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Test: Clearaudio Absolute Phono Inside | Phonovorverstärker
Preis: 9.900 Euro

Analoger Absolutismus

Clearaudio Absolute Phono Inside

Februar 2015 / Frank Hakopians

fairaudio's favourite AwardWer bei der vollmundigen Ankündigung des Absolute Phono Inside Hochprozentiges vermutet, liegt tatsächlich nicht völlig daneben. Im Gegenteil, schneit mir doch mit dem handlichen Paket aus dem fränkischen Erlangen der immerhin zweitgrößte Phonovorverstärker der Analogspezialisten von Clearaudio (http://clearaudio.de) ins Haus. Aber was soll der Zusatz „Inside“ bedeuten? Früher wurde so ähnlich auf einen bestimmten Chip in meinem Computer hingewiesen. Sollte am Ende ...? Nein, nicht die Spur, hier bleibt alles analog.

Aber mal der Reihe nach: Auf der High End 2013 hat Clearaudio einen neuen, ziemlich ungewöhnlichen Ansatz zur Verstärkung des Phonosignals vorgestellt. Man verbannte den Eingangsverstärker kurzerhand aus dem eigentlichen Verstärkergehäuse auf die Headshell des Tonarms, also in unmittelbare Nähe des Tonabnehmers. Die relativ schwachen Phonosignale haben auf dieser mit winzigen SMD-Bauteilen bestückten Mikroplatine nur einen extrem kurzen Weg zurückzulegen, bis sich die erste Verstärkerstufe um sie kümmern kann und eine frühe Verstärkung um etwa 50 dB stattfindet. Die so aufgepäppelten Ströme zeigen sich damit auf ihrem weiteren Weg zum Entzerrer wesentlich resistenter gegen Störungen jeglicher Art. Clearaudios Absolute Phono ward geboren.

Prinzipbedingt kommt man leider nur dann in den Genuss dieser Neuerung, wenn man entweder einen entsprechenden Clearaudio-Tonarm oder zumindest eine Headshell in Gebrauch hat, die zuvor vom Hersteller mit einer entsprechenden Mikroplatine ausgestattet wurde.

Clearaudio Absolute Phono Inside - Logo

Das soll sich nun mit dem Absolute Phono Inside ändern. Hier wurde die Schaltung der Mikroplatine in die der Hauptplatine integriert, womit der Namenszusatz seine Erklärung findet. Was technisch einer Rolle rückwärts gleicht, erweitert die Einsatzmöglichkeiten des innovativen Schaltungskonzepts von Clearaudios Absolute Phono ungemein. Nunmehr kann jeder gewöhnliche Tonarm und praktisch jedes normale MC-System zum Einsatz kommen.

Wegen der ungewöhnlichen Geschichte mit der Mikroplatine gerät man schnell in Gefahr, eine weitere Besonderheit der neuen Clearaudio-Phonovorstufe unter den Teppich zu kehren. Dabei liegt gerade hier der Hase im Pfeffer, denn man entschied sich beim Absolute Phono, die Anpassung an das Tonabnehmersystem mittels Stromverstärkung vorzunehmen. Noch dazu mit einer vollkommen symmetrischen Schaltungstopologie. Bei dieser selten anzutreffenden Spezies wird der Tonabnehmer quasi selber zu einem Teil des Verstärkers. Der Innenwiderstand des Systems trifft dabei auf den extrem niedrigen Eingangswiderstand des Phono-Pres, womit die Pflicht zu einer mehr oder weniger starken Bedämpfung des Systems mittels üblicher löt-, steck- oder schaltbarer Widerstände komplett entfällt. Oder, wie sich Robert Suchy, im Erlanger Familienbetrieb (zum Clearaudio-Firmenreport) verantwortlich für Export, Marketing und die Geschäftsführung, ausdrückt: Das passt ab jetzt immer.

Da mag er durchaus recht haben, wenn auch nur für die Fraktion der Moving-Coil-Systeme. MM-Systeme bleiben außen vor, denn das Prinzip der Stromverstärkung ist reinen MC-Tonabnehmern vorbehalten. Denen gibt der zweistufig aufgebaute Verstärker praxisgerechte 60 dB zusätzlich mit auf den Weg. Den Störabstand beziffert Clearaudio auf sagenhafte 90 dB.

Clearaudio Absolute Phono Inside - virne der eigentliche Verstärker, hinten das Netzteil
Clearaudio Absolute Phono Inside - hinten das Netzteil, vorne der eigentliche Verstärker

Der obligatorische Blick ins Gerät bringt leider kaum neue Erkenntnisse. Was sich da genau auf der Platine tummelt, die mit ihren extrem kurzen Signalwegen diesbezüglich so manchen Rekord aufstellen dürfte, ist nicht wirklich auszumachen. Verständlicherweise will sich Robert Suchy da ungern in die Karten schauen lassen. Er verrät nur soviel, dass es sich um hochintegrierte Schaltungen handelt, die speziell für Clearaudio entwickelt wurden. Da stecke nicht nur Hirnschmalz drin, sondern auch ein nicht unerheblicher Teil der „horrenden“ Entwicklungskosten, so Suchy.

Unbestritten sind nur relativ wenige elektronische Ingredienzien auszumachen, dieser Purismus sei aber voll und ganz dem guten Klang geschuldet. Verzichtet wird beispielsweise auf Relais und Koppelkondensatoren im Signalweg. Andererseits kommen eigens angefertigte Silber-Glimmerkondensatoren zum Einsatz, deren Preis die Kosten üblicher Kondensatoren um Größenordnungen übertreffen dürfte. Die sind, da parallel geschaltet, technisch eigentlich entbehrlich, bewirken aber eine signifikante Steigerung der klanglichen Qualitäten, so die Erlanger. Natürlich, schiebt Robert Suchy nach, standen während der Entwicklung des Absolute Phono Inside Testmuster mit und ohne Silber-Glimmerkondensatoren für ausgiebige Hörtests zur Verfügung. Den Ausschlag für den Einsatz der teuren Bauteile habe letztendlich deren Wiedererkennungswert im Blindtest von nahezu 100 Prozent gegeben.

Clearaudio Absolute Phono Inside

Überhaupt sei Kostendruck bei der Arbeit am Absolute Phono Inside kein Thema gewesen. Man habe schlichtweg sehen wollen, wie weit sich das Prinzip der Stromverstärkung klanglich ausreizen lasse. An dem Statement des Clearaudio-Geschäftsführers gibt es denn auch wenig Grund zu zweifeln, denn erstens ist der Absolute Phono Inside mit einem Verkaufpreis von 9.900 Euro alles andere als ein Budgetprodukt und zweitens hat es Herr Suchy überhaupt nicht eilig, wenn es um den Erscheinungstermin dieses Berichtes geht. Umso mehr liegt ihm daran, sich doch bitte in aller Ruhe mit seinem neusten Baby auseinanderzusetzen. Nicht unbedingt das übliche Verhalten in dieser Branche. Ganz offensichtlich hat der Mann größtes Vertrauen in sein Produkt.

Dann sehen wir uns das Gerät doch mal näher an. Oder besser, die Geräte, denn der Absolute Phono Inside verfügt über ein ausgelagertes Netzteil, was ja im Regelfall bei Phonovorverstärkern zwecks Minderung transformatorinduzierter Streustörungen ein äußerst nützliches Feature darstellt. Die beiden größenmäßig an Butterbrotdosen erinnernden Kästchen wirken äußerlich eher unspektakulär und gleichen sich wie Zwillinge.

Clearaudio Absolute Phono Inside

Nicht verwunderlich, denn tatsächlich sind die aus dickwandigem Aluminium gefrästen Gehäuse identisch. Das einzige von vorn erkennbare Bedienelement ist ein mittig angeordneter elektronischer Taster. Näher betrachtet, ist der im Fall der Powersupply allerdings ein Fake. Eingeschaltet wird mittels hartem Netzschalter auf der Rückseite. Dann ein Druck auf den Taster des Phonoverstärkers und schon signalisiert ein blau illuminierter Ring Betriebsbereitschaft. Freilich nicht, ohne zuvor einige Male hektisch zu blinken. Auf der Rückseite des in Silber oder Schwarz eloxiert angebotenen Gehäuses finden sich zwei Paar Eingänge, XLR und Cinch, dazwischen die lediglich symmetrisch ausgeführten Ausgänge.

Da wie erwähnt die Anpassung an den Tonabnehmer bei Stromverstärkern selbsttätig erfolgt, gibt es auch keine weiteren Bedienelemente auf der Front zu vermelden. Somit haben wir es hier mit einem recht minimalistisch anmutenden Gerät zu tun. Wer öfter als ein-zweimal im Jahr mit der Anpassung seines MC-Systems herumspielt, weiß, welche Freude es macht, zu diesem Zweck hinter die Geräte zu langen oder sie gar umdrehen oder aufschrauben zu müssen. Für mich geht dieser Punkt daher definitiv an den Absolute Phono. Analoghörer mit ausgeprägtem Spieltrieb sind hingegen wohl eher an der falschen Adresse. Wie exquisit das Klangerlebnis ist, auf das sie damit verzichten, werden wir später noch sehen.

Clearaudio Absolute Phono Inside - Blau signalisiert Betriebsbereitschaft
Clearaudio Absolute Phono Inside - das Blau signalisiert Betriebsbereitschaft

Des Weiteren richtet sich mein Augenmerk auf die beiden schwarzen Alugehäuse. Deren Verarbeitung ist nämlich ausgesprochen hochwertig ausgefallen. Nicht eine sichtbare Schraube trübt das noble Finish. Ein Umstand allerdings, der die Ablichtung des Geräteinneren fast vereitelt hätte, denn der Phonoentzerrer wehrte sich doch mit einiger Penetranz gegen Versuche, Einblick zu erlangen.

Wer genau hinschaut, erkennt, dass zwischen den Halbschalen aus gefrästem Aluminium ein Rahmen aus Panzerholz eingelassen ist. Sehr schick. Doch auch im Inneren ist noch nicht Schluss mit den Überraschungen. Clearaudio schützt die empfindlichen Schaltungen nämlich mit einer zusätzlichen Abschirmung aus Kupferblech. So etwas nenne ich sorgfältig.

Das in der Stromversorgung verwendete Schaltnetzteil ist wohl ein speziell auf die Erfordernisse des Absolute Phono hinkonstruierter Typ. Doch sind es nicht gerade Schaltnetzteile, die als Produzenten hochfrequenter Störungen verrufen sind und daher bei eingefleischten Analogliebhabern kein besonders hohes Ansehen genießen? Robert Suchy kennt meine Einwände nur zu gut und verweist auf diverse Maßnahmen zur effektiven Schirmung und Filterung des Stroms, um die empfindlichen Schaltungen vor der hochfrequenten Gefahr zu bewahren. Natürlich darf in dem Zusammenhang auch nicht der Hinweis auf die „unglaublich stabile“ Spannungsversorgung fehlen.

Clearaudio Absolute Phono Inside

In aller Regel gehören Phonovorverstärker einer Gerätespezies an, der es keineswegs egal ist, wo man sie hinstellt. In minder schweren Fällen handelt man sich etwas Brumm ein, manchmal konkurriert gar ein lokaler Radiosender mit den Signalen von der schwarzen Scheibe. Auch wenn es ganz apart ausschaut, sollte man besser darauf verzichten, die beiden schmucken Gehäuse übereinander zu platzieren. Ein ordentlicher Abstand ist ratsam, auch wenn dieser letztlich von der Länge des Versorgungskabels limitiert wird. In meinem Hörraum stehen sowohl Verstärker als auch das Netzteil mit ihren Gummifüßen direkt auf zwei unterschiedlichen Ebenen des Copulare-Racks. Störgeräusche sind zu keiner Zeit ein Thema. Eine längere Vorlaufzeit am Stromnetz soll die thermische Stabilität der Schaltungen gewährleisten. Glücklicherweise verbrauchen Phonovorstufen meist nicht allzu viel Strom. Hier werden gerade mal 6,5 Watt Leistung aufgenommen.

Während des Testzeitraums kommen tonabnehmerseitig sowohl mein Dynavector XV-1S als auch ein Aventurin 6 von Steinmusic zum Einsatz. Symmetrische Verbindungen zwischen dem Tonarm Pyon Audio Iris SE und dem Clearaudio Absolute Phono Inside sind genauso Pflicht, wie zwischen Phonostufe und Accustic Arts Vorstufe Tube Preamp II Mk.2. Mit den ebenfalls symmetrisch aufgebauten Röhrenmonos von Tenor Audio bleibt es bis vor die Eintrittspforten der Acapella Lautsprecher beim balancierten Signaltransport.

 

 

 

Im Test:

MC-Phonovorverstärker Clearaudio Absolute Phono Inside

UVP: 9.900 Euro

Hersteller & Vertrieb:

Clearaudio electronic GmbH

Web:
http://clearaudio.de
eMail:
info@clearaudio.de
Telefon:
01805-059595


 

Equipment:

Quellen:

digital:
Bladelius Gondul M, Ensemble Dirondo

analog:


Laufwerk:
TW-Acustic Raven AC 

Tonarme:
Pyon Sound Iris SE,
Analog Tool-Tonarm

Tonabnehmer:
Dynavector XV-1S, Steinmusic Aventurin 6

Verstärker:

Phonovorstufen:
Einstein The Turntables Choice

Vorstufe:

Accustic Arts Tube
Preamp II Mk.2

Endstufen:
Tenor Audio 75 Wi (Monos), Audionet Amp I V2 (Stereo)

Vollverstärker:
Devialet D-Premier

Lautsprecher:
A Capella La Campanella, Clockwork Event Horizon, Tocaro 40b

Stromversorgung:

Trenntrafos von Steinmusic und Moll-Audio, AHP-Klangmodule, Furutech-Steckdosen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

alu meets panzerholz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

hase im pfeffer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

purismus im dienste des klangs?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

kostendruck
kein thema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

edle butterbrotdosen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

selbsttätige anpassung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

schalten & schirmen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

vorlaufzeit
ist obligatorisch