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Khruangbin – Mordechai

Das US-amerikanische Trio Khruangbin hat ein neues Album herausgebracht. Khruangbin, auf Thai heißt das Flugzeug, ist bekannt für instrumentale Musik, die nach Rock, Surf, Funk, Soul und Psychedelia klingt. Auf Mordechai wabern die Sounds und alles klingt ein bisschen retro. Mark Speers Gitarre ist mit viel Hall belegt, das zurückgenommene Schlagzeug pocht und der Bass von Laura Lee läuft. Die Band ist von iranischem und thailändischem Pop sowie Afrobeat beeinflusst. Neben den zahlreichen Stilelementen aus fernen Ländern sind die zuvor stets eher nebensächlichen Gesangseinlagen auf dem neuen Album dominanter geworden. Rund 14 Sprachen sind nach Bandaussage auf den neuen Songs vertreten. Auf Time (You and I) hört man die verträumten Worte „That’s life, If we had more time, We could live forever, Just you and I“ deutlich. Die Gitarre spielt dazwischen funkige Einlagen, es klimpert und klackert in der Percussions Abteilung – der Groove Faktor: hoch.

Khruangbin – Mordechai

Außerdem überrascht die Band in ihren neuen Songs immer wieder mit interessanten Akkord-Wechseln. So auch in dem jazzigen Ende des verträumten Songs Father Bird, Mother Bird. Auch das Ende des mit südamerikanischen Rhythmen durchzogenen Songs Pelota hat es in sich. Hier singt Laura Lee auf Spanisch und Strophe sowie Chorus lassen sich leicht identifizieren. In den letzten Sekunden des sonst gleichförmigen Songs bricht die Struktur kurz auf – die Percussions trommeln wild und eine Gitarre spielt noch schnell eine Einlage, bevor das Lied abrupt endet.

Weil die Musik auf Mordechai eher fließt und Klangwolken erschafft, die einen umhüllen, werden Live-Auftritte zu meditativen Spektakeln. Nach Touren als Opening Act von Father John Misty oder Massive Attack gehören Khruangbin inzwischen selbstverständlich zum Line-Up auf Festivals wie Glastonbury oder South by Southwest. Weil an Live-Gigs und Festivals momentan kaum denkbar sind, kann man sich mit Mordechai vorerst in ferne Welten träumen.

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Dream Wife – So When You Gonna…

Dream Wife - So When You Gonna

„Put your money where your mouth is“ – Sängerin Rakel Mjöll wiederholt diesen Satz im Song Sports! immer wieder. Der rockige Track eröffnet die neue Platte So when you Gonna… ihrer Band Dream Wife. Die Gitarren kreischen, die Rückkopplung feuert den Song immer wieder an und ein lässiges Schlagzeug begleitet Mjölls quietschigen Gesang. Mit zwei Frauen am Bass und Gitarre hatte die Frontfrau mit ihrer Band 2018 den Durchbruch. Der Mix aus Garagenrock, Punk und Indie überzeugte zuerst auf dem Isländischen Airwaves Festival, der Heimat von Mjöll.

Inzwischen leben die Bandmitglieder in London, doch an ihrer Einstellung zu bestimmten Themen hat sich nichts geändert. Seit den frühsten Tagen der Bandgeschichte legen die drei Frauen wert auf Feminismus, Gender und Gleichberechtigung. Den Satz „Put your money where your mouth is“ nahmen sie deshalb ganz wörtlich und arbeiteten auch hinter den Kulissen des neuen Albums nur mit weiblichen Produzentinnen und Managerinnen zusammen. Schaut man auf die Statistiken, ist das bitter notwendig – eine überwältigende Mehrheit von veröffentlichten Alben, rund 95 %, entsteht sonst in Zusammenarbeit mit männlichen Produzenten. Dadurch wird So when you Gonna… automatisch zu einem Statement für Gleichberechtigung. Auch inhaltlich schließen sich die rockigen Songs daran an. Ob etwas zurückgenommener in Hasta La Vista, in der Mjöll begleitet von einer gezupften Gitarre und leiser Synthie-Untermalung von einer Trennung singt oder dem polternden Song Homesick, in der es um die Rollenverteilung in Beziehungen geht. Die Attitude ist immer da – Dream Wife zeigen, was es heißt Frau in einer männerdominierten Industrie zu sein. Dass sie das ganz unprätentiös tun, macht das Album zu einer Erfahrung des weiblichen Blicks, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

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Illuminati Hotties – FREE I.H.: This Is Not The One You’ve Been Waiting For

illuminati hotties - FREE I.H.: This Is Not the One You’ve Been Waiting For

Illuminati Hotties ist die Band von Sarah Tudzins, in der sie sich augenzwinkernd als Tenderpunk-Pionierin bezeichnet. Das zweite Album ihrer Gruppe aus Los Angeles trägt den Titel FREE I. H. : This Is Not The One You’ve Been Waiting For und wurde von Tudzins in Eigenregie veröffentlicht, nachdem es Unstimmigkeiten mit dem Label gab. Sie schrieb die Songs, nahm sie auf und produzierte sie. Der Albumtitel kann als Befreiungsschlag gelesen werden.

Die 12 neuen Songs kommen gerade mal auf 20 Minuten und schwanken in ihren Längen zwischen ein bis zwei Minuten. Tudzin kommt deshalb melodiös und Riff-technisch schnell auf den Punkt und es geht ordentlich zur Sache. Mal trifft Punk auf High School Rock wie in dem Song Freequent Letdown. Hier begleiten harte Riffe Tudzins gesummtes „I’m always letting everyone down“. In seiner ironischen Fröhlichkeit löst das Lied jedoch eher ein In-die-Luft-Springen aus, als wirkliches Bedauern. Auf Free Dumb baut die Musikerin mit einer durchschrammenden Gitarre über zwei Minuten Spannung auf, die durch Synthies und Effekte verträumt und sphärisch klingt.

Am meisten überzeugt der Opening Track Will I get cancelled if i write a song called, ‚if you were a man you’d be so cancelled‘. In Math-Rock Manier verhalten sich hier die Gesangsmelodie und das absteigende Punk-Riff auf den Gitarren asymmetrisch zueinander. Das Schlagzeug hält das duale Gerüst ab dem zweiten Teil des Songs aber souverän zusammen, sodass sich ein 4/4 Takt etabliert. Nach 1:15 Minuten hört der Song mit einem bissigen letzten Staccato-Riff auf. Genau das ist der Charme der Platte – Tudzin schmeißt mit Ideen nur so um sich und bevor man versteht, was sie da genau tut, ist der Spaß auch wieder vorbei.

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