Test: Pioneer XDP-100R | Digital Audio Player (DAP)
Preis: 749 Euro

Audiophiler Androide

Pioneer XDP-100R DAP

August 2016 / Fritz Schwertfeger

Schaut man ein paar Jahre zurück, so erscheint ein heutiger Digital Audio Player wie der XDP-100R von Pioneer wie die Inkarnation des lang gehegten Wunschtraums hifideler Computer-Nerds. Denn während noch vor gar nicht allzu langer Zeit Highres-Inhalte aufgrund ihrer schieren Dateigröße an stationäre Gerätschaften gekettet waren, erlauben mobile Edelportis heute sogar DSD-Konvertierung und noch weit mehr. Möglich wird das dank flinken Rechenknechten (CPUs), kostengünstigen und fast schon ausufernd großen Speicher-Kapazitäten sowie leistungsstarken D/A-Wandlern.

Während sich andere Hersteller in Sachen MQA noch mit Absichtsbekundungen die Zeit vertrieben, lieferte Pioneer mit dem XDP-100R den ersten mobilen Digital Audio Player, der bei seinem Stapellauf auch das neue Verfahren an Bord hatte. Er beherrscht nicht nur lupenreine DSD-Wiedergabe bis 11,2 MHz, dazu sämtliche hochauflösende Formate bis 384 kHz, sondern ist darüber hinaus auch ein multimedialer Entertainer, der von Tethering, Bluetooth-aptX- und WiFi-Übertragung an Geräte/Lautsprecher im Netzwerk bis hin zu Videowiedergabe oder der Fernbedienung anderer HiFi-Geräte mittels entsprechender Apps die Stärken seines Android-Betriebssystems voll ausspielt. Rein audiophile Puristen, die auf die zusätzlichen Spielereien gerne verzichten können, versöhnt der Pioneer mit dem „Stand-alone“-Modus, in welchem alle für den Musikgenuss unnötigen Funktionen wie z. B. WLAN-Verbindung, Bluetooth und sogar das Display komplett ausgeschaltet werden, um dem Tonsignal keinerlei Störungen in die Quere kommen zu lassen und natürlich auch den Akku zu schonen.

Hi-Res Musik genießen und gleichzeitig via www.onkyomusic.com oder bei www.highresaudio.com für Nachschub sorgen? Nebenher die letzten Mails abrufen, im Internet stöbern oder ein unterhaltsames Game ausprobieren? Alles kein Problem. Der immer beliebter werdende verlustfreie Streaming-Dienst Tidal und seine mit komprimierten Daten operierenden Konkurrenten wie Apple Music oder Spotify steuern - einfach als App aus dem Google Play Store installiert - ebenfalls ihre Inhalte bei. Internetradio via TuneIn? Ebenso möglich, zumindest solange man sich im heimischen Netzwerk befindet. Gerne gehörte Inhalte der Streamingdienste erschließen sich im Offline-Modus übrigens selbstverständlich auch unterwegs, nachdem sie zuvor in den internen Speicher abgelegt wurden.

Pioneer XDP-100R Display

Konkurrenz belebt das Geschäft: Den Kunden freut es, denn so kommt mit einem Mehr an Akteuren gehörig Bewegung ins Spiel. So ist Pioneer neben Astell & Kern, FiiO, Sony, Cowon, HiFi-Man und Konsorten ein weiterer Big-Player, der mit seinen Derivaten von Onkyo und Teac bereits ordentlich am Markt für Digital Audio Player mitwirkt. Zudem kommt mit der Implementierung von MQA eine neue Technologie zum Tragen, die Pioneer einigen anderen Herstellern im Moment voraus hat. Andere werden diesem Beispiel sicher folgen, aber der Pioneer XDP-100R wird zweifellos in Sachen Master Quality Authenticated (MQA) als primus inter pares in die Geschichtsbücher eingehen. Aber was genau ist nun MQA eigentlich?

Oftmals fälschlicherweise als eigenständiger Codec betrachtet, ist MQA ein von Bob Stuart, dem Gründer von Meridian, entwickeltes (De-)Kodierungsverfahren, das gleich mehrere Vorteile in sich vereint. So werden hochqualitative Studio-Master-Aufnahmen von Ungenauigkeiten und damit Signalverfälschungen auf der Zeitachse bereinigt und hochaufgelöste Files bis hin zu 384 kHz innerhalb eines 44,1-kHz- respektive 48-kHz-Containers verpackt und ihre zusätzlichen Informationen isoliert. Im Grunde vollkommen verblüffend, hat mit MQA ein Hi-Res-File wie etwa Arnesen, Album: Magnificat in 24 Bit/192 kHz gerade mal 51,6 MB Datenvolumen.

Klein genug also, um zuhauf erworbene Hi-Res-Inhalte platzsparend im Speicher eines Digital Audio Players abzulegen oder Hi-Res-Streaming via Diensten wie Tidal oder Qobuz - ob zuhause oder auch unterwegs - praktikabel werden zu lassen. Hi-Res-Streaming kann mittels MQA ohne größeren Aufwand und auch ohne kostentreibende Dubletten auf Seiten der Dienstanbieter - denn MQA-Files bedienen auch Geräte ohne entsprechenden Decoder - ermöglicht werden. Fürs Streaming wird lediglich eine Bandbreite benötigt, die nicht größer ist als bei Streams in herkömmlicher CD-Qualität. Und es können bekannte, gängige Formate eingesetzt werden, wie etwa FLAC, Apple Lossless oder WAV, die als Container für MQA fungieren.

Pioneer XDP-100R Seite

Dies sichert wie bereits erwähnt eine Kompatibilität für alle üblichen digitalen Abspielgeräte zu, während Endgeräte, die auf einen MQA-Decoder zurückgreifen, dem Hörer eine authentifizierte Übertragung mit sämtlichen isolierten Inhalten in besserer Qualität ermöglichen.

Unterwegs im Einsatz erwarten nicht nur Digital Natives von einem Edel-Mobilplayer, ganz gleich von welchem Hersteller, insbesondere zwei Dinge: Höchstmögliche Klangqualität bei komfortabler Bedienung. Ob der Pioneer XDP-100R diese Erwartung erfüllt, wird der weitere Test zeigen. Erfreulicherweise bietet der Pioneer auch die Möglichkeit, per USB-Ausgang direkt mit einem externen DAC oder entsprechend ausstaffierten (DAC-)Vollverstärker zu kommunizieren. Per Line-Out-Modus kann der Pioneer auch via Kopfhörerausgang an den Verstärker angeschlossen werden.

Pioneer XDP-100R Mit Meze kopfhörer

Mit seinem in der Kantenlänge 12,7 cm großen, (sichtbar jedoch: 10,4 cm) die gesamte Front überdeckenden Display stellen sich Plattencover informativ und ansehnlich dar. Seine Stärken zeigt das Display auch bei bewegten Bildern wie etwa Filmen oder Serien, zum Beispiel über Netflix. Knackscharf entfaltet das mit 1280 x 780 Bildpunkten aufwartende Display seine Farbenpracht und garniert seine Darstellungsdarbietung obendrein mit sattem Kontrast und präziser Auflösung. Ob Schriftzüge oder Plattencover bei Tidal, alles wird dem Betrachter gestochen scharf präsentiert.

Die aufgeräumte Formensprache des Pioneer XDP-100R weckt beim ersten Blick Assoziationen an den mit bärenstarken Ausgangsstufen und einem beeindruckend klarem Klangbild aufwartenden koreanischen Hi-Res Player Calyx M. Auf den zweiten Blick setzt der XDP-100R gleichwohl eigene unverkennbare optische Akzente. Dafür sorgt nicht nur der oberseitig angebrachte abschraubbare Bügel, der sich schützend über dem Klinkeneingang in die Höhe streckt. Findige Zeitgenossen könnten natürlich auch auf die Idee kommen, den Bügel mit einem Karabinerhaken einzufassen. Praktischerweise dürfte er so seinem Träger weder abhandenkommen können noch Langfingern allzu leicht in die Fänge geraten. Eher zur Designunterstreichung dann auch der unterseitige Fallschutz, der den USB-B-Micro-Anschluss (für das Laden des Akkus und zur Datenübertragung) wie auch den eingebauten Lautsprecher umrahmt. Durch seine flache Bauweise von gerade mal 1,3 Zentimetern und seinem geringem Gewicht von knapp unter 200 Gramm liegt der mobile Audioplayer sehr gut in der Hand.

Pioneer XDP-100R Detail

Die mit einer Phase versehene linke Gehäuseseite und der die gerade Linienführung unterbrechende Winkel auf der Unterseite wirken zunächst wie Design-Gimmicks, dienen aber der einhändigen Bedienbarkeit, die sicher und schlafwandlerisch vonstattengeht. Während mit dem linken Zeigefinger das fein gerändelte Lautstärke-Drehrad mit seiner 160 Schritte umfassenden Regelung bedient werden kann, finden die anderen Finger so prima Halt auf dem eloxierten Alukleid des Pioneer XDP-100R. Bedientasten wie Start/Stop/Skip sind sauber und bündig auf der rechten Gehäuseseite eingelassen. Selbst wenn der Player in der Manteltasche seinen Pflichten nachkommt, ist er im Blindflug per Daumen bedienbar. Unterhalb der Bedientasten finden sich auch die beiden Micro-SD-Karten-Slots, die jeweils Karten bis zu einer Größe von 200 GB unterstützen. Zusammen mit dem internem 32-GB-Speicher ergibt sich so eine maximale Speicherkapazität von geräumigen 432 GB.

Bei der Konzeption des aus einem massiven Aluminiumblock herausgearbeiteten Gehäuses und des Platinenlayouts folgten die Entwickler dem Gedanken, die unterschiedlichen Baugruppen in strikt voneinander abgetrennten Gehäusebereichen unterzubringen. Das dient der besseren Störimmunität und reduziert gegenseitige Beeinflussungen auf ein Minimum. Während sich in Smartphones der Prozessor nebst Wandler-Käfer und der verstärkenden Ausgangsstufe eng beieinander sortiert wiederfinden, werden im Pioneer gegenseitige störende Einflüsse so von vornherein vermindert.

So räkeln sich im oberen Teil der Platine lediglich der bestens beleumundete SABRE 9018K2M DAC von ESS Technologies sowie der ebenfalls von ESS stammende und von einer Armada Pufferkondensatoren umzingelte Kopfhörerverstärker 9601K. Die Audioschaltkreise wurden mit Respektabstand in den unteren Teil des Pioneer XDP-100R verfrachtet.

Pioneer XDP-100R Display Detail

Zurück zur Bedienung: Der Pioneer XDP-100R lässt neben drei wählbaren Filtercharakteristiken des D/A-Wandlers (sharp/slow/short) auch eine Einflussnahme auf die digitale Phasenregelschleife (PLL: Phase Locked Loops) bei der Taktrückgewinnung zu. Während die Filter das Impulsverhalten des Signals beeinflussen, wirkt sich der Eingriff in die PLL auf das gefürchtete, weil klangverschlechternde Taktzittern (Jitter) aus. Verstellt man in der Praxis die auf sieben Stufen gespreizte Lock Range, bewegt man sich auf den Punkt zu, in welchem das Phasenrauschen des Jitters am geringsten ausgeprägt ist. Das wiederum lässt sich durch ein sauberes und impulsschnelles Klangbild heraushören.

Ein sich über die Bandbreite von 32 Hz bis 32 kHz erstreckender Equalizer - inklusive vorgespeicherter Presets wie Rock, Pop, Vocal oder Jazz - bietet weitere Möglichkeiten der Klangbeeinflussung. Wem das alles zu wenig puristisch ist, der lässt den EQ einfach außen vor und erfreut sich an dem Spektrum Analyzer, der auch bei ausgeschaltetem EQ an unteren Rand des Displays zu sehen ist.

Bei der umfänglichen Bedienung allzu viele Worte zu verlieren, erscheint unnötig, denn der XDP-100R lässt sich kinderleicht ins Netzwerk einbinden, individualisierbar einrichten und auch von Nicht-Computernerds im Handumdrehen steuern. Dazu trägt sicherlich die selbsterklärende und logisch aufgebaute Bedienoberfläche des als eigenständige Applikation ausgeführten Music Players bei. Ohne sich durch unzählige Menüstrukturen hangeln zu müssen, sind alle wichtigen Informationen wie Cover, Track, Auflösung (Bit-Tiefe) und Musikformat blitzschnell ersichtlich. Streicht der Finger in Richtung Norden über das Display fährt die aktuelle Playlist hinab, geht der Finger in südliche Gefilde ist das Equalizer-Menü zur Hand.

Pioneer XDP-100R DAP

Musikalische Inhalte finden ihren Weg entweder durch direktes Aufspielen auf die MicroSD-Karten oder - noch unkomplizierter - indem das kleine Programm „Datenübertragung für Android“ verwendet wird. Damit lassen sich Inhalte an den per USB an den Rechner angeschlossen DAP zügig übertragen. So brauchte es für die Übertragung des 1,38 GB großen, in WAV vorliegenden 24-Bit-Masters von Nils Frahms Album Solo gerade mal 1 Minute und 58 Sekunden.

Die Plattencover - sogar die im WAV-Ordner eingebetteten JPG-Dateien werden im Playmodus angezeigt - werden wie anfangs erwähnt großflächig und dennoch dezent im Hintergrund abgebildet, so dass andere Bildschirmelemente nicht Gefahr laufen, überdeckt zu werden.

Ebenfalls sehr schön gelöst ist auch der schnelle Zugriff auf die tiefere Menüstruktur, die man nicht jedes Mal umständlich suchen muss. Sollen Filtereinstellungen, Upsampling oder auch der mehrstufige Club-Sound-Boost für voluminöseren Tiefgang der unteren Oktaven aktiviert werden, reicht die Berührung des Zeilensymbols auf der oberen rechten Display-Seite. Streicht man mit dem Finger von links nach rechts, blättert man durch die insgesamt fünf Bildschirmseiten, die teils frei konfigurierbar das i-Tüpfelchen auf die Bedienungskrone setzen.

Steht zuhause eine Server-Instanz zur Verfügung, wie z. B. eine NAS oder wie in meinem Fall der Auralic Aries Mini mit seinem Auralic-Server, lassen sich dessen Inhalte einfach per BubbleUPnP-App auf den Pioneer XDP-100R streamen. Kleiner Tipp: Wer möglichst wenig Kompromisse in Sachen Komfort und Klang eingehen will, sollte sich den NePlayer von Radius im Google Play Store besorgen. Ebenfalls möglich ist auch das Hin- und Herschalten zwischen Musik aus der Tidal-App, dem BubbleUPnP-Player und der direkt auf den internen Speicher zugreifenden Musik-App.

 

 

 

Im Test:

Digital Audio Player (DAP):
Pioneer XDP-100R

UVP zum Testzeitpunkt:
749 Euro

Hersteller & Vertrieb:

Pioneer & Onkyo Europe GmbH

Telefon:
+49 (0) 2154 - 913 13-0

Web:
www.pioneer-audiovisual.eu


 

Equipment:

Quellen:
Linn Sneaky DS, Auralic Aries Mini, Sony CDP X-707 ES, Mac Mini mit Audirvana

DAC/Kopfhöreramp/ Phonovorstufe: 
Mytek Brooklyn

Phono:
Linn LP12,  Pro-Ject Perspective Anniversary 

Lautsprecher:
KEF LS 50, Isophon Vertigo (Signature Upgrade),  Audiostatic ES 300 (Fullrange Elektrostaten), Elac 247.3 Canton Vento 890.2,  Vento 830.2/Vento Center/Sub 600

Verstärker:
Vollverstärker: Cayin MT-34L, Sony TA-DA 9000 ES, Pioneer SC-LX 89
Vor-/Endkombi: Sony TA-E 80 ES /2 x TA-N 80 ES (Bi-Amping)

Mobile DAP / DAC:
Astell&Kern AK 380, Calyx M, Chord Mojo

Kopfhörer:
Beyerdynamic DT 1770 PRO, Astell&Kern AK T8iE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

wunschtraum hifideler computer-nerds?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

alles kein problem

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

im grunde vollkommen verblüffend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

eigene akzente

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

audioschaltkreise im respektabstand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schön gelöst