Daddy’s Home“: Wenn St. Vincent hier mehrere lange „Aauuuu“ in James-Brown-Manier schreit, klingt das nicht nach Befreiung oder übertragener, ansteckender Energie, sondern ist mit Restriktion belegt. Das Unterdrückte kann zwar ein Teil des Rollenspiels der Musikerin sein, doch manchmal wünscht man sich, ihre Musik wäre nicht so verkopft. Denn obwohl St. Vincent in der Theorie alles richtig macht, schafft sie es nicht wirklich, mit der Musik zu berühren und Emotionen zu übertragen. Obwohl die Songtexte so persönlich wie selten bei ihr sind, bleibt sie stets kontrolliert und man hat das Gefühl, sie würde sich beim Singen und Spielen stets selbst beobachten und kritisieren.

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