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Klang: Clearaudio Absolute Phono Inside (Teil 1)

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  1. 2 Klang: Clearaudio Absolute Phono Inside (Teil 1)

Wie üblich hat man uns ein nagelneues Gerät geschickt, und das bedeutet, ein wenig Einspielzeit investieren zu müssen. Ein Thema, das man durchaus ernst nehmen sollte. Frisch ausgepackt gelingt es dem Clearaudio Absolute Phono Inside nämlich bestenfalls, zwei Drittel seines vorhandenen Potenzials zu mobilisieren. Ungewöhnlich lange verharrt er stoisch auf diesem Level, um nach einigen Wochen dann plötzlich wie befreit aufzuspielen. Ein durchaus bekannter Effekt, wie Robert Suchy bekennt. Es dauere eben, bis die komplexen integrierten Schaltungen und Glimmerkondensatoren ihre optimalen Betriebszustände erreichen.

Clearaudio Absolute Phono Inside

Von mehr als einem Dutzend Phonoentzerrer, die in der letzten Dekade längere Zeit in meinem Hörraum verbrachten, sind mir einige besonders gut in Erinnerung geblieben: Conrad Johnsons röhrenbestückter Premier 15, Krells KPE Reference, ein Naim Superline und Friedrich Schäfers ASR Basis HD zählen dazu. Ohne lange um den heißen Brei zu reden: Ist der Clearaudio Absolute Phono Inside erst einmal eingespielt, kann er sich klanglich glatt noch mal ein gutes Stück von dieser illustren Truppe absetzen. Übrigens gelingt ihm das Kunststück mit meinen beiden Tonabnehmern gleichermaßen, die klanglichen Unterschiede beschränken sich auf jene, welche sich durch die bekannten Charaktere der MCs ergeben, weshalb ich im Weiteren auf die Nennung des jeweils verwendeten Tonabnehmers verzichte.

TW-Acustic Raven AC
Lieferant des analogen Signals: ein TW Acustic Raven AC – bestückt mit zwei unterschiedlichen Tonarmen und Sytemen

Schon beim ersten Hören des Clearaudio Absolute Phono Inside kommt man unweigerlich zu dem Eindruck, weitaus mehr Norah JonesInformationen als üblich wahrnehmen zu können. Selbst mein aktueller Favorit, Einsteins The Turntable Choice, der im Normalfall durchaus zu den akribischen seiner Zunft gezählt werden darf, kommt da nicht ganz mit (den kleineren Einstein The Little Big Phono hatten wir übrigens von knapp zwei Jahren im Test). Dabei werden einem die vielen Details keinesfalls plump um die Ohren geschlagen, sondern überaus subtil und einfühlsam präsentiert. So verfügt Norah Jones samtig warme Stimme auf dem Debütalbum Come away with me mit einem Mal über ein leises Tremolo. Das ist mir Louis Armstrong meets Oscar Petersonbisher schlicht entgangen und steigert nun unweigerlich den Gänsehautfaktor. Rotiert Louis Armstrong meets Oscar Peterson, auf dem schweren Teller des Raven AC, lässt auch bei Satchmos charakteristischem Organ einige neue Facetten erkennen. Die Stimme hat mehr Nachdruck und feine Artikulationsgeräusche lassen sich besser differenzieren. Fast meint man sogar, die Mimik des Mannes aus New Orleans zu erkennen.

Quergehört: links Einstein The Turntable Choice, rechts Clearaudio Absolute Phono Inside
Im Vergleich gehört: links Einstein The Turntable Choice, rechts Clearaudio Absolute Phono Inside

Hat man sich erst einmal an diese Flut an Mikroinformationen gewöhnt, ist es die recht großformatige Abbildung, die den Hörer nun in den Bann zieht. Nix Kasperletheater, sondern eine richtig große Bühne wird da aufgezogen. Dass die Lautsprecher dabei akustisch völlig in den Hintergrund treten, erscheint da nur konsequent. Weit, sehr weit geht es in die Breite. Die akustischen Gitarren zu Beginn von Norah Jones „Feelin‘ the same way“ erstrecken sich sogar buchstäblich von Wand zu Wand. Ein so extensives Panorama hat mir bislang noch keine andere Phonostufe geliefert. Mit ASR Basis HD und auch Naims Superline ging es immerhin ähnlich weit in die Tiefe – zumindest in den zentralen, mittleren Bühnenabschnitten. Die perfekte Ausleuchtung seitlich davon, also bis in die hintersten Ecken, bleibt erneut Clearaudios Absolute Phono Inside vorbehalten, der mit dieser informativen Art der Raumgestaltung speziell Klassikhörer besonders ansprechen dürfte.

Vorbildlich und unter Ausnutzung seiner Talente staffelt er bei Bela Bartoks Concerto for Orchestra (LSC-1934) das Chicago Symphony Orchestra in Breite und Tiefe. Nahezu unverrückbar Bela Bartoks Concerto for Orchestrabekommt jeder Musiker seinen Platz zugewiesen. Im ersten Satz führen die im Zentrum sitzenden Flöten und Klarinetten einen musikalischen Disput mit den von links einsetzenden tiefen Streichern, welcher erst mit Erklingen der zwischen den Parteien befindlichen Hörner wieder beendet wird. Dank enormer räumlicher Plastizität lässt sich das Geschehen auf der Bühne mühelos verfolgen. Mit anderen Phonovorstufen habe ich das schon deutlich weniger verbindlich zu hören bekommen. Dirigent Fritz Reiner, bekannt für einen strengen, autokratischen Führungsstil, hätte Clearaudios Phonovorverstärker sicher sofort ins Herz geschlossen.

Horowitz in ConcertAuf Horowitz in Concert, Columbia M2S 757 stellt der Absolute Phono Inside Vladimir Horowitz Steinway nicht nur nahezu dreidimensional auf die offenbar leicht angehobene Bühne der Carnegie Hall, sondern lässt in stillen Momenten den Raumhall geradezu körperlich spürbar werden. Gelegentliches Rascheln und das obligatorische nervige Hüsteln entlarven die Anwesenheit des Publikums.

Blick auf dei ganze Kette
Blick auf die Komponenten der Testanlage

Zwar datiert die Aufzeichnung der Haydn Sonate in F-Dur auf der ersten Seite immerhin aus 1966, doch wenn am Ende des Stückes herzhaft Beifall gespendet wird, kann die Illusion eines justament in diesem Augenblick beendeten Konzertes nicht echter sein. Faszinierend, wie die fränkische Phonovorstufe den Hörer in die Aufnahme hineinzieht und lässig mal eben fast 50 Jahre Zeitunterschied egalisiert. Hochgradige Suchtgefahr für echte Vinyljunkies!

Test: Clearaudio Absolut Phono Inside | Phono-Vorstufe

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