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Deerhoof – Mountain Moves

Für Grunge- und Noise-Fans gibt es eine neue Veröffentlichung, die man sich unbedingt anhören sollte. Die amerikanische Band Deerhoof bringt mit „Mountain Moves“ ihre inzwischen 14. Platte auf den Markt. Die Band, die stets im Underground agiert, formte sich in den 90er Jahren. Nach zwei Jahren kam die Sängerin Satomi Matsuzaki dazu – sie war gerade aus Tokio nach San Francisco gezogen. Ohne ihre sanfte Stimme kann man sich die Musik der Band inzwischen gar nicht mehr vorstellen.

Deerhoof Mountain Moves

Auch auf dem neuen Album übernimmt sie mit dem Gesangspart die dominanten Melodien, die nicht immer so gerade gesungen sind wie in einer perfekten Major-Label Produktion. Sie haucht Ohrwurm-Refrains ins Mikro und hat mit ihrem japanischen Akzent einen ganz eigenen Charme. Dabei spielt sie einen wandernden und hüpfenden Bass wie im Song „Come Down Here & Say That“. Das überzeugendste Lied der Platte dürfte aber der Opener „Slow Motion Detonation“ sein. Hier kommt alles was die Band ausmacht zusammen: ein markantes Riff der Gitarre und Matsuzakis weicher Gesang, der mehrfach übereinandergelegt wurde. Zudem der abrupte Wechsel der Songteile – was genau Chorus, was Strophe ist, bleibt bei der Gruppe oft unklar. Und genau diese Undurchschaubarkeit und Grunge-Attitüde überzeugt.

Was wäre Deerhoof schon, wenn man die Musik irgendwie einkategorisieren könnte. Es wird schnell klar, dass die vier Bandmitglieder den Pop herausfordern möchten. Und das klingt auf dem neuen Album bei keinem Song gleich. „Con Sordino“ lässt Reggae-Einflüsse vermuten. In „I will Spite Survive“ dominiert ein Hardrock-Gitarrenriff. Und die großartigen „Lalala“-Gesänge der befreundeten Sängerin Xenia Rubino auf „Singalong Junk“ transportieren ganz viel Soul. Ein spannender Ansatz, den man weiterverfolgen sollte.

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Omer Klein – Sleepwalkers

Das neue Album von Omer Klein ist die erste Major-Label-Veröffentlichung des Jazz-Pianisten. In Marketingaktivitäten für die Platte investiert die neue Plattenfirma aber nicht, weil die Qualität der Musik es bräuchte – die 13 neuen Songs des in Düsseldorf lebenden Musikers sind so abwechslungsreich und träumerisch, dass sie dem Titel Sleepwalkers damit alle Ehre machen. Allein der Beginn „Wonder and Awe“ überzeugt mit einem verhaltenen Piano, das Klein ganz ohne Begleitung spielt. Die Leitmelodie trägt er herrlich zerbrechlich und vorsichtig vor. Es ist ein schöner Einstieg in die virtuose Platte, die die vielen Facetten von Kleins Soloinstrument hervorbringt.

Omer Klein Sleepwalkers

Die Band des israelischen Komponisten und Musikers setzt erst im zweiten Lied, dem Titelsong, ein. Der packende „Sleepwalkers“ wirbelt dem Hörer das aufgeregte Klaviermotiv um die Ohren – auch an Klavier-, Bass- und Schlagzeug-Solos fehlt es im Laufe des Lieds nicht. Im darauffolgenden „Blinky Palermo“ lässt Klein dem Bass den Vortritt. Er stellt das Hauptmotiv vor, welches variiert und sich fortlaufend immer wieder durch den Song schleicht. Sobald das Klavier jedoch den Basslauf imitiert, übernimmt es die Führung. Durch das groovige, durchgehende Schlagzeug kann Klein voll ausholen und gibt dem Lied mit ausschweifenden Solo-Einlagen, Pausen und dem spielerischen Umgang mit den Timing einen unterhaltenden Charakter. Der Titel bezieht sich auf den Leipziger Künstler Blinky Palermo, der unter anderem für seinen ungewöhnlichen Umgang mit Formen und Farbe auf Leinwand und in Räumen bekannt wurde. In diesem Stück lassen sich – genau wie in Palermos Farbfeldmalereien – oft wiederholende und humorvolle Elemente finden. Fast könnte man Kleins Herangehensweise an das Hauptmotiv als architektonisch bezeichnen.

Auf „Sleepwalkers“ findet sich neben dem Intro-Song noch eine weitere Ballade: „Josephine“ überzeugt durch eine romantische Melodie, die nie gekünstelt wirkt. Klein vermischt die Harmonie mit ausgeklügelten Dissonanzen, die jeglichen Schmalz und Kitsch verhindern. Mit ruhigem Bass und akzentuierendem Schlagzeug trägt er den Song weiter, bis die Anfangsmelodie wieder einsetzt. Klein beweist damit, dass er nicht nur ein Meister am Klavier ist, sondern sich auch stets des richtigen Timings bewusst ist.

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Queens of the Stone Age – Villains

Es beginnt mit Feedbacks und lauten Gitarren – so wie man die Queens of the Stone Age kennt. Die Geräusche schaukeln sich so hoch, bis sie in einem bissigen Gitarrenriff und rockigem Schlagzeugbeat enden. Der Song „Feet Don’t Fail Me“ beginnt, und Josh Homme singt eine Melodie, die im Ohr bleibt. Fans der Band kommen voll auf ihre Kosten, genauso möchte man die Queens wieder hören. Das Gitarrensolo mit dem Harmoniewechsel gibt dem Stück das gewisse Extra.

Queens of the Stone Age Villains

Nachdem die letzte großartige Platte „… Like Clockwork“ experimenteller klang, scheint sich die Band nun wieder auf knackige, kürzere Rocksongs zu konzentrieren. Das könnte aber auch am Hit-Produzenten Mark Ronson liegen. Er und der Frontman der QOTSA, Josh Homme, trafen sich zuvor im Studio bei den Aufnahmen für Lady Gagas neustes Album. Die Chemie zwischen ihnen stimmte anscheinend, denn sie beschlossen, erneut zusammenzuarbeiten. Ronson ist vor allem für seine Zusammenarbeit mit Bruno Mars oder Amy Winehouse bekannt. Dass er sich keinem Genre zuordnen lässt, ist ihm wichtig. Er macht immer das, was er gerade für richtig hält und ist schon seit Jahrzehnten ein Fan der Queens of the Stoneage. In Interviews sagt er deshalb auch, dass er genau wisse, was die Fans von der Band wollen.

Die Taktik scheint aufzugehen. Das Album hat es in sich, die Riffs haben Hit-Potenzial, aber verlieren nichts an den mystischen Dissonanzen, die Homme in die Lieder hereinspielt. Auf der Single-Auskopplung „The Way You Used to Do“ hört man Ronsons Einfluss. Das Klatschen über den Beat lädt sofort zum Tanzen ein, die Gitarre spielt eingängig und der Gesang ist poppig. Das ist ungewöhnlich, passt aber trotzdem super zum Sound der Band. Vielleicht hat Ronson Recht – das könnte genau das sein, was sich die Fans von den Queens of the Stoneage wünschen.

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