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Wieder einmal stürzte ich mich in das größtenteils stereofone Vergnügen der Warschauer Audio Video Show (https://audioshow.pl/). Als ein solches darf man die inzwischen 23. Warschauer HiFi-Messe getrost bezeichnen, schließlich präsentierten 180 Aussteller in 176 Räumen nahezu 660 Marken. Wer wirklich alles sehen und hören wollte, durfte sich auf drei lange Tage einstellen.

Wie inzwischen gewohnt, fand die Audio Video Show an drei Orten statt: in den Hotels Radisson Blue Sobieski und Golden Tulip sowie im Nationalstadion PGE Nadowny. Ein kostenfreier Shuttlebus verband im 15-Minuten-Takt das Stadion mit den beiden nahe beieinanderliegenden Hotels, was gerne genutzt wurde.

Das Hotel Radisson Blue Sobieski, einer von drei Veranstaltungsorten

Das Hotel Radisson Blue Sobieski

Die sieben Stockwerke des Radisson Blue erfüllten alle Kriterien einer klassischen Hotelmesse: enge Flure und zumeist kleine Zimmer, die mit akustischen Widrigkeiten und schwankender Qualität der Stromversorgung die Kreativität der Aussteller herausforderten. So kennt man das, doch weder die Vorführenden noch die Besucher ließen sich dadurch die gute Laune verderben. Warum auch? Trotz gewiss nicht immer idealer Umstände gab es auch dieses Jahr reichlich gute Vorführungen und interessante Geräte zu entdecken. Einige davon werde ich Ihnen vorstellen.

Im Raum von 8 mm Audiolab

Im Raum von 8 mm Audiolab

8 mm Audiolab (www.8mmaudiolab.com), im letzten Jahr klanglich ganz stark, war wieder mit Elektronik von Lampizator (www.lampizatorpoland.com) zur Stelle und präsentierte die neue Linga. Der hochgewachsene Standlautsprecher besitzt für eine satte Basswiedergabe zwei 12-Zoll-Chassis, in den Mitten werkeln ein paar 6,5-Zöller und ein Druckkammertreiber verantwortet den Hochton. Eine ganze Menge Chassis, die von einer mit Mundorf-Bauteilen bestückten Weiche dirigiert werden. 25.000 Euro für ein Pärchen Linga scheinen angesichts des detaillierten, feinsinnigen Klangs nicht haltlos übertrieben, wenn auch die Raumabbildung in dem Standardhotelzimmer nicht gänzlich befriedigen konnte. In größerem Ambiente sollen die 8 mm Audiolab Linga aber höchsten Ansprüchen genügen, so der Entwickler.

Die Rethm-Lautsprecher sind auch optisch sehr besonders

Die Rethm-Lautsprecher sind auch optisch sehr besonders

Die Röhren-D/A-Wandler und Verstärker von Lampizator sollten noch des Öfteren während des Messebesuchs meinen Weg kreuzen. So auch nebenan, wo sich das Flaggschiff der Lampizator-Wandler, der Pacific-DAC (ab 22.000 Euro) im Verein mit Röhrenmonos der Pacific-Serie (bestückt mit 211-Röhren, circa 16.000 Euro) redlich mühten, einem Breitbandlautsprecher einen glaubhaften Bass zu entlocken. Auch die Maarga verfügen über das typische, irgendwie kultige Rethm-Design (http://rethm.com/). Im Laufe der Jahre ist das Verarbeitungsniveau der Rethm sehr ansprechend geworden, und wenn der kolportierte Paarpreis von 10.700 Dollar sich auch in Deutschland realisieren ließe, ist dies ein attraktives Angebot. Nur besonders Tiefton-affin sollte der künftige Besitzer nicht sein, denn an die Klasse der feinen Mitten und kristallklaren Höhen reicht der Bass nicht heran.

Peter Lyngdorf von Lyngdorf Audio

Peter Lyngdorf von Lyngdorf Audio

Kurz darauf traf ich auf Peter Lyngdorf, dem Chef von Lyngdorf Audio (https://lyngdorf.com/), Entwickler des Millenium-Amps, des ersten highendigen Schaltverstärkers, und der Kopf hinter Steinway Lyngdorf. Da Lyngdorf die zum System gehörenden Subwoofer hinter einer Wand postiert hatte, stachen zunächst nur die relativ kleinen Zweiwegelautsprecher MH-2 ins Auge.

Lyngdorf-Elektronik

Lyngdorf-Elektronik

Doch das eigentliche Herz dieser reduzierten Kette war Lyngdorfs „Musikzentrale“ TDAI-3400. Ein unscheinbares, jedoch 200 Watt an 8 Ohm leistendes Kraftpaket mit digitalem Audioprozessor, das nicht nur analoge und digitale Eingänge bietet, sondern auch die proprietäre Lyngdorf-Room-Perfect-Raumkorrektur an Bord hat. Außerdem ist er ein Roon-Ready-Medienplayer und AirPlay beherrscht der TDAI-3400 ebenfalls. Der Tausendsassa kostet daheim 4.999 Euro. Wer will, kann sich auch noch den CD-Spieler CD 2 für 2.399 Euro hinzustellen. Aus Peter Lyngdorf sprudelten die vielen Möglichkeiten der insgesamt doch recht kompakten Kette nur so heraus und es würde den vorhandenen Platz bei Weitem sprengen, sie hier alle wiederzugeben. Ausführlicheres finden Interessierte auf der Website von Lyngdorf Audio. Klanglich liegt die Kette auf der neutralen, sehr klaren Seite und wird dabei von erstaunlich erwachsenen Bässen unterfüttert. Zwar lassen sich Räume noch tiefer ausloten und auch mehr 3D ist sicher machbar, doch mit ihrer zackigen Dynamikentfaltung und der Möglichkeit, auch akustisch schwierige Räume zu beherrschen, dürfte die Lyngdorf-Kette ohne Frage Freunde finden.

YG Acoustics spielte zusammen mit Audionet

YG Acoustics spielte zusammen mit Audionet

Dickes Highend in kleinen Hotelzimmern? Ist das überhaupt möglich? YG Acoustics Hailey 2.2 (www.yg-acoustics.com) ist mit einer lichten Höhe von Einmeterundzwanzig wirklich noch kein Riese, reißt aber wegen des knapp 60.000 Euro hohen Kaufpreises schon ein beachtliches Loch ins Portemonnaie. Aber auch der Spielpartner der Haileys hier im Radisson Blue geht beileibe nicht als Sparbrötchen durch: Audionet (www.audionet.de) stellte den CNC-gefrästen Lautsprecherskulpturen aus Denver/Colorado seinen neuen Vollverstärker Humboldt zur Seite. Wegen seines typischen, vom Industriedesigner Hartmut Esslinger entworfenen Designs lässt er sich leicht als Spross von Audionets Ultimate-Serie identifizieren.

Der Audionet Vollverstärker Humboldt

Der Vollverstärker Audionet Humboldt

2 x 250 Watt an 8 Ohm, strikter Doppelmono-Aufbau mit insgesamt vier Ringerkern-Trafos und ein Kampfgewicht von 61 Kilogramm beschreiben nur unzureichend, was Audionet hier für 42.000 Euro auf die Beine gestellt hat.

Mit einem über alle Frequenzen absolut souveränen, enorm stabilen und homogenen Klangbild ist die oben formuliert Frage rasch und eindeutig geklärt, wobei natürlich auch die Klasse von Audionets CD-Spieler Planck nicht unerwähnt bleiben soll. Ein Raum, in dem man sehr gerne für längere Zeit verweilen mochte.

Zellaton-Lautsprecher an FM-Electronic-Elektronik

Zellaton-Lautsprecher an FM-Acoustic-Komponenten

Dies galt gleichfalls für das Hotelzimmer, in dem sich eine Kombination aus Zellatons Monitorlautsprecher Legacy (www.zellaton.de), einer Vor-End-Kombination von FM-Acoustic (www.fmacoustics.com) und dem Plattenspieler SG-1 Super Groove von Vertere nebst Vertere-MC zwar in optischer Zurückhaltung übte (ok, den Plattenspieler, der dank transparentem Acryllook seinen komplexen Innenaufbau offenbart, lassen wir mal außen vor), dafür aber um so mehr klangliche Größe bewies. Allerdings standen weniger markerschütternde Bässe oder schiere Lautstärke im Vordergrund, sondern eine stimmige und hochemotionale Wiedergabe. Wenn in einem vollbesetzten Raum in stummer Eintracht David Oistrakhs erstem Satz des Sibelius-Violinkonzerts gelauscht wird, muss die performende Anlage schon eine ganze Menge richtig machen. Falls Sie nun zu der Ansicht gelangen, dass diese Kette sowohl die Akzeptanz der Gattin als auch ausreichend Platz in Ihrem Wohnzimmer finden könnte, wäre ein kurzer Blick auf die finanziellen Aspekte angebracht: Die FM-Elektronik dürfte gut und gerne mit 50.000 Euro zu Buche schlagen (Verkaufspreise richten sich nach dem aktuellen Wechselkurs des Schweizer Franken), während der Dreher bereits für 16.690 Euro zu haben ist (ohne Tonarm und MC-System). Last, not least werden für die beiden Zellaton-Lautsprecher 24.950 Euro (inklusive passender Ständer) fällig.

Zellaton Legacy

Zellaton Legacy

Seien Sie nicht allzu geknickt, wenn dann nichts draus wird. Mir geht es meist auch so. Und außerdem sehe ich durchaus Möglichkeiten, auf wirklich erlesenem Niveau zu hören, ohne gleich die Altersvorsorge opfern zu müssen.

Angus Leong(links) und Andreas Friedl

Angus Leong (links) und Andreas Friedl

Da hätten wir zum Beispiel Trenner & Friedls Phi (www.trenner-friedl.com). Fullrange-Breitbandlautsprecher, deren Konstruktion sich maßgeblich am Goldenen Schnitt orientiert und die bereits ab 6.000 Euro pro Paar zu haben sind. Wie Andreas Friedl verriet, ist eine Edelversion zum 25jährigen Bestehen von Trenner & Friedl für 12.000 Euro/Paar in Planung, natürlich limitiert auf 25 Stück.

Bitte signieren Sie hier: die Trenner & Friedl Phi mit Unterschrift

Bitte signieren Sie hier: die Trenner & Friedl Phi

Die Teile sehen einfach hinreißend aus. Zumindest wenn man auf Kanten steht. Der verbaute Breitbänder geht unglaublich feinsinnig zu Werke, bindet Details ein, ohne je plakativ zu wirken, und macht schlicht und ergreifend eine Menge Spaß. Natürlich ist bei Maximallautstärke und Bassgewalt Kompromissbereitschaft gefragt, dafür reicht ein simpler Vollverstärker guter Qualität aus, um die Phi ordentlich zu betreiben. Logisch, dass der auch gerne mit Röhren bestückt sein darf.

Vor Ort wurde dann allerdings doch eher geklotzt als gekleckert. Die Rei-Monos von Westminster-Lab (www.westminsterlab.com) aus Hong Kong (Chef Angus Leong hat in England studiert) sind trotz ihrer Handlichkeit veritable Boliden, die nicht nur mit feinsten Bauteilen bestückt sind, sondern auch noch ultrasteife Böden und Deckel aus Karbon bemühen, um Gewicht zu sparen. So kommen immerhin noch gut 16 Kilogramm pro Monoblock zustande. Jedes Kilo zu 875 Euro, macht summa summarum 28.000 Euro.

Die PWL Monos ersetzen zur Not auch den Kamin...

Die PWL Monos ersetzen zur Not auch den Kamin…

Bevor nun der Eindruck entsteht, das Thema der diesjährigen Audio Video Show sei vor allem kompaktes HiFi, werfen wir einen Blick auf die Kooba Amps des polnischen Röhrenspezialisten PWL. In der Treiberstufe kommen Silizium-MosFets zum Einsatz, während die riesige Leistungstriode GMI 30 nicht nur eindrucksvoll das Kaminfeuer ersetzten, sondern auch stramme 250 Watt an 8-Ohm-Lasten bereitstellen soll. Heavy Metal im besten Sinne des Wortes, denn 110 Kilogramm pro Monoblock wollen hier bewegt sein. Musikalisch gelang das den Koobas bereits sehr überzeugend und dass die hier aufspielenden B&W 801 (Vertrieb: www.gute-anlage.de) eigentlich eine ebenso lange Produktionszeit wie ihre schlanken Kolleginnen verdient hätten, hatte ich immer schon geahnt. Wer den kraftvollen und farbigen Ton liebt, gleichzeitig einem guten Röhrenbass mit ordentlich Schubkraft zugeneigt ist, sollte sich die Kraftpakete von PWL einmal anhören. Verkauf in Ermangelung eines Deutschlandvertriebs nach Anfrage beim Hersteller. Derzeitiger Preis für ein Paar Koobas sind 150000 Zloty, umgerechnet also etwa 40.000 Euro.

Equilibrium-Lautsprecher an Rogue-Elektronik

Equilibrium-Lautsprecher an Rogue-Elektronik

Wie smart polnisches Highend auch daherkommen kann, bewiesen Equilibriums S8 aus der Idea Serie des in Zielona Gora nahe der Grenze zu Deutschland beheimateten Herstellers. Die geschlossene Dreiwegekonstruktion wartet nicht nur mit einem 8-Zoll-Basschassis von Eton auf, sondern nutzt für die Mitten einen schwarzen Keramiktreiber von Accuton sowie einen Berylliumhochtöner von SB Acoustics. Ein Sparpaket sieht anders aus. Dazu ist die S8 piekfein verarbeitet und sollte sich mit ihrer modernen und dezenten optischen Erscheinung gut in heutiges Wohnambiente integrieren lassen. Ihr Klangbild basierte auf einem bemerkenswert festen Tiefton, dessen knackiger Punch großes Spaßpotenzial verhieß und mich zunächst an einen aktiven Bass denken ließ. Dies war umso bemerkenswerter, da die Verstärkung von Rogues (www.rogueaudio.com) mit Röhren bestücktem Vollverstärker Cronos Magnum III zu knapp 3.000 Dollar verantwortet wurde. Wie bei den edlen Chassis nicht anders zu erwarten, zeichneten Mitten und Höhen besonders detailliert und gut aufgelöst, ohne dabei je überbrillant oder gar harsch zu klingen. Ein toller Lautsprecher, der sicher auch einen Vertrieb in Deutschland verdient hätte.

Richard (links) und Robert Rudolph von Acapella Audio Arts

Richard (links) und Robert Rudolph von Acapella Audio Arts

Bevor es mit dem Shuttlebus Richtung Nationalstadion gehen sollte, stand noch ein Besuch bei Richard und Robert Rudolph von Acapella Audio Arts (www.acapella.de) an. Die beiden hatten keinen Aufwand gescheut und neben der La Campanella 2 ein Paar Apollon im Radisson Blue Sobieski installiert. Die hoch aufragenden Vertreter aus Acapellas großer 780er-Hornreihe gerieten schnell zum beliebten Hingucker im Hotel. Dafür, dass die klangliche Qualität der 117.880 Euro schweren Luxusschallwandler nicht ins Hintertreffen geriet, sorgte Martons Opusculum Reference V3.0 Vollverstärker (69.000 Euro).

Im Acapella-Raum

Im Acapella-Raum

Der fast 100 Kilogramm schwere Integrierte schickt im reinen Class-A-Betrieb 2 x 60 Watt an die Terminals, während es im Class-AB-Modus bereits 2 x 400 Watt an 8 Ohm sind. Da Marton und der auch bei uns namhafte Stromspezialist Gigawatt eine enge Kooperation pflegen, wurde der Kette natürlich auch eine ausgezeichnete Stromversorgung zuteil. Die Apollon dankten den Aufwand mit einem enorm realistischen und dynamischen Klang, der zumindest im Sobieski wenig Konkurrenz zu befürchten hatte. Natürlich bereiteten auch Acapellas La Campanella 2 (20.400 Euro) an Martons neuem „kleinen“ Amp Opusculum V1.0 (33.000 Euro) mächtig Laune, doch die beeindruckenden Apollon waren eindeutig die Publikumslieblinge.

Im Stadion PGE Nadowny nahm der Besucherandrang am Samstag nochmals deutlich zu. Wie bereits in den Vorjahren ließen sich die Aussteller nicht lumpen und präsentierten wieder Anlagen der internationalen Topklasse.

Wilson Audios Sasha DAW an Dan D'Agostino-Monos

Wilson Audios Sasha DAW an Dan D’Agostino-Monos

Wilson Audios Sasha DAW (Vertrieb: www.audio-components.de) hatte ich ja bereits auf der Münchener High End als wirklich außergewöhnlichen Schallwandler kennengelernt. Hier, in einer der Lounges rund um das Spielfeld des Stadions, befeuerten nun D‘Agostino-Monos (Vertrieb: https://audio-reference.de/) der Progression Serie die in Erinnerung an den verstorbenen Firmengründer David A. Wilson DAW benannten Lautsprecher. Ob nun unter Messebedingungen ein wirklicher Unterschied zu den Kraftwerken der Momentum-Klasse zu vernehmen war? Da muss ich passen, doch ganz sicher könnte ich mit den Progression-Monos, die übrigens direkt vom DCS DAC angesteuert wurden, sehr, sehr glücklich werden.

Helena Bermann und Udo Besser von AVM präsentierten unter anderem den Aktivlautsprecher AM 6.3

Helena Bermann und Udo Besser von AVM präsentierten unter anderem den Aktivlautsprecher AM 6.3

Wieder auf einem der weitläufigen Flure unterwegs, traf ich auf Udo Besser von AVM (https://avm.audio/de/). Dieser hatte eine charmante Mitarbeiterin an seiner Seite und beide beantworteten eifrig Fragen der Besucher zu den neuesten Produkten des Herstellers. Neben dem jetzt in endgültiger Form präsentierten Aktivlautsprecher AM 6.3 waren es vor allem die All-in-one-Lösungen, die CD-Receiver CS 6.2 BT (9.790 Euro) und CS 8.2 BT (11.990 Euro), sowie die nun mit einer Röhreneingangsstufe aufwartende große Stereo-Endstufe Ovation SA 8.3 (14.995 Euro) nebst entsprechender Monoverstärker MA 8.3 (29.950 Euro), die das Interesse auf sich zogen.

AVMs neue Phonovorstufe PH 8.3

AVMs neue Phonovorstufe PH 8.3

Mich selbst gelüstet es nach dem neuen Referenz-Phonovorverstärker AVM PH 8.3, der dank Modulbauweise enorme Flexibilität verspricht. Aufgrund der versprochenen Fernbedienbarkeit wäre auch der flotte Wechsel zwischen unterschiedlichen Impedanzen ein Kinderspiel. Wie der AVM-Chef versicherte, soll der 6.990 Euro teure PH 8.3 demnächst pünktlich zum Weihnachtsgeschäft beim HiFi-Händler stehen.

Messeauftritt von TAD Labs.

Messeauftritt von TAD Labs.

Gäbe es einen Preis für den schönsten Raum, hätte ihn wohl TAD Labs. (https://tad.tokyo/) verdient. Was wie ein geschmackvoller Livingroom ausschaute, entpuppte sich bei näherer Betrachtung und einigen Erklärungen von Mirek Duda, der mit den Planungen für den Messeauftritt bereits vor vielen Monaten begonnen hatte, als ein akustisch bis ins kleinste ausgeklügelter Hörraum. Sinn und Zweck des Aufwandes: Die Top-Elektronik und Lautsprecher von TAD Labs. sollten ihre Stärken voll ausspielen können. Installiert hatte man eine an Komponenten überschaubare Kette, deren klangliche Leistungen dennoch durchweg auf höchstem Niveau angesiedelt waren. Die Standlautsprecher E1 TX, Spitzenmodelle der Evolution-Serie (25.000 Euro), wurden im Biampingbetrieb von zwei M1000-Endstufen (pro Stück 17.000 Euro) mit stabiler Leistung versorgt. Digitale Quelle war der SACD/CD-Spieler D1000 Mk2 (17.000 Euro), der neben der Vorstufenfunktion auch die eines externen DACs übernehmen kann.

TAD Labs. D1000 Mk2

TAD Labs. D1000 Mk2

Was viele angesichts der stupenden Basstauglichkeit der moderat großen Schallwandler nicht glauben mochten: Die seitlich sichtbaren Abdeckungen verbergen keine zusätzlichen Woofer, sondern lediglich die bidirektionalen ADS-Ports, spezielle Bassreflexöffnungen also.

Wenn die Anlage etwas ausladender werden darf: im Gryphon-Raum

Wenn die Anlage etwas ausladender werden darf: im Gryphon-Raum

Nachdem Gryphon (https://gryphon-audio.dk/) im letzten Jahr mit einer kleineren Anlage aus Dänemark angereist war und vor allem durch deren besondere Finesse zu beeindrucken wusste, sollte es diesmal das große Besteck sein. Den Besuchern der fast immer vollbesetzten Gryphon-Lounge dürften daher zunächst die aus vier hochgewachsenen Säulen bestehenden Schallwandler Kodo (etwa 309.000 Euro) ins Auge gefallen sein. Die inneren Säulen sind für den Mittel- und Hochton zuständig und verfügen über nicht weniger als elf Treiber pro Seite. Außen stehen die Basssäulen mit je acht Acht-Zoll-Basschassis, deren eingebaute Endstufen bei Bedarf bis zu 4000 Watt bereitstellen können. Daneben nehmen sich die Monoverstärker Mephisto Solo (107.000 Euro/Paar) fast schon zierlich aus.

Blick auf die Gryphon-Elektronik

Blick auf die Gryphon-Elektronik

Beim Vorverstärker fiel die Wahl auf die Vorstufe Pandora (28.500 Euro), während die Phonosignale ihre Vorentzerrung über Gryphons großen Phonopreamp Legato Legacy (ab 12.850 Euro) erfuhren. Mit Gryphons CD-Spieler Ethos (34.000 Euro) und Grand Prix Audios direktgetriebenem Laufwerk Parabolica (19.900 Euro) standen besonders hochwertige Quellen bereit. Natürlich fand das zu erwartende Spektakel von schierer Kraft und ultimativer Dynamik statt, doch dazwischen erlaubte die gewählte Musik Einblicke in einen unerwartet sensiblen Mikrokosmos an fein gewobenen Klängen, die ich einer physisch so präsent auftretenden Installation bis dato schlicht nicht zugetraut hätte.

DeVore-Fidelity-Gibbon-Lautsprecher an Engström-Verstärker

DeVore-Fidelity-Gibbon-Lautsprecher am Engström-Verstärker

Ähnlich feinfühlig, aber im Auftritt weder so martialisch noch raumgreifend, spielte eine Anlage, als deren Herzstück ich Engströms Arne, einen integrierten Röhrenamp mit vier 300B-Trioden in einer symmetrischen Push-Pull-Schaltung, identifizierte. Arne ist zwar die günstigste Offerte der Schweden, sein Erwerb erfordert aber dennoch die Kleinigkeit von 29.900 Euro. Weitere 16.900 Euro werden hier für ein Paar DeVore Fidelity Gibbon X (Vertrieb: https://h-e-a-r.de/) fällig. Brinkmanns Taurus, der neueste Direkttriebler des Hauses, und die passende Phonovorstufe Edison Mk.II schlagen schließlich mit 12.000 und 10.500 Euro zu Buche. Inklusive einiger Kabel steht dann der Gegenwert eines mit einer Handvoll Extras aufgewerteten Porsche Boxters im Wohnzimmer. Der klingt allerdings seit dem Downsizing von sechs auf vier Zylinder nicht mehr so besonders, weshalb ich zur oben genannten Alternative rate. Die Kette entpuppte sich nämlich als Genuss an Klangfarbe, Musikalität und Stimmigkeit.

Engström Arne

Engström Arne

Nein, die der 300B oft nachgesagte Euphonie war nicht einmal im Ansatz zu vernehmen, dafür aber eine Selbstverständlichkeit, die vielen, auch deutlich teureren Ketten, zu fehlen schien. Großes, großes Kino!

Technics RS-B965

Technics RS-B965

Am Sonntag, dem letzten der drei Messetage, stand schließlich der Besuch der Säle des Golden Tulip an. Auch hier haben sich die Aussteller große Mühe bei der Abstimmung ihrer Anlagen gegeben – und schlecht klingen tat es tatsächlich nirgendwo. Vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, wie ich beim Abhören von zwei AudioTekne-Breitbandlautsprechern konstatierte. Allerdings lag es wohl eher an der Tonquelle, die sich beim genauen Hinsehen als Technics RS-B965 (www.technics.com), ein Dreikopf-Casettendeck mit quarzgeregeltem Direktantrieb aus 1992, entpuppte. Cool, dass es so etwas noch gibt!

Wojciech Pacuła von Highfidelity.pl führte eien ganz besondere Anlage vor

Wojciech Pacuła von Highfidelity.pl führte eine ganz besondere Anlage vor

Größer konnte der Switch auf die Top-Anlage im Nebenraum kaum ausfallen. Hier führte Wojciech Pacuła von Highfidelity.pl mit diversen schwarzen Scheiben vor, die er auf einem Techdas Airforce III Premium (31.050 Euro ohne Arm; Vertrieb: https://ibex-audio.eu/) abspielte. Den zierte ein SAT-LM 09 Tonarm von Swedish-Analog-Technologies (SAT). Beileibe keine Allerweltskost.

Die schlanken, jedoch hohen Lautsprecher identifizierte ich als Gauder Akustiks (www.gauderakustik.com) neues Referenzsystem DARC 140 (80.000 Euro, mit Diamant-HT 88.000 Euro). Zwischen diesen ließ sich Vitus Audios SIA-030 erblicken, ein enorm leistungsstarker (und schwerer) Vollverstärker. Nach Wahl generiert der Däne 30 Watt in reinem Class-A oder man wählt den AB-Betrieb, in dem er, angefeuert von einem 2,2-VA-Trafo, ultrastabile 2 x 200 Watt abgeben kann.

Hans Ole Vitus mit seinem neuen Vollverstärker Vitus SIA-30

Hans Ole Vitus mit seinem neuen Vollverstärker Vitus SIA-030

Sollte ich einem Freund ohne viele Worte den Sinn von Highend erklären, ich würde ihn vor diese Anlage setzen und die Sache wäre wohl geritzt. Kontrolle, Kraft und Klang in einem Ausmaß, dass es einem glatt die Sprache verschlagen konnte. Muss man einfach mal gehört haben. Insbesondere der Integrierte von Vitus Audio weckte in mir nicht ganz unbekannte Haben-Wollen-Impulse, die es angesichts des 35.000-Euro-Preisschildes aber erst einmal zu unterdrücken galt.

Ein Ortswechsel war daher unumgänglich und führte mich zu der letzten Station meines diesjährigen Warschaubesuchs. Eigentlich wollte ich den Raum direkt wieder verlassen, denn es lachte mich zum gefühlt zwanzigsten Mal Lampizator-Elektronik an. Natürlich gab es klanglich daran überhaupt nichts auszusetzen, doch im Sinne gesunder Abwechslung war das auch nicht gerade. Mein Blick fiel noch auf zwei recht amtlich aussehende Monitore, die man zwecks Resonanzminderung mit (wahrscheinlich gewichtigen) Beuteln in Form schwarzer Mäuse beschwert hatte. Ich nahm Finks Liveversion von „Troubles what you‘re in“ wahr und dieses monotone Gitarren-Riff. Doch diesmal trieb es den Song mit ungewohnter Intensität und Spannung nach vorne. Dann dieser Bass! Wow, mein Blick ging unwillkürlich zu den beiden Subwoofern im Raum, doch der Vorführer bedeutete mir unmissverständlich, sie seien gar nicht angeschlossen.

Sveda-Audio-Blipo-Lautsprecher an Lampizator-Elektronik

Sveda-Audio-Blipo-Lautsprecher an Lampizator-Elektronik

Sveda Audios Blipo sind geschlossene Zweiwege-Akivlautsprecher mit ScanSpeak-Chassis in einer D‘Appolito-Anordnung. Anders als derzeit meist üblich, werden sie nicht von zugekauften Class-D-Modulen, sondern von Svedas eigenen, mit bipolaren Transistoren aufgebauten Class-AB-Verstärkern angetrieben. Eine hörbar richtige Entscheidung. Leider wurde die Zeit allmählich knapp und der Flieger würde nicht warten.

Epilog: Björn Kraayvanger von LEN-HiFi (https://www.lenhifi.de/) steht beim Boarding hinter mir und fragt: Kennst du Sveda Audio? Seit heute ja, antworte ich. Hey, ich bekomme demnächst den Vertrieb. Gratuliere, Björn, was werden die denn kosten? Ist noch nicht sicher, so um 8.000 … Während ich meine Bordkarte abscanne, lässt sich ein Lächeln einfach nicht mehr unterdrücken.

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Adam Audio / Hoerzone

Über die Autorin / den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: TW-Acustic Raven AC Tonarm: Graham Phantom B-44, Analog Tools, Pyon Sound Iris Tonabnehmer: Steinmusic Aventurin 6, modifiziertes Denon DL 103R Sonstiges: Plattentellermatten von Dereneville und Steinmusic, externer Plattenspielerantrieb Dereneville DAE-01SP

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Questyle CMA 600i Musikserver: Innuos Zenith SE

Vollverstärker: Devialet D-Premier

Vorstufen: Hochpegel: Silvercore 324 Phonoverstärker: Einstein The Phonostage

Endstufen: Dartzeel NHB-108 (Stereo), Tenor Audio 75 Wi (Monos), Kharma MP150

Lautsprecher: Acapella La Campanella, Clockwork Event Horizon

Kabel: Lautsprecherkabel: Analog Tools Reference Serie NF-Kabel: Analog Tools Reference Serie, Akeno Audio Ultimate Netzkabel: Steinmusic Highline Netzleiste: Nordost QRT QB4 und QB8 Sonstiges: Analog-Tools-Phonokabel (Reference Serie)

Zubehör: Stromfilter: Trenntrafos von Steinmusic Sonstiges: Sicherungen: AHP-Klangmodule, Steinmusic Harmonizer, AHP II Kupfer, Hifi-Tuning Supreme 3 und Audio Magic SHD Beeswax Ultimate

Sonstiges: Racks von Copulare und Audio Lignum, Basen von Symposium Acoustics und Acapella, Symposium Precision und Ultra-Coupler. Harmonix RFA-7800 Room Tuning Devices

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 23,4 m² Höhe: 2,64 m