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Klang: AVM Inspiration CS 2.2

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  1. 2 Klang: AVM Inspiration CS 2.2

AVM Inspiration CS 2.2

Richtig voll also, der Kleine. Man muss es sich noch mal auf der Zunge zergehen lassen: Zwei mal 165 Watt warten an den Ausgangsbuchsen des CS 2.2 auf jede noch so schwierige Belastungsprobe – und ich bin ziemlich sicher, dass es kaum eine Aufgabe gibt, der die Class-D-Endstufen nicht gewachsen sein dürften.

Mit den Lansche Audio 3.0 jedenfalls harmoniert der AVM CS 2.2 vollkommen problemlos. Nicht, dass ich etwas anderes erwartet hätte, aber angesichts des Preis- und Volumengefälles könnten einen ja durchaus Zweifel befallen, ob diese Kombination so eine gute Idee ist. Aber von Anfang an macht die „Kompaktanlage“ klar, dass es eine ihrer größten Stärken ist, dass sie nichts falsch macht, sondern höchstens alles nur etwas weniger gut als die großen Endstufengeschwister MA 3.2 aus der Evolution-Serie, die die Lansche bei mir normalerweise antreiben. Beleuchten wir also zuallererst mal, wie sich die Endstufensektion des CS 2.2 gegen ihre großen, freistehenden Geschwister schlägt …

David gegen Goliath

Der AVM-Familienklang ist jedenfalls schon mal eindeutig da: Sauber, neutral bis zur Nüchternheit, recht hoch auflösend strömt die Musik aus Membranen und Lichtbogen des Ionen-Hochtöners, nur im Tiefbass fehlt die schraubstockartige Kontrolle der MA 3.2. Mit denen atmet die Musik noch mehr und steht größer und realistischer zwischen den Lautsprechern, mit deutlicherer dreidimensionaler Staffelung. Allerdings kostet so ein AVM MA 3.2-Endstufen-Pärchen alleine schon mehr als der CS 2.2, man muss die Kirche eben im Dorf lassen. Da ist es auch vollkommen verständlich, dass die All-in-One-Alternative auch etwas weniger gut im Herausarbeiten von komplexen Details und vielschichtigen Schallereignissen ist, räumlich eher kompakt und ohne ultraweit ausufernde Räume zwischen den Instrumenten, dabei aber sehr aufgeräumt und konzentriert spielt.

rage against the machineDer Basslauf und die Hintergrundgeräusche im Studio zu Anfang von Rage Against The Machine’s „Bullet In The Head“ zum Beispiel sind mit den Monos prononcierter beziehungsweise einfach besser hörbar, und die MA 3.2 lassen auch insgesamt tiefer in die Aufnahme schauen – wobei das in diesem Fall eventuell schon zu viel des Guten sein kann, denn die griffigere und kompaktere Darstellung und der etwas weniger präzise modellierte Bass des CS 2.2 wirken zumindest bei dieser Aufnahme runder und dadurch auch druckvoller, da sich weniger Aufmerksamkeit auf das Aufdröseln der komplexen Schallereignisse im unteren Frequenzband richten muss.

Dennoch ist der geslappte Bass zu Beginn von „Take the Power Back“ ebenso wie das lockerer aufspielende Schlagzeug im selben Track mit den Monos ein noch schmackhafterer akustischer Leckerbissen, an dem sich die bordeigene Endstufe des CS 2.2 in Sachen Auflösung und Feindynamik etwas die Zähne ausbeißt – wie gesagt sollte man immer die Preisbeziehung der beiden Gerätschaften im Hinterkopf haben, und was der CS 2.2 in Anbetracht dessen liefert, ist aller Ehren wert.

Man muss des Weiteren bedenken, dass mit weniger extrem auflösenden und dreidimensional abbildenden Lautsprechern wie den Lansche Audio 3.0 die leichten Fehlbarkeiten des CS 2.2 auch viel weniger auffallen würden. Eine erstklassige Kombination dürfte der AVM zum Beispiel mit den farbstark spielenden, aber ebenfalls stets neutral klingenden Dynaudio Excite X38 abgeben – da bin ich mehr als sicher! Doch schon die Performance des CS 2.2 als Streaming-DAC und Vorstufe im Vergleich zu meinem Linn Majik DSM gibt mir einen wertvollen Hinweis darauf, wie meine MA 3.2 mit den hauseigenen Vorstufen aus der Evolution-Familie klingen könnten – besonders ein Versuch mit der mit Röhrenausgangsstufe versehenen PA 5.2 würde mir nun ziemlich unter den Nägeln brennen, oder eben mit der für den Herbst angekündigten Streaming-DAC-(Röhren-!)Vorstufe SD 5.2 … Mal sehen.

AVM Inspiration CS 2.2

Lösen wir uns von diesem unfairen Vergleich und richten unser Augenmerk auf das, was der AVM CS 2.2 „absolut“ drauf hat:

Seine Qualitäten schöpft er nicht aus effekthaschenden Glanzlichtern, sondern aus dem Streben nach Neutralität, Kontrolle und vielseitiger Kombinierbarkeit inklusive schwierig zu treibender Lautsprecher. Im Bass geht er tief, druckvoll und ohne Anzeichen von Kurzatmigkeit runter. Im Mittelton gibt es nichts zu vermelden, was von der Ideallinie abweichen würde, Stimmen klingen ausgewogen, Bläser haben Attacke und Biss, und im Hochton ist die Auflösung für die Preisklasse sehr gut. In Sachen Abbildung bleibt der AVM eher kompakt, aber sauber und aufgeräumt, realistisch breit, aber weder nach vorne noch nach hinten mit extremer Weite. Dynamisch kann es der CS 2.2 richtig krachen lassen, wirkt dabei aber niemals ungelenk, sondern kann auch die leisen Zwischentöne glaubwürdig und genussvoll rüberbringen.

Deutschland vs. Schottland

Wie schon angedeutet, spielt sich der AVM CS 2.2 einen klanglichen Vorsprung gegenüber meinem Linn Majik DSM (3.500 Euro, ohne CD-Spieler) heraus. Der ist ein bestens beleumundetes Gerät aus gutem Hause und hat mir immer treue Dienste geleistet, doch im AVM CS 2.2 findet auch die für sich genommen sehr gute Streaming/DAC/Vorstufen-Sektion des Linn ihren Meister (mit der Endstufensektion des Majik hadere ich ja schon seit dem Test der Guru QM10Two ein bisschen).

jamey haddadsMit dem deutschen Musterschüler sind im Streaming-Betrieb die Lebendigkeit gerade im Präsenzbereich und Hochton sowie die Dynamik im Bassbereich einfach noch ein bisschen besser, deutlich wahrnehmbar mit Jamey Haddads Explorations in Time and Space und seinen realistisch eingefangenen Percussionelementen. Tonal klingt der AVM etwas analytischer als der Schotte, löst besser auf und zeigt höhere Dynamik– und Lautstärkereserven.

Michel Jonasz liefert hierfür ein ums andere Mal mit „Le Temps Passé“ im wahrsten Sinne des Wortes schlagkräftiges Argumentationsmaterial: Mit dem AVM schieben die großen Drums und der Synthiebass tiefer und körperlich spürbarer aus den 20er-Bässen der Lansche – so wird das Live-Spektakel zur michel jonaszganzheitlichen Erfahrung. Obenrum funkelt der AVM schöner, während der Linn einen ganz dünnen Seidenschleier überzieht und auch etwas grobkörniger wirkt. In Sachen räumlicher Ordnung und Klarheit der Abgrenzung spielen beide auf annähernd gleichem Niveau, mit leichten Vorteilen für den Majik DSM nur in Sachen Tiefenstaffelung.

Test: AVM Inspiration CS 2.2 |

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