Billboard
Orbid Sound Next Generation

Hifi Test fis-Audio HiFi-Netzleitung – Testbericht Kabel, High End-Hifi-Magazin fairaudio

Inhaltsverzeichnis

  1. 2 Hifi Test fis-Audio HiFi-Netzleitung - Testbericht Kabel, High End-Hifi-Magazin fairaudio

fis Audio: HiFi-Netzleitung / Material

Der Querschnitt der Leiter beträgt 2,5 qmm – schon mehr als die standardmäßigen 1,5 der Hausinstallation, aber es gibt auch wesentlich „Dickeres“ am Markt. Querschnittsstärke ist aber auch nicht das alles Entscheidende – beim Thema Lautsprecherkabel wissen die meisten das schon. So hat man bei fis Audio auch zunächst mit größeren Querschnitten experimentiert, diesen Weg aber schließlich wieder verworfen.

Ein Punkt, der von fis Audio besonders hervorgehoben wird, ist, dass die Isolation der Adern NICHT aus PVC besteht. Die dielektrischen Eigenschaften dieses Materials sind tatsächlich nicht die besten – aber das soll bei der Stromversorgung von Relevanz sein? „Und ob!“, so Herr Fitzlaff. Daher findet LDPE (Low Density PolyEthylene) Verwendung, ein Material mit geringer Dielektrizitätskonstante. Einer der Gründe, warum dieses Kabel eine sehr geringe Kapazität aufweise – sowohl hinsichtlich der Leiter untereinander, als auch im Verhältnis dieser zur Schirmung. Dies sorge für eine verlustarme Leistungsübertragung die – dank doppelter Schirmung – zudem frei von (hochfrequenten) Störeinflüssen gehalten wird. Ein weiteres Detail: Neben dem „üblichen“ Masseleiter sind noch drei zusätzliche Schutzleiter vorhanden, deren Querschnitt etwas dünner ausfällt. Ummantelt werden die insgesamt sechs Adern – und das Schirmgeflecht – schließlich von der äußeren Isolationsschicht (aus Polyethylen).

fis Audio: Siba Sicherung

Die Sicherung, die Herr Fitzlaff in meinem Sicherungskasten einbaute, stammt übrigens von der Firma Siba. Kein Hersteller, dessen Kerngeschäft HiFi heißt – solche Modelle werden sonst für messtechnische Anlagen verwendet. Aber dieser daumendicke Typ mit den versilberten Endkappen, dem Reinsilber-Kennfaden und der speziellen Sandfüllung – der sei eben auch hervorragend für Audioanwendungen geeignet, so Herr Fitzlaff.

fis Audio: Siba Sicherung

Gleiches gälte für die Steckdose am anderen Ende der Leitung: Hier werden die Kabel nicht einfach in Klippkontakte gesteckt, sondern schön altmodisch verschraubt. Der Anpressdruck der „Schutzleiter-Federn“ sei auch höher als normal, deren gesamte Ausführung einfach solider.

fis Audio: Steckdose

Was so etwas kostet? Der Sicherungshalter liegt bei 49 ¤, die Sicherung bei 23 ¤ (es gibt auch kleinere, preiswertere Ausführungen). Die Steckdose schlägt mit 43 ¤ zu Buche und beim Kabel wird nach Länge abgerechnet: 39 ¤ der Meter (inklusive Kabelkanal). Es sei denn, Sie wohnen (wie ich) beispielsweise in einem Altbau, dann sind 49 ¤/Meter fällig. Warum? Im Meterpreis ist der Arbeitsaufwand mit einkalkuliert worden – und der ist erfahrungsgemäß in einem Altbau höher. Wer in einem solchen wohnt und schon mal drei Bilder und eine Gardinenstange aufgehängt hat, weiß, wovon die Rede ist …

Gesetzt den Fall, Sie haben zehn Meter vom Sicherungskasten bis zur Anlage zu überwinden, dann liegen Sie summa summarum also ungefähr zwischen 500 ¤ und 600 ¤ – je nachdem, wie aufwändig sich die Verlegung in Ihrem Domizil gestaltet. Kein Pappenstiel, auch im günstigen Fall nicht – dafür besitzen Sie dann aber die „bestmögliche Stromversorgung“, so zumindest unbescheidener Weise Herr Fitzlaff. Na, mal sehen. Natürlich konnte ich keinen Quercheck von einem Dutzend verschiedener Stromleitungen unternehmen – aber zumindest einen A/B-Vergleich mit der bisherigen Hausinstallation anstellen. Und da diese „am Anfang“ mit dem Sicherungsmodul von Hifi-Tuning startet und „am Ende“ mit einer HMS-Steckdose (s.u. Bild) aufhört, behaupte ich einmal (großzügig), dass die Unterschiede zwischen beiden im Wesentlichen auf das Kabel zurückzuführen sind.

hms-Steckdose

Bevor es aber soweit kam, musste kräftig gearbeitet werden: Die Installation und Verlegung dauerte dann doch etwas länger. Zum einen wegen der üblichen Altbau-Scherereien (Bohrlöcher verwandeln sich ungewollt in Krater, diese müssen zugespachtelt werden. Hat man Spachtelmasse zur Hand? Natürlich nicht, also ab zum Baumarkt … etc. p.p.), zum anderen aber auch ein kleines bisschen wegen des minuziösen Arbeitsstils des Herrn Fitzlaff …

Das Kabel war verlegt und es musste nur noch die Steckdose angeschlossen werden. „Was macht der denn da jetzt so lange?“, fragte ich mich und schaute einmal nach. Herr Fitzlaff, hinter meinem Rack und dem rechten Lautsprecher liegend, penetrierte mit einem Q-Tip die Steckdose! Was …? So gehe das eben nicht, erst das gute Kabel verlegen und dann nicht auf solche Sachen achten, wurde mir sinngemäß zu verstehen gegeben. Ein mit reinigenden Essenzen versehenes Wattbäuschlein macht die Schuko-Kontakte blitzblank! Ah, okay …

  • „Herr Werner, ich hab gesehen, Sie haben einen Miele-Staubsauger …?!“
  • „Äh, ja. Wieso?“
  • „Die eignen sich ganz gut.“
  • „?“
  • „Die laufen nicht so schnell an.“
  • „??“
  • „Nun, die Sicherung ist sehr flink, ich habe schon Kunden gehabt, da zogen die Monos beim Einschalten so viel, das die Sicherung durchbrannte, da musste dann was anders her …“
  • „Hm. Und was hat das nun mit meinem Staubsauger zu tun?“
  • „Na, das Kabel muss sich natürlich erst einmal einspielen! Wenn man einen Staubsauger anschließt, kann diese Zeit eben verkürzt werden. Allerdings ziehen viele Staubsauger-Marken beim Einschalten ebenfalls viel Strom – und dann sind 23 ¤ für die Sicherung futsch. Nach meiner Erfahrung werden Sie mit dem Miele aber nicht das Problem haben, die laufen schön langsam an …“
  • „Herr Fitzlaff, Sie sind ja völlig besessen …“
  • „(breites Lächeln) Hört sich dumm an, aber nach jedem Saugen klingt es etwas freier. Zumindest in der ersten Zeit.“
  • „—„

Nachdem dann alles fertig war, stand der erste Hörcheck an – und der fiel ziemlich bescheiden aus. Mein erster Verdacht war, dass eines der Geräte vermutlich nicht richtig „gephast“ war. Und tatsächlich: Der Verstärker bekam die Phase aus der falschen Richtung. Danach wurde es zwar besser, aber richtig doll auch nicht. Tja, die Anlage stand auch seit zehn Stunden nicht mehr unter Strom … Ich habe es mir mittlerweile zur Angewohnheit gemacht, die Komponenten „brennen zu lassen“, seit ich einmal vergessen hatte, die Anlage auszuschalten und sie daher versehentlich das ganze Wochenende am Netz hing. Im Anschluss daran war ich ziemlich begeistert ob meines Versehens gewesen: eine klare klangliche Verbesserung. Nun, da heißt es dann wohl eine Nacht drüber schlafen, bis das Kabel „gehört“ werden kann. Wenn der Miele nur nicht so laut wäre, dann könnte man vielleicht doch … nee, bleib auf dem Teppich!

Klangeindrücke

So mag ich ja A/B-Tests: Zwei Steckdosen, zwanzig Zentimeter voneinander entfernt – Stecker raus, Stecker rein, das war’s. Kein Lautsprecherrumgerücke, kein Komponentengeschleppe – kein Strippenwechsel in der Enge zwischen Rack und Wand.

Was sind also die Unterschiede? „Weiter, klarer, differenzierter“, sind die drei Worte, die sich beständig in meinen Notizen wiederholen. Und das in drei Dimensionen. Klingt kryptisch? Also:

Dimension 1: Klang / Tonalität

Im ersten Augenblick kann der Eindruck entstehen, es klänge leicht heller. Bis dann ein Basslauf schlackenlos und federnd über die Wandler kommt. Irritierend. Nach fleißigem Hin und Her des Schukosteckers komme ich zu dem Schluss, dass der Effekt darauf beruht, dass die Klänge „weiter“ auseinander liegen, die Noten präziser getroffen werden. Die Abstufung der Klangfarben erfolgt feingliedriger, wo sie sonst schon mal d’accord und damit subjektiv voller tönen. Aber eben auch weniger differenziert, hat man das andere erst einmal zur Kenntnis genommen. Die fis-Leitung geht klanglich gegen „Studioabhöre“, nicht Richtung „bequem“. Instrumente und Stimmen klingen nackter, differenzierter, klarer. In der Regel übersetzt sich für mich ein „Mehr“ an Informationen in „klingt besser“. Andere werden die gemütliche Kuhle in der Matratze vermissen … Bei einigen wenigen Platten ging es mir auch so – bei den meisten aber nicht. Wäre dies freilich der einzige Effekt, hätte sich der Aufwand aber wohl nicht gelohnt.

Dimension 2: Räumliche Darstellung / Lokalisationsschärfe

Auch hier steht auffällig oft „weiter“. Denn die Instrumente sind weiter voneinander entfernt: Zum einen, weil die Abbildungsschärfe gewinnt – kein „Flatterrand“ liegt um die Töne, sondern sauberer Blocksatz. Die Lokalisation gelingt daher leichter, Instrumente werden genauer gestaffelt – und zwar in einer überzeugenden, nicht in einer „artifiziellen“ Art und Weise. Zum anderen weitet sich die Bühne. Zugegebenermaßen nur wenig in der Breite, aber dafür macht sie einen ganzen Satz nach hinten. Die Tiefenstaffelung geht jetzt – so die Aufnahme es hergibt – bis in mein Schlafzimmer. Dieses liegt nämlich hinter der Wand, an der die Kette steht.

Calexico: The Black LightEs gibt ein paar Platten, die ich kaum noch genießen kann, da ich sie zu Testzwecken schon 1.000mal habe laufen lassen. „The Black Light“ von Calexico ist so eine. Der Vorteil der Heavy Rotation ist aber auch nicht von der Hand zu weisen: Jeder Song ist derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass klangliche Änderungen durch Komponentenwechsel sehr leicht nachvollziehbar werden. Nun, ich sitze mit dem Laptop auf dem Schoß und erledige ein paar Sachen an unserer Homepage, besagte Platte läuft leise im Hintergrund und meine Gedanken sind nun wirklich woanders – aber dann muss ich doch mal hochschauen. Wo baut denn John Convertino jetzt bitteschön die Drums auf? Dahinten? Nicht übel …

Mit diesem Kabel wird Raum gewonnen, lässt sich resümieren. Es sorgt für eine präzisere Abbildung und eine tiefere Staffelung – Letzteres betrifft auch „die Ecken“: Sie werden besser ausgeleuchtet. Nicht einfach ein „tiefes Loch“ in der Mitte der Bühne und an den Rändern wird’s dann „seichter“. Nein, auch links und rechts ist jetzt „mehr Raum zu hören“. Sehr gut. Vor allem für „Raum-Junkies“ (wie mich).

Dimension 3: Dynamik

Hält man die dicke Sicherung und das Kabel in der Hand, so kann man sich von gewissen schlichten Erwartungen nicht völlig frei machen. Dit wird knallen, wa? Berlinerisch für respektable Fortschritte in Sachen Grobdynamik. Die blieben aber aus. Vielleicht wurde es etwas besser, aber dass mich nun Bassdrum-Kicks ins Nirvana prügeln – das kann ich nicht behaupten. War aber auch vorher schon sehr anständig.

Die kleinen, feinen Lautstärkeunterschiede aber, die kommen deutlicher rüber. Griffgeräusche an einem Kontrabass sind relativ leise. Ja, aber manche sind leiser als andere. Ruhige, leise Frauenstimmen – war es vorher bereits klasse, klebt man nun an deren Lippen. Sehr genau und präzise werden Stimmen präsentiert. Das sind doch alles nur kleinste Nuancen? Völlig richtig. Es gerät nuancierter.

Fazit:

„Nun, ganz nett.“, könnte geurteilt werden, träte nur einer dieser Effekte ein. In der Summe aber gibt es für mich keinen Weg zurück. Wie gesagt, Knalleffekte bleiben völlig aus. Aber die Musik präsentiert sich freier, federnder und vor allem differenzierter. Die einzelnen Klänge werden deutlicher unterschieden, sie haben mehr Raum um sich und kleinste „Pegelschwankungen“ werden akkurat nachvollzogen. In vier Worten: Die Musik wird lebendiger.

Ob man also ohne eigene Pipeline leben kann? Durchaus. Aber, wie sagte neulich so schön einer aus der Branche zu mir (in einem gänzlich anderen Zusammenhang): „Das ist HiFi für Erwachsene.“ Das trifft für diese „Strippe“ wohl auch zu. Der Trade-off zwischen signifikanter klanglicher Verbesserung und äußerst geringem WAF-Wert ist nicht von der Hand zu weisen. Die Ausgebufften unter Ihnen schlagen der Dame des Hauses vor, im Gegenzug ab sofort das Staubsaugen zu übernehmen.

Test: fis Audio HiFi-Netzleitung |

  1. 2 Hifi Test fis-Audio HiFi-Netzleitung - Testbericht Kabel, High End-Hifi-Magazin fairaudio

Über den Autor

Equipment

Analoge Quellen: Laufwerk: SME Model 15 Tonarm: SME 309 Tonabnehmer: MC: Denon DL-103R, Dynavector DV-20X2 H, Transrotor Figaro; MM: Shelter 201 Sonstiges: Flux-HiFi (Nadelreiniger), VPI HW-16.5 (Plattenwaschmaschine)

Digitale Quellen: D/A-Wandler: Luxman DA-06 CD-Player: NAD C546BEE SE Musikserver: Audiodata MusikServer MSII, Readynas Duo NAS-Server Streamer: Auralic Aries Computer/Mediaplayer: HP Notebook mit JRiver Sonstiges: iFi iPurifier II (USB-Filter)

Vollverstärker: Denon PMA-2010AE

Vorstufen: Hochpegel: Octave HP300 MK II Phonoverstärker: BMC Audio MCCI Signature ULN, Octave HP300-Phonoboard

Endstufen: Musical Fidelity M8 700m (Monos)

Lautsprecher: Blumenhofer Acoustics Genuin FS 1 Mk2

Kopfhörer: Beyerdynamic DT-990, Sony MDR-1000X

All-In-One: Ruark Audio R4

Kabel: Lautsprecherkabel: fis Audio Studioline, Ascendo Tri-Wire-Kabelsatz, Dynamikks Speakerlink, Ecosse ES 2.3, Zu Audio Libtec NF-Kabel: fis Audio Premiumline Lifetime, Ecosse, Vovox und andere Digitalkabel: Audioquest Cinnamon (Toslink), Boaacoustic Silver Digital Xeno (USB), Wireworld Series 7 Starlight Gold (Koax-S/PDIF) Netzkabel: fis Audio Studioline Netzleiste: fis Audio Black Magic

Rack: Creaktiv Trend 3

Größe des Hörraumes: Grundfläche: 30 m² Höhe: 3,4 m

Billboard
Canton A55