fairaudio HiFi Stereo - HiFi Test - HiFi Magazin

Test: Nubert nuVero 140 | Lautsprecher | Preis: 4.470 Euro

Turmbau aus
Schwäbisch Gmünd

Nubert nuVero 140

August 2015 / Martin Mertens

fairaudio's favourite AwardDie nuVero-Serie von Nubert läuft unter dem Claim „High-End wird erschwinglich“. High End bei Nubert? Klingt ein bisschen wie Austern bei Aldi. Wobei ich mir sicher bin: Sollte Aldi jemals Austern im Angebot haben, wird es sich ganz bestimmt um einwandfreie Ware zu einem sehr attraktiven Preis handeln. Also schauen wir uns das neue Flaggschiff von Nubert (www.nubert.de), die nuVero 140, mal ganz unvoreingenommen an.

Den schwäbischen Lautsprecherhersteller Nubert muss man kaum noch jemandem vorstellen. Seit 40 Jahren macht Günter Nubert der HiFi-Branche vor, wie man exzellente, technisch aufwändige Lautsprecher baut und diese zu fairen Preisen unters Volk bringt. Früher wurde der von Nubert beschrittene Weg des Direktvertriebs gerne belächelt. Heute hat sich auch diese Vertriebsform fest etabliert. Die große Erfahrung in Sachen Direktvertrieb merkt man bei Nubert sowohl am umfassenden Service als auch am klar strukturierten Produktportfolio. Man pflegt drei „Qualitätsstufen“, in aufsteigender Reihenfolge nuBox, nuLine und nuVero genannt. In allen Serien bietet Nubert jeweils Regallautsprecher, Standlautsprecher, Subwoofer, Rears und Center an. Daneben gibt es mit nuPro noch eine Serie aktiver Lautsprecher sowie neuerdings auch Verstärkerelektronik. Aufgrund dieser klaren Strukturen finden sich auch Laien schnell im Nubert'schen Angebot zurecht und kommen zügig zu den für die eigenen Ansprüche passenden Boxen.

Nubert nuVero 140 FrontgitterAls umtriebige Entwickler wissen die Nubert-Ingenieure, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Und so arbeitet man in Schwäbisch Gmünd sowohl ständig an neuen Produkten als auch an der fortlaufenden Verbesserung und Weiterentwicklung bestehender Produkte. Turnusmäßig werden dabei nicht zuletzt die verschiedenen Lautsprecher-Serien gepflegt. Nach sieben Jahren hat das Nubert-Team nun seine Top-Range, die 2008 erstmals vorgestellten Lautsprecher der nuVero-Serie, überarbeitet. Im Rahmen der Modellpflege wurden auch die Modellbezeichnungen geändert. Und so löst die neue Nubert nuVero 140, um die es im Folgenden geht, das bisherige Spitzenmodell Nubert nuVero 14 ab. Ich gebe zu, dass ich den Kollegen Chefredakteuren nicht so spontan zugesagt hätte, mich mit diesen Lautsprechern zu beschäftigen, wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon gewusst hätte, dass die „140“ die Größenangabe in Zentimetern ist. Nur zu meiner Entschuldigung: Die nuLine 264, die ich vor knapp zwei Jahren zu Gast hatte, waren mitnichten 2,64 Meter hoch, sondern hatten mit gerade einmal 97 Zentimetern Höhe sehr wohnraumfreundliche Abmessungen. Hätte ich mir vorher mal angesehen, was mit den Nubert nuVero 140 genau auf mich zukommt, wäre ich angesichts der riesigen Pakete, die die Spedition liefert, wohl nicht ganz so erschrocken.

Auch beim Auspacken bemerkt man Nuberts lange Erfahrung im Direktversand. Auf den Kartons ist groß aufgedruckt, wo man sie öffnen soll. Das erste, was einem dann förmlich entgegenspringt, ist eine Anleitung, die beschreibt, wie man die Lautsprecher am besten aus dem Karton holt und aufstellt. Angesichts der knapp 50 Kilogramm, die ein Lautsprecher wiegt, ist es empfehlenswert, das Auspacken und Aufstellen zu zweit zu erledigen. Sollte es in Ihrem Freundeskreis wenigstens einen weiteren HiFi-interessierten Menschen geben, werden Sie kein Problem haben, einen Helfer zu finden. Nur werden Sie die ersten Töne Ihres Neuerwerbs (vergessen Sie einfach schon mal den Gedanken, dass Sie diese Lautsprecher innerhalb des 30-tägigen Testzeitraums zurücksenden werden) dann auch ganz sicher nicht alleine genießen.

Nubert nuVero 140 Traverse

Aber nochmal zurück zur nicht wenig beeindruckenden Physis der Nubert nuVero 140. Auf ihren seitlich leicht herausragenden Standfüßen beziehungsweise Traversen erreichen die Lautsprecher eine Höhe von exakt 142,5 Zentimetern. Die Standfüße erlauben einen Höhenausgleich, sodass man sie auch auf abschüssigen Böden gerade aufstellen kann. Auf Spikes verzichtet die nuVero 140 dankbarerweise. Das macht das Handling leichter, da man sie auf den mit Filz bewehrten Füßen auch mal vorsichtig übers Parkett schieben kann. Die Schallwand ist mit 23,4 Zentimetern etwas breiter als der Rest des Gehäuses, das nur schlanke 20 Zentimeter misst. „Klangsegel“ nennen die Nubert-Ingenieure die das Gehäuse überragende, leicht gewölbte Front, die an den Ecken abgerundet ist. Das soll unter anderem „Kantendispersionen“ verhindern. Was das ganze klanglich bringt, kann ich nicht beurteilen.

Nubert nuVero 140 Metallkörbe
Die Chassis der Nubert nuVero 140 verfügen über wertige Metallkörbe

Die optische Wirkung ist aber auf jeden Fall genial: Wenn die Lautsprecher auf die Hörposition ausgerichtet sind, verschwindet das Gehäuse komplett hinter der breiteren Front, sodass man die recht ordentliche Tiefe von immerhin 42,5 Zentimetern gar nicht sieht. Obwohl diese Lautsprecher also recht amtliche Ausmaße haben, kaschiert das Design die Größe geschickt. Sicher spielt dabei auch eine Rolle, dass die Fronten jeweils hochglanzlackiert sind, während der Rest der Gehäuse in einem farblich passenden, matten Nextel-Lack beschichtet ist. Ich gebe zu, dass ich mich fast darüber wundere, dass ich diese Kisten in meinem 18-Quadratmeter-Hörraum gar nicht als überdimensioniert empfinde.

Recht beeindruckend mutet nichtsdestotrotz an, dass sich auf den Schallwänden pro Box vier 180-Millimeter-Tieftöner tümmeln, deren breite Gummisicken klar machen, dass hier einiges an Hubraum zur Verfügung steht. Zwei 52 Millimeter durchmessende Flachmembran-Mitteltöner nehmen eine 26-Millimeter-Seidenkalotte in die Zange. Mittel- und Hochtöner sind auf ihren Montageplatten asymmetrisch angeordnet, sodass sich unterschiedliche Abstände zu den Kanten der Frontplatte einstellen, was dem Abstrahlverhalten zugutekommen soll. Beim Aufstellen sollten die bei jedem Lausprecherpaar spielgelbildlich montieren Chassis nach innen „schielen“.

Nubert nuVero 140 Bassreflex
Die Bassreflexöffnungen lassen sich mit beiliegenden Stöpseln verschließen, um die Tieftonwiedergabe anzupassen. Zu weiteren tonalen Anpassungen weisen die Nubert nuVero 140 Schalter am Anschlussterminal auf

Doch auch die Rückseiten der Nubert nuVero 140 geben sich eindrucksvoll – nicht zuletzt wegen der hier mündenden, sich trompetenförmig aufweitenden Bassreflexrohre mit beachtlichen Durchmessern. Die befinden sich oben und unten auf der Rückseite, damit sie Raumresonanzen gegebenenfalls unterschiedlich anregen. Zum Lieferumfang der Lautsprecher gehören Stöpsel, mit denen man eine oder beide Bassreflexöffnungen verschließen und dadurch die Basswiedergabe den räumlichen Gegebenheiten anpassen kann. Dabei erwähnt die Bedienungsanleitung ausdrücklich, dass es sinnvoll sein kann, die Öffnungen der Lautsprecher unterschiedlich zu verschließen - etwa, wenn nur einer der Lautsprecher in einer Zimmerecke steht.

Zur weiteren Anpassung gibt es auf dem Biwiring-Anschlussterminal noch drei Schalter. Der Höhen-Schalter erlaubt es zu wählen, ob die Hochtonwiedergabe „neutral“, „brillant“ oder „sanft“ ausfallen soll. Hier kann man nach Hörgeschmack entscheiden beziehungsweise eine Anpassung an mehr oder weniger „helle“ Wiedergabeumgebungen vornehmen. In den Mitten kann man zwischen einer „prägnant“ bezeichneten Abstimmung, die im Prinzip einer auf Achse gemessen linearen Mittenwiedergabe entspricht und einer „neutral“ bezeichneten Abstimmung wählen. Letztere weist eine kleine Mittensenke bei 2,5 kHz auf, die außerhalb der Achse durch Beugungseffekte an den Gehäusekanten verschwindet. Im Prinzip könnte man sagen, dass man die Einstellung „prägnant“ wählen sollte, wenn man die Lautsprecher genau auf die Hörposition ausrichtet. Praktisch handelt man sich damit außerhalb der Achse aber eine Überhöhung im Frequenzgang ein, sodass in den meisten Fällen die Neutral-Stelllung die universellere ist. Der letzte Schalter erlaubt eine breitbandigere Absenkung des Bassbereichs als die Stopfen für die Bassreflex-Öffnungen das ermöglichen. So kann man den Bass sehr variabel mit Hilfe der Stopfen, des Schalters oder einer Kombination aus Stopfen und Schalter an die Aufstellungsbedingungen anpassen.

Nubert nuVero 140 Anschlussterminal
Die drei Kippschalter am Terminal der Nubert nuVero 140 dienen zur Anpassung der Bass-, Mitten- und Hochtonwiedergabe

Auch wenn manchem High-Ender solche Einstellungsmöglichkeiten nicht „highendig“, weil nicht puristisch genug erscheinen mögen – ich finde sie gut, weil sie praxisgerecht sind. Ich möchte ehrlich gesagt nicht wissen, wie viele HiFi-Jünger mit Lautsprechern hören, die in einer idealen Welt – also etwa im HiFi-Studio – gut klingen, in der Realität des eigenen Wohnzimmers aber nur eine suboptimale Performance bringen. Schließlich muss hier bei der Aufstellung neben rein klanglichen Aspekten oft noch auf andere Umstände Rücksicht genommen werden. Die nuVero 140 zeigen da dank der umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten eine vorbildliche Variabilität.

Nubert nuVero 140

 

 

 

 

Im Test:

Standlautsprecher
Nubert nuVero 140

UVP zum Testzeitpunkt: 4.470 Euro

Hersteller & Vertrieb:

Nubert electronic GmbH

Web:
www.nubert.de
eMail:
info@nubert.de
Telefon:
0800 - 682 37 80

Größe des Test-Hörraums:
Grundfläche: 18 m²
Höhe: 3 Meter

 

Equipment

Quellen:

analog:
Thorens TD 160 HD
(mit TP250 Tonarm &
Benz Micro MC Gold
Tonabnehmer)

digital:
Antelope Zodiac+ DAC,
Creek CD 42 MkII
CD-Player,
North Star Design
Supremo DAC,
North Star Design
CD-Transport

Verstärker:

Phono-Pre:
Lehmann Black Cube SE II

Vollverstärker:
Exposure 2010 S
Musical Fidelity AMS 35i

Lautsprecher:
Gaithain ME150

Kabel:
USB: Wireworld Starlight 7
NF: Vampire CC
LS: Fast Audio Compact 6M in Biwiring-Konfiguration

Stromversorgung:
Audioplan FineFilter S, Mehrfachsteckdose PowerStar S, Gerätefilter PowerPlant S, Netzleitungen PowerCord

HiFi-Rack:
BassoContinuo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

etwas voreilig?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

am besten zu
zweit aufstellen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die optische
wirkung ist genial

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

sanft oder brilliant?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

suboptimale realitäten