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Yes/and – Yes/and

Hört man die ersten Sekunden des Debutalbums von Yes/and, breitet sich ein beruhigendes Gefühl im Körper aus. Die experimentellen Ambient-Klänge auf dem gleichnamigen Album strahlen in ihrer Schlichtheit Wärme aus. Das hört sich auf dem ersten Track zunächst fast kitschig an, doch als plätschernde Begleitmusik einer Yoga-Stunde wäre das Album des US-amerikanischen Duos aus Gitarrist Meg Duffy und Produzent Joel Ford nicht zu gebrauchen. Viele Songs sind dafür nämlich zu experimentell.

Yes/and - Yes/and

Im ersten Song „Craggy“ konzentriert sich noch vieles auf eine Akustik-Gitarre, doch auf „More Than Love“ sorgt zum Beispiel eine E-Gitarre für aufbrausende Stimmung. Der blechernde Sound der Saiten gibt dem Song einen undefinierbaren Rhythmus, worüber sich lange Synthie-Passagen erstrecken, die mal offen und mal düster klingen. Immer wieder hört man zudem eine gesampelte Frauenstimme, die „You“, „Loving You“ oder „More Than“ singt und abrupt verstummt. So klingt der Song wie ein Puzzle, das gefühlt falsch zusammengesetzt wird. In der letzten Hälfte des Tracks setzt die Musik zweimal fast aus und die Hörerin erwartet das Ende, doch liegt damit falsch. Der Track endet schließlich nach über drei Minuten mit einem Anschlag eines Akkords. Anders als der eher vorhersehbare Einführungstrack des Albums, fühlt man in „More Than Love“ eine interessante Dualität.

Die nach Streaming-Zahlen erfolgreichste Singleauskopplung „Ugly Orange“ ist hingegen wieder sanft und musikalisch klar. Hier überzeugt ein im Vordergrund stehender Loop einer Akustikgitarre in Math-Rock-Manier. Im Hintergrund brodelt ein Sammelsurium an Sounds: Da verlaufen sich Stimmen mit hohen Synthie-Tönen und später kommen tiefe, grummelige Sounds dazu, die das Stück in einem letzten Aufleben an Dynamik beenden. Weitere Songs wie „Learning About Who You Are“, mit fast acht Minuten das längste Werk auf dem Album, reißen die HörerInnen auf eine Reise, die sich durch anschwellende Soundwolken fortschreitet. Hier wird es oft dissonant, doch Yes/and halten nicht nur hier, sondern auch auf dem gesamte Album, gekonnt eine Balance zwischen dem Sperrigen und Wohligen.

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Tyler The Creator – Call Me If You Get Lost

Tyler The Creator - Call Me If You Get Lost

Tyler The Creator, der den Hip Hop seit gut 10 Jahren auf verspielte Art bereichert, brachte vor kurzem sein neues Album Call Me If You Get Lost heraus. Der in Los Angeles aufgewachsene Rapper hat es einem unter anderen mit homophoben Provokationen über die Zeit nicht leicht gemacht. Doch sein Talent lässt sich nicht leugnen. Auf der neuen Platte überzeugt er mit einem explosiven Mix aus Ideen, Beats mit Old-School-Sound und so lustigen wie ernsten Songtexten, die es in sich haben. Unter anderem deutet Tyler seine eigene Bisexualität an, was in Bezug auf frühere Provokationen überraschend sein könnte. Doch Tyler macht das so souverän und lässt seine Musik ein künstlerisches Werk sein, dass sich jede Diskussion darüber lächerlich anfühlt.

Die neue Platte beginnt mit einem Titel, in dem Tyler die HörerInnen in seinen Charakter „Sir Baudelaire“ einführt. Seine tiefe Stimme raspelt im erzählenden Ton und wird immer wieder von Einwürfen des Produzenten und Radiomoderators DJ Drama unterbrochen. Alles klingt irgendwie überladen: Mal fiedelt eine Flöte, dann schreit der DJ seine Kommentare in den Beat – nur Tyler bleibt cool und man erfährt, dass Sir Baudelaire damit beschäftigt ist, von einem Ort in der Welt zum anderen zu reisen. Dicker Reisepass, French Open und Fahrten mit dem Cabrio inklusive. Tyler schafft es mit dem anderthalbminütigen Intro sofort, eine eigene Welt des Prunks und Jetlags zu kreieren. Das mag nach langweiligem Hip-Hop-Klischee klingen, doch Tyler kreiert damit ironisch eine Art Spiegel der Gesellschaft, der weit über das typische Macho-Image hinausgeht. Sein Spiel aus Witz, Storytelling und ehrlicher Reflektion ist erfrischend und bestes Entertainment.

Wenn Tyler zum Beispiel auf dem vom Intro eingeleiteten Song „Corso“ über eine Affäre rappt, erfährt man, dass er sich dabei in eine bestehende Beziehung einmischte. Begründung: „Cause I’m a bad person.“ Das ging nicht gut aus und er bekam Liebeskummer. Doch auch dafür hat er eine Lösung: „Remembered I was rich, so I bought me some new emotions.“ Der Beat, im Intro noch relaxed und atmosphärisch, geht hier mit Percussions, einer funkigen Melodie und einem Chor aus „Ooh“-Stimmen im Zwischenteil richtig los.

Tylers musikalische Experimentierfreudigkeit kann man auf Songs wie „Lumberjack“ hören. Der Song beginnt mit einem Sample von Gravediggaz‘ „2 Cups of Blood“. Tyler rappt, bis er nach zwei Zeilen abrupt abbricht. Der Beat fällt weg und es folgt ein Abschnitt, in dem er seine Mutter zitiert, nur um den Song anschließend noch einmal, als sei nichts passiert, von vorne zu beginnen. Ob musikalische Besonderheiten oder sprachliche Finesse – alles macht der Rapper mit einer Selbstverständlichkeit und einem Selbstbewusstsein, die das Album zu seinem Meisterwerk machen.

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Wonky Logic – Transdimensional Fuunk (Transposed for Human Comsumption)

Wonky Logic - Transdimensional Fuunk (Transposed for Human Comsumption)

Auf dem ersten Song der neuen EP Transdimensional Fuunk (Transposed for Human Consumption) von Wonky Logic blubbert ein funkiger Synthie. Ein raschelndes Geräusch gibt das Tempo vor und das Stück entwickelt sich in eine intergalaktische Richtung. Wonky Logic, mit bürgerlichen Namen Dwayne Kilvington, benutzt Sounds, die man mit typischen Alien-Geräuschen von Star Wars oder der Intergalactic-Hymne der Beastie Boys kennt. Auch die Songtitel verweisen mit dem Sternbild des großen Hunds oder der Andromedagalaxie auf Teile des Weltalls. Jedenfalls lässt es der in London wohnende Musiker und Produzent mit den außerweltlichen Features auf seiner neuen EP krachen. Die sechs instrumentalen Songs sind geprägt von jazzigen Melodien, die durch explosive Beats angetrieben werden.

Der zweite Song „Blast Off“ startet mit einem Laid-Back Schlagzeug, das mit einer kurzen Pause die Hauptmelodie ankündigt. Neben einer verspielten Tetris-Melodie quäken schließlich blechernde Synthies und reichern den Sound an. Dem Prinzip der Wiederholung folgt der Beat-Macher und gern gesehene Gast-Musiker der britischen Musikszene exzessiv. Auch auf der nächsten Single „Trans-Species Fuunk Entaglement“ dominiert eine wabernde Melodie, die er über vier Minuten wiederholt, bis sie einem nicht mehr aus dem Ohr gehen kann. Das wohl poppigste Motiv kommt in „Andromeda Style Fuunk“ vor, wobei hier der Funk aus dem Titel betont werden sollte. Es klingelt und klappert im Beat und ein basslastiger Synthie unterstützt das belebte Riff, das über 3:50 Minuten nie langweilig wird. Ab circa der Hälfte des Songs gesellen sich akzentuierte Gitarren in den Song und man fühlt sich an eine Mischung aus Daft Punk und James-Brown-Klassiker erinnert. Da macht es richtig Spaß zuzuhören.

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