Test: AVM Inspiration CS 2.2 | Compact Streaming-CD-Receiver
Preis: 4.490 Euro

Kann alles, außer Karate

AVM Inspiration CS 2.2

September 2014 / Michael Bruß

Stealth HiFi – so nennt man Gerätschaften, die den Anschein erwecken, so gar nichts wirklich Besonderes zu sein, es aber faustdick hinter den Ohren haben. Die klanglich eben viel mehr bieten, als man ihnen ansieht. Sie verkörpern ein puristisches, effektiv gebündeltes Ideal von Musikreproduktion und somit das Gegenteil dessen, wofür viele chromblitzende, mit freistehenden Röhren bewehrte Mega-Verstärker und containergroße Lautsprecher in Marmor- oder Plexiglasgehäusen stehen.

AVM (www.avm-audio.com) ist mittlerweile zweifellos einer der Großmeister der optischen Selbstverleugnung auf der Bühne des High-End-Zirkus, sieht man mal von der schieren Größe der Monster-Endstufen Ovation SA 8.2 beziehungsweise MA 8.2 ab. Meine in schlichtem Schwarz gehaltenen Monos Evolution MA 3.2 zum Beispiel fallen den meisten Besuchern jedenfalls erst mal gar nicht auf – und wenn, dann nicht als HiFi-Gerätschaften, solange sie nicht eingeschaltet sind und mit einer blauen LED ihre Identität preisgeben. Ich mag so was ja – lieber M5 als Corvette, lieber Ermenegildo Zegna als Harald Glööckler. Das ist Geschmackssache, klar. Jedenfalls, nachdem mir die kleinen, ebenfalls unscheinbaren und doch klanglich so enthüllenden Guru QM10Two ebenso subtil wie unmissverständlich aufgezeigt hatten, dass mein als Streamer, D/A-Wandler und Vorstufe genutzter Linn Majik DSM nicht ganz mit der Qualität der restlichen Kette mithalten kann, begrüßte ich die Aussicht, den konzeptuell sehr ähnlichen AVM Inspiration CS 2.2 in ebendieser Kette hören und besprechen zu können, ausdrücklich – ganz abgesehen davon, dass er auch optisch gut reinpassen würde ...

AVM Inspiration CS 2.2

Auch der AVM CS 2.2 ist, wie der Linn DSM, eine eierlegende HiFi-Wollmilchsau – ein All-In-One-Gerät, das allein im Verbund mit Lautsprechern eine schlagkräftige, kompakte Stereoanlage bilden kann. Wie der Majik DSM ist er Netzwerkstreamer, D/A-Wandler, Phonovorverstärker, Internetradio-Empfänger, Vorverstärker mit Kopfhörerverstärker sowie Endverstärker in einem. Er setzt aber noch eins drauf, indem er zusätzlich einen FM-Tuner und ein CD-Laufwerk in das im Vergleich zum Linn noch kompaktere Gehäuse packt. Das ist – auch angesichts der Endstufenleistung von zwei mal 165 Watt an acht Ohm – eine technische Meisterleistung. Allerdings auch eine, die (zumindest zum größten Teil) erklärt, warum der Inspiration CS 2.2 sowie sein Evolution-Serie-Counterpart CS 5.2 mit etwa drei Jahren Verspätung das Licht der Welt erblicken durften. Diese, ähem, leichte Verzögerung liegt vor allem begründet im Perfektionsstreben des Kopfes hinter AVM, Udo Besser. Bei seinem Besuch in meinem Hörraum nahm er sich die Zeit, mir nicht nur die Technik des CS 2.2 eingehend zu erläutern, sondern auch dessen Historie – was im Prinzip aber eng miteinander verwoben ist.

Wenn man erst mal anfängt ...

Zuallererst mal muss man wissen, dass AVM bereits ein Modell im Programm hat, das bis auf das WLAN-fähige Streamingmodul fast identische Fähigkeiten besitzt. Der AVM Inspiration C 8 sieht von vorne betrachtet fast genauso aus wie der CS 2.2, ihm fehlt lediglich die 3,5-mm-Klinkenbuchse, die beim CS 2.2 als Kopfhörerausgang dient. Natürlich baut der Neuling auf dem C 8 auf, der übrigens 2012 mit dem „Product of the Year Award“ der Fachzeitschrift The Absolute Sound ausgezeichnet wurde. Jedoch wollte AVM-Geschäftsführer Udo Besser (siehe Bild) mit seinem Streamingdebüt alles richtig machen und fasste den Entschluss, das Streamingboard ins Zentrum des Designs zu stellen – hier udo bessersollte die Steuerung des restlichen Geräts passieren. Und damit fingen die Schwierigkeiten an: Der FM-Tuner ließ eine solche Steuerung nicht zu, musste also adäquat ersetzt werden. Das war kein größeres Problem – doch das bewährte CD-Laufwerk weigerte sich ebenfalls, reibungslos mit der Steuerung zusammenzuarbeiten. AVM benutzt als CD-Laufwerke Slot-Drives mit monofokaler Linse, laut Udo Besser das Non-Plus-Ultra. Leider setzt der Erstausrüstermarkt heute anscheinend weder auf CD, noch auf Qualität, so dass sich die Suche nach einem qualitativ mindestens ebenbürtigen, kompatiblen Ersatz äußerst langwierig gestaltete. Fündig wurde Besser schließlich bei Teac: Deren federnd aufgehängtes Pure-CD-Laufwerk, das heute auch im CS 2.2 sitzt, gibt die Digitaldaten nicht nur per S-ATA, sondern auch über S/PDIF aus – für AVM ein unverzichtbares Feature. Der Verzicht auf die heutzutage üblichen DVD- oder Blu-ray-Lesefähigkeiten bekommt dem Laufwerk in klanglicher Hinsicht übrigens hervorragend, so Besser. Glücklich über diesen Fund wurden erste Modelle bestückt und Probe gehört, mit ansprechenden Ergebnissen. Klanglich übertraf der CS 2.2 schon im Prototypenstadium seinen Ur-Ahn deutlich. Doch dann der Schock: Teac kündigte wenige Wochen später an, die Produktion des Laufwerks komplett einzustellen. Nun, ein gestandener HiFi-Macher wie Udo Besser lässt sich davon nicht entmutigen, also tat er, was ein risikofreudiger Geschäftsmann eben tun muss, wenn er von seinem Produkt überzeugt ist: Er kaufte kurzerhand den gesamten Lagerbestand des fraglichen Laufwerks auf. Auf Nachfrage rückte er nur mit der Info raus, dass es sich um eine fünfstellige Zahl an Teac-Slot-Drives handelt – und damit dürfte die Ersatzteilversorgung wohl für alle Zeiten sichergestellt sein.

Besser ist nicht gut genug (no pun intended)

AVM Inspiration CS 2.2

Wer jetzt denkt, damit sei das Projekt „Streaming“ in die Endphase eingetreten, muss sich eines Besseren belehren lassen. Auf dem Digitalmarkt sind Monate wie Jahre in anderen Industrien, und so musste man bei AVM feststellen, dass die im Laufe der Zeit bereits zwei Mal fast fertig entwickelte Streaminglösung schon im Verlauf der Entwicklung weder den machbaren klanglichen Möglichkeiten entsprach, noch die Aufrüstbarkeit und damit Zukunftsfähigkeit aufwies, die man sich wünschte und von seinem Produkt auch erwartete. Bis man dann schlussendlich an diesen Punkt ankam, entdeckten die findigen Entwickler noch einige weitere Baustellen, die man zu verbessern gedachte. Ein Kopfhörerverstärker sollte nun Serie sein (optional erhältlich für den C 8), und das Phonoteil aus dem C 8 wurde überarbeitet. Dann entschloss man sich neue, für alle Baugruppen separate Netzteile einzusetzen, und die dadurch freigewordenen Reserven in eine höhere Verstärkerleistung umzusetzen. Nun leistet der Kleine 165 Watt pro Kanal an 4 Ohm, 15 Watt mehr als der C 8. Natürlich arbeitet auch er in effizienter Class-D-Manier, dennoch bedeutet diese Mehrleistung, dass die Kühlung verändert werden musste. Mit immer weniger Platz im Geräteinneren eine echte Herausforderung, schließlich ist für Lüfter kein Raum – außerdem käme so was aufgrund der Geräuschemissionen gar nicht erst in Frage. Daher führte man die Seitenwangen dicker aus und fertigte die Verzapfung der einzelnen Teile umschließend aus, so dass mehr Kontaktfläche und damit ein besserer Hitzeabfluss garantiert sind.

Maschinenbauqualität

Stichwort Verzapfung: Bei AVM ist man besonders stolz auf das schraubenlose Design, und selbstverständlich ist auch der CS 2.2 so gebaut, dass kein Schraubenkopf den ästhetisch anspruchsvollen Blick stört. Laut Udo Besser war auch dies wegen der Platzverhältnisse und konstruktiven Neuerungen eine Herausforderung – aber eine, die mit Bravour gelöst wurde, denn die Verarbeitung und das Finish sind, wie von AVM gewöhnt, erstklassig. Solch seidig-glatte Gehäuse mit makellosem Finish findet man selten.

AVM Inspiration CS 2.2

Die Frage nach den Details dieser Verarbeitungstechnik beantwortet Udo Besser allerdings nur mit einem Lächeln und Schweigen. Auch das Anfassgefühl des (inklusive der Achse) aus einem Stück Aluminium gedrehten Lautstärkereglers ist superb, er läuft fast widerstandslos und beim Dreh gegen den Uhrzeigersinn geschwindigkeitsabhängig – ein nettes Detail. Sinnvollerweise bietet er diese Dynamik nicht beim lauter machen, denn angesichts der gebotenen Leistung könnte man sich schneller von seinen Lautsprechern verabschieden als man „Ach verdammt!“ denken kann. Alle Teile, sogar die SMD-Platinen, werden in Deutschland gefertigt und bestückt. Die meisten Teile kommen sogar aus Malsch, Baden-Baden und Umgebung. So ist es einfach, eine gleichbleibend hohe Qualität der zugelieferten Komponenten zu sichern, man kennt und schätzt sich schließlich – versuchen Sie das mal bei aus Fernost zugelieferten Teilen. Regional verbundenere Wertschöpfung ist in dieser Branche wohl kaum möglich, und dass man bei AVM dennoch preislich auf dem Boden bleibt, ist aller Ehren wert und ein starkes Argument für „Made in Germany“.

Offene Beziehung

Wie bereits gesagt ist es eine der größten Herausforderung gerade von hochwertigen HiFi-Produkten, mit der immensen Geschwindigkeit der Entwicklung von Technologien und Standards (vor allem) im Digitalbereich mitzuhalten. Offene Architekturen und flexible Programmierung sind gefordert, und das ist ein weiterer Punkt, in dem AVM seine Hausaufgaben gemacht hat. Im Prinzip kann man beim CS 2.2 (und seinen Geschwistern) alles upgraden und auf den neuesten Stand des Marktes bringen. AirPlay zum Beispiel fehlt noch im Portfolio der möglichen Schnittstellen – laut Udo Besser mit entsprechendem Software-Update aber auch kein Problem. Denn gerade hat er per USB-Stick das neueste Firmware-Update auf mein Testgerät gespielt, und das ermöglicht die einfache Erweiterung um neue Formate.

AVM Inspiration CS 2.2
Immer einen Stick auf Tasche: Udo Besser mit neusten Updates

AVM Inspiration CS 2.2
Nachdem der Stick am Geräteheck an die entsprechende Schnittstelle gesteckt wurde, braucht's fürs Update nur noch einen Knopfdruck

Jetzt schon streamend abspielen kann der CS 2.2 quasi alles, was wichtig ist, von AAC über AIFF, ALAC, WAV, FLAC und OGG Vorbis bis hin zu WMA, und zwar bis zu 192 kHz/32 Bit über die LAN-Verbindung. Eine Ausnahme ist ALAC, hier geht es nur bis 92 kHz/24 Bit, jedoch arbeitet der CS 2.2 mit Upsampling auf 192 kHz/24 Bit – auch mit dem Signal des integrierten CD-Players wird so verfahren.

Er unterstützt UPnP 1.1-, UPnP AV- und DNLA-kompatible Medienserver ebenso wie Windows Media Connect Server (WMDRM 10). Daten liest der kleine AVM per LAN oder WLAN von der NAS oder per Digitaleingang, von dem es jeweils einen optischen, einen koaxialen und einen als treiberlose USB-Buchse ausgeführten gibt. Warum letztere nur Signale bis 48 kHz/16 Bit akzeptiert, ist mir nicht so ganz verständlich. Eine weitere USB-Buchse ist dem Aufspielen von Updates vorbehalten. Dies geht mit der neuesten Firmware zwar auch via Internetserver, jedoch möchte man bei AVM auf Nummer sicher gehen und eine Hardware-basierte Updatelösung anbieten – das ist zuverlässiger, da keine Verbindung abbrechen kann, während das Update läuft. Und sollte man, aus welchem Grund auch immer, den CS 2.2 in einem nicht mit dem Internet verbundenen Netzwerk betreiben, so kann man ihn dennoch einfach auf den neuesten Stand bringen.

AVM Inspiration CS 2.2
Noch im Beta-Stadium: Die AVM-Smartphone-App

avm ferbedienung
Serienmäßig anbei: Ein hochwertige Fernbedienung mit Farbdisplay und Ladestation

Auch sonst gibt sich der CS 2.2 offen für fast alles. Neben den digitalen Ein- gibt es auch ebensolche Ausgänge (koaxial und optisch). Auf der analogen Ebene ist ebenfalls alles vorhanden, was das Herz begehrt: Drei Hochpegeleingänge, ein Phonoeingang, der MM und MC aufbereiten kann, ein Line-Out und ein regelbarer Ausgang stehen als Cinchbuchsen zur Verfügung, und wie bereits erwähnt befindet sich auf der Frontplatte eine 3,5-mm-Klinkenbuchse zum Anschluss eines Kopfhörers. Gesteuert werden kann die Anschluss- und Funktionsvielfalt des CS 2.2 übrigens einwandfrei über die solide, serienmäßig beigelegte Fernbedienung RC 9, die mit einem Farbdisplay und Ladestation daherkommt. Sie funktioniert über Funk UND Infrarot, so dass eine Sichtverbindung nicht zwingend notwendig ist. Noch im Beta-Stadium befindet sich die AVM-Smartphone-App, die Udo Besser mir während seines Besuchs bei mir zuhause demonstrierte. Bis auf kleinere noch vorhandene Bugs sieht das sehr intuitiv bedienbar und optisch ansprechend aus.

AVM Inspiration CS 2.2

 

 

 

 

 

Im Test:

Compact Streaming-CD-Receiver:
AVM Inspiration CS 2.2

UVP: 4.490 Euro

Hersteller/Vertrieb:
AVM GmbH

Web:
www.avm-audio.com
eMail:
info@avm-audio.com
Telefon:
+49 (0) 7246 4285


 

Equipment:

Tonabnehmer:
Transfiguration Phoenix

Plattenspieler:
VPI Scout II

Phonostufe:
Sonneteer Sedley USB

Streamer und Vorverstärker:
Linn Majik DSM

Endverstärker:
AVM MA 3.2

Lautsprecher:
Lansche Audio 3.0

Kabel:
fastaudio Black Science Phonokabel, Audioquest Yukon Cinchkabel, Audioquest Rocket 88 und Nordost Heimdall 2 Lautsprecherkabel, Audioquest NRG-2 Netzkabel, Audioplan Powerstar

Zubehör:
fastaudio Absorber, Acoustic System Resonatoren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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