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Wunschdenken

23. August 2021 / Wolfgang Zöllner

Sehr geehrter Herr Werner,

danke für den Test [der Bohne Audio BB-10L; Anm.d.Red.], in dem Sie das meiste für mich nachvollziehbar beschreiben. Allerdings verstehe ich nicht, dass ein Lautsprecher, der doch so präzise arbeiten soll, Defizite bei der Wiedergabe räumlicher Tiefe-Informationen haben soll. Die müsste er doch ebenso präzise reproduzieren. Ihr Kollege Volker Frech von der Zeitschrift Lite dazu: „Die räumliche Abb. ist geradezu holografisch“; ihr Kollege Thomas Schmitt in LP 2021: „Sensationell weiter und offener Raumeindruck, der bei guten Aufnahmen extrem nah am Live-Erlebnis ist.“

Mit vielen Jahren Erfahrung beim Hören von Livekonzerten (Jazz und Klassik) ist als Resümee zum Thema räumliche Tiefe nur eines zu sagen: Es ist praktisch nie so „tief“, wie es von vielen HiFi-Freunden im heimischen Ambiente gewünscht wird – es ist reines Wunschdenken. Und als langjähriger Entwickler div. Highend-Komponenten waren mir die Geräte mit der großen Tiefendarstellung (zu 99 % auf Kosten der Bühnenbreite) immer suspekt, denn ein RC-Glied dort, ein größeres Kondensatörchen hier gibt mit Leichtigkeit eine „tiefere“ Bühne.

Warum Sie die BB-10L mit der tiefer darstellenden Wilson vergleichen und folgern, das habe wohl mit dem weitaus höheren Preis der Wilson zu tun, verstehe wer will, ich jedenfalls verstehe es nicht – nur als Anmerkung: Können Sie sich den Bohne-Preis vorstellen, wenn die BB-10L amerikanischen Ursprungs wäre und die normalen Vertriebswege durchlaufen würde?

Beste Grüße
Wolfgang Zöllner

PS: Ich betreibe die BB-10L seit 2 Jahren, allerdings mit einem erheblichen Mehraufwand an der Kabellage (HIJIRI Millenium XLRs + 2 Paar Silent Wire LS 16 Cu und 2 Stück Harmonix Netzkabel). Das übertrifft die nicht schlecht klingenden Bohne-Beipackkabel erwartungsgemäß.

Lieber Herr Zöllner,

vielen Dank für Ihre Zuschrift und das Feedback zu unserem Bohne-Audio-Test. Und Glückwunsch zu Ihren tollen Lautsprechern!

Was die Kollegen anderer Medien für Erfahrungen gemacht haben, dazu kann ich nichts sagen – aber ich versuche mal klarzustellen, was ich zum Thema Raumdarstellung sagen wollte:

In dem Absatz, in dem ich die räumliche Darstellung der Bohne Audio mit insgesamt vier anderen Lautsprechern vergleiche, schrieb ich, dass das keine Frage des Geldes, sondern eher eine des „Charakters“ ist. Die Wilson und die Dynaudio tendieren meiner Meinung nach in eine andere Richtung als die Bohne, die eher mit Lautsprechern von Blumenhofer und Dynamikks vergleichbar ist. Der Sinn der Vergleiche ist schlicht und ergreifend, einen Hinweis zu geben, in welche Richtung die Bohne BB-10L meiner Ansicht nach in Sachen Raumdarstellung geht.

Welche Art der Raumdarstellung man nun mag, kann jeder für sich selbst entscheiden. Ihre Einschätzung zu Livekonzerten teile ich durchaus. Allerdings finde ich es völlig legitim, dass der geneigte Audiophile sich nach seinem „Wunschdenken“ orientiert. Wonach auch sonst? Hier geht es ja nicht um „die Wahrheit“, sondern darum, was mir besser gefällt.

Viele Grüße
Ralph Werner

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