rot, hart, schwer
nicht schick,
aber praktisch
hifi-latein:
progessive
zentrierung
auf deutsch:
mit rahmen
vor allem aber unangestrengt ...
flow!
und keine
dicken backen

Damit einerseits der Dielenboden in meinem Wohnzimmer sich nicht zur größten schallabgebenden Fläche wandelt und andererseits ein Experimentieren in Sachen Lautsprecheraufstellung sich hier nicht in Schwerstarbeit auswachsen würde, positionierte ich die Expolinear T-220 auf meine gute, alte Steinplatte - und da drunter Filz. Nicht die neueste aller Ideen, aber ungemein praktisch: Die annähernd 60 kg stehen bombenfest, Handauflegen auf den Fussboden bei schmissigen Beats und gehobener Lautstärke beweist - hier vibriert kaum was. Und fast schon elegant lässt es sich dergestalt mit den Wandlern durch den Raum gleiten! Gut, ein hochwertiges Wohnraumambiente wird hierdurch nicht zwingend aufgewertet. But who cares? Obwohl, vielleicht doch besser in Schiefer?

Und so glitt ich durch den Raum, bzw. versuchte, mit unterschiedlichen Basisbreiten und Hörabständen die optimale Aufstellung herauszufinden. Nach einer Stunde war ich wieder am Ausgangspunkt, dort war die Bühne einfach am besten, Instrumente und Stimmen am klarsten fokussiert. Aber das Ausgangsproblem - etwas schlanker Bass - blieb. Anderes Kabel? ZU Libtec? Aha! Deutlich hörbar rastete es tonal ein. Ein gutes Team. Hätte ich auch früher drauf kommen können. Vielleicht war es auch nur ein erster Fingerzeig, wie dieser Expolinear Wandler tickt: 1. sehr präzise und 2. gar nicht, bildlich gesprochen. Soll heißen, die T-220 zeigt sich sehr durchlässig hinsichtlich Änderungen in der Kette, klangliche Eigenheiten der Komponenten sind leicht nachvollziehbar, oder anders: sie werden nicht vom Lautsprecher zugedeckt.
Vielleicht dies kurz vorab: Laut geht schon, aber Ganzkörpermassagen überlässt man doch besser anderen. Ich weiß, Podszus/Görlichs werden auch im Car-HiFi-Bereich eingesetzt, aber das anvisierte Klientel sind hier bestimmt keine "rostige VW Polo"-Besitzer, sondern eher Leute, die im Maserati Quattroporte zum Polo fahren und dabei was Sonniges von Norah Jones hören ... Jazz-Konzerte bei annähernder Originallautstärke sind also schon drin, aber Big Beat-Schweinereien - lieber nicht.
"So schwer die Expolinear-Säule, so leichtfüßig ihr Klangbild", ließe sich sagen und ich müsste mich sehr irren, wenn es da nicht auch einen Zusammenhang gäbe. Oder Synergie, wie es immer so (un)schön heißt, der nämlich zwischen leichtem Treibermaterial mit guten Beschleunigungswerten und schwerem Stein-Sandwich, was das Gehäuse schön träge macht, maulfaul sozusagen. Ein "gemütliches sonores Grundbrummen" ist hier jedenfalls nicht auszumachen, keine Schmierereien sind zu vernehmen, das Klangbild gerät insgesamt sehr klar und unkoloriert. Vor allem aber tönt die Expolinear T-220 ganz und gar unangestrengt.
Das ist es wohl: unangestrengt und frei, dabei aber gleichzeitig präzise
und akkurat. Dies ist kein luftig-locker geschlagenes Klangsoufflee,
denn hier hat alles seine genauen Raumkoordinaten, es wird mit deutscher
Gründlichkeit
sortiert. Kleine Karos trägt sie aber auch nicht, denn dafür
gerät's
einfach zu selbstverständlich, zu schnell, und das gleichweg wo auf
der Tonleiter: Ob das Geticke an einer Hi-Hat, flotte Gitarrenzupfer
oder schön trockene Drumkicks in den unteren Lagen -
so
etwas ist einfach mühelos "da". Nicht schlecht gestaunt
habe ich beim Song "2 Cool 2
Be 4-Gotten" von Lucinda Williams - wie fluffig-trocken diese süßen,
kleinen Konusse doch das Drumset aufbauen! Richtig lässig, wenn man
keine Konzertlautstärke einfordert. Rhythmus und Flow haben sie schon
mal, diese wertkonservativen Berliner Wandler. Ja, die Expolinear T-220
hat den Flow! Oder, weniger verkürzt formuliert, könnte ich
ihr auch "ein erstklassiges Zeitverhalten bei der Wiedergabe bescheinigen,
welches sich konsistenter Weise über den gesamten Frequenzbereich
hinweg zeigt".

Ein bisschen im Unklaren ließen mich die tieferen Register zurück.
Manche Lautsprecher leisten sich ein Oberbass-Bäuchlein, um Substanz
vorzugaukeln. Bei der Expolinear T-220 ist's eher umgekehrt: Sie zieht
den Bauch ein und tut so, als wäre sie ein bisschen mager. Bis dann echter
Tiefbass kommt und man feststellt, dass - nein, nicht die Erde bebt - aber
die schlanke Säule überaus anständig und vor allem artikuliert
tief hinunter langt. Nach ein paar Nik Bärtsch-Platten war das jedenfalls
klar. Dieser Wandler pflegt eher Understatement, als dass er dicke Backen
macht. So ganz weiß ich aber trotzdem nicht, was ich davon halten soll.
Etwas mehr Push im unteren Grundton fände ich, glaub' ich, besser. Aber "Push" ist
nicht das zentrale
T-220-Thema, hier geht's in erster Linie
ums korrekte Nachzeichnen der Musik. Und sollte einmal Quantität die
Qualität gefährden - dann lieber etwas weniger! Eigentlich eine
sehr kluge Einstellung. Hm.
